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Israels
schweinischer Zionismus muss gestoppt werden
Von
Gideon Levy
Quelle:
Freunde
Palästinas 21. August 2011
Auf
Kommunisten-online am 22- August 2011 – Israels Magnaten sind
aufgewacht im Hinblick auf die neue Realität; beginnen sie, den Preis für
ihr Verhalten zu zahlen - ihr Kapitalismus wurde als schweinisch
definiert.
Es
gibt eine bemerkenswerte Ähnlichkeit zwischen Zionismus und Reichtum:
Beide wußten nicht, wann sie stoppen sollten. In diesen Tagen sprechen
wir über "schweinischen Kapitalismus", ein Begriff, den Präsident
Shimon Peres früher als Mitglied der Knesset geprägt hat; er bezog
sich insbesondere auf Benjamin Netanyahu, der zu der Zeit Finanzminister
war und nun Premierminister ist. Es lohnt sich, daran zu erinnern, dass
es auch schweinischen Zionismus gibt.
Schweine
sind unersättlich, ist der Gedanke dabei. Sie fressen alles, was ihnen
in den Weg kommt und verschlingen sich selbst, bis sie sterben. Das
Gleiche tun Kapitalismus und Zionismus. Eine breite (und viel
versprechende) Öffentlichkeit stimmt nun zu, dass der israelische
Kapitalismus eine Schweinerei ist; der Begriff des Zionismus als
schweinisch ist noch das Arbeitsgebiet einer winzigen Minderheit in
Israel, aber nicht in der Welt. Zionismus und Kapitalismus begannen
unterschiedlich.
Zionismus
begann als nationale Bewegung, die danach strebte, eine nationale Heimat
für die Juden zu errichten. Obwohl er dabei eine gravierende
Ungerechtigkeit für die vorherigen Bewohner des Landes schuf, hatte er
eine innere Gerechtigkeit. Er begann bescheiden: Einfriedung und Türme,
Dunam um Dunam - einige davon legal erworben - Formen landschaftlichen
Ansiedelns, die zum internationalen Modell wurden und eine relativ
egalitäre Gesellschaft. Diese Bewegung errichtete einen inspirierenden
und fast wundervollen Staat, dessen unglaubliche Errungenschaften auf
vielen Gebieten einmalig in der modernen Geschichte sind.
Bis
1967 schien diese Bewegung zufrieden zu sein. Aber mit dem Essen (dem
Sieg im Sechs-Tage-Krieg) kam der Appetit, und seitdem hat die Bewegung
Charaktereigenschaften, die nur als schweinisch definiert werden können.
Das Siedlungsprojekt in "den Gebieten" wurde von seiner Gründung
an durch grenzenlose territoriale Lust angetrieben, das Besatzungsregime
wurde grausam und totalitär, und Israels Sicherheitspolizei wurde
unmoralisch. Hätte der Zionismus gewußt, wann er stoppen sollte, hätte
er seine Lust und Gefräßigkeit gezügelt, das im Jahre 1948 begangene
Unrecht wiedergutgemacht und seine Richtung geändert, dann wäre es
eine Bewegung geworden, die man bewundert. Aber er stoppte nicht
rechtzeitig, zügelte seine Gefräßigkeit nicht und heute bezahlt
Israel den Preis dafür.
Ein
Großteil der reichen Bevölkerung dieses Landes begann gut. Eine
Familie errichtete eine Salzindustrie, eine andere eine bescheidene
Molkerei, eine gründete eine Reederei, der andere startete als
Bauunternehmer und ein Dritter begann als Importeur von Mobiltelefonen.
Sie halfen, die Wirtschaft zu entwickeln und das Land und seinen
Wohlstand aufzubauen.
Aber
auch hier kam mit dem Essen der unersättliche Appetit und einige von
ihnen wußten nicht, wann sie ihre Gefräßigkeit stoppen sollten. Sie
überschütten ihre Angestellten mit enormen Gehältern, feiern ihre
Familienereignisse verschwenderisch, führen ein pompöses Leben und
behandeln das Geld der Bevölkerung, als ob es ihr eigenes wäre, indem
sie Geld, das ihnen nicht gehört, zu ihrem Vorteil verwenden.
Nun ist die Zeit der Rechnung gekommen. Die Öffentlichkeit ruft sie zur
Abrechnung auf. Das Wort "Magnat" ist zum Fluch geworden und
(das Wort) "reich" ist fast verabscheuungswürdig. Hätte
unser wohlhabendes Volk seine Gefräßigkeit rechtzeitig gestoppt, hätte
es weiterhin an der Spitze der Welt, oder zumindest an der Spitze dieses
Landes, wenn auch relativ bescheiden, feiern können.
Das
Verhalten der Öffentlichkeit gegenüber diesen beiden Schweinereien ist
bemerkenswert ähnlich. Als Erstes unterwarf man sich dem Reichtum und
in der gleichen Weise auch Israels Siedlern in "den Gebieten",
seinen "neuen Pionieren". Man schaute weg und verbarg sein
Gesicht sowohl davor, wie die Magnaten ihr Geld machten, als auch davor,
wie die Siedler ihre Einlagen absetzten. Der Staat behandelte sie auch
derart; er ermutigte beide Gruppen. Dem Reichtum und den Siedlern bot er
alles Gute - wirtschaftliche Anreize und Schutz, Zuschüsse und
Darlehen. Er verkaufte den Magnaten natürliche Ressourcen und Firmen zu
Sonderpreisen und gab den Siedlern die besetzten Ländereien kostenlos.
Der
Staat hat diese beiden Gruppen geschützt. Er tut es noch, mithilfe
eines Komitees für die Magnaten und durch die Fortsetzung seiner
Pro-Siedler-Politik.
Die
Magnaten sind im Hinblick auf die neue Realität aufgewacht. Im Sommer
2011 ist es nicht so erfreulich, Yitzhak Tshuva, Nochi Dankner, Ilan
Ben-Dov oder Idan Ofer zu sein. Sie beginnen, den Preis für ihr
Verhalten zu zahlen - ihr Kapitalismus wurde als schweinisch bezeichnet.
Dies ist nicht der Fall im Hinblick auf den neuen Zionismus, den
Zionismus der Besetzung und Siedlungen in den Gebieten. Es schweinisch
zu nennen, ist noch als ketzerisch betrachtet. Aber wenn die Zeit für
die Abrechnung kommt, werden wir fragen: Warum haben wir nicht diese
Schweinerei rechtzeitig gestoppt?
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