|
1972
habe ich den Staatsbesuch von Fidel
Castro in der DDR erlebt, der bekanntlich mehr als eine hohe
dreistellige Zahl an Attentatsversuchen durch die CIA und deren
Handlanger überlebte. In (Ost-) Berlin war damals kein Gully
verschweißt. Arbeiter verließen Betriebe, die an der
Hauptstrasse Flughafen Schönefeld Richtung Zentrum Ostberlin
lagen. Und sie sahen, was sie sehen wollten: Fidel sprang ständig
aus dem Auto, zur Not der Personenschützer vom Ministerium für
Staatssicherheit, er schüttelte den spontan Spalierstehenden
die Hände und respektierte kein Protokoll. Was sich in der DDR
herumsprach. Und wir als 9. Klasse fuhren von der Schule
dorthin. Uneingeladen. Ich werde nie den offen uns zuwinkenden
Comandante vergessen.
Bush
dagegen: Verbarrikadiert. Eben so ein Mann wie seine Vorgänger,
die Fidel Castro nach dem Leben trachteten. Mein Eindruck.
|
STAATSBESUCHE
UND GIPFEL-ZEREMONIEN IM POLIZEISTAAT EUROPÄISCHE UNION
von
Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Exklusiv
für K-Online, 4. April 2009.-
Schaut sich unsereiner im Fernsehen mal die bürgerlichen
Medienberichte vom G20-Gipfel in London an, dann sind da schon fast
unglaubliche Bilder dabei. Bilder und Parolen der Sympathiebekundung für
Putin seitens einiger Demonstranten. Dies in London, der Hauptstadt
eines der am meisten antikommunistischer Hysterie verfallenen Länder
der letzten 100 Jahre. Und zugleich eines der am meisten anti-russisch
massenbeeinflussten Länder der letzten 90 Jahre. Laut „STERN“
werden dann einen Tag später mehr als 5000 Polizisten in London
aufgeboten, nachdem am Vortage jene Bank in Londons Innenstadt
kurzerhand von zornigen Anarchisten gestürmt worden war und dabei
einige Scheiben zu Bruch gingen. Nur eben, selbst die Anarchisten sind
mittlerweile schlau genug, keiner Polizei-Übermacht als Knüppelopfer
willfährig vor die Schlagstöcke zu laufen. Nur gut 200 Demonstranten
lassen sich also überhaupt gegenüber den 5000 Polizisten blicken, der
Rest verbringt seinen Tag andernorts ungefährdet.
In
Strasbourg und in Baden-Baden am Rhein werden unterdessen große Gebiete
polizeilich und militärisch vor der Bevölkerung abgeriegelt. Es
treffen sich die Staatsoberhäupter der NATO-Staaten in Strasbourg, um
von „Verteidigungsbündnis“ und „neuen globalen
Herausforderungen“, also von der Fortsetzung des eingeleiteten
Weltkrieges um Rohstoff- und Absatzmärkte zu sprechen und über Kosten
und Lasten und Anteile an irgendeiner Beute zu beraten, wie es unter
einer Bande von Geiern und Räubern eben gute Tischsitte ist. Natürlich
wohl wissend, dass gegenseitiges Misstrauen zum Verhandlungsgeschäft
gehört. Denn schon an ihren Drogendeals wollen keine Air Force und
keine CIA irgendwelche „Partner“ beteiligt wissen. Und egal wer
Oberkommandierender spielen darf, ohne das Okay aus dem Pentagon läuft
nichts bei NATO und UN-mandatierten Truppen.
Bundeswehr,
Bundespolizei und alle staatlichen Sicherheitsdienste der Bundesrepublik
sind ebenso im Sicherheitskorsett der Herrschaften am Rhein dabei wie
ihre französischen Kollaborateurspartner. Vorausschauend werden schon
mal vor Beginn von Gipfel und Staatsbesuchen im „Einsatzgebiet“
massiv Festnahmen vorgenommen, Deutlicher Protest soll im Keim erstickt
werden. Sorgfältig wählen Reporter vor Ort ihre Gesprächspartner
unter den sozusagen zugelassen Protestierenden aus, denn nur erwünschte
Schwätzer sollen sich über die Medien auf diese subtile Art gegenüber
den zuschauenden Massen vor den Fernsehgeräten profilieren dürfen.
Besonders makaber sind die Übertragungen von den Auftritten Obamas mit
der zur Schau gestellten Obamanie der bestellten handverlesenen
Obama-Zujubler. Oh wie hochnotpeinlich! Wer kein ihm zujubelndes Volk
hat, erwähle sich seine Beifallklatscher doch aus dem Reigen einiger
Speichellecker!
Nicht
nur mir fällt dabei immer ein, wie sehr sich westliche Journalisten so
gerne über die Parteitags- und Veranstaltungsregie in der einstigen
angeblichen Polizeistaat DDR seit Jahrzehnten immer wieder und immer
wieder ausließen und auslassen. Dort soll ja angeblich jede
Meinungsfreiheit im Zuchthaus geendet haben, und das Staatsgefängnis
hieß ja auch DDR im Sinne der psychologischen Kriegsführung der NATO.
Und natürlich landete in Sibiriens Gulag, wer bei der Maidemonstration
nicht Richtung Erich lächelnd winkte... angeblich! So die Propaganda
der „kalten Krieger“ bis heute.
Der
einstige DDR-Bürger erinnert sich demgegenüber heute wieder einmal gut
der Sicherungsmaßnahmen, die vom MFS in der DDR
bei Großveranstaltungen mit öffentlichen Auftritten von
hochrangigen Politikern ergriffen wurden. Damals lächelten wir nicht
nur unserem Erich mit seinem eleganten Hut schon wegen eben jenem Hut
zu, sondern amüsierten uns auch über die Männerpärchen mit Beuteln
oder Schirmen derselben Farbe, die in genauen Abständen an der Straße
standen und alles gut beobachteten. Auffällige Unauffällige eben.
Sicherlich gab es dann auch noch jene ohne solche markanten
Erkennungszeichen. Auch die Volkspolizei gab es. Die Volkspolizei kümmerte
sich vor allem um die Verkehrsumleitungen. Irgendwelche Wasserwerfer
oder Knüppelgarden kannte der DDR-Bürger bis Herbst 1989 aus eigenen
Blickfeldern in der DDR nicht. Prügelorgien von Polizeitruppen sahen
wir im Fernsehen bei Randalen in Westberlin, Paris, Rom, Athen. Vor
allem im Westfernsehen.
Ein
guter Bekannter berichtete gestern von einem Gespräch mit einem
Polizeibeamten in Baden-Württemberg, welcher in die dortigen Einsätze
der Polizei verstrickt ist. Jener Polizist äußerte die Befürchtung,
dass es durch die martialische Ballung verschiedenster Polizei- und
Bundeswehreinheiten in den Einsatzgebieten zu Opfern durch „friendly
fire“, Verwechselungen, kommen könnte. Demonstranten würden weder
auf Hör- noch auf Sichtweite an einen Politiker herankommen.
Demonstrationsfreiheit? Recht auf freie Meinungsäußerung und Protest?
Wir leben im Polizeistaat Europäische Union. Rechte haben da nur die
Ausbeuter und Unterdrücker und ihre bei den Völkern verhaften
politischen und militärischen Lakaien und Speichellecker. Die sich ganz
isoliert und abgeschirmt unter sich allein auch mal anfassen dürfen.
Und die unsereins per Fernsehnachrichten dann verkaufen wollen, sie
seien „Politiker zum Anfassen“. Was für ein erbärmliches
Schmierentheater uns da geboten wird! |