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Gigantischer
PR-Termin
Schülerdiskussion,
Gala-Diner und Fotoshooting: Die NATO setzt sich zum 60. Geburtstag in
Strasbourg, Kehl und Baden-Baden in Szene
Von
Knut Mellenthin
jungeWelt
vom 03.04.2009 – Die NATO feiert an diesem Freitag und Sonnabend
60. Geburtstag. Der wichtigste Foto- und Filmtermin findet morgen statt,
wenn die Staats- und Regierungschefs von nun 28 NATO-Staaten über die
Passerelle »schreiten«, die Kehl auf der deutschen mit Strasbourg auf
der französischen Rheinseite verbindet. Die Fußgängerbrücke gilt als
Symbol für ein zusammenwachsendes Europa. Tatsächlich ist ihr Bau
kennzeichnend für die heutige EU: Bedenken von Naturschützern wurden
ebenso ignoriert wie die Einwände von Bürgerinitiativen. Die
veranschlagten Kosten wurden so schamlos überschritten, daß sich der
Landesrechnungshof damit beschäftigen mußte.
Aber
auch sonst werden Fotografen beim NATO-Gipfel viele reizvolle Motive
geboten. Etwa wenn US-Präsident Barack Obama am frühen Freitag
nachmittag in Strasbourg 45 Minuten lang mit 3000 ausgesuchten deutschen
und französischen Schülerinnen und Schülern »diskutiert«. Die Zeit
läuft, denn um 15.20 Uhr will er mit seiner Frau Michelle mit dem
Hubschrauber in Baden-Baden landen, wo der Gipfel am Abend mit einem
Gala-Diner eröffnet wird. Vorher wird den akkreditierten Fotografen
noch Gelegenheit geboten, die deutsche Kanzlerin mit dem hohen Gast
abzulichten.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat sich in einem Beitrag für
Spiegel online gewünscht, daß dieser NATO-Gipfel »vor allem als ein
Treffen in Erinnerung bleibt, auf dem die richtigen Weichen für die
Zukunft des Bündnisses gestellt wurden«. Tut der Mann nur so doof oder
hat er in vielen Jahren politischer Praxis nicht mitbekommen, daß bei
solchen Mammuttreffen niemals wichtige Entscheidungen beschlossen
werden?
Zwar
hat der Jubiläumsgipfel scheinbar eine ganze Menge Stoff auf der Liste,
der am Sonnabend auf einem Arbeitsessen und einer Tagung des NATO-Rats
in Strasbourg abgehakt werden soll. Aber mit Kontroversen wird kaum
einer der Teilnehmer die Stimmung verderben. Da wird zum Beispiel laut
Programm Obama seine »neue Strategie« für den
afghanisch-pakistanischen Kriegsschauplatz vorstellen. Das hat er
allerdings schon vor einer Woche getan, und alle NATO-Kollegen haben
bereits begeistert applaudiert. Die Wiederbelebung der Beziehungen der
NATO zu Rußland ist ein weiterer Tagesordnungspunkt. Auch da ist der
US-Präsident schon am Mittwoch beim Treffen mit seinem russischen
Amtskollegen Dmitri Medwedew vorangegangen und wird dafür nun den
offiziellen Beifall der meisten Bündnispartner entgegennehmen. Über
die künftige Mitgliedschaft von Georgien und der Ukraine wird in
Strasbourg gewiß nicht entschieden. Es bleibt dabei, daß sie
irgendwann aufgenommen werden, aber nicht so schnell, und daß sie in
der Zwischenzeit effektiv, aber ohne lautes Geschrei an die NATO »herangeführt«
werden.
Was
noch? Frankreich kehrt in die militärischen Strukturen des Bündnisses
zurück, aus denen es 1966 unter Präsident Charles de Gaulle
ausgetreten war. Außerdem werden Kroatien und Albanien als neue
Mitglieder begrüßt. Eine »neue Strategie« wie ursprünglich angekündigt,
wird vom Militärpakt nicht verabschiedet. Krieg führen kann die NATO
auch so |