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Geschichte |
Interview der linken amerikanischen Zeitschrift Fight Back! mit dem inhaftierten Generalsekretär der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), Ahmad Saadat
Fight
Back! (linke US-amerikanische Zeitschrift) führte am 20. Mai ein Interview mit
dem inhaftierten Generalsekretär der Volksfront für die Befreiung Palästinas
(PFLP), Ahmad Saadat. In einer Zeit, in der sich die Augen der Welt auf den
Mittleren Osten richten, sind wir erfreut über die Gelegenheit, unseren
Leser/innen die Gedanken einer Schlüsselfigur des palästinensischen
Widerstandes in seinen eigenen Worten näher zu bringen. Aus:
http://www.geocities.com/gegenmacht/saadat_interview_deutsch.html Die
PFLP ist die zweitgrößte politische Gruppe innerhalb der Palästinensischen
Befreiungsorganisation (PLO). Sie ist eine revolutionäre,
marxistisch-leninistische Organisation, welche die Schaffung eines
demokratischen, säkularen Palästinas befürwortet. Die PFLP wurde 1968 von Dr.
George Habash und anderen führenden Mitgliedern der Arabischen
Nationalistischen Bewegung (ANM) gegründet und stand an vorderster Front des
politischen und bewaffneten Kampfes der Palästinenser/innen für nationale
Befreiung, das Recht auf Rückkehr und für die Beendigung der illegalen militärischen
Besatzung Palästinas durch Israel. Das
Zentralkomitee der PFLP wählte Saadat als Nachfolger des Vorsitzenden Abu Ali
Mustafa, der im August 2001 vom israelischen Staat ermordet wurde. Als
Vergeltung für die Ermordung Mustafas erschoss eine Spezialeinheit der PFLP den
Rassisten Rehevam Ze´evi, den israelischen Minister für Tourismus, der offen für
die Tötung und Verbannung von Palästinenser/innen eintrat. Auf
den Druck der Vereinigten Staaten und Israels hin verhafteten die palästinensischen
Behörden im August 2001 Saadat und vier weitere Mitglieder der PFLP für die Tötung
von Ze´evi im Januar 2001. Im Austausch für die Aufhebung der militärischen
Belagerung des Sitzes des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat gaben
die palästinensischen Behörden der Forderung Israels nach, die fünf in ein
Gefängnis in Jericho zu verlegen, das von den palästinensischen Behörden
betrieben wird und unter Aufsicht von US- und britischem Militärpersonal steht.
Fight
Back!:
Könnten Sie uns ein wenig über Ihre Geschichte in der PFLP erzählen? Wie und
wann sind Sie ihr beigetreten und weshalb fühlten Sie zu diesem Zeitpunkt Ihres
Lebens die Notwendigkeit, sich einer revolutionären Organisation anzuschließen?
Saadat:
Mein Leben im nationalen Widerstand begann 1967, dem Jahr der israelischen
Besatzung der Westbank und des Gaza-Streifens. In diesem Jahr bin ich der von
der PFLP geführten Palästinensischen Student/innen-Union beigetreten, und 1969
wurde ich dann offiziell Mitglied der PFLP. Die Motivation, mich dem nationalen
Kampf anzuschließen, war die Bekämpfung der zionistischen Besatzung. Zu dieser
Zeit war die palästinensische Gesellschaft im allgemeinen stark von Nassers
nationalistischen Gedanken beeinflusst, was dazu beigetragen hat, dass ich mich
für die PFLP statt für eine andere Organisation entschieden habe. Obwohl
nationalistische Gefühle und Hass gegen die Besatzung die maßgeblichen Motive
waren, sich irgendeiner nationalistischen Organisation anzuschließen, führte
mich meine soziale Klasse - als Flüchtling, der die Auswirkungen der palästinensischen
Katastrophe, Al Nakba [die Gründung des staatlichen Gebildes Israel und die
Vertreibung von 750.000 Palästinenser/innen], erlitten hat, sowie als Sohn
eines armen Arbeiters - zu den sozialistischen, marxistischen Gedanken, die in
den Massenorganisationen der PFLP verbreitet waren. Diese Verbreitung von
marxistischen Vorstellungen war ein Schritt vorwärts, eine fortschrittliche
Entwicklung in den Theorien der ANM [Arabische Nationalistische Bewegung] und
eine Konsequenz aus der Niederlage der bürgerlichen arabisch-nationalistischen
Kräfte im Krieg gegen Israel von 1967. Ich
sollte außerdem noch sagen, dass die Zeit, die ich in den frühen Jahren meines
Aktivismus im Gefängnis verbracht habe [Saadat wurde von den Israelis mehrmals
verhaftet und verbrachte insgesamt über 10 Jahre im Gefängnis], mich ebenso
zum Marxismus herangeführt haben und geholfen haben, mein Engagement für die
PFLP und die nationale Bewegung zu konsolidieren. Fight
Back!:
Sie sitzen nun seit mehr als einem Jahr im Gefängnis von Jericho. Der palästinensische
Oberste Gerichtshof hat die Verhaftung als nach palästinensischem Gesetz
illegal erklärt. Warum, denken Sie, weigert sich die palästinensische Behörde,
die PA, Sie und Ihre Genoss/innen freizulassen? Saadat:
Weil das sog. `Jericho-Abkommen´ uns, die fünf Gefangenen, unter Aufsicht von
Israel, den USA, der PA und Englands stellt, ist der einzige Weg, auf dem wir
freigelassen werden könnten, die Aufkündigung des Abkommens. Die PA kann diese
Position nicht einnehmen, besonders nach der israelischen Invasion in der
Westbank im April letzten Jahres und der Belagerung von Al Moqata, dem
Hauptquartier der PA und von Arafat. Jetzt pflichtet die PA allen Forderungen
Israels und der USA bei. Das
`Jericho-Abkommen´ ist eine der Forderungen, welche die PA als Verpflichtung
ansieht, die wichtiger für Israel und die USA sein könnte als die Ernennung
einer/s Premierminister/in oder einer/s neuen Finanz- oder Innenminister/in. Deshalb
erfordert meine Freilassung und die Freilassung meiner vier Genoss/innen eine
feste Position der Palästinenser/innen, die sich weigert, ständig den von den
USA unterstützten, israelischen Forderungen nachzugeben. Die Frage unserer
Freilassung ist daher sehr schwierig und liegt nicht allein in den Händen der
PA. Abschließend
möchte ich mich zur Behauptung der PA äußern, nach der wir zu unserer eigenen
Sicherheit inhaftiert seien: Das ist völliger Schwachsinn, der dazu dient, die
Komplizenschaft der PA und ihre Unterwürfigkeit unter die
Sicherheitsforderungen Israels zu rechtfertigen. Fight
Back!:
Der Krieg und die Besatzung in Irak scheinen eine Anstrengung der US-Regierung
zu sein, einen imperialistischen Plan einzusetzen, um ihre Hegemonie über die
ganze arabische Welt zu konsolidieren. Welche sind die spezifischen Pläne der
USA für die arabische Welt und auf welche Weise wirken sich die Bedingungen in
Irak auf die palästinensischen Ansprüche auf nationale Befreiung und Unabhängigkeit
aus? Gibt es eine reale Gefahr, dass Israel eine Politik der Zwangsvertreibung,
oder `Transfers´, der Palästinenser/innen von ihren Wohnorten und ihrem Land
durchführt? Saadat:
Der US-Staatssekretär Colin Powell hat erklärt, dass der amerikanische Entwurf
für die arabische Region nicht weniger sein wird als die Neu-Zeichnung der
politischen Karte der Region, um den amerikanischen Interessen am besten zu
dienen. Darüber hinaus stellt die Kontrolle der Erdöl-Vorkommen in der Region
die zentrale Verbindung dar, die es den USA ermöglichen wird, die Welt zu
kontrollieren, und wird daher die amerikanische Sichtweise der internationalen
Ordnung in diesem Stadium des Imperialismus durchsetzen. Dieser Entwurf wurde
durch die Verhältnisse nach dem 11.September ermöglicht – denn vor dem 11.
September gab es in den Verhandlungen des UN-Sicherheitsrates dagegen
Widerstand. Obwohl
es der erste Schritt in diesem Entwurf war, politische Deckung und
internationale Unterstützung für Sharon und Israels kriminellen Krieg gegen
das palästinensische Volk zur Verfügung zu stellen, war Irak immer das
zentrale Ziel. Die Erklärung von Powell hat den politischen Rahmen für den
Entwurf geliefert und das amerikanische Programm aufgedeckt, die arabische
Region zu `demokratisieren´ und allgemein im Mittleren Osten wie besonders in
der arabischen Region `die Menschenrechte zu schützen´. Der amerikanische
imperialistische Entwurf liegt nicht einfach in der Politik, Ökonomie oder
militärischen Stärke begründet. Die USA beabsichtigen in Partnerschaft mit
Israel, die Region sogar kulturell und ideologisch zu kontrollieren und neu zu
formen, um langfristig die Sicherheit für ihre imperialistischen Interessen zu
erreichen. Fight
Back!:
Die obersten Führer/innen der PFLP sitzen im Gefängnis. Viele andere aus dem
Zentralkomitee und Politbüro, sowie auch Führer/innen der mittleren Ebene,
sind entweder ebenfalls verhaftet oder getötet worden. Weshalb betrachtet
Israel die PFLP als solch eine Hauptbedrohung für seine Kontrolle über die Palästinenser/innen
und warum wurde die Öffentlichkeit nicht über diese verheerenden Angriffe in
derselben Weise aufgeklärt, wie wir über die Angriffe auf Hamas, den
Islamischen Jihad oder Fatah erfahren? Saadat:
Objektiv und ohne jede narzistische Einschätzung meiner Erfahrung gibt es veröffentlichte
Berichte von Führer/innen des israelischen Sicherheitsapparates, des Shabak,
und von diesem nahestehenden und mit ihm verbundenen Journalist/Innen, wie etwa
Ze´evi Sche´ve, in welchen die Gründe dafür beschrieben werden, warum die
Repression durch Israel auf die PFLP konzentriert ist. In
den 1980er Jahren und während der ersten Intifada von 1987-1993 fanden die
Israelis heraus, dass die PFLP eine feste, ideologische und unnachgiebige
organisatorische Struktur besitzt. Es war unmöglich für sie, die geheimen
Aktivitäten der PFLP zu entdecken, oder den Willen der PFLP-Kader und
-Mitglieder zu besiegen, nicht einmal durch ihre brutalen und illegalen Verhörmethoden.
Die PFLP hat auch eine sehr dynamische organisatorische Struktur, welche sich
schnell verwandeln und verändern kann, besonders in Notsituationen.
Die
fortgesetzten Angriffe der Israelis gegen die PFLP, besonders zwischen 1991 und
1995, zusammen mit der ernsten finanziellen Krise, mit welcher diese ab 1994
konfrontiert war, verleiteten den Shabak zu der Annahme, dass die PFLP den Weg
von der sprichwörtlichen Intensivpflege-Einheit ins Grab gegangen sei. Die
Geschwindigkeit, mit der die PFLP ihren Widerstandsapparat nach dem sechsten
Kongress wiederaufgebaut hat, sowie der Beginn der Intifada im September 2000,
überraschten Israel und den Shabak. Diese
Überraschung erklärt, warum der erste Mordanschlag gegen die PFLP durch Israel
auf Abu Ali Mustafa abzielte. Die Annahme war, dass die Ermordung von Abu Ali
die PFLP zurück zur Intensivpflege-Einheit treiben würde. Doch stattdessen
antwortete die PFLP mit ähnlicher Macht, indem sie den Rassisten Rehevam Ze´evi
tötete, einem Mitglied von Sharons Kabinett. Obwohl
die meisten der Aktivitäten der PFLP nicht in den Mainstream-Medien zu finden
sind, kennt der israelische Shabak diese Aktivitäten gut und hat seine Angriffe
auf uns verstärkt. Die Medien, die sich auf die Konkurrenz zwischen der PA und
den islamischen Kräften konzentrieren, mögen uns ignorieren, aber der Feind
macht es nicht. Und obwohl der PFLP eine regionale, politische Macht fehlt, und
sie hauptsächlich auf die lokale Unterstützung durch arbeitende und arme
Menschen vertraut, werden ihre Aktionen und ihre politische Bedeutung in der
ganzen Region anerkannt. Fight
Back!:
Hat die PFLP ein spezifisches politisches Programm, welches als Antwort auf die
aktuellen objektiven Bedingungen der Intifada, oder des Aufstandes, entwickelt
wurde? Wenn ja, wie setzt die PFLP diesen Plan in die Tat um? Saadat:
Die PFLP betrachtet die aktuelle Intifada als eine Initiative des Volkes und als
eine absehbare Antwort auf die Krise, welche durch die Oslo-Verträge und andere
auf Oslo basierende Verhandlungen geschaffen wurde. Der endgültige
Zusammenbruch der Verträge ist nach dem Treffen in Camp David aufgetreten und
hat die Wiederherstellung der Alternative des Volkswiderstandes zugelassen.
Die
Intifada hat nicht nur die inneren Widersprüche des Oslo-Abkommens und dessen
Unfähigkeit, den Konflikt zu lösen, reflektiert, sondern sie hat auch gezeigt,
wie wichtig eine Neuordnung der palästinensischen, inneren Strukturen und ein
Neuüberdenken der palästinensischen Führung sind – auf der Basis der
Funktion des politischen Widerstandes. Dieser Widerstand selbst hat seine Basis
in der Wiederherstellung der Rolle von internationaler Legitimität und die UNO
als einen Bezugsrahmen, anstatt die USA als Hochburg für die
`Friedensvermittlung´ zu akzeptieren. Die
Intifada zielt auf die Wiederherstellung der Rolle von internationalen
Institutionen im politischen Prozess, als jene Körperschaften, die für die
Umsetzung von Resolutionen und internationalem Recht in Bezug auf den
arabisch-israelischen Konflikt verantwortlich sind. Die PFLP unterstützt die
Rolle der Intifada dabei, die Struktur der palästinensischen Führung durch
Strukturen des Volkes zu verstärken – angefangen bei den Volkskomitees, die
dafür verantwortlich sind, lokale Institutionen in den Städten, Dörfern, Flüchtlingslagern
und Nachbarschaften zu aktivieren, bis hin zu einem Mechanismus von Medien,
welcher einen politischen Diskurs hervorhebt, der Unterstützung für die
Legitimität und Legalität von Widerstand liefert, sowie die Kriminalität der
israelischen Handlungen und die Verletzung der Menschenrechte und des
internationalen Rechts aufzeigt. Außerdem fördert die Intifada die Unterstützungsnetzwerke
der arabischen und globalen Bevölkerung in ihrem Streben nach Erlangung der
angemessenen nationalen Rechte des palästinensischen Volkes. Die
Intifada, gemeinsam mit der Unterstützung durch die arabische und
internationale Bevölkerung, könnte den Feind unter Belagerung setzen und den
Weg dazu ebnen, unsere nationalen Ziele zu erreichen, was die PFLP bei mehr als
einer Gelegenheit zum nationalen Dialog vorgeschlagen hat. Dies ist jedoch für
die bürgerliche palästinensische Behörde nicht auf der Tagesordnung
gestanden, welche ihre Anstrengungen zwischen Widerstand (um ihn auf unreife
Weise auszubeuten) und Verhandlungen aufgeteilt hat, die auf demselben alten
Bezugsrahmen beruhen (Oslo). Diese Situation hat einen Zustand der politischen
Schizophrenie erzeugt. Dieser doppelte politische Diskurs der PA – mit der
Intifada/dem Widerstand an einem Ende und mit Israel am anderen Ende – hat zur
Schwächung der Intifada geführt, besonders wenn die PA Aspekte des
Widerstandes als `terroristische Aktivitäten´ einstuft, die verurteilt und bekämpft
werden müssen Fight
Back!:
Die Unterstützung der Bevölkerung für den palästinensischen Kampf ist unter
den Massen der arabischen Welt immer groß, doch ihre Regierungen haben in der
Mehrheit keine starke politische Haltung gegen Israel oder die Unterstützung
der USA für Israel eingenommen. Die PFLP drückt weiterhin aus, dass die
Freiheit der Palästinenser/innen untrennbar mit der Freiheit der Araber/innen
verbunden ist. Was können die Palästinenser/innen in diesem Klima von
Repression durch die arabischen Regierungen gegen die arabischen Massen von
diesen Massen erwarten, was die tatsächliche Unterstützung für die Beendigung
der israelischen Besatzung betrifft? Saadat:
Die Einheit der arabischen Nation und der palästinensischen Nation beruht auf
der Verbindung der Interessen der arabischen Menschen und ihrem kollektiven Bedürfnis
nach Sicherheit, sozialem Fortschritt, Entwicklung, sozialer Gerechtigkeit und
Einheit. Diese Interessen und Ziele, welche die zugrundeliegende Basis für die
arabische Einheit und die gegenseitige Verbindung repräsentieren, können
jedoch nicht in Bedürfnisse übersetzt werden, ohne die politischen
Instrumente, welche die Aktion des Volkes ankurbeln und es in einem arabischen
Zentrum vereinigen. Die
Slogans für die unterschiedlichen arabischen, nationalen Strömungen und
Parteien sind nicht angemessen für Programme, welche den arabischen, nationalen
Kampf zur Basis für den Kampf in jedem einzelnen arabischen Land machen werden.
Im Gegenteil, der Kampf der nationalistischen Parteien in jedem Land bleibt auf
lokale Themen ausgerichtet und isoliert von der allgemeinen arabischen Frage.
Aus diesem Grund ist die Unterstützung der arabischen Bevölkerung für die
Intifada und der Protest gegen den Krieg in Irak begrenzt geblieben. Den
nationalistischen Instrumenten – der Arabische Nationalkongress, verschiedene
arabische, nationalistische Parteien und die arabisch-islamische Konferenz –
fehlt es an einem Programm, das die lokalen Themen in jedem Land mit den
allgemeinen arabischen Themen verbindet. Weil
die amerikanische Militärbesatzung in Irak den zentralen Punkt des Angriffes
auf den arabischen und palästinensischen Befreiungsentwurf darstellt, erhält
es eine große Bedeutung, die Mechanismen, Programme und Methoden der
arabischen, nationalen Volksbewegungen neu zu überdenken, um die nationalen
Interessen, Unabhängigkeit, Selbstbestimmung, Kultur und Ressourcen zu
verteidigen und die dialektische Verknüpfung zwischen nationalem Volkskampf und
dem internationalem Kampf zu erkennen. Die
amerikanische Globalisierung des Krieges hat die Bedingungen geschaffen für
ihre Antithese – die Globalisierung des Volkskampfes – auf zwei Ebenen.
Erstens die taktische und unmittelbare Ebene: Die Herausforderung der USA an den
internationalen Willen und internationale Institutionen und ihre Verletzung von
internationalem Recht durch den Krieg gegen Irak hat eine Form von `Verweigerungs´-Front
geschaffen, welche aus jenen Ländern besteht, die sich gegen den Krieg gestellt
und sich vereinigt haben, um die UNO zu verteidigen. Dies hat einen `offiziellen´
Rahmen geboten, um sich dem illegalen Krieg und der Besatzung in Irak zu
stellen. Zweitens die strategische und langfristige Ebene: Vor dem Krieg gegen
Irak hat sich der Volkswiderstand (Anti-Globalisierungs-Kräfte) gegen den
Imperialismus und seine Politik gegenüber den armen Nationen bedeutend
ausgeweitet. Die Volksbewegung, in den arabischen Ländern und überall auf der
Welt, bietet die strategische Grundlage für den Kampf gegen den Imperialismus
und muss sich diesen neuen Bedingungen zuwenden und ihr Programm neu entwerfen,
um die imperialistische Politik lokal und global zu bekämpfen. Diese Bewegung
der arabischen und weltweiten Massen wird der palästinensischen Sache am
meisten helfen. Fight
Back!:
Die Vorstellung der PFLP für ganz Palästina beinhaltet das Leben in einer
Gesellschaft, die frei von Kontrolle durch die herrschenden kapitalistischen
Klassen Israels und der palästinensischen Behörde ist. Sie betonen auch, dass
ein umfassender Friede nicht erreicht werden kann, ohne dass das Recht auf Rückkehr
der palästinensischen Flüchtlinge umgesetzt wird. Sobald die Flüchtlinge zurückgekehrt
und die israelische Besatzung beendet ist, welches politische System muss
eingesetzt werden, damit Ihre Vision eines palästinensischen Staates
aufrechterhalten wird? Und welche besondere Rolle sollen die PFLP und die
unterdrückten Klassen der palästinensischen Gesellschaft in diesem Staat
spielen? Saadat:
Das Recht auf Rückkehr für die palästinensischen Flüchtlinge ist ein
legitimes und zentrales palästinensisches Recht, und der wichtigste Teil des
palästinensischen Befreiungsentwurfes. Wenn die PFLP auf ihre Verpflichtung für
das Rückkehrrecht besteht, dann besteht sie einfach auf ihre Verpflichtung für
das palästinensische, nationale Programm, welches bei zahlreichen Treffen des
palästinensischen Nationalrates bestätigt wurde. Das
Rückkehrrecht ist weder eine spontane, emotionale Reaktion, noch ist es ein
abstrakt-legales Recht und auch kein rechter Chauvinismus. Im Gegenteil, es ist
realistisch und bildet die einzige Grundlage für einen permanenten und
dauerhaften Frieden. Außerdem
ist die Aufrechterhaltung des Rückkehrrechts keine, wie manche Intellektuelle
und Akademiker/innen argumentiert haben, unmögliche Position, die für die Unfähigkeit
steht, politische Realitäten und die Mischung aus lokalen, regionalen und
internationalen Kräften zu verstehen. Im Gegenteil ist diese Verpflichtung für
das Rückkehrrecht das Nebenprodukt einer wissenschaftlichen und objektiven
Einschätzung und des Studiums des historischen Kampfes zwischen der palästinensischen,
nationalen Befreiungsbewegung und der zionistischen, kolonialen Bewegung. Jede Lösung,
die das Rückkehrrecht als Grundlage für einen permanenten Frieden zwischen Palästinenser/innen
und den jüdischen Siedler/innen, welche die indigenen Bewohner/innen Palästinas
gewaltsam vertrieben und das Land kolonisierten, ignoriert, mag zu kurzzeitigen
Perioden der Ruhe und Stille führen, sie wird jedoch nicht die objektiven
Bedingungen beseitigen, welche den Konflikt zwischen unserem Volk und der
zionistischen Bewegung erzeugen. Deshalb
mag die Durchsetzung von internationalen Resolutionen und internationalem Recht
betreffend das Rückkehrrecht, als erster Schritt, die Grundlage für einen
permanenten Frieden schaffen und den Kampf in und rund um Palästina beenden.
Dieses Recht, als Essenz der palästinensischen Frage, bildet die Brücke für
eine demokratische und dauerhafte Lösung des Konfliktes zwischen jüdischen
Siedler/innen und dem palästinensischen Volk. Manche
haben argumentiert, dass die gegenwärtige Realität in Richtung einer
Zweistaaten-Lösung drängt – ein israelischer Staat neben einem palästinensischen
Staat auf der Basis der Grenzen von vor 1967. Natürlich gehört es zu dieser Lösung,
das Rückkehrrecht zu ignorieren, oder es durch Entschädigungen zu ersetzen.
Wir in der PFLP argumentieren, dass es den Kampf nicht beenden wird, wenn eine
solche Lösung dem palästinensischen Volk aufgezwungen wird, weil die Fakten
und die Realität einer solchen Lösung widersprechen. Die Zweistaaten-Lösung,
welche in der rassistischen Auffassung von `einem nationalen, homogenen jüdischen
Staat´ begründet liegt, missachtet vollkommen die Tatsache, dass mehr als 1,3
Millionen Palästinenser/innen – 20% der gesamten Bevölkerung – innerhalb
von Israel leben. Dies wird weiterhin zulassen, dass die Gründe des Konfliktes
innerhalb Israels bleiben. Deshalb ist die Lösung auf der Grundlage von zwei
Staaten ein Mythos. Das Anliegen unseres Volkes, wie jedes anderen Volkes, ist eine demokratische und freie Gesellschaft. Dieser demokratische Staat – die einzige Staatsform, welche soziale und ökonomische Entwicklung herstellen kann – kann nicht von der parasitären und Kompradoren-Bourgeoisie geführt oder beherrscht werden, sondern von einer Einheit der Volkskräfte, die strukturelle Interessen teilen, in nationaler Unabhängigkeit, Rückkehr in die Heimat, Volksdemokratie und ökonomischer Entwicklung. Kurz, dies ist unsere Sichtweise in der PFLP und die Ansicht der nationalen, demokratischen Befreiungsbewegung. |
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