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Israelische Friedensaktivisten von Gush Shalom und internationale Kriegsgegner arbeiten gemeinsam mit palästinensischen Bauern und beschützen diese gegen Terroranschläge durch isrealische Siedler und  gegen Übergriffe der Sharon-Militärs

 

 

Olivenernte 

von Günter Ackermnn

Mir sagte ein albanischer Bauer, als ich vor vielen Jahren das Land bereiste, Olivenbäume gälten im ganzen Mittelmeerraum als heilig. Von nur wenigen Bäumen könnten sich viele Menschen ernähren; sie zu fällen, sei eine Todsünde. Olivenbäume stürben nicht, sie würden Tausende von Jahren alt...

In Palästina ist es ebenso. Ganze Dörfer leben von der Olivenernte. Ernten die Bauern keine dieser Früchte, müssen sie hungern. Die israelische Armee begann z.B. dieses Jahr ganze Olivenhaine mit Bulldozern platt zu machen. 200.000 Olivenbäume sind so vernichtet worden - von 10 Bäumen kann eine Familie ein ganzes Jahr leben.

Dort, wo israelische Ultras den Palästinensern Land raubten und sich illegal ansiedelten, sie von der israelischen Armee mit Waffen versorgt wurden, schießen sie auf alle Palästinenser, töteten auch Kinder, die versuchten, ihre Olivenbäume abzuernten. Die Siedler wollen die palästinensischen Bauern an der Olivenernte hintern. Oder sie überfallen die Bauern und rauben ihnen die geernteten Oliven.

Die Folge: Die Palästinenser müssen ihre Heimatdörfer verlassen, also das Land aufgeben.

Genau das ist von den Siedler und der Sharon-Regierung gewollt. 

Um das zu verhindern, haben sich israelische Kriegsgegner, gemeinsam mit internationalen Friedensaktivisten, als menschliche Schutzschilde und als Erntehelfer zur Verfügung gestellt.

Lest den erschütternden Bericht von Uri Avneri vom Friedenseinsatz gegen Kriegsverbrechen und Hass und für ein friedliches Miteinander beider Völker in Palästina. Der Olivenzweig gilt auch dort als Zeichen des Friedens.

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Thema:             [GushShalom] Avnery über den Erntekampf + weitergeleiteter Bericht
Datum:             28.10.02 18:46:18 (MEZ) Mitteleuropäische Zeit
Von:             info@gush-shalom.org
GUSH SHALOM - pob 3322, Tel-Aviv 61033 - http://www.gush-shalom.org/

[Uri Avnery reflektiert über den Erntekampf - einschließlich seiner eigenen Erfahrungen; danach ein alarmierender Bericht über Siedlergewalt gegen internationale freiwillige Olivenpflücker, die wir weiterleiten.]

Naboth hatte einen Weinberg

Uri Avnery, 26.10.02

Die meisten Israelis hätten ihren Augen nicht getraut, wenn sie am letzten Samstag bei Sonnenuntergang dabei gewesen wären.

Mitten in Havarah, einem kleinen Dorf südlich von Nablus, standen 63 Israelis, Männer und Frauen, Junge und Alte mit Dutzenden von palästinensischen Dorfbewohnern zusammen. Juden und Araber plauderten miteinander, tranken den von den Gastgebern angebotenen Saft, tauschten Adressen und Telefonnummern aus. Die Kinder des Dorfes trugen die von den Gästen mitgebrachten Abzeichen: die die Flagge Israels und Palästinas zeigten. Keiner trug eine Waffe.

Alle waren glücklich und das mit Grund: sie hatten gerade einen harten Tag der Olivenernte hinter sich. Sie waren zusammen unter den Bäumen. Sie waren auch zusammen, als die israelischen Siedler das Feuer eröffneten.

All dies geschah mitten im palästinensischen Gebiet nach zwei Jahren gewalttätiger Konfrontation. Ein Fest von israelisch-palästinensischer Verbrüderung inmitten blutiger Angriffe. Eine menschliche Erfahrung. Ein politischer Akt. Ein symbolisches Ereignis.

Seit biblischen Zeiten sind die Olivenbäume das Symbol dieses Landes gewesen. Sie haben die Bauern vieler Generationen – Kanaaniter, Israeliten und Araber – am Leben erhalten. Das ganze Jahr über arbeiten sie in den Olivenhainen, die vom Vater auf den Sohn vererbt werden, sie beschneiden die Bäume, bearbeiten den Boden, entfernen die Unkräuter. Während der wenigen Erntewochen pflückt die ganze Familie die Oliven – Männer und Frauen, alte Leute und Kinder. Die Oliven müssen zur richtigen Zeit abgeerntet und zur Olivenpresse gebracht werden, wo die goldene Flüssigkeit herausgepresst wird, das Olivenöl. Das sind Tage der Freude.

Eine ganze Familie kann nun von zehn Olivenbäumen leben. Ohne diese können sie nicht existieren. Je härter die Besatzung wird, je mehr sie die freie Bewegung einengt und den Lebensunterhalt verweigert, um so abhängiger werden die Dorfbewohner von den Olivenbäumen.

Deshalb sind die Aktionen der Siedler so heimtückisch. Sie versuchen, die Ernte zu verhindern, die Früchte zu stehlen oder die Bäume abzubrennen. Ihre Aktionen erinnern an eine der schlimmsten in der Bibel beschriebenen Taten, eine ewige Schande: die Geschichte von Naboths Weinberg ( 1. Könige 21):

"Naboth, der Jesreeliter hatte einen Weinberg in Jesreel, sehr nahe am Palast des Ahab, des Königs von Samaria. Und Ahab redete mit Naboth und sprach: gib mir deinen Weinberg, ich will mir daraus einen Gemüsegarten machen, weil er so nah an meinem Hause liegt. Ich will dir einen besseren Weinberg geben als diesen oder wenn es dir gefällt, will ich dir Geld dafür geben. Und Naboth sagte zu Ahab: das lasse der HERR fern von mir sein, dass ich dir meiner Väter Erbe geben sollte..." das Ende der Geschichte ist bekannt: Isebel, die Frau von Ahab, ließ falsche Zeugen kommen und Naboth wurde zu Tode gesteinigt. So erhielt Ahab den Weinberg. Am Ende leckten die Hunde das Blut von beiden, von Ahab und Isebel.

Aber im Vergleich zu den Siedlern von heute, war die boshafte Isebel noch ein Beispiel von Rechtschaffenheit. Die Siedler nehmen die Olivenhaine der Dorfbewohner ohne Bezahlung, oder ohne eine Alternative anzubieten, in Besitz. Sie schießen nur. Ein palästinensischer Junge wurde so von ihnen erschossen, während er Oliven pflückte. Und Hunderte wurden weggetrieben.

Fast jedes palästinensische Dorf hat Olivenhaine, die an irgend eine Siedlung oder an einen sog. Außenposten grenzt, der nun von Siedlern kontrolliert wird. Wenn sich die Besitzer nähern, um den Boden unter den Bäumen für die Ernte vorzubereiten oder um die Oliven zu ernten, schießen die Siedler auf sie - "nach Absprache mit der Armee". Der einfache Vorwand: wenn die Dorfbewohner in der Nähe der Siedlung ernten, könnten sie sehen, was dort geschieht und sie bedrohen.

Das ist in der Tat eine monströse Verdrehung: eine Siedlung mitten in eine von Palästinensern dicht besiedelte Umgebung zu setzen und ihnen dann zu verbieten, ihr Land zu bearbeiten, weil dieses nahe der Siedlung liegt.

In einigen Fällen beließen es die Siedler nicht beim Schießen, sondern fielen in die Olivenhaine ein, trieben die Dörfler weg und raubten die schon gepflückten Oliven. Die Propheten Israels wären geschockt. Raub am helllichten Tage. Und die Armee sieht zu und tut nichts dagegen.

Die Absichten der Siedler sind bösartiger als die von Ahab und Isebel. Sie wollen das Leben der Dorfbewohner zur Hölle machen, um sie dahin zu bringen, das Land zu verlassen. Das ist das, was man "freiwilligen Transfer" nennt oder, einfach ausgedrückt, "ethnische Säuberung".

Für anständige Israelis bedeutet dies: sie machen sich auf, um den Dorfbewohnern bei der Olivenernte zu helfen, bevor die Oliven an den Bäumen verfaulen oder gestohlen werden. Sie bilden einen menschlichen Schutzschild gegen die Siedler. Während der vergangenen Wochen haben Hunderte von Israelis mit Leuten der Internationalen Solidaritätsbewegung (ISM) genau das getan.

Am vergangenen Samstag reagierten 260 Israelis auf die Anfragen verschiedener Friedensorganisationen (Gush Shalom, Ta'ayush, die Frauenkoalition, ein Teil von Peace Now, u.a.) Sie teilten sich auf die Dörfer auf, wo das Ernten am gefährlichsten ist.

Mein Los war es, nach Havarah zu kommen, einem Dorf, das in einem Tal zwischen zwei hohen Bergen liegt. Seine Olivenhaine liegen an den steilen Berghängen, die voller Felsen und mit stacheligen Büschen bewachsen sind. Es war ziemlich schwierig, nur dort hinzugelangen. Immer wieder fiel jemand hin und bekam Kratzer ab. Schließlich waren alle an Ort und Stelle.

Gruppen von Pflückern, Israelis und Palästinenser, begannen mit dem Pflücken. Die Besitzer der Bäume nützten die Tatsache aus, dass Israelis dabei waren und arbeiteten schnell – im Gegensatz zur üblichen Praxis schlugen sie mit Stöcken in die Äste, damit die Früchte auf die grünen Plastikplanen herunterfallen sollten, die unter den Bäumen ausgebreitet waren. Das ist zwar nicht so gut für die Bäume, geht aber schneller; denn die Zeit war knapp bemessen.

Jeder arbeitete fieberhaft, hielt die fruchtbeladenen Äste und füllte Eimer und Säcke oder sammelte vom Boden auf. Jede Olive ist kostbar. Sportliche Männer und Frauen kletterten in die Bäume und füllten Hüte und Plastiktüten.

Die Gruppen, die die Bergkuppe erreichten, standen auf einmal den Siedlern von Yitzhar gegenüber, einem berüchtigten Nest von Fanatikern, die in Sabbatkleidung, schwarzen Hosen und weißen Hemden, ihre Gewehre hielten. Sie bedrohten die Pflücker, schossen in die Luft und auf den Boden, (sodass einer der israelischen Pflücker von einem Klumpen Erde getroffen wurde). Das Echo der Schüsse hallte zwischen den Bergen. Vierzig Minuten später erschienen Soldaten, die die Siedler zunächst herzlich begrüßten und dann den Pflückern befahlen, das Gebiet zu verlassen. Sie erklärten, dass die Siedler recht hätten, wenn sie das Feuer eröffneten, weil die Pflücker die Siedlung gefährdeten. Die Pflücker machten hartnäckig weiter, da sie sich vom "menschlichen Schutzschild" der Israelis sicher fühlten. Aber nach und nach wurden sie von den Siedlern den Abhang hinuntergedrängt. Die Soldaten zwischen den Pflückern und Siedlern.

In den andern Olivenhainen konnte die Arbeit ohne Unterbrechung fortgesetzt werden. Währenddessen wurden Zigaretten ausgetauscht, trotz der Sprachschwierigkeiten Gespräche angefangen, zunächst zurückhaltend, dann lebhafter.. Einige der Dorfbewohner sprachen Hebräisch und erzählten von den Orten, an denen sie in Tel Aviv gearbeitet hätten.

Bevor die Dunkelheit anbrach, wurden die Planen eingesammelt und zusammengefaltet, die Leute schulterten die schweren, vollen Säcke oder luden sie den Eseln auf und begannen den Abstieg von den steilen Abhängen, von einer Terrasse zur andern. Für die jungen Burschen der Gegend war es kein Problem; die Älteren und die Gäste bewegten sich vorsichtiger, hielten sich an den Büschen fest und halfen sich gegenseitig.

Viele glückliche Leute gab es. Diejenigen, die den Rowdys getrotzt hatten, waren glücklich, weil sie nicht geflohen waren. Die israelischen Pflücker waren glücklich, weil sie eine politische Demonstration mit einer sinnvollen Aktivität verbinden konnten. Die Palästinenser waren glücklich, dass sie wenigstens einen Teil ihrer Ernte gerettet hatten. Sie trugen die schweren Säcke auf ihren Schultern. Am Fuß des Berges wurden die Säcke auf Esel und alte Karren geladen, die aussahen, als würden sie jeden Augenblick auseinanderfallen.

Schließlich gab es eine bewegende Verabschiedung: Hunderte von palästinensischen Männern, Frauen und Kindern winkten begeistert den abfahrenden Israelis nach, auf dem Dorfplatz, in den Gassen und aus den Fenstern – ein ganzes Dorf. Das war der glückliche Lohn einer Tagesarbeit.

 (Aus dem Englischen übersetzt: Ellen Rohlfs und vom Verfasser autorisiert) 

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Alles wegen einer kleinen Olive

Warum ist die Sharon-Ben-Eliezer-Peres-Regierung zusammengebrochen? Wegen einer kleinen Olive!

von Uri Avnery

Es beginnt wie eine Kindergeschichte: Es war einmal eine kleine Olive in einem palästinensischen Dorf. Sie wuchs und reifte an einem Zweig eines alten Baumes im Olivenhain ganz oben auf einer Hügelkuppe. "Pflückt mich! Ich möchte euch mein Öl schenken!" bat die kleine Olive.

Sie wurde immer reifer, aber die Pflücker kamen nicht. Sie konnten sie nicht erreichen, weil die israelischen Siedler zwei Wohnmobile auf die Hügelkuppe gesetzt hatten, und so das ganze Gebiet zu einer "Sicherheitszone" dieses Außenpostens geworden war. Als die Besitzer des Olivenhaines sich näherten, wurden sie von den Siedlern beschimpft und geschlagen und zuletzt sogar beschossen. Dies geschah an Dutzenden von Orten überall in der Westbank.

Die Dorfbewohner riefen die israelische Armee um Hilfe; denn diese kontrollierten ja jetzt wieder alle palästinensischen Gebiete. Aber die Armee kam nicht, um sie zu beschützen. Viele der Armeeoffiziere waren selbst Siedler. Die Armee sah ihren Job als Verteidiger der Siedler an und dachte gar nicht daran, sie anzugreifen. Als die Armee schließlich eingriff, vertrieb sie die Dorfbewohner aus ihren eigenen Olivenhainen rund um die Außenposten.

In ihrer Notlage riefen die Dorfbewohner dann die israelischen Friedensgruppen um Hilfe. Und die waren bereit.

Nun besteht das israelische "Friedenslager" aus zwei Teilen. Das eine, rund um "Peace now"(Frieden jetzt), ist mit der Arbeiterpartei verbunden, die eine Stütze der Regierung war. Der Parteivorsitzende war auch der Verteidigungsminister und darum verantwortlich für all die schlimmen Dinge, die sich in den palästinensischen Gebieten ereigneten.

Der andere Teil des Friedenslagers besteht aus vielen radikalen Gruppen, von denen jede auf ihrem besonderen Sektor aktiv ist.. "Gush Shalom" ist ein politisches Zentrum, das die Grundlagen der Situation und die Mythen analysiert und dem entsprechend vielseitig und provozierend aktiv wird. "Ta’ayush" eine arabisch-jüdische israelische Gruppe, die der belagerten palästinensischen Bevölkerung hilft. B’tselem sammelt und veröffentlicht Daten über Menschenrechtsverletzungen, wie es das Alternative Informationszentrum in anderer Weise ("News From Within") tut. Die "Ärzte für Menschenrechte" machen eine wunderbare Arbeit auf medizinischem Gebiet, während die Frauenkoalition für Frieden und Bat Shalom Menschenrechtsaktivitäten mit einer feministischen Agenda verbindet. "Das Komitee gegen Hauszerstörungen" initiiert den Wiederaufbau von durch israelisches Militär zerstörten Häusern, und die "Rabbiner für Menschenrechte" - zwar nur eine kleine religiöse Gemeinschaft, die nicht dem fanatisch nationalistischem Banner folgt – sondern sehr aktiv sich um marginale Bevölkerungsgruppen in den Besetzten Gebieten und in Israel (Höhlenbewohner, Beduinen, Fremdarbeiter u.a.) kümmert . "Machsom Watch" berichtet über Schikanen an den Checkpoints und versucht, sie zu verhindern. Yesh Gvul hilft Soldaten, die den Dienst in den Besetzten Gebieten verweigern. "New Profile" ist auf demselben Gebiet aktiv. Die Liste ist lang. Aktivisten der verschiedenen Gruppen arbeiten häufig zusammen, und viele gehören mehreren Gruppen an.

Die Aktivisten dieser Organisationen meldeten sich, um den Dorfbewohnern zu helfen. Sie gingen hin, um Oliven zu pflücken und gleichzeitig den Dorfbewohnern als menschliche Schutzschilde zu dienen. Es schlossen sich ihnen europäische Friedensaktivisten an, die seit fast zwei Jahren in sich abwechselnden Schichten der besetzten palästinensischen Bevölkerung helfen. An manchen Tagen sind Dutzende von israelischen und internationalen Aktivisten in den Olivenhainen, am Sabbat Hunderte. Sie sind auf mehrere Dörfer verteilt, gehen die Hügel hinauf und werden von den Siedlern angegriffen. Bei Dutzenden von Zwischenfällen begannen die Siedler, in die Luft oder auf den Boden rund um die Olivenpflücker zu schießen.

Wochenlang erfuhr die Öffentlichkeit nichts von diesen Vorfällen. Denn unter den Medien gibt es ein verabredetes Stillschweigen über die Existenz eines radikalen Friedenslagers. "Frieden Jetzt!" wird irgendwie als zum nationalen Konsens gehörig betrachtet und deshalb wird über seine Aktionen - wenn auch nur knapp – berichtet. Über Aktivitäten der von mehr Prinzipien geleiteten und tatkräftigeren Kräfte ( der "zutiefst Linken" nach den Worten des früheren Ministerpräsidenten Ehud Barak, der sie verabscheute) wurde überhaupt nicht berichtet, es sei denn, es war mit Blutvergießen verbunden.

Aber langsam sickerten auch in den Medien Berichte über den Olivenkrieg durch: über die Siedler, die die Palästinenser wegjagten und ihnen die schon gepflückten Oliven stahlen; über Siedler, die, nachdem sie die Besitzer der Olivenhaine vertrieben hatten, selbst ernteten; über Siedler, die die Haine in Brand setzten; über den früheren Oberrabbiner, der verkündete, dass Juden recht handelten, wenn sie die Früchte denen wegnahmen, um die die arabischen Dörfler schwer gearbeitet hatten, weil Gott die Früchte des Landes den Juden gegeben habe.

Dies verabredete Stillschweigen wurde schließlich dadurch gebrochen, als eine Gruppe berühmter Schriftsteller mit ihrem Olivenpflücken ein Zeichen setzte. Die Medien, die die engagierte Arbeit von Hunderten von anonymen Aktivisten ignorierten, waren glücklich, auf Berühmtheiten wie Amos Oz, A.B.Yehoshua, David Grossman und Me’ir Shalev zu treffen. Nun wurde das Olivenpflücken ein Teil des Konsenses.

Die Siedler waren in weiten Teilen der Öffentlichkeit niemals beliebt. Der Zorn über sie wuchs, als bekannt wurde, dass man den Armen in Israel große Summen von Geld wegnahm, um die Siedlungen damit zu mästen. Der Zorn war vermischt mit der Sorge um die Soldaten, die häufig von Siedlern angegriffen, ihr Leben riskierten, um entfernt gelegene, halbleere Siedlungen zu schützen. Die Geschichten über das grausame Schikanieren von ungeschützten Olivenpflückern hatten gerade noch gefehlt. Sie haben selbst in der schweigenden Mehrheit Widerwillen und Abscheu hervorgerufen.

Dies hatte auch einen indirekten Einfluss auf Binjamin Ben-Eliezer. Er nahm die sich verändernde Stimmung in der Öffentlich wahr und entschied, dass es nun in seinem Interesse und in dem der Partei sei, die Regierung zu verlassen. Er suchte fieberhaft nach einem Vorwand. Öffentliche Meinungsumfragen ergaben, dass die Siedler jetzt die unbeliebteste Gruppe im Land seien. So entschied er, die Regierung dahin zu bringen, dass sie zusammenbräche. Er verlangte plötzlich, dass die Regierung das für die Siedlungen bestimmte Geld den Rentnern geben solle.

Das war nur ein Vorwand, aber es bewies, dass ein großer Teil der Öffentlichkeit es mit den Siedlungen einfach satt hatte. Zu guter Letzt sind die Siedlungen der Hauptpunkt der Auseinandersetzungen geworden. Während Ariel Sharon noch versucht, eine Regierung aufzustellen, die sich auf die Siedler und ihre Verbündeten der äußersten Rechten gründet, wird die Arbeiterpartei – nun in der Opposition – gezwungen sein, ein Anti-Siedlungsprogramm vorzustellen. Somit wird der Slogan einer kleinen "marginalen" Minorität zum Programm eines großen Lagers.

Dies ist wieder einmal ein Beispiel für die Doktrin des "kleinen Rädchens", wie wir es schon vor Jahrzehnten formulierten: ein kleines Zahnrad, von starkem unabhängigen Antrieb bewegt, dreht ein größeres Rad, das ein noch größeres antreibt .....bis die ganze große Maschine sich zu bewegen beginnt. In dieser Weise kann eine kleine politische Gruppe mit einer unabhängigen und klaren Agenda einen entscheidenden politischen Prozess in die Wege leiten, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

Wir haben noch immer einen weiten Weg vor uns. Die Gefahr des Faschismus schwebt noch immer über diesem Land. Es ist nun jedoch bewiesen, dass Dinge in die andere Richtung bewegt werden können.

Vielleicht ist eine kleine Olive auf dem Hügel mächtiger als eine 1t-Bombe.

 (Aus dem Englischen übersetzt: Ellen Rohlfs und vom Verfasser autorisiert)

http://www.uri-avnery.de

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weitere Links zu diesem Thema:

"Der Tod ist vielleicht leichter als das Fortgehen": Zweihundert Friedensaktivisten schließen sich palästinensischen Bauern bei der Olivenernte an - zu spät für Hirbat Yanun: die letzten Einwohner fliehen vor Siedlern

((das Zitat ist eine überschrift von mir))

die armee muss die olivendiebe stoppen:

--->http://www.friedensforum-duisburg.de/gushshalom/gs021030.htm

und dazugehörend:

Rückgängigmachen der ethnischen Säuberung in Hirbat Yanun

 

nachrichten von der olivenernte - 17. oktober

 

peace now: stoppt siedlerrandale! setzt dem wilden westen in den besetzten gebieten ein ende!

--->http://www.friedensforum-duisburg.de/gushshalom/gs021020.htm


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