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Kommunisten-Online
veröffentlicht nachfolgend die Übersetzung eines von dem
kubanischen Journalisten Oliver Zamora Oria geführten
Exklusiv-Interviews des Präsidenten des Kubanischen
Parlamentes, Genossen Ricardo Alarcón de Quesada, für
CUBADEBATE, welches am 3. April 2010 veröffentlicht wurde. Die
Hervorhebungen im Fettdruck stammen aus dem Originaltext, die
Anmerkungen zum besseren Verständnis für die nichtkubanische
Leserschaft stammen von Jens-Torsten Bohlke. Dabei btten wir
nachdrücklich darum, bei Weiterveröffentlichung des übersetzten
Textes immer auch die Originalquelle anzugeben (Quelle:
CUBADEBATE, in: unsere URL) |
Exklusiv-Interview
für CUBADEBATE von Genosse Ricardo Alarcón, Präsident des Kubanischen
Parlaments über die Wurzeln der jüngsten Medienkampagne gegen Kuba vom
3. April 2010
„DAS
WESENTLICHE VON ANFANG AN WAR, EINE OPPOSITION ZU SCHAFFEN UND SIE MIT
PROPAGANDA AUFZUPÄPPELN“
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Frage:
1991 gab die US-Regierung eine Sammlung von Dokumenten mit Bezug auf
Kuba im Zeitraum von 1958 bis 1960 frei. Einer jener Texte bildet den
Ursprung der jüngsten Medienkampagne gegen Kuba.
Ricardo
Alarcón: Dieses umfangreiche Buch wurde vom US-Außenministerium 1991
veröffentlicht. Auf der Seite 850 findet sich das Dokument 481. Es ist
das Programm der verdeckten Aktivitäten gegen das
Castro-Regime, wie dort die Kubanische Revolution genannt wird. Der größte
Teil des Textes bleibt ausgeklammert und wird somit immer noch
geheimgehalten. Aber ich werde mal vorlesen, was diese drei Zeilen
aussagen: Das erste Erfordernis ist die Schaffung einer
kubanischen Opposition gegen das Castro-Regime. Und das zweite ist die
Entfaltung einer machtvollen Propaganda-Offensive im Namen jener
Opposition, um sie in alle Öffentlichkeit zu bringen.
Wie
es sich hier darstellt, enthält das Programm der verdeckten
Aktivitäten vier grundlegende Abschnitte. Etwas vom ersten und
zweiten Abschnitt wird freigegeben, der dritte und der vierte Abschnitt
sind noch immer unter Geheimhaltung. Welche Teufel stecken da drin? Mit
anderen Worten: Dieses Dokument ist bedeutsamer durch das, was es nicht
aussagt, denn durch jenes, was es aussagt. Laut ihnen selbst dort gibt
es viel mehr Inhalt des verdeckten Operationsprogramms, der nicht
freigegeben wurde. Aber was es aussagt, ist schon sehr enthüllend.
Die
Grundlage des Plans besteht im Schaffen einer Opposition. Und an zweiter
Stelle steht eine machtvolle Propaganda-Offensive, um diese Opposition
stark zu machen. Kommt dir das nicht vertraut vor? Wir sprechen vom März
1960. Es ist hochinteressant zu sehen, was sich ereignete, als dieses
Programm im Weißen Haus diskutiert wurde. US-Präsident Eisenhower ließ
alle anwesenden Mitglieder des Nationalen Sicherheitsrates der USA schwören,
niemals zuzugeben, es gelesen und gehört zu haben. Aber am folgenden
Tage rief der US-Präsident den CIA-Direktor zu sich und wies ihn an, daß
er niemals wieder Dokumente über die verdeckten Handlungen gegen Kuba
zu den Sitzungen des Nationalen Sicherheitsrates mitnehmen sollte. Nur
mit dem US-Präsidenten sind sie zu besprechen. Schlußfolgerung daraus:
nicht mal Gott weiß, wieviele andere Dinge da im Dunkeln liegen. Aber
das Wesentliche von Anfang an war, eine Opposition zu schaffen und sie
mit Propaganda aufzupäppeln.
Frage:
Waren denn das die ersten verdeckten Pläne der US-Regierung gegen
Kuba?
Ricardo
Alarcón: Erinnere dich mal. Als der Vater der kubanischen Heimat*
schrieb, daß das Geheimnis der US-Politik ist, sich Kubas zu bemächtigen.
Dies steht in einer Botschaft an die kubanischen Emigranten in New York
über die Wichtigkeit der Solidarität des Volkes der USA. Aber er
empfiehlt ihnen, wachsam gegenüber der Regierung der USA zu sein.
Warum
kommt er zu dieser Schlußfolgerung? Spanien versorgte damals seine
Schiffe in den USA. Es benutzte US-Häfen, um die Seeblockade gegen Kuba
zu organisieren. So behinderten sie die Hilfe der Emigrierten für die
Patrioten auf der Insel Kuba und das Vorankommen vom Osten in den
Westteil Kubas.
Die
Patrioten mußten sich der Verfolgung und Inhaftierung aussetzen. In
etlichen Dokumenten, welche US-Präsident Ulysses Simpson Grant*
dem
Kongreß vorlegte, beleidigte und bedrohte er die kubanischen
Emigrierten und bestätigte er, daß ihnen die schwerstgen Strafen
auferlegt würden, wenn sie irgend etwas gegen seinen Verbündeten
Spanien zu unternehmen beabsichtigen.
Mit
José Martí sollte sich dasselbe wiederholen. Erinnern wir uns an La
Fernandina und die Beschuldigungen. Wir Kubaner und Lateinamerikaner
sollten ständig erneut den Artikel „Verteidigung Kubas“ lesen*.
Immer
versuchten die USA, die kubanischen Emigrierten niederzuschmettern und
zu unterdrücken. Demgegenüber, was sehr wichtig war, gingen sie ab
1959 daran, die Batista-Anhänger zu organisieren. Teil dieses Plans ist
auch die Organisierung von Gruppen der Exilkubaner, deren Hauptfunktion
darin bestehen wird, als Bemäntelung für die Oppositionstätigkeit
innerhalb Kubas zu dienen.
Die
Geschichte der USA in Bezug auf Kuba ist die eines aggressiven Landes,
welches stets versucht hat, Kubas Volk zu unterwerfen und es außerdem
verachtet hat. Dies sagte zu seiner Zeit Céspedes. Dies sagte zu seiner
Zeit Martí, jener Kubaner, der die USA am besten kannte, und der den
Großteil seines Lebens dort verbrachte.
Frage:
Warum wird ein so geheimes Dokument vierzig Jahre später bekannt
gemacht?
Ricardo
Alarcón: Erinnere dich mal an das Datum. 1991 war der Zusammenbruch des
sozialistischen Weltsystems eine Tatsache. Viele waren davon überzeugt,
daß die Tage der Kubanischen Volksrevolution gezählt sein würden. Als
sie damals den Einsturz erwarteten, begannen sie Informationen zu veröffentlichen,
die heute für jederman zugänglich sind.
Frage:
Die Logik besagt, daß wenn eine Strategie keine Ergebnisse erbringt,
sie gewechselt wird. Warum ist dies nicht mit der Politik der verdeckten
Handlungen gegen Kuba nach fünfzig Jahren geschehen?
Ricardo
Alarcón: Der mexikanische Schriftsteller Octavio Paz, der weder ein
Mann der Linken noch Sympathisant der Kubanischen Revolution war,
definierte ein Mal die US-Politik mit zwei Worten: Arroganz und
Ignoranz. Und diese Kombination hat sie dazu gebracht, in gescheiterter
Politik und Haltung zu verharren.
Kuba
ist eine kleine Insel im Visier der USA seit den Gründerzeiten der USA.
Sie haben uns immer als eine Kolonie, einen Untergebenen betrachtet.
Dies ist in der Geschichte von Jefferson bis Obama bewiesen. Denn wenn
Obama nachsucht, daß Kuba auf diese oder jene Art existiert, dann
handelt er dabei derzeit so, als wäre er der Herr dieses Landes Kuba.
Jefferson wollte sich Kubas bemächtigen. Er verstarb nach Beendigung
seiner Präsidentschaft und hinterließ dabei Briefe an seinen
Nachfolger, in denen er auf dem Thema bestand. Florida war damals noch
kein Teil der USA**, als besagter US-Präsident meinte, daß Kuba zu den
Geburtsstaaten der USA hinzugefügt werden muß. Darin sahen sie von
Anfang an den Schlüssel. Das ist ein Fakt und Teil unserer Geschichte,
den wir nicht vergessen dürfen.
Frage:
Dennoch schafften es die Pläne der USA niemals, so sehr
„verdeckt“ zu sein.
Ricardo
Alarcón: Ja, aber schau dir mal an, wie man sich da müht, sie im
Dunkeln zu verstecken, wenn sie mit dir da über das Thema reden, als wäre
es unter Kubanern. Wo sie doch gar nichts damit zu tun haben.
Vor
noch gar nicht langer Zeit anerkannten die „Damen in Weiß“, daß
Santiago Alvarez, ein Terrorist, der eingestanden hatte, gerade aus dem
Gefängnis gekommen zu sein, ihnen einen Scheck schickte, weil er gerade
im Gefängnis war. Denn die CIA und die USAID geben Geldmittel an einige
konterrevolutionäre Gruppen, um sie damit zu betrauen, diese Geldmittel
nach Kuba zu senden.
Die
Entgegennahme oder Vergabe von Geldmitteln von oder an einen Terroristen
ist eine schreckliche Straftat in den USA. Aber Santiago Alvarez ist
kein Muslim, er ist nicht arabischer Herkunft, und deswegen kann er alle
jene Dinge anstellen.
Vor
kurzem konnte jeder US-Amerikaner in Florida den Aufmarsch zur Unterstützung
dieser Damen sehen, welchen es so sehr gefällt, durch die Straßen von
Havanna zu gehen. Posada Carriles versteckte sich nicht. Auch er trug
weiße Wäsche zur Unterstützung der kubanischen „Dissidenten“.
Vergangenes
Jahr wurde ein Bericht der USAID über die Notwendigkeit veröffentlicht,
vorsichtiger bei der Vorlage von Daten zu sein, um ihre Quellen zu
verbergen, denn es handelte sich um gesetzwidrige Aktivitäten. Aber es
läuft immer noch so. Man weiß, daß ein Teil des Haushaltes der USAID
dafür verwendet wird. Es sind Gründe dafür vorhanden, sich davon zu
überzeugen, daß wichtigere Teile existieren. Aber man erfährt sie
nicht, denn sie sind Teil der verdeckten Aktivitäten, die Eisenhower
unter Verschluß zu halten bat.
Darüber
gibt es eine Diskussion in Washington. Vor einigen Monaten wurde ein
Bericht veröffentlicht, welcher einige Aspekte hinsichtlich der
Verwendung des Haushaltes der USAID kritisierte. Wie es zwischen
Verbrechern passiert, verwendeten einige Bewohner von Miami einen Teil
jener Gelder für sich, anstatt alles an ihre Agenten in Kuba zu
schicken.
Was
wird jetzt diskutiert? Dieser Einmischung ein Ende zu bereiten? Nein. Es
werden die Maßnahmen diskutiert, die ergriffen werden sollen, damit das
Geld auf wirksamste Weise in Kuba ankommt. Das ist ein von Mund zu Mund
verbreitetes Geheimnis, welches die Presse bestens kennt. Man weiß
auch, daß es einen Plan gibt, daß es Instruktionen gibt. Wie Noam
Chomsky sagte, ist das Hauptmerkmal der Medienkonzerne die Disziplin.
Sie machen nie Fehler beim Verfolgen der grundlegenden Richtlinien. Es können
Uneinigkeiten auftreten, aber im Grundlegenden folgen sie der Spur, die
ihnen vorgegeben wird.
Frage:
Diese Disziplin ist dieser Tage offenkundig, immer wenn über die Weißen
Damen und die angeblichen politischen Gefangenen veröffentlicht wird.
Besteht das Ziel in diesem Fall darin, diesen Gruppen die Legitimität
zu verschaffen, auf die sie in der kubanischen Bevölkerung nicht
treffen?
Ricardo
Alarcón: Sie kann verschiedene Ziele haben. Eines davon ist den Weg zu
finden, um die Beziehungen Kubas mit der Außenwelt zu schädigen, uns
auf diesem Gebiet zu schwächen, wo sie große Niederlagen gehabt haben.
Es
gibt ein Thema, daß ich hervorheben möchte. Diese Medien, die sich als
Sprachrohre gegen Kuba und zugunsten von angeblichen Gefangenen den Mund
zerreißen, halten eine Friedhofsruhe im Fall unserer fünf in den USA
eingekerten Genossen aufrecht. Während dies geschieht, sprechen jetzt
alle US-Pressemedien über die Situation dieser fünfzig Jahre lang mit
dem Geld der US-Arbeiter und -Unternehmer bezahlten Söldner. Hast du
eine Ahnung davon, wieviel sie da in fünfzig Jahren ohne Kontrolle und
ohne Aufsicht ausgegeben haben? Erinnern wir uns mal daran, daß niemand
die CIA beaufsichtigt.
Ich
denke, daß sie versuchen, vor allem das Ansehen von Kuba zu schädigen.
Sie versuchen zu verfälschen, was die Kubanische Volksrevolution
wirklich bedeutet. Und täuschen wir uns bloß nicht. Denn all dies
geschieht nicht, weil sie in einem Rosengarten leben, sondern weil das
Gesellschaftssystem und die politische Philosophie der USA in der Krise
stecken.
Es
ist eine Unanständigkeit, vom schicksalhaften Tod von Zapata zu reden,
als ob dies eine Verantwortlichkeit von Kuba wäre. Diesen Herren zwang
niemand dazu, sich in den Hungerstreik zu erklären. Er war kein
politischer Gefangener. Er stand nicht auf der berüchtigten Liste, die
alle Medien haben und ständig ausbeuten. Sie gliedern ihn da ein als
Dissidenten, als sie entdeckten, daß sie ihn zu einem Instrument für
ihre Kampagne machen konnten.
Schicksalhafterweise
verlor er sein Leben. Wieviele Leben hat die Revolution gerettet?
Wieviele Leben hier und anderswo in der Welt hat sie geholfen zu retten?
Möglicherweise ist Kuba das Land, welches das Leben am meisten wertschätzt,
welches das Leben am meisten respektiert, welches am meisten den
Menschen hilft zu leben.
Ich
würde sagen, daß jene, die die anstiften und verherrlichen, welche
sich für diese Medienkampagne gegen Kuba hergegeben haben,
verantwortlich sind für das Leben von solchen Menschen wie das des
Herrn Zapata sowie jedes anderen, der da noch kommen wird.
Frage:
Es überraschte, die Ruhe der internationalen Presse zu sehen, als
das kubanische Fernsehen eine Reportage ausstrahlte, die die Lügen um
den Tod von Zapata aufzeigte.
Ricardo
Alarcón: Darum sage ich dir, daß sie Verantwortung für diesen Tod
haben. Ich denke, dass es bedauerlich ist, daß jener Herr gestorben
ist. Mir scheint das absurd zu sein.
Ich
begreife, was in seinem Kopf vor sich gegangen sein kann. Durch seine
Vorstrafen können sie ihm kein Visa für die USA geben. Daher nimmt er
den Status eines Dissidenten ein, macht sich zum Helden und wäscht sich
von seinem Strafregister rein. Vielleicht ist es so gelaufen, begleitet
von der Propaganda, die er empfing. Die ihn ermutigte durchzuhalten.
Ich
habe Dinge gesehen, die wirklich Steine zum Sprechen bringen, wie einst
Don Quijote sagte. Der Herr Präsident des Europäischen Parlaments gab
eine Erklärung ab und bat darin Kuba, die politischen Gefangenen
freizulassen, besonders Fariñas, der immer noch im Hungerstreik
weitermacht.
Fariñas
war in seinem Haus. Und irgendwann wurde er in das Krankenhaus gebracht.
Dies geschah mit seiner Einwilligung und der Einwilligung seiner
Familie. Einige der objektivsten Journalisten fuhren dorthin nach Santa
Clara. Sie interviewten ihn. Sie beschrieben, wie er die Leute begrüßte.
Er sah fern, las die Tageszeitung Granma, führte Telefongespräche mit
jedem Menschen, der ihn anrufen wollte. Er hatte an seinem Bett eine
Krankenschwester, die ihn 24 Stunden rund um die Uhr am Tag betreute. In
einem dieser Interviews sagte Fariñas, daß er eine ausgezeichnete
Behandlung im Krankenhaus erhielt, wo er war, und daß alle Welt dies
weiß. Vergiß nicht, daß dies der Hungerstreik Nummer 23 ist. Ihn
jetzt als einen Superhelden zu präsentieren, ist eine Form, ihn
anzuregen, in seiner Position durchzuhalten.
Erinnern
wir uns an die berüchtigte Eiserne Lady, die Frau Margaret Thatcher.
Als jene irischen Kämpfer, die wirklich politische Gefangene waren,
weil sie für die Unabhängigkeit ihrer Heimat kämpften, sich in den
Hungerstreik erklärten. Sie sagte denen, wenn sie sich entscheiden,
nicht mehr zu essen, dann lassen sie es eben sein zu essen. Und sie alle
starben ohne jede Öffentlichkeit, ohne so einen anrufenden Menschen am
Telefon, ohne irgendeine Erklärung aus dem Europäischen Parlament.
Noch immer steht jegliche erste Erklärung jener EU-Einrichtung aus, um
sich selbst dafür zu kritisieren, gegenüber dem Tod der Iren
geschwiegen zu haben.
Frage:
Ist das im Fall Europas nur Doppelzüngigkeit? Geht dort nicht die
Mentalität von Metropolis und Verachtung für unseren Teil der Welt
weiter?
Ricardo
Alarcón: Konkret Metropolis zweiter Klasse. Die gemeinsame Position von
Europa ist nichts weiter als ein Akt der Unterordnung unter die
US-Amerikaner und Feigheit. Das Helms-Burton-Gesetz der USA war eine
Ohrfeige für Europa und den Rest der Welt, mit dem Durchsetzen
rechtswidriger Bestrafungen gegen europäischen Firmen. Europa
protestierte, Europa war außer sich, Europa drohte mit Anrufung der
Welthandelsorganisation (WHO) und tat dies ... aber weiter nichts für
ein kurzes Stück Zeit.
Die
USA machten Druck. Sie kamen zu einer Verständigung. Washington sagte
den Europäern während der Präsidentschaft von Clinton, daß man die Möglichkeit
in Erwägung ziehen würde, einige Aspekte des Gesetzes abzuändern. Und
es sind schon fünfzehn Jahre vergangen, und die USA haben nicht mal ein
Komma abgeändert. Als Gegenleistung diesbezüglich sollte Europa mit
den USA bei der Förderung der „Demokratie“ und der
„Menschenrechte“ in Kuba zusammenarbeiten. Das ist das Wesen der
gemeinsamen Position.
Halbjährlich
muß der US-Präsident eine Mitteilung herausbringen, damit sie keine
Gerichtsverfahren gegen die Firmen einleiten, die in Kuba investieren,
weil dies Teil des Helms-Burton-Gesetzes ist. Halbjährlich beurkunden
Clinton, Bush und jetzt Obama vor dem US-Kongreß, daß es zweckmäßig
ist, den Beginn dieser Gerichtsverfahren auszusetzen, denn sie
garantieren die europäische Zusammenarbeit, um die Ziele der USA in
Kuba zu erreichen. Europa war und ist der sich der US-Politik gegen Kuba
unterordnende Komplize.
Frage:
Was würde mit jemandem geschehen, der in den USA im Hungerstreik
ist, wenn er dabei in eine kritische Lage gerät und außerhalb eines
Krankenhauses ist?
Ricardo
Alarcón: Er würde ein großes Problem haben. Denn das Erste, was du in
einem Krankenhaus der USA machen mußt, ist es, daß du dich zum Büro
begibst, wo du erklären mußt, wie du deine Behandlung bezahlen wirst.
Du müßtest deine Krankenversicherung vorweisen. Und natürlich wird
die Kategorie Hungerstreik kostenmäßig nicht abgedeckt. In den USA
sterben viele Menschen an Hunger, ohne daß sie selbst Hunger leiden
wollen. Und wem so ein Unfug geschieht, dem geben sie nicht mal Medizin
in irgendeinem Krankenhaus dort.
Hier
kümmert man sich um diese Persönlichkeiten. Wer kümmert sich hier?
Das einzige Volk der Welt, welches Gegenstand eines Wirtschaftskrieges
ist, der einschließt, daß US-Firmen uns Pharmaka und medizinische Ausrüstung
nicht verkaufen dürfen. Trotzdem hält dieses Land Kuba ein
Gesundheitswesen aufrecht, daß sich viele Nordamerikaner, Europäer
oder die Bürger von einigen Ländern Lateinamerikas nicht mal erträumen
können. Wo man die Unverschämtheit hat, Kuba zu präsentieren, als ob
Kuba irgendeine Verantwortlichkeit für den Tod jenes Hungerstreikenden
gehabt hat.
Niemand
von denen kann erklären, wie es deren Gefangenen geht. Und sie alle
haben politische Gefangene. Niemand von denen würde etwas tun, um das
Leben von irgendjemandem zu retten, dem ein ähnlicher Unfug widerfährt.
Kannst
du mir zusichern, daß es keinen Gefangenen in den USA gibt, der sich in
Hungerstreik erklärt hat? Das kannst du nicht tun. Denn keine Presse
befaßt sich damit, dazu Informationen zu liefern. Aber ich habe Verständnis
dafür, daß einige das getan haben aus all der Verzweiflung wegen der
Folterungen und der Quälereien, die sie ihnen auf dem Stützpunkt von
Guantánamo angetan haben. Und wie verhält es sich mit denen, die sie
in die Geheimgefängnisse der CIA in aller Welt stecken? Niemand kann
die geringste Ahnung davon haben, wieviele sie durch Nahrungsentzug oder
Folterungen in diesen Gefängnissen bisher umgebracht haben.
Im
Fall von Kuba ist das ganz einfach. Ganz rasch erscheint die Presse,
erscheinen die Kameras und die Mikrofone. Die vermehren sich wie die
Pilze. Ist das Zufall? Nein. Es hat mit dem geheimgehaltenen Teil dieses
Plans der verdeckten Politik gegen Kuba zu tun.
Quelle:
URL del artículo : http://www.cubadebate.cu
Anmerkungen/Erläuterungen
*Carlos
Manuel de Cespedes (1819-1874) führte die erste Rebellion der Kubaner für
die Unabhängigkeit in einem letztlich nicht siegreichen Krieg gegen die
spanische Kolonialherrschaft an, der zehn Jahre dauerte (1868- 1878) und
somit über den Tod des „Vaters des Vaterlandes“ hinaus andauerte.
Im Volksmund wird Céspedes als Vater des Vaterlandes bezeichnet, weil
er sich, als sein Sohn von spanischen Soldaten gefangen genommen wurde,
gegen eine Einstellung des Kampfes und den Austausch seines Sohnes
entschied, mit den Worten: „Alle Kubaner sind meine Söhne“. Sein
Sohn wurde daraufhin getötet.
In
jener Zeit regierte US-Präsident Ulysses Simpson Grant von 1869 bis
1877 die USA.
José
Martí (1853-1895) ist unbestritten der Nationalheld Kubas unter den Kämpfern
für die Unabhängigkeit des Landes, den „Patrioten“. Er fiel
bereits kurze Zeit nach Ausbruch der Kämpfe der sehr kleinen
kubanischen Befreiungsarmee gegen eine Übermacht von 200.000 spanischen
Soldaten. Sein Artikel „Verteidigung Kubas“ (Vindicación de Cuba)
erschien 1898 und stellt eine vehemente Kampfschrift gegen die
Annexionsgelüste der USA bezüglich Kuba dar.
In
seinen Wirtschaftsanalysen orientierte sich José Martí bereits an Karl
Marx. 1898, als die spanischen Truppen immer mehr Niederlagen hinnehmen
mußten, griffen die USA militärisch in die Unabhängigkeitskriege in
Kuba und in den Philippinen ein. Dieser Krieg zwischen den USA und
Spanien vom 25. April bis 12. August 1898 ging als Splendid Little War
in die US-amerikanische Geschichte ein. Er endete mit der blutigen
Besetzung Kubas, Puerto Ricos, Guams und der Philippinen durch
US-Kolonialtruppen (Friedensvertrag von Paris, 10.12.1898), die Massaker
der US-Truppen an Unabhängigkeitskämpfern in den besetzten Ländern
und an der dortigen Zivilbevölkerung werden bis heute totgeschwiegen.
1902
entließen die USA Kuba in eine formale Unabhängigkeit. Jedoch
verschaffte ihnen das „Platt Amendment“ in der kubanischen
Verfassung jederzeitiges militärisches Interventionsrecht im Fall der
Bedrohung von US-Interessen bis 1934. Auch der durch das bis heute
bestehende Folter-Gefängnis berüchtigte US-Militärstützpunkt
Guantanamo Bay geht auf das „Platt Amendment“ zurück. Völkerrechtswidrig
lehnen die USA die Rückgabe der Guantánamo Bay an Kuba ab, obwohl Kuba
seit dem Sieg der Revolution die Rückgabe fordert und die
Pachtzahlungen der USA nicht annimmt.
**
Am 3. März 1845 wurde Florida der 27. Bundesstaat der USA.
(Angaben
laut Wikipedia)
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