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Der
skandalumwitterte Botschafter Russlands
in Libyen, Wladimir Tschamow,
über
denVerrat der Interessen Russlands
Quelle:
Moskowskij Komsomolez und muetter-gegen-den-krieg-berlin
Auf
Kommunisten-online vom 12. April 2011 –
Interview
zu den Materialien „MK“ vom 24. März 2011
Der
Botschafter Tschamow hatte unerwartet für sich selbst nach seiner
Entlassung aus dem Dienst am Vorabend der Abstimmung im Sicherheitsrat
der UNO zur Resolution 1973, die den Bombardierungen Libyens „grünes
Licht“ gab, Popularität erlangt.
Auf
dem Hintergrund der unglaublich scharfen Bewertung der Tätigkeit
anonymen Quellen aus dem Kreml zufolge (er hätte in nicht adequater
Form die Interessen Russlands im Libyenkonflikt vertreten, haben andere
Informationsquellen, die im Internet vertreten sind, die Information über
ein Kremltelegramm verbreitet, das an den Präsidenten gerichtet war und
für das der Botschafter nun bezahlen sollte.
Wie
der Blogger Detnix schrieb, unseren Recherchen zufolge Generalmajor ad
des FSB, (Föderaler Dienst für Sicherheit) hat Tschamow, nachdem er
erfahren hatte, dass wir Libyen der „Weltgemeinschaft“ preisgeben
wollen, an den Präsidenten ein Telegramm gesendet und
ihn einen Verräter genannt. „Es gibt bei uns noch wahre Männer!
Und solange sie leben, sind wir nicht verloren! Dieser Mensch weiß sehr
viel und er ist, wie man sieht, bereit , die Wahrheit zu sagen.“
Die
offizielle Variante der Entlassung Tschamows bezeichnet ihn „als
inkompetent“ Er habe demzufolge angeblich
„nicht adäquat die Interessen Russlands im Libyenkonflikt
vertreten“.
Erinnern
wir uns, dass Wladimir Tschamow vor Libyen während der heißesten Jahre
(2004-2008) im Irak gearbeitet hatte. Für die Arbeit im Irak wurde
Tschamow mit dem Orden für Tapferkeit ausgezeichnet. Als zweieinhalb
Jahre später Tschamow nach Libyen fuhr, haben seine Freunde gespottet
„Du suchst Dir schon Länder aus!“ Nun, Du wirst Dich ein wenig
erholen und im Meer baden“. Und jetzt erschien die Information, dass
der Außerordentliche Botschafter Tschamow nicht nur entlassen, sondern
aller Dienstgrade enthoben und aller Auszeichnungen verlustig gegangen
ist.
Den
Korrespondenten von „MK“ gelang es gleich nach der Landung von
Wladimir Tschamow ein Interview mit ihm zu machen :
Wie schätzen Sie Ihre Entlassung ein ?
Ich
werde die Handlungsweise des Präsidenten nicht kommentieren.
Sie schickten
Dmitrij Medwedjew ein Telegramm, in dem Sie ihn einen Verräter nannten.
Nein,
einen solchen Inhalt hatte es nicht.
Welchen Inhalt hatte es ?
Ich
sendete ein Telegramm, in dem ich unterstrich, dass ich in Libyen die
Interessen Russlands vertrete. Unsere Länder waren auf enge
Zusammenarbeit ausgerichtet und
es entspricht nicht den Interessen Russlands, einen solchen Partner zu
verlieren. Die russischen Industrieunternehmen haben für einige Jahre
im voraus sehr vorteilhafte Verträge für 10 Milliarden Euro
abgeschlossen, die sie verlieren könnten und die sie schon
verloren haben. Das kann man in bestimmter Weise als Verrat der
Interessen Russlands bezeichnen.
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Der
Führer der Dschamahirja Gaddafi unterdrückte sein Volk und
wahrscheinlich war eine diesbezügliche wirtschaftliche Erwägung nicht
angebracht?
Von
welcher Unterdrückung sprechen Sie, wenn in Libyen den Bürgern ein
zinsfreier 20-jähriger Kredit für den Hausbau gewährt wurde, der
Liter Benzin 10 Cent (3 Rubel auf unser Geld umgerechnet) kostete, also
fast überhaupt nichts, man einen neuen koreanischen Jeep des Typs KIA für
ganze 7,5 Tausend Dollar kaufen konnte? Jetzt gibt es dieses Land nicht
mehr.
Aber
es gab die Information, dass Gaddafi friedliche Demonstranten erschossen
hat !
Damit
muss man sich selbstverständlich speziell befassen. Eine internationale
Untersuchungskommission sollte zu unabhängigen Untersuchungen führen.
Gaddafi hat diese Kommission zugelassen. Aber
an dem Tag, als diese eintreffen sollte, begann das Bombardement.
Man hat ihr nicht gestattet, die Arbeit zu beginnen. Wenn Gaddafi
Tausende friedliche Demonstranten erschossen hat, muss man die
Kommission das beweisen
lassen können !
Haben Sie sich mit Gaddafi getroffen?
Ja.
Wir haben uns ziemlich oft getroffen. Er hat mich, den indischen und
chinesischen Botschafter vor einer Woche eingeladen und bat uns, die
Position unserer Länder zu erkunden.
Welchen Eindruck hat bei Ihnen Gaddafi hinterlassen
?
Verzeihen Sie die Frage: ist er ein kluger Mensch?
?
Ja,
auf jeden Fall.
Erscheint er Ihnen nicht extravagant?
Aber
das hat auf seine für die Arbeit notwendigen, Qualitäten keinen
Einfluss. Man darf nicht vergessen, dass dieser Mann in den 70iger
Jahren während der Zeit der Libyschen Revolution das amerikanische
Militär von der Küste Libyens mit seiner Militärbase Ulusfind
(gemeint ist sicher die Wheelus Air Force Base, d. Übers.)
verjagt hat. Das können sie (die USA, d. Übers.) bis heute nicht verzeihen. Gaddafi verhält sich
absolut der Lage entsprechend. Als wir uns das letzte Mal trafen, war er
ruhig und verstand, was zu tun ist.
Wie lange kann sich das Regime Gaddafi
halten?
Drei-vier
Monate. Genau so lange, wie die Lebensmittelvorräte reichen. Gegenwärtig
sind alle Lieferungen aus der Luft und vom Meer blockiert.
Sie denken, dass es einen langwierigen Krieg
wie im Irak in Libyen nicht geben wird
?
Ich
glaube nicht.
Wie werden sich Ihrer Meinung nach die Ereignisse
weiterentwickeln ?
Ich
fürchte, dass nach Libyen sehr schnell Syrien ins Kreuzfeuer gerät und
dann auch andere Staaten
Asiens.
Und trotzdem, was war der Grund Ihrer
Abberufung ?
Alles
steht in dem Erlass. Die Details kenne ich selbst nicht. Das werde ich
jetzt erfahren. In vielem halte ich die Entscheidung des Präsidenten für
richtig. Und zwar aus folgenden Gründen: Wenn ein Krieg ausgebrochen
ist, wenn man Menschen tötet, dann haben die Diplomaten ausgespielt.
Die Diplomaten müssen für den Frieden kämpfen. Das sind vernünftige
Begründungen.
Hätte Russland den Krieg aufhalten können
?
Allein
schwerlich. Da wäre eine Block notwendig gewesen mit China, Indien....
Sie meinen, dass Russland sein Veto hätte
einlegen können?
Das
ist nicht meine Sache. Das ist eine Angelegenheit der UNO.
Worüber haben Sie noch nach Moskau
geschrieben?
Ich
habe das berichtet, was mir die libysche Regierung mitgeteilt hat, die
mich beständig anrief. Leider entwickelt sich die Situation zum
schlimmsten Szenario. Die Flüge werden verschärft. Am 1. Tag wurden 48
Menschen getötet. Und alles spitzt sich zu. Die Residenz Gaddafis
befindet sich im Zentrum der Stadt und ist von Wohnhäusern umgeben. So
sind Opfer unausweichlich.
Putin nannte die Handlungen der Koalition einen
„Kreuzzug“. Sind Sie einverstanden mit dieser Feststellung
?
Wladimir
Wladimirowitsch hat, was mir besonders an ihm gefällt, eine sehr klare,
kurze und umfassende Aussage getroffen. Hier ist er, glaube ich, der
Wahrheit sehr nahe gekommen.
PS:
Der Ex-Botschafter Russlands in Libyen, Wladimir Tschamow, dem man
dieser Tage von seinem Diplomatenposten abberufen hat, wird seine Tätigkeit
im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der Russischen Föderation
fortsetzen
Quelle:
Moskowskij Komsomolez : „Skandalno nisloschennyj posol Rossii w Liwii,
Wladimir Tschamow, dal eksklusiwnoje interview“
„MK“vom
23.03.2011
Übersetzung
aus dem Russischen: Brigitte
Queck |