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Großfamilie in Beit Hanun ausgelöscht

Israelische Armee richtet im Gazastreifen Massaker an. Hamas reagiert mit Aufkündigung der Waffenruhe

Rüdiger Göbel

Quelle: jungeWelt vom 10. November 2006

Die israelische Armee hat bei einem neuerlichen Massaker im Gazastreifen am Mittwoch mindestens 18 Palästinenser– zehn Kinder, sieben Frauen und einen Mann – ermordet. Etwa 60 weitere Angehörige der Großfamilie Al Athamna wurden bei den Panzerangriffen auf Wohnhäuser in der Stadt Beit Hanun verletzt. Die Palästinenser reagierten mit massiven Protesten. Die Hamas-Regierung rief eine dreitägige Trauer aus und kündigte nach Agenturberichten das Ende der Waffenruhe mit Israel an. Die Verhandlungen mit der Fatah zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit wurden bis auf weiteres ausgesetzt.

Israel rechtfertigte zunächst den Terrorangriff als »legitime Antwort« auf eine terroristische Bedrohung. Außenministerin Tzipi Livni sagte, Israel sei von seiten »palästinensischer Terrororganisationen« mit anhaltendem Raketenbeschuß konfrontiert und müsse seine Bevölkerung schützen. Später soll Livni nach Angaben der israelischen Botschaft in Berlin hinzugefügt haben: »Leider geschehen im Verlauf der Kämpfe bedauerliche Vorfälle wie jener, der heute morgen geschah.« Regierungssprecherin Miri Eisin erklärte, Israel werde sich seiner Verantwortung stellen – falls Fehler gemacht worden seien. Die Offensive im Gazastreifen werde aber in jedem Fall weiter fortgeführt.

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas sprach von einem »schrecklichen Massaker der Besatzungsmacht an unseren Kindern, Frauen und Alten«. Israel zerstöre jede Chance auf Frieden. Die Palästinenser seien mit ihrer Geduld am Ende. »Wir müssen unsere Stimme erheben und der ganzen Welt sagen, den Vereinten Nationen und Europa, daß sie diese grausamen Taten untersuchen, die Israel begeht«, sagte Abbas vor Journalisten in Gaza. Chaled Maschaal, politischer Führer der Hamas-Bewegung, rief alle palästinensischen Gruppierungen zur Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes gegen Israel auf. Seine Organisation werde nicht mit Worten, sondern mit Taten auf den Tod der 18 Menschen reagieren, sagte er am Mittwoch in seinem Exilort Damaskus. Der militärische Flügel der Hamas in Gaza rief Muslime weltweit zu Anschlägen auf US-Ziele auf.

(c) Junge Welt 2006

http://www.jungewelt.de

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