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Original
aus:

Zur
Medienkampagne vor und nach den Wahlen im Iran:
Freundschaftliche
Ratschläge
Von
Jorge Cadima
Deutsche Übersetzung: kommunisten.ch
vom 25. Juni 2009 – Der Fieberwahn der
euroamerikanischen Medien und Regierungen angesichts der iranischen
Wahlen – was auch immer die Faktenlage sein und wie die
Beurteilung des iranischen Regimes auch ausfallen möge – legen
doch einige freundschaftlichen Ratschläge nahe.
Wie
wäre es, wenn man die Gouverneure von Florida (den von 2000) und von
Ohio (2004) hin senden würde, um die Iraner zu unterweisen, wie man
Wahlen ernsthaft durchführt? Wie, wenn man die Verantwortlichen des Gefängnisses
von Abu Ghraib im besetzten Irak oder jene des Konzentrationslagers von
Guantánamo nach Teheran schickte, um den mittelalterlichen Orientalen
den hohen Stand der westlichen Demokratien im Umgang mit politischen
Gefangenen beizubringen? Oder den Präsidenten von Peru, Alan García
(Verbündeter der USA und Mitglied der
Sozialistischen Internationale) in den Iran zu bringen, damit er dort
sein Wissen weitergibt, wie man Dutzende von Manifestanten vom
Helikopter aus massakrieren – so geschehen vor kaum mehr als 14 Tagen
– und sich dabei das komplizenhafte Schweigen der westlichen
Massenmedien und Regierungen sichern kann? Er könnte sogar von
amerikanischen Militärs begleitet werden, die selbst nach Angaben der
afghanischen Regierung routinemäßig Dutzende von Zivilisten von
Flugzeugen aus niedermetzeln, was auf Seiten der schockierten EU eine äußerst
harte Reaktion auslöst, und zwar: jedes mal mehr Truppen dorthin zu
verlegen, um in der Reihe „unserer alliierten” fliegenden Mörder zu
kämpfen. Mögen sie doch auch Israels Regierung dorthin schicken, die
seit 60 Jahren Palästinenser hinschlachten, ohne dass solches „dem
Westen” den Schlaf raubt. Und wie wäre es, wenn man auch die Chefs
der am meisten proamerikanischen Staatschefs der islamischen Welt nach
Teheran schicken möchte? Saudi-Arabien wird gewiss über anerkannte
Fachleute in der Organisation beliebiger Wahlen verfügen, was ihm
scheinbar zur Stellung des seit Jahrzehnten treuesten Verbündeten der USA
in der Region verholfen hat. Die Europäische Union, welche kürzlich
beschlossen hat, das Referendum über den Vertrag von Lissabon in Irland
(das einzige, welches sie nicht verhindern konnte) zu wiederholen, kann
Durão Barroso senden, der Lektionen über den gewaltigen Respekt
erteilen kann, den man für den Volkswillen aufbringen muss, wo immer
sich dieser an der Urne äußert.
Die
Eliten der westlich-kapitalistischen Welt, welche in diesen Tagen Vorwürfe
und Klagen gegen die iranischen Führer erheben, können noch mehr nützliche
Dinge lehren. Der italienische Premier Berlusconi kann Seminare über
„good governance” abhalten und den zaghaften iranischen
Regierungsleuten zeigen, wie man auf einem hohen Niveau von Strenge und
Moral die öffentlichen Angelegenheiten verwaltet – in der
Zwischenzeit von einem Bacchanal zum anderen. Die wirtschaftlich
Verantwortlichen der USA, von General Motors, AIG,
Citibank, Lehman Brothers, diejenigen der EU (zuvorderst Lettlands) und
von Island können Anleitungen für die Wirtschaft anbieten. Und die
britischen Parlamentarier können ihren Amtskollegen im Iran darlegen,
was Ethik und Moral bedeuten, während Tony Blair und sein Ex-Minister
Gordon Brown über die Wichtigkeit der Wahrheit im politischen Leben
referieren können.
Man
sagt uns also, es habe Wahlbetrug gegeben. Man hatte uns seinerzeit auch
gesagt, dass es Massenvernichtungsmittel im Irak gebe. Und Genozide im
Balkan. Ebenso sagte man uns, dass die Grundlagen der Volkswirtschaften
solide seien. Wieso sollten wir denen glauben? Auch in Venezuela haben
sie es geschafft, Tausende (vorwiegend aus der Mittel- und Oberschicht)
auf die Straßen zu bringen, um den Sturz „des Diktators” zu
bewerkstelligen, der legitim eine Wahl nach der anderen gewonnen hat.
Sie organisierten sogar einen Staatsstreich, zur Freude der CNN.
Von der Ukraine bis zu Moldawien zeichnet sich der Brauch ab, dass
„Betrug” geschrien und Unruhen organisiert werden, wenn der von den
Amerikanern gestützte Kandidat nicht gewinnt. Die Berichterstatterin
der staatlichen portugiesischen TV-Kanals RTP,
Márcia Rodrigues, die keiner Sympathie mit dem Regime verdächtigt
wird, sprach von gigantischen Volksversammlungen Ahmedinejads, die nie
in den angloamerikanischen TVs zum Vorschein kamen. Es ist kein
Geheimnis, dass der Iran Zielscheibe von Drohungen und Aggressionen der USA,
Großbritanniens und Israels war. Es ist ein Land, das von vielen
Zehntausenden von US-amerikanischen Soldaten im benachbarten Irak und
Afghanistan umgeben ist. Der CIA verfügt über
einen Plan, um das widersprüchliche und gespaltene iranische Regime «zu
destabilisieren und eventuell zu stürzen» (Telegraph, 27.5.07). Wieso
sollten wir den Worten dieser Leute glauben?
Wenn
auch diese „farbige Revolution – Teil X” keine Wirkung zeigen
sollte, dann wird Durão Barroso vielleicht den „Gipfel von Lajes Teil
II” einberufen1.
Die tausend Millionen von menschlichen Wesen, die laut UNO
Hunger leiden (BBC 20.6.09) – hundert
Millionen mehr als vor einem Jahr (!) – werden warten müssen. Der
Imperialismus hat andere Prioritäten.
Quelle/Original:
Jornal
«Avante!» (25.06.2009) – Übersetzung: www.kommunisten.ch
(mh/lih)
1
Anmerkung d. Übers.: Auf dem US-Stützpunkt
Lajes auf den Azoren empfing der damalige portugiesische Premier Durão
Barroso am 16. März 2003 den US-Präsidenten Bush, den britischen
Premier Blair und seinen spanischen Kollegen Aznar, um die letzten
Kriegsvorbereitungen zu treffen. Von dort aus wurde dem Irak ein
24-Ultimatum zur Abrüstung gestellt. Am 20. März entfesselte Bush den
Irakkrieg. |