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Anmerkung
Roter Webmaster (21. Mai 2007))
Durchhalteparolen
und dumme Sprüche hat Frau Merkel („sprechender Hosenanzug“) zu
bieten, wenn sie über die toten deutschen Soldaten in Afghanistan
redet. Dabei trägt sie die Verantwortung dafür, dass Soldaten der
Bundeswehr als Leichen in ihre Heimat zurück kehren, gefallen für
eine ungerechte Sache, den Traum des deutschen Großkapitals, überall
in der Welt – einmal als Juniorpartner der USA, wie in
Afghanistan, oder als Konkurrent, wie in den diversen Kriegsgebieten
auf dem Balkan, Asien und Afrika – aufzutreten und „deutsche
Interessen“ – sprich: die des Großkapitals – durchsetzen zu
helfen.
Dass
die deutschen Soldaten am Hidukusch nur die reinen Aufbauengel
Afghanistans sind, ist eine plumpe Lüge.
Der
Rote Webmaster |
Das
Echo der Tornados
Quelle:
german-foreign-policy
vom 20.05.2007
KABUL/BERLIN
(Eigener
Bericht) - Der tödliche Anschlag auf eine Patrouille deutscher Soldaten
in Kunduz ist als Antwort auf die Entsendung von Bundeswehr-Tornados in
das afghanische Kriegsgebiet zu verstehen. Daran sei „überhaupt kein
Zweifel möglich“, urteilt ein afghanischer Exilpolitiker im Gespräch
mit dieser Redaktion. Am gestrigen Samstag waren drei deutsche Soldaten
und mindestens sechs Zivilpersonen bei einem Attentat ums Leben gekommen.
Zu der Tat haben sich inzwischen die sogenannten Taliban bekannt.
Zeitgleich mit dem Anschlag starben bei Kampfhandlungen in mehreren Teilen
des Landes mehr als 100 Afghanen - angeblich Aufständische. Wie
Menschenrechtsorganisationen berichten, werden regelmäßig Zivilpersonen
getötet, die in der NATO-Statistik („body-count“) als Kombattanten
figurieren. Die fortgesetzten Kriegsverbrechen an der afghanischen Bevölkerung
haben zu unbändigem Hass auf die Vereinigten Staaten und deren Bündnisarmeen
geführt, erklärt der afghanische Exilpolitiker, der anonym bleiben möchte,
gegenüber german-foreign-policy.com: „Der Hass auf die US-Politik ist
wesentlich stärker, als er gegenüber den Russen je gewesen ist (...). In
der Wahrnehmung vor Ort handelt es sich bei den Bundeswehreinheiten um
Unterstützungskommandos für die USA.“ Das deutsche Militär werde mit
hohen Opfern zahlen, prophezeit der Afghanistan-Kenner.
Stabilität
und Frieden
Die
Bundesregierung kommentiert den Anschlag, der drei deutsche Soldaten das
Leben kostete, wie alle bisherigen Todesfälle im afghanischen
Kriegsgebiet [1] mit stereotypen Durchhalteparolen. „Wir werden
weiterhin unseren Auftrag erfüllen, um zu Stabilität und Frieden in
Afghanistan beizutragen“, heißt es in einer Stellungnahme des deutschen
Verteidigungsministers. Laut Bundeskanzleramt wolle Deutschland „den
Menschen in Afghanistan beim Aufbau einer guten Zukunft ihres Landes
weiter (...) helfen“. Berlin unterstreicht die Fortführung seiner
Besatzungsstrategie mit Hinweisen auf zukünftige Opfer, deren Tod
offensichtlich hingenommen werden soll. Ein „absoluter Schutz“ der
deutschen ISAF-Soldaten sei „nicht möglich“, verlautbart der
verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer
Arnold. Bislang kamen nach offiziellen Angaben 21 Bundeswehrangehörige in
Afghanistan ums Leben. Man trauere mit den Angehörigen, heißt es in
satzgleichen Standardstellungnahmen der verantwortlichen deutschen
Politiker. Entsprechende Beileidsbriefe werden nach Formvorlagen
angefertigt.
Unvermeidbar
Der
Anschlag vom gestrigen Samstag sei eine Reaktion der Entsendung von
Tornado-Maschinen der Bundeswehr. Diese Ansicht vertritt
ein
afghanischer Exilpolitiker im Gespräch mit german-foreign-policy.com.[2]
Seit mehreren Wochen spähen die deutschen Flugzeuge Stellungen
gegnerischer Verbände aus. Infrarotkameras erfassen aus großer Höhe
auch unterirdische Wärmequellen und orten jedes Lebewesen, selbst wenn es
sich in Bunkersystemen aufhält. Die Ortungsergebnisse landen bei den
westlichen Kampftruppen und führen - unmittelbar oder zeitverzögert - zu
zielgenauen Angriffen auf die Wärmequellen. Da nicht unterscheidbar ist,
ob das Tornado-Suchsystem Zivilpersonen oder Kombattanten erfasst, sind
NATO-Angriffe auf die nicht kämpfende Bevölkerung in Weilern oder im
Grenzgebiet unvermeidbar.[3] Bei ähnlichen Angriffen seien bereits vor
dem Tornado-Einsatz rund 200 Zivilisten umgebracht worden, beklagt die
Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. (Die Karte dokumentiert die
Einsatzgebiete der Bundeswehr in Afghanistan; eine vergrößerte Fassung
finden Sie hier.)
Verbraucht
Dieser
Todeszoll wird jetzt noch höher werden. Denn faktisch operieren die
Bundeswehr-Tornados als Leitzentralen einer Angriffsstrategie, die dem
US-Vorbild in Vietnam entspricht: „Search and destroy“ (Suchen und
vernichten). Dabei kommt es zu wahllosen Bombardements. In Reaktion auf
den Tornado-Einsatz sei Berlin mit dem gestrigen Attentat mitgeteilt
worden: „Wenn Ihr Eure Besatzungspolitik weiter eskaliert, werdet Ihr
mit hohen Opfern zu rechnen haben“, urteilt der Gesprächspartner im
Interview mit dieser Redaktion. Demnach ist der „Vertrauensvorschuss“,
den Deutschland in Afghanistan genoss, weil es dort nicht zu den früheren
Kolonialmächten gehört, inzwischen „verbraucht“.[4]
Politisch
erledigt
Auch
politisch verliert Berlin seine bisherigen Stellungsvorteile. Vor wenigen
Tagen hat das Parlament in Kabul beschlossen, Außenminister Rangin Dadfar
Spanta seines Amtes zu entheben. Spanta gilt als Vertrauensperson der
deutschen Außenpolitik. Er hat mehrere Jahrzehnte im Exil in Aachen
(Nordrhein-Westfalen) verbracht, besaß bis vor kurzem die deutsche
Staatsbürgerschaft und ist nach wie vor Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen,
der Partei des ehemaligen Außenministers Josef Fischer.[5] „Dieser
sogenannte Außenminister mag für Berlin sehr nützlich gewesen sein; für
Afghanistan ist er eine Katastrophe“, heißt es im Gespräch mit
german-foreign-policy.com. Anlass für den Antrag, Rangin Dadfar Spanta
seines Amtes zu entheben, war eine Massenabschiebung zehntausender Flüchtlinge
Mitte April aus Iran. Sie wurden in ihre afghanischen Herkunftsgebiete zurückgezwungen,
obwohl das Kriegsgeschehen dort eskaliert und etliche eine iranische
Aufenthaltserlaubnis besaßen. Spanta stimmte der Abschiebung zu.
„Politisch ist er erledigt“, urteilt der afghanische Exilpolitiker über
den Minister. Spanta genießt weiter das Vertrauen des Kabuler
Verwaltungspräsidenten, Hamid Karzai, der ihn im Amt zu halten versucht.
Auch Karzai lebte zeitweilig im Exil und wird nach seinen ausgedehnten
USA-Aufenthalten von Washington geführt.
Von
Regierungssoldaten erschossen
Der
„Hass auf die US-Politik“ sei inzwischen „wesentlich stärker, als
er gegenüber den Russen je gewesen ist“, urteilt der Interviewpartner
dieser Redaktion, der selbst dem gegen Moskau gerichteten Widerstand angehörte.
Der Unmut über die Vereinigten Staaten erreiche inzwischen die
afghanischen Regierungstruppen und führe dazu, dass auch Einheiten des
Kabuler Regimes gegen die verbündeten US-Militärs vorgehen: „Vor
wenigen Tagen wurden drei US-Soldaten vor dem Gefängnis in Pol-e Khomri
erschossen - nicht von Taliban, sondern von afghanischen
Regierungssoldaten.“[6]
Drogeneinkünfte
Der
wachsende Hass breiter Teile der afghanischen Bevölkerung hat die
westlichen Besatzungskräfte in eine aussichtslose Lage gebracht. Ihre
Gewaltoperationen im Süden und Südosten des Landes fordern eine immer höhere
Zahl von Todesopfern; auch in der deutsch kontrollierten Zone im
afghanischen Norden, der bislang als relativ ruhig galt, nimmt die Gewalt
zu. Zu den Feinden des Westens gehört inzwischen selbst die Nord-Allianz,
die noch 2001 Bodentruppen für den US-geführten Krieg stellte. Die
Konflikte entzünden sich an der Verteilung von Drogeneinkünften, die
angeblich von den USA zugewiesen werden und die einzige Einnahmequelle der
Clans und afghanischen Warlords sind. Wegen der Kartellkonflikte müssen
auch die Bundeswehrtruppen mit Angriffen rechnen.
Verloren
Die
Lage der Besatzungskräfte wird durch afghanisch-pakistanische Differenzen
zusätzlich erschwert. In den vergangenen Tagen kam es zu Kämpfen
zwischen den Regierungstruppen beider Seiten. Pakistan rüstet mit
Finanzhilfe der EU die Grenze zum Nachbarland hoch, um afghanischen Aufständischen
das Rückzugsgebiet abzuschneiden.[7] Die pakistanischen Aktivitäten
werden in Kabul als nationale Bedrohung wahrgenommen und schwächen das
US- und EU-Lager. Für die Besatzungspolitik gebe es keine Chance, sagt
der afghanische Gesprächspartner im Interview mit dieser Redaktion.
„Die deutsche Unschuld ist verloren. Es werden nicht die letzten Toten
gewesen sein.“
Bitte
lesen Sie das vollständige Interview
über die Berliner Afghanistan-Politik und die Sicherheitslage im
Kriegsgebiet.
Weitere
Informationen zur deutschen Afghanistan-Politik finden Sie hier: Krieg,
Pulverfass,
Viele
Tote, Wahlen
im Protektorat, Völkerrechtswidrig,
Zurück
blieben Tote, Auf
den Trümmern des Krieges, Teil
der Verwaltung, Pate
der Polizei, Hundert
Prozent, Deutsche
Vergangenheit, Option
Rückzug, Interview
mit Dr. Conrad Schetter, Grüner
Friede, Protektorat
auf Dauer, Fünfhundert
Ziele, Ende
im Grab und Menschenopfer
unverzichtbar.
[1]
s. auch Fünfhundert
Ziele
[2] s. dazu Keine
Chance
[3] s. dazu Kriegsverbrechen
[4] s. dazu Keine
Chance
[5] s. dazu Die
Grünen, Ortsverband Kabul, Deutsche
Vergangenheit und Option
Rückzug
[6] s. dazu Keine
Chance
[7] s. dazu Den
Rückzug abschneiden
zurück
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Afghanistan:
Keine
Chance
Quelle:
german-foreign-policy
vom 20.05.2007
KABUL/BERLIN
Nach
dem tödlichen Anschlag auf eine Patrouille deutscher Soldaten in Kunduz
sprach german-foreign-policy.com mit einem afghanischen Exilpolitiker über
die Berliner Außenpolitik und die Sicherheitslage in seinem Land. Der
Interviewpartner möchte anonym bleiben.
german-foreign-policy.com:
Wie war Ihre erste Reaktion, als Sie von dem Anschlag erfuhren?
A.P.: "Dies ist die Antwort auf die Tornados", war meine
spontane Reaktion, und sie war nicht falsch. Auch beim Überdenken der
Ereignisse komme ich zu dem Ergebnis, dass dieser Anschlag zielgerichtet
verübt wurde - wegen der Entsendung der deutschen Luftunterstützung für
den US-Krieg. Daran ist überhaupt kein Zweifel möglich. Hier ist Berlin
mitgeteilt worden: Wenn Ihr Eure Besatzungspolitik weiter eskaliert,
werdet Ihr mit hohen Opfern zu rechnen haben. Das ist sehr ernst zu
nehmen. Dass diese Botschaft Menschenleben kostete, um die deutsche Außenpolitik
noch einmal zu warnen, ist tragisch. Ich bedaure den Tod all dieser
Menschen.
gfp.com: Die Bundesregierung hat immer behauptet, deutsche Soldaten
würden in Afghanistan nicht als Besatzer, sondern als Helfer wahrgenommen
werden - im Gegensatz zu den Truppen der USA und Großbritanniens.
A.P.: Das ist immer nur eine halbe Wahrheit gewesen. Die Bevölkerung
hat den Deutschen relativ mehr vertraut als den Amerikanern, das ist
richtig. Aber wenn ausländische Soldaten gleich welcher Herkunft ein Land
unter ihre Kontrolle nehmen, wie kann man dann erwarten, dass sie als
Freunde empfangen werden? Den Deutschen wurde ein Vorschuss gewährt, ein
Vertrauen, das historische Gründe hat. Spätestens seit Entsendung der
Tornado-Unterstützung für die übrigen Besatzungstruppen ist dieser
Vorschuss verbraucht. In der Wahrnehmung vor Ort handelt es sich bei den
Bundeswehreinheiten um Unterstützungskommandos für die USA.
gfp.com: Wird zwischen den ausländischen Besatzungskontingenten
tatsächlich differenziert?
A.P.: Zweifellos. Die USA sind der Hass-Gegner, dem inzwischen eine
absolute Mehrheit der Bevölkerung feindlich gegenübersteht. Der Hass auf
die US-Politik ist wesentlich stärker, als er gegenüber den Russen je
gewesen ist. Ich sage das als früherer Oppositioneller, der im Kampf
gegen die sowjetischen Kontingente verletzt worden ist. Der Hass ist viel
größer.
gfp.com: Warum?
A.P.: Den Amerikanern wurde mit enormen Erwartungen begegnet, von
heute aus gesehen mit naiven Erwartungen. Sie waren die Feinde der früheren
Sowjetunion, also mussten sie unsere Freunde sein. Das hat sich als völlig
falsch erwiesen. Die Erwartungen sind vollständig enttäuscht worden. Man
wird das analysieren müssen, diese US-Politik der Gewalt, die nur mit den
Muskeln spielen kann und sonst zu nichts fähig ist in Afghanistan. Der
Hass ist inzwischen so groß, dass selbst Regierungssoldaten des Kabuler
Regimes gegen die US-Besatzer vorgehen. Eigentlich sind das ja Verbündete.
Aber vor wenigen Tagen wurden drei US-Soldaten vor dem Gefängnis in Pol-e
Khomri erschossen - nicht von Taliban, sondern von afghanischen
Regierungssoldaten.
gfp.com: Handelt es sich um eine innere Zersetzung der
Besatzungspolitik?
A.P.: Ob man das auf sämtlichen Gebieten sagen kann, weiß ich
nicht. Aber dieser Prozess schreitet zumindest schnell voran. Nehmen Sie
die Nord-Allianz, die mit den Amerikanern in Afghanistan einmarschiert ist
und ursprünglich mehrere Minister in Kabul stellte. Die US-Verwaltung hat
sie sämtlich abgesetzt. Seitdem haben es die US-Truppen und
wahrscheinlich auch die Bundeswehr-Einheiten nicht nur mit den Taliban zu
tun, sondern auch mit ihren nominellen Verbündeten von der Nord-Allianz. gfp.com:
Was ist die Ursache der Konflikte?
A.P.: Die Verteilung der Pfründe. Geld. Große Summen. Seit Beginn
der US-Anwesenheit in Afghanistan ist der Drogenhandel um etwa 75 Prozent
gestiegen, das ist explodiert. Der Drogenhandel ist buchstäblich der
einzig funktionierende Wirtschaftszweig, alles andere liegt darnieder.
Wertschöpfung gibt es in Afghanistan nur, wenn man im Drogenhandel tätig
ist. Die Machtgruppen, über die wir hier reden, sind sämtlich am
Drogenhandel beteiligt, und zwar führend. Das gilt natürlich auch für
die Nord-Allianz. Sie haben sich mit den Amerikanern nicht auf die
Abgrenzung der Geschäfte einigen können. Sie behaupten, die USA würden
über den Flughafen Helmand selbst am internationalen Drogengeschäft
beteiligt sein. Ich kann das nicht überprüfen. Allerdings ist der
dortige Flugverkehr auffällig.
gfp.com: Zurück zur deutschen Außen- und Militärpolitik. Über
welche Einflussgruppen verfügt Berlin in Afghanistan?
A.P.: Auf dem politischen Parkett waren es insbesondere der
afghanische Außenminister und eine Gruppe ähnlicher Herkunft. Der Mann
hat lange Jahre in Deutschland verbracht, unter anderem in Aachen. Er
kommt aus dem trotzkistisch-maoistischen Milieu und hat sich dann später
den deutschen Grünen angeschlossen. Er hat so lange Zeit in Deutschland
verbracht, dass er unsere Sprache nur mit Schwierigkeiten sprechen kann.
Dieser sogenannte Außenminister mag für Berlin sehr nützlich gewesen
sein; für Afghanistan ist er eine Katastrophe. Das hat man inzwischen
auch in Kabul gemerkt. Bei der vergangenen Parlamentssitzung ist er
beschimpft worden, man hat mit Schuhen nach ihm geworfen und seinen Rücktritt
gefordert. Politisch ist er erledigt.
gfp.com: Was sagen Sie den deutschen Truppen voraus?
A.P.: Die Zeit der relativen Ruhe in ihrem Gebiet ist abgelaufen.
Die deutsche Unschuld ist verloren. Es werden nicht die letzten Toten
gewesen sein.
gfp.com: Gibt es noch eine Chance für die Besatzungspolitik?
A.P.: Es gibt keine andere Chance als den Rückzug sämtlicher
Truppen. |