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Das
Pali-Tuch
Geschichte
und Entwicklung eines Symbols
Von
Samah Fakhoury/14.01.2008
Tradition
und Tracht
Das
Palästinensertuch (Hatta auch Kofiya genannt) ist ein viereckiges Stück
weichen weißen Baumwollstoffes, das zum Dreieck gefaltet um den Kopf
gelegt wird, wobei die Zipfel auf Schultern und Nacken herabfallen. Das
Tuch gehörte zur traditionellen Tracht der männlichen Landbevölkerung
in verschiedenen arabischen Ländern. Die Farbe der Tücher gibt
Auskunft über seinen Träger:
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schwarz
- weiß
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Palästinenser
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rot
- weiß
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Jordanier
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weiß
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Golfstaaten
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Im
Sommer tragen die Araber das Tuch zum Schutz vor der Sonne. Im Winter
schützt das Tuch seinen Träger vor der Kälte.
Symbol
des Selbstbestimmungsrechts (1922-1948)
Während
der britischen Mandatszeit über Palästina (1922-1948) kämpften die
Palästinenser um ihr Selbstbestimmungsrecht und die Entstehung eines
palästinensischen Staates. Die Freiheitskämpfer trugen das Tuch, um
ihre Identität zu verdecken. Die britische Kolonialmacht nahm jeden
fest, der das Tuch trug. Daraufhin trugen alle Palästinenser das Tuch
als Protest gegen die Mandatsmacht, nicht nur die Männer, sondern auch
die Frauen, damit die Freiheitskämpfer weniger auffielen. So ist das
Tuch ein Symbol für die Selbstbestimmung und gegen den Kolonialismus
sowie gegen die jüdische Besiedlung geworden.
Symbol
der Zugehörigkeit (1948-1964)
Nach
der Entstehung des Staates Israel im Jahre 1948 wurden mehr als 750 000
Palästinenser aus ihrer Heimat Palästina vertrieben. Statt einen
eigenen Staat zu erhalten, wurden sie zu Flüchtlingen. Es sind heute
mehr als 4.5 Millionen Palästinenser, die meisten von ihnen leben seit
mehr als 60 Jahren in Flüchtlingslagern. Das große Ziel der Palästinenser
nach 1948 war es, ihre palästinensische Identität in dieser neuen
Situation zu bewahren. Die palästinensischen Flüchtlinge trugen das
Tuch als Symbol der Rückkehr in ihre Heimat Palästina. Andere Palästinenser
weisen mit dem Tragen des Tuches auf ihre palästinensische Identität
hin.
Symbol
des Freiheitskampfes (1965-1973):
Das
Jahr 1965 markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte des
palästinensischen Volkes. In diesem Jahr begannen die Palästinenser
den Befreiungskampf unter der PLO (engl.: Palestine Libaration
Organisation, dt.: palästinensische Befreiungsorganisation). Die palästinensischen
Freiheitskampfer trugen das Tuch. Verkörpert wurde dieses Symbol durch
den langjährigen Palästinenserführer Jassir Arafat.
Internationales
Symbol der Solidarität (1970-1989)
Am
13. November 1974 hielt Jassir Arafat, der damals das Tuch trüg, auf
Einladung der Vereinten Nationen (UN) als erster Palästinenser und als
erster Repräsentant einer Freiheitsbewegung eine Rede vor der
UN-Vollversammlung.
Die
Rede Arafats fand weltweite Beachtung. Er legt die Probleme seines
Volkes dar und streckte die Hand zur friedlichen Koexistenz aus. Viele
Staaten - mehr als 100 - erkannten die PLO an. (Der erste Staat des
Westens war Österreich im Jahre 1980.)
1977
beschloss die Generalversammlung, den 29. November Tag der Solidarität
mit dem palästinensischen Volk, diesen Tag alljährlich als
internationalen Tag der Solidarität mit dem palästinensischen Volk zu
begehen. Am 29. November 1947 hat die Generalversammlung der Vereinten
Nationen die Resolution 181 (II) die Teilung Palästinas angenommen.
Diese Resolution teilte Palästina in einen jüdischen und einen
arabischen Staat.
Weltweit
bemächtigten die palästinensischen Studenten und Akademiker sich in
den 1970ern dieses Symbols, um so ihre Verbundenheit mit dem Volk
auszudrücken.
Nach
und nach kam das Tuch nicht nur nach Deutschland, sondern in allen Ländern
der Welt. Es wurde zum Symbol der Solidarität mit dem palästinensischen
Volk.
Symbol
des Friedens (90er Jahre)
Das
Palästina-Tuch hat mit dem Beginn der Friedensverhandlungen zwischen
Palästinensern und Israel an Bedeutung vor allem in den westlichen Ländern
gewonnen. 1994 erhielt Arafat den Friedens-Nobelpreis für seine Rolle
im Nahost-Friedensprozess. In den neunziger Jahren wurde das Tuch als
Symbol des Friedens bezeichnet.
Modeaccessoire
In
den westlichen Industriestaaten wurden die PLO-Tücher in den siebziger
Jahren zum Modeaccessoire, das mit dem Flair eines militanten "radical
chic" verbunden wurde. Zugleich drückte es in politischen Kreisen
die Verbundenheit mit dem Freiheitskampf der Palästinenser aus.
Pali-Tücher gibt es in unterschiedlichen Qualitäten. In Europa findet
man oft Billigprodukte, die nur als Halstuch geeignet sind. Hochwertige
Tücher erkennt man am eingewebten oder durchgewebten Muster und an der
Qualität des Gewebes. Diese sind in Spezialläden für islamische
Bekleidung erhältlich und oft nicht teurer als die Billigprodukte.
Heute kann man in Deutschland für rund fünfzehn Euro unter dem Etikett
"Palästinensertuch" schöne neue Tücher mit Fransen in
verschiedenen Farben kaufen.
14.01.2008 |