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Ehud Olmert |
Olmert bekräftigt Politik
des Diktats
Staat ohne Grenzen
Von Werner Pirker
Quelle: jungeWelt
vom 30.03.2006
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Im Koma liegend, erzielte Ariel Scharon seinen
letzten großen Triumph. Die israelische Wählerschaft kürte die von
ihm am Ende seines politischen Lebens gegründete Kadima-Partei zum
Wahlsieger und bestätigte damit den neuen zionistischen Konsens. Der
beinhaltet im wesentlichen die dauerhafte Unterordnung der palästinensischen
nationalen Existenz unter die israelische Staatsräson. Diese macht es
aber auch erforderlich, dem archaischen Siedlerwesen Grenzen zu setzen.
Scharons Nachfolger Ehud Olmert hat angekündigt,
bis 2010 die endgültigen Grenzen Israels festzulegen. Das macht
schlaglichtartig deutlich, auf welcher zweifelhaften Grundlage Israel
bis heute existiert. Als ein Staat ohne Grenzen, oder: als ein Staat,
der nicht innerhalb seiner Grenzen definiert ist. Schon nach dem ersten
israelisch-arabischen Krieg hat Israel sich über das Territorium, das
ihm vom UNO-Teilungsplan zugewiesen wurde, hinweggesetzt. Und es hat
auch danach die Grenzfrage – in der Absicht auf territoriale Zugewinne
– stets offen gehalten. Das entsprach dem Wunsch, das biblische Land
Israel (Erez Israel), womit das historische Palästina gemeint ist, zur
Gänze in Besitz zu nehmen.
Doch dieser großisraelischen Konzeption wohnt eine
für das zionistische Staatsverständnis tödliche Gefahr inne. Eine
Annexion der 1967 besetzten Gebiete und die Gewährung von Staatsbürgerschaftsrechten
an die eroberte Bevölkerung würde die ethnische Vorherrschaft der jüdischen
Israelis brechen. Oder sie wäre nur unter Bedingungen einer offenen
Diktatur über die arabische Mehrheit aufrechtzuerhalten. Aus diesem
Dilemma ergab sich die israelische Bereitschaft zu einem territorialen
Kompromiß – »Land für Frieden« – mit den Palästinensern. Die
grundsätzliche Nichtbereitschaft, den Palästinensern auf einem kleinen
Teil ihres angestammten Territoriums ein gleichberechtigtes Staatswesen
zuzubilligen, blieb jedoch eine Konstante der israelischen Politik. Das
verdichtete sich in der Scharon-Strategie einer ausschließlich von
Israel bestimmten Lösung der palästinensischen Frage.
Nun erklärt Olmert die Bereitschaft seiner
Regierung, »auf Teile des historischen Erez Israel zu verzichten«. Wie
historisch ein »biblisches Land« ist, bleibe dahingestellt.
Entscheidend ist, daß der Staat Israel seine Grenzen selbst zu
bestimmen gedenkt – gegen alle UN-Beschlüsse seit 1967, die eine
vollständige Räumung aller im »Sechstagekrieg« eroberten arabischen
Territorien vorsehen. Damit sollte auch längst klar sein, wie Israels
international anerkannte Grenzen verlaufen. Ein Staat, der sein
Hoheitsgebiet nach Belieben definiert, stellt sich als legitimes Völkerrechtssubjekt
selbst in Frage.
Den Artikel finden Sie unter: http://www.jungewelt.de/2006/03-30/044.php
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