|
ZU
DEN VERBINDUNGEN ZWISCHEN „ODYSSEE DER
MORGENRÖTE“, „HARMATTAN“ UND DEM MANÖVER „SÜDLICHER
MISTRAL“ GEGEN LIBYEN
von
Dr. Leyde Ernesto Rodríguez Hernández
(Hochschulinstitut
für Internationale Beziehungen Kubas)
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Havanna,
23. März 2011, Cubadebate. (auf Kommunisten-online am 25. März 2011)
– Keinesfalls ist die US-Regierung nur ein Partner mehr bei der
Aggression gegen Libyen durch einte Gruppe imperialistischer Länder.
Das Pentagon erkannte sehr wohl seine zentrale Funktion bei der
Koordinierung und Führung einer Kriegsstrategie, die auf den Namen
„Odyssee der Morgenröte“ getauft worden war.
Die
„Odyssee der Morgenröte“ ist auch der Krieg, welcher durch die
Bombenangriffe der französischen Kriegsflugzeuge bei Anbruch des 19. März
2011 mit der „Operation Harmattan“ eingeleitet worden war. Das ist
die Auseinandersetzung, welche Nicolás Sarkozy vor dem Hintergrund von
Wahlen und kaum noch Rückhalt in der eigenen Bevölkerung brauchte.
Diese Aggression wurde dank des grünen Lichts von Barack Obama, den
Leistungen des zum Diplomaten gewordenen Philosophen Bernardo-Henri Lévy,
des aktiven Engagements von Außenminister Alain Juppé und der
konservativen britischen Regierung ausgelöst.
Dieser
neuerliche imperialistische Krieg im 21. Jahrhundert war mindestens seit
der Unterschrift unter den britisch-französischen Vertrag über militärische
Zusammenarbeit vom 2. November 2010 in Vorbereitung. Jener Militärpakt
zielt auf einen großangelegten organisierten militärischen Einsatz
dieser beiden imperialistischen Mächte vom 15. bis 25. März 2011 gegen
ein mit „Südland“ getarnt benanntes Land mit einer von einem
„diktatorischen Regime“ geschlagenen Bevölkerung südlich des
Mittelmeers. Das Militärmanöver, welches den Weg für eine starke
militärische Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Großbritannien
freimachte, trug den Chiffre-Namen „Südlicher Mistral“. Von daher,
um Libyen anzugreifen, fehlte lediglich ein Vorwand mit starker Überzeugungskraft
und dem Mäntelchen eines humanitären Charakters, was die Schaffung
einer westlichen Koalition d.h. die Annahme eines Beschlusses des
UN-Sicherheitsrates begünstigen sollte, der alle Mächte sowie die für
den vom imperialistischen Länderbündnis vorgebrachten Plan Partei
ergreifenden arabischen Regierungen und Einrichtungen mitreißen sollte.
Derzeit
ist die Aggression gegen Libyen eine geschehene Tatsache. Mehr als 20
Ziele wurden von den Kriegsschiffen und U-Booten aus den USA und Großbritannien
getroffen, welche in nur wenigen Stunden einen Regen von über 110
Raketen vom Kreuzer Tomahawk aus auf Libyen niedergehen ließen. Damit
verursachten sie schreckliche Schäden an Leib und Leben und an der
Infrastruktur Libyens. Von der Leichenhalle des Krankenhauses Jala in
Bengasi kamen einige Fotos von schon getöteten Anhängern Muammar
Gaddafis. Dies laut AP und dem Programm vom „Krieg live“ auf einem
Kanal von Justen TV im Internet. Einige Medien der europäischen und
US-Pressekonzerne behaupteten, dass die Gefallenen wahrscheinlich Söldner
sind. Aber es gibt dort Fotos von verwundeten und getöteten Kindern,
die man wohl schwerlich als „Anhänger von Gaddafi“ bezeichnen kann.
Welches
Ziel hat die Intervention? Zivilpersonen zu schützen? Oder Gaddafi von
der Macht entfernen? Diese Frage stellte ein Journalist auf einer
Pressekonferenz der US-Außenministerin Hillary Clinton. Clinton
reagierte zynisch: „Schutz der libyschen Zivilpersonen vor dem Angriff
ihrer eigenen Regierung.“ Aber die Wirklichkeit sagt etwas ganz
anderes aus. Damit wird die politische Unmoral und Unverantwortlichkeit
der USA und ihrer westlichen Verbündeten in diesem Krieg entblößt.
Hunderte
von Zivilpersonen, darunter Frauen und Kinder sowie alte Leute, starben
durch die „Bomben der Freiheit“ und der „Demokratie“ der NATO.
Dieselben Bomben, welche täglich in Afghanistan oder Pakistan fallen,
um diese Völker vom Terrorismus und der Unterdrückung zu befreien.
Dieselben Bomben, die dem Irak die Freiheit auf Kosten von etlichen
hunderttausenden Toten brachten. Aber dieser Blutstrom, was eine
wirkliche Barbarei ist, wird vom Westen mit seiner Auffassung von „Kollateralschäden“
zum Nutzen einer vermeintlichen Freiheit gerechtfertigt, die in
Wirklichkeit nicht bei den Ländern des Südens ankommt, auch wenn dazu
Bomben mit Markenzeichen USA, Frankreich und Großbritannien dienen
sollen.
George
W. Bush und José Maria Aznar regieren nicht mehr in ihren jeweiligen Ländern,
aber die Fortsetzung ihrer Politik und das ideologische Vermächtnis der
„Kriege ohne Ende“ geht weiter und bewegt die Kriegstrommeln gegen
die Länder an der kapitalistischen Peripherie. Die Aggression gegen
Libyen enthüllt, dass Barack Obama die alte Eroberungspolitik der USA
repräsentiert. Die einst von Bush betriebene Politik des
„Regimewechsels“ bleibt intakt. Der feinfühlige „Imperator“
Barack Obama hat seinen Kriegsstempel trotz Friedensnobelpreis gezeigt.
Die
außenpolitischen Handlungen der Regierung von Barack Obama streben
danach, das gegenwärtige System der weltweiten Vormachtstellung der USA
in seiner unipolaren Ausrichtung und ohne jegliches EU-Gegengewicht
aufrecht zu erhalten. Die EU wird ohne Konsens auch zu einem Werkzeug
der geo-wirtschaftlichen und militaristischen Interessen der USA im
weltweiten Maßstab.
Mit
ihrer militärischen Übermacht versuchen die USA, Frankreich und Großbritannien,
die Welle fortschrittlicher Volksaufstände in den arabischen Ländern
einzudämmen. Sie wollen die ihnen nicht genehmen Regierungen
beseitigen, und zwar unabhängig von ihrer politischen, philosophischen
oder religiösen Ausrichtung. Sie wollen die wachsenden objektiven eine
Multi- und Pluripolarität begünstigenden Tendenzen umkehren. Sie
wollen die neue internationale Rolle minimieren, welche Länder wie
Brasilien, Indien, Südafrika, Venezuela, Russland, China und Iran im
derzeitigen Weltsystem spielen könnten.
Genau
deswegen steht die Politik von Obama den Interessen der nach einer Welt
ohne imperialistische Vorherrschaft im 21. Jahrhundert strebenden Länder
diametral entgegen. In Lateinamerika verstärken die USA die
Medienkampagnen gegen die kubanische Revolution und die Drohungen gegen
Venezuela und Bolivien. Diese Länder werden von den
Geheimdienststrategen in Washington als eine Bedrohung für die
US-Interessen auf dem Kontinent gehalten. Auf eine unglaubliche Art und
Weise bleibt Kuba weiterhin auf der Liste Washingtons der
terroristischen Länder stehen, wo doch von Washington aus hunderte
terroristische Handlungen gegen die größte Antilleninsel Kuba
finanziert und organisiert worden sind, ausgeführt von terroristischen
Organisationen mit Sitz in Miami. Aber die USA haben ihre eigenen
Terroristen stets als „Kämpfer für die Freiheit“ überall in der
Welt betrachtet.
Onkel
Sam unterstützt auch die reaktionären Kräfte, die sich den Projekten
der Integration und den demokratischen Regierungen der Region
entgegenstellen. Es wird beabsichtigt, Brasilien und seine unabhängige
Außenpolitik zu neutralisieren. Washington arbeitet mit aller Kraft
daran, das finstere Bild seiner militärischen Interventionspolitik in
Lateinamerika aufzupolieren. Und Washington benutzt das Charisma von
Obama, um eine „neue Politik“ für die Region mit demagogischen
Reden in Brasilien, Chile und El Salvador vorzubringen. Es wird
beabsichtigt, die alten „Allianzen für den Fortschritt“ wieder
aufzulegen, ganz im Stil des Zeitalters von Kennedy, um die Morgendämmerung
der ALBA-Staaten und all jener zu stoppen und zu behindern, die eine
Zukunft ohne Unterordnung unter die US-Vorherrschaft anstreben.
Theoretisch
äußert die Rede von Barack Obama, dass die neuen militärischen und
nationalen Sicherheitsstrategien der USA sich auf die Zusammenarbeit und
das Zusammenwirken vieler Seiten richten. Aber in der Praxis halten die
USA am Ziel fest, ihre Interessen durch machtvollen Einsatz militärischer
Gewalt durchzusetzen, wie es die Bombenangriffe zur Einmischung und zum
Wechsel des Regimes in Libyen zeigen. Libyen ist Mitgliedsstaat der
OPEC, der Organisation Erdöl exportierender Länder. Libyen besitzt die
größten in Afrika nachgewiesenen Erdölreserven: 44 Milliarden Barrel
Erdöl. Dazu etwas mehr als 54 Billionen Kubikmeter Erdgas. Dies stellt
klar den einzigen wirklichen Beweggrund für die militärische
Intervention der imperialistischen Mächte und ihr Eingreifen in die
innere Auseinandersetzung dar, welche Libyen ereilt hat.
Am
meisten besorgniserregend ist bei all dem die Passivität der
sogenannten „Weltgemeinschaft“, ihrer fortschrittlichen und links
stehenden Kräfte, die sich nicht gegen den Krieg, das Leiden und
Massakrieren anderer Völker aufgrund des imperialistischen Militarismus
mobilisiert haben. Die Kriegshandlungen Frankreichs in Afghanistan haben
54 Franzosen ihr Leben gekostet und Kosten von ca. 700 Millionen Euro
pro Jahr verursacht. Zur selben Zeit können die Terroristen der
israelischen Armee weiterhin Palästinenser völlig straffrei umbringen,
denn sie wissen, dass ihre Freunde von der „Weltgemeinschaft“ und
der UNO sie nicht behelligen werden. Wenn es überhaupt mal sporadisch
zu einem UNO-Beschluss kommen sollte, dann wissen wir, dass er nie von
Israel beachtet werden wird.
In
diesem Moment bemerke ich die politische Verantwortungslosigkeit des
neuerlichen imperialistischen Kriegs, der sich gegen Libyen richtet.
Dies möglicherweise seit dem Unterzeichnen der französisch-britischen
Militärabkommen von 2010 und der Realisierung einer vollständigen
Kriegsstrategie nach den „Südlicher Mistral“ genannten Militärmanövern.
Leider,
am Schluss dieses Artikels, setzte die französische Luftwaffe ihre
brutale Luftoffensive gegen Libyen fort. Und die britischen Streitkräfte
werfen 40 Bomben auf einen Flughafen, welchen sicherlich niemand von
diesen beiden Ländern wiederaufbauen wird. Weil wie wir wissen, die
Senkung der Haushaltsausgaben und die Wirtschaftskrise sie daran
hindert, Geld in das Gesundheitswesen, in Bildung und soziale Sicherheit
ihrer Völker zu investieren. Noch viel weniger werden sie sich dazu
verpflichten, durch ihre eigene Freiheit bringenden Bomben zerstörte
gesellschaftliche Einrichtungen wiederaufzubauen.
Bis
hierher liegen einige Beweisstücke der fühlbaren Ergebnisse eines
militärischen Abkommens zwischen zwei imperialistischen NATO-Mächten
vor, welches bei seinem Abschluss nicht von den politisch friedliebenden
Kräften angeprangert wurde, wie es hätte sein sollen.
Anmerkungen
des Verfassers:
Zum
Namen des militärischen Einsatzes im Artikel «Libye: début des opérations
aériennes françaises», en sitio:http://www.defense.gouv.fr/actualites!
Parallel
dazu muß man sich daran erinnern, dass „Wüstensturm“ der Name war,
welcher in der Regierung von George Bush (Vater) vom Pentagon 1991 dem
Angriff gegen Irak zugeordnet wurde. Jener Einsatz fand auch durch ein
Manöver seinen Auftakt. Fast identisch mit „Südlicher Mistral“
wurde es damals einige Monate vor dem Krieg in Kuwait durchgeführt, und
zwar durch US-General Norman Schwarzkopf. Dazu der Artikel: „Démarrage
de l’exercice franco-britannique Southern Mistral”, in «Armée de
l’Air» sitio:http://www.defense.gouv.fr/air/actus-air/demarrage-de-l-exercice-franco-britannique-southern-mistral
Quelle:
http://www.cubadebate.cu/
zurück
|