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Zahnlos fletscht Uncle Sam:[1]

WASHINGTON WIRD SANKTIONEN GEGEN VENEZUELA VERSCHÄRFEN

von Eva Golinger

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke

Caracas, 25. Juni 2011, Tribuna Popular (TP).- (auf Kommunisten-online am 7. Juli 2011) –     Bei einer heutigen Anhörung im Auswärtigen Ausschuß des US-Repräsentantenhauses über „Sanktionierbare Aktivitäten in Venezuela“ ersuchten Kongreßmitglieder der Demokratischen Partei und der Republikanischen Partei die Regierung von Barack Obama darum, aggressivere Handlungen gegen die Regierung von Hugo Chávez in Venezuela vorzunehmen. Der Leiter des Unterausschusses für Auswärtige Angelegenheiten für die Westliche Hemisphäre, Connie Mack, Mitglied der Republikanischen Partei im Bundesstaat Florida, geisselte die venezolanische Regierung als „terroristisch“. Er erklärte: „Jetzt ist es an der Zeit zu handeln, um den gefährlichen Einfluß von Hugo Chávez und seine Beziehungen mit Iran zu stoppen.“

Mack ist für seine hysterische Haltung gegen Chávez bekannt. Bei all dem hat dieses republikanische Kongreßmitglied Gewicht in der Legislative durch sein hohes Amt im Auswärtigen Ausschuß. Seine Bestrebungen gemeinsam mit denen der Leiterin des Auswärtigen Ausschusses, der Republikanerin Ileana Ros-Lehtinen, konnten das Weiße Haus davon überzeugen, gegen die staatliche venezolanische Erdölfirma Petróleos de Venezuela S.A. (PDVSA) am 24. Mai 2011 Sanktionen durchzusetzen. Mack hat erklärt, daß seine einzige Mission in diesem Jahr darin besteht, „Hugo Chávez an den Kragen zu gehen“.

Die heutige Anhörung war allein Venezuela gewidmet und erfolgte im Beisein von hohen Funktionären des State Department, des Finanzministeriums und des Büros zur Kontrolle ausländischer Güter. In Erklärungen vor dem Ausschuß enthüllte der Assistent des Unterstaatssekretärs für Lateinamerika, Kevin Whittaker, daß die Administration von Barack Obama „ernsthaft in Betracht zieht“, Venezuela als einen „terroristischen Staat“ einzustufen. „Keine Option ist vom Tisch. Und das Außenministerium studiert weiterhin jede zusätzliche Handlung, die künftig erforderlich sein kann“, so Whitaker.

Die gegen PDVSA am 24. Mai 2011 verhängten Sanktionen erfolgten innerhalb eines Sanktionsgesetzes gegen Iran (Iran Sanctions Act) der USA und beinhalteten das Verbot, Verträge mit der US-Regierung zu schließen, das Verbot des Gebrauchs der Einfuhr- und Ausfuhrbanken der USA und das Verbot der Genehmigung von bestimmten technologischen Lizenzen der USA.

Dieses feindselige Handeln von Washington gegenüber Venezuela hatte keine größeren wirtschaftlichen Folgen für das südamerikanische Land und seine Erdölfirma, weil sie keine Verträge mit der US-Regierung und auch keine Kreditverträge mit ihren Banken unterhalten. Die Sanktionen zogen weder die bedeutenden Erdöllieferungen aus Venezuela in die USA noch das venezolanische Unternehmen CITGO auf US-Territorium in Mitleidenschaft.

Allerdings hatten die Sanktionen Auswirkungen auf die diplomatischen Beziehungen zwischen Caracas und Washington, welche bereits zuvor ständig angespannter wurden. Nach diesen letzten aggressiven Handlungen erklärte die venezolanische Regierung die Beziehungen mit den USA für „eingefroren“.

Gefährlich mit PDVSA Geschäfte zu machen

Das US State Department bemerkte zu den Sanktionen gegen PDVSA: Auch wenn sie das Land wirtschaftlich nicht treffen, „geben sie der Welt eine Botschaft, daß es gefährlich ist, mit Venezuela und PDVSA Geschäfte zu machen“. Und sie deuten darauf hin, daß in der nächsten Zukunft Washington gegen jene vorgehen könnte, die Verträge oder Vereinbarungen mit den venezolanischen Firmen schließen.

Sanktionen gegen CONVIASA

Die Kongreßmitglieder forderten auch vom State Department, Sanktionen gegen die venezolanische Fluggesellschaft CONVIASA zu ergreifen, weil sie sie als „Unterstützung des Terrorismus“ betrachten. Dies wegen der Flugverbindung zwischen Caracas, Syrien und Iran. Und zwar ohne auch nur einen einzigen Beweis dafür parat zu haben, sagten die Kongreßmitglieder, daß diese Flugverbindung, welche derzeit außer Funktion ist, „radioaktives Material, Waffen, Drogen und bekannte Terroristen der Hisbollah und des Iran transportierte“.

Um diesen gefährlichen „Vorwurf“ zu erhärten, zitierten die Kongreßmitglieder die deutsche Tageszeitung Die Welt, die in den letzten Tagen veröffentlicht hatte, daß Venezuela und Iran einen Raketenstützpunkt an der venezolanischen Westküste bauen, um „die USA anzugreifen“. Bezüglich dieser Falschinformation zeigte Präsident Hugo Chávez Fotos eines Windkraftparks an der Stelle, wo die „Quellen“ der Zeitung die fiktive iranische Militärbasis geortet haben wollten.

Weitere Sanktionen

Der Kongreß drängte auch das State Department, daß es in Betracht ziehen soll, weitere Sanktionen gegen Venezuela anzuwenden, darunter „das Verbot von Einfuhren aus den Vereinigten Staaten“ und von „Transaktionen in Dollars“. Die Vertreter des Weißen Hauses sagten, daß obgleich sie derzeit weitere Aktionen gegen die Regierung von Hugo Chávez in Betracht ziehen, die sie als „eine feindliche Regierung“ ansehen, sie die wichtigen Lieferungen venezolanischen Erdöls berücksichtigen müssen, welche 15% der US-amerikanischen Einfuhren ausmachen. Vor einigen Tagen genehmigte Präsident Barack Obama die Erdölförderung im US-Bundesstaat Alaska in einem Naturschutzgebiet. Dabei hatte Obama geäußert, daß Washington erst einmal seinen Energiebedarf sicherstellt, bevor es die Beziehungen zu Venezuela abbricht.

Bisherige Sanktionen

Außer den Sanktionen gegen PDVSA vom 24. Mai 2011 hat Washington auch andere aggressive Handlungen gegen die venezolanische Regierung durchgeführt. Im Juni 2006 stufte Washington Venezuela als ein Land ein, welches „nicht genug im Kampf gegen den Terrorismus kooperiert“ und verhängte eine Sanktion, welche den Verkauf von Rüstungsgütern mit US-Technologien von Unternehmen in aller Welt und den USA an Venezuela verbietet.

Seit 2005 hat Washington Venezuela als ein Land eingestuft, welches nicht „im Kampf gegen den Drogenhandel kooperiert“, was zu wirtschaftlichen Sanktionen gegen das südamerikanische Land führen sollte. Bei all dem erklärte Washington, daß Venezuela keine Kredite von den USA hat, daher die einzige reduzierbare Unterstützung jene Millionen Dollar sind, die jährlich an gegen Chávez aktive Gruppen in das Karibikland fließen, weil diese Gruppen täglich am Sturz der Regierung von Chávez arbeiten. Sie brachten eine Ausnahme in diese Sanktion ein, welche besagt, daß diese Sanktion „nicht die wirtschaftliche Unterstützung der USA für 'demokratische' Gruppen der 'Zivilgesellschaft' betrifft“. Damit wird derzeit die anhaltende Unterstützung der USA für gegen die Regierung von Hugo Chávez aktive Gruppen und deren Destabilisierungsaktionen in Venezuela weiterhin gewährleistet.

Im Jahr 2007 sanktionierte das US-Finanzministerium drei hohe Funktionäre der venezolanischen Regierung und beschuldigte sie, in den Terrorismus und in den Drogenhandel verstrickt zu sein, obwohl dafür nie Beweise vorgelegt wurden. Unter diesen Funktionären waren der Leiter des Militärischen Geheimdienstes, General Hugo Carvajal, der damalige Leiter des Bolivarischen Geheimdienstes (SEBIN), General Henry Rangel, und der damalige Innen- und Justizminister, Ramón Rodríguez Chacín.

Im Jahr darauf stufte das US-Finanzministerium zwei Venezolaner syrischer Herkunft, Fawzi Kan’an und Ghazi Nasr al Din, als „Terroristen“ ein, wegen Verbindungen zur Hisbollah, einer von den USA als terroristisch eingestuften Gruppe.

Alles deutet darauf hin, daß Washington weiterhin seine Aggressionen gegen Venezuela mit neuen Sanktionen und Isolierungsaktionen verstärken wird.

Quelle:

http://www.tribuna-popular.org/i


[1] Einfügung von uns (Redaktion Kommunisten-online)

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