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Gennadi
Sjuganow, Generalsekretär der KP der Russischen
Föderation
DIE
NATO IST EIN WOLF IM SCHAFSPELZ
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Moskau,
20. November 2010, Tribuna Popular / Prawda / Rebelión (übersetzt vom
Russischen ins Spanische durch Josafat S. Comín) auf Kommunisten-online
am 23. November 2010 – Die
Tageszeitung Prawda interviewte den Generalsekretär der Kommunistischen
Partei der Russischen Föderation, Genossen Gennadi Sjuganow, zur
Privatisierungspolitik der russischen Regierung und der Möglichkeit
eines Beitritts von Russland zum Nordatlantik-Pakt (NATO).
Warum
sollte Russland der NATO beitreten?
Mit
einer globalen Krise im Nacken, von welcher Russland sich viel mehr in
Mitleidenschaft gezogen gesehen hat als die übrigen Länder der Welt,
machen sich neue und gefährliche Phänomene in der Politik der
Regierung unseres Landes breit. Ich beziehe mich da auf die Pläne,
weiterhin strategische Staatsbetriebe zu verkaufen, das Bildungswesen zu
privatisieren, ebenso das Gesundheitswesen, die Kultur, und den raschen
Beitritt zur Welthandelsorganisation anzustreben.
Letztlich
sind da die Gespräche wiederaufgenommen worden, die scheinbar schon in
Vergessenheit geraten waren, über Russlands Beitritt zur NATO. Die
Experten und Journalisten der Regierungsseite mühen sich, die
Unvermeidlichkeit dieses Schritts nachzuweisen. Der Leiter des Rates des
Instituts für Moderne Entwicklung (INSOR), ein Herr Jurgens, äußerte
auf einem im September 2010 in Jaroslawl veranstalteten internationalen
Forum die Idee, dass Russland sich zum Eintritt in die NATO bereit
sieht. Wenn man in Betracht zieht, dass Medwedjew selbst der Vorsitzende
des Aufsichtsrats von INSOR ist, - heißt das etwa nicht rein zufällig,
dass der Herr Jurgens einen kleinen Wink aus dem Büro des Staatschefs
erhalten hat, um diese Initiative öffentlich zu machen?
Der
Präsident der Russischen Föderation hat selbst vorgehabt, am
NATO-Gipfel in Lissabon am 19. und 20. November teilzunehmen. Unter
Bezugnahme auf sein kürzliches Treffen mit NATO- Generalsekretär A.
Rasmussen erklärte Medwedjew, dass das Treffen von Lissabon nicht nur
bedeuten soll, „den Beziehungen zwischen Russland und der NATO einen
frischen Impuls zu versetzen, sondern die Modernisierung der
gegenseitigen Beziehungen mit sich bringen sollte“.
Es
gibt da nichts Neues an diesen „frischen Impulsen“. Von all dem ist
bekannt, dass es Gorbatschow war und seine „humanistischen Werte“,
die den Weg der Annäherung an den Westen aus einer Kapitulationshaltung
heraus öffneten. Jenes Kokettieren mit den USA und ihren Vasallen nahm
ein schlimmes Ende für unser Land. Dennoch scheint es so, dass die
Regierenden Russlands nichts daraus gelernt haben.
Jelzin
zeigte sich offen für jene erste expansionistische Welle der NATO bis
an unsere Grenzen. Er unterstützte die NATO-Aggression gegen
Jugoslawien, unseren einzigen Verbündeten in Europa. Bei all dem wurde
am Ende jener Etappe mit Jelzin an der Regierung klar, dass seine
„Partner“ ihn gründlich eingeseift hatten.
Ein
wutentbrannter Jelzin genehmigte daher den berühmten Marsch der mobilen
Infanteriekompanie auf Pristina, die Hauptstadt des Kosovo. Ihm blieb
nichts weiter übrig. Bald darauf sollte mit Putin alles von vorn
beginnen.
Einer
der ersten Schritte des neuen Präsidenten sollte die Gewährleistung
der Ratifizierung des traurigen Ruf erlangten START-2-Vertrags (über
die Reduzierung der Strategischen Waffen) in der Duma sein, was den
Verlust unserer Langstreckenraketen verheißen musste. Allein die Absage
seitens des US-Kongresses an diesen Vertrag rettete die russischen
strategischen Atomwaffen. Anschließend zeigte die russische Regierung
ihre stillschweigende Zustimmung zur zweiten Expansionswelle der NATO,
diesmal in die Gebiete der baltischen Republiken. Kurze Zeit darauf
genehmigte der Herr Putin mit der Ausrede von der Beteiligung an der
weltweiten Antiterror-Koalition die Einrichtung von NATO-Stützpunkten
in Mittelasien. Zur selben Zeit wurden die beiden für Russland
lebenswichtigen Stützpunkte in Kuba und Vietnam aufgelöst.
Bei
all dem, nach sechs Jahren unermüdlicher Bemühungen um die Stärkung
der Beziehungen mit der NATO, entdeckte der Herr Putin plötzlich, dass
der Westen gar nicht daran gedacht hatte, irgendein Zugeständnis zu
machen, sondern nur immer neue Forderungen stellte und damit drohte, die
Regierung der Russischen Föderation wegen des Tschetschenien-Kriegs vor
das Internationale Tribunal zu stellen. Nur darum hielt der russische Präsident
im Februar 2007 seine berühmte Rede von München gegen die NATO, in
welcher sich seine tiefe Empörung über die Heimtücke seiner
„Partner“ widerspiegelte.
Jetzt
dreschen sie wieder gewaltig auf Präsident Medwedjew ein, damit er
diesen Weg weitergeht. Im Vorfeld des Treffens der NATO in Lissabon ist
eine Reihe wichtiger vorbereitender Schritte angenommen worden. Moskau
hat der Verschärfung der Sanktionen gegen Iran zugestimmt, Moskau hat
den Vertrag widerrufen, um Teheran Luftabwehrsysteme zu liefern. All dem
folgten einige unfassliche Angriffe gegen die KVDR. Grundlos sind
Spannungen in den Beziehungen mit Weißrussland erzeugt worden. Ein großes
Geschenk wurde einem der treuesten Verbündeten der USA in der NATO
gemacht, denn das ist Norwegen nun mal. Norwegen erhielt enorm Raum in
der Barentssee, wo unser Land niemals Rechte eines anderen Landes
anerkannt hat.
Jetzt
scheint es, dass sie sich vorbereiten, um die Beziehungen Russlands mit
der NATO auf eine neue Stufe zu heben. Dies als Vorspiel für den
Beitritt unseres Landes in diesen aggressiven Block.
Die
NATO: vom europäischen zum Weltgendarm
Erinnern
wir uns mal daran, dass die NATO am 4. April 1949 mit dem Ziel gegründet
worden war, Europa vor den „roten Horden“ aus dem Osten zu schützen.
Auch wenn einer der NATO-Führer anerkannte, dass das wirkliche Ziel des
Blocks hieß „to keep America in, Germany down and Russia out“
(„Amerika in Europa halten, Deutschland niederhalten, Russland
raushalten“).
Es
sollte logisch scheinen, dass nach der Zerschlagung der UdSSR der Sinn
des Fortbestands der NATO verschwunden war. Dennoch hält sich das Bündnis
nicht nur am Leben, sondern es expandiert und erhöht sein Potential.
Der wahre Grund seiner Existenz wurde ganz deutlich bei der
verbrecherischen Aggression gegen unseren Verbündeten Jugoslawien, bei
den Interventionen in Irak und Afghanistan. Es wurde klar, dass die NATO
weiterhin ein Instrument im Dienste der Weltmachtgelüste der USA und
ihrer Verbündeten sein wird. Mehr noch, lt. Meinung der westlichen
Experten wird diese Rolle nie zu wachsen aufhören.
Es
kommt vor, dass das internationale Kräfteverhältnis sich rasch verändert.
Als 1999 die NATO-Mitglieder begeistert ihre neue strategische
Konzeption beschlossen, welche die NATO von einem defensiven europäischen
in einen offensiven international aktiven Block umwandelte, ließ sich
nicht vorhersehen, dass es irgendeinen Widerstand geben könnte.
Russland entwickelte sich weiter in den Ruinen seiner „Reformen“.
Und das wirtschaftliche und politische Potential Russlands hatte sich in
seiner Gesamtheit nicht geäußert.
Wie
die Krise gezeigt hat, wird die Einflusszone der internationalen
Oligarchie, die sich auf die USA und Europa stützt, kleiner. Unter dem
Einfluss des kommunistischen China werden derzeit die Länder Asiens,
die bisher nichts weiter als reine Rohstoff- und Arbeitskraftlieferanten
für Europa und die USA gewesen waren, zu Schlüsselfaktoren der
internationalen Politik. Analoge Prozesse finden wir in Lateinamerika.
Die Länder des schwarzen Kontinents, vereint in der antikolonialen
Afrikanischen Union, haben aufgehört, ein Standort ohne Grenzen für
die Ausplünderung durch die multinationalen Konzerne zu sein. Der Nahe
Osten und allgemein die ganze islamische Welt stehen in einer eisernen
Auseinandersetzung dem Westen gegenüber.
Der
Kampf um die Weltherrschaft wird immer brutaler, während die
Wirtschaftskrise das kapitalistische System noch mehr schwächt. Die
internationale Oligarchie umfasst die reichsten Menschen des Planeten,
darunter über 500 transnationale Konzerne mit einem Kapital von 16
Billionen Dollar und 25% Anteil an der Industrieproduktion der Welt.
Die
„Elite“ ist nicht bereit, ihre Vormachtstellung über den Planeten
zu verlieren, welche sie in jahrhundelangen Eroberungskriegen erreicht
hat. Unter diesem Gesichtspunkt ist die neue Reihe von kriegerischen
Konflikten, sind die Aggressivität in Bezug auf den Iran und die KVDR
und der wachsende Druck auf China zu sehen.
Der
Westen strebt nach einer stärkeren Festigung der Kräfte im Namen
seiner Herrschaft. Und wenn in den 90er Jahren noch der Sinn der
Existenz der NATO diskutiert wurde, setzt heute die Oligarchie aus Sorge
um die Veränderung des internationalen Kräfteverhältnisses all ihre
Mittel dafür ein, die NATO als Gendarm zu stärken.
Sie
arbeiten daran, ein System der vollständigen Kontrolle über die
gesamte Erdoberfläche und Meeresoberfläche einzurichten, um an jedem
Punkt des Erdballs zuschlagen zu können. Die NATO verändert sich zu
einer übernationalen Organisation, deren Absicht es ist, mit dem System
des internationalen Rechts Schluss zu machen, welches nach dem 2.
Weltkrieg mit der UNO entstanden war.
Schon
1993 erklärte Zbigniew Brzezinski in seinem Buch „Außer Kontrolle“
öffentlich, dass „Amerika die Welt unter seine Kontrolle zu stellen wünscht“.
Und es ist offenkundig, dass es dies wünscht. Es will seine Oberhoheit
über Eurasien errichten, insbesondere über seine „westliche
Peripherie (EU), sein Herz (Russland) und über den Nahen Osten und
Zentralasien und seine Erdölvorkommen“. Und hier die Einschätzung
eines anderen bekannten US-amerikanischen Journalisten, G. Kaminiski:
„Unsere Militärangehörigen kämpfen nicht für die Freiheit. Das ist
ein Kampf für die Profite der Transnationalen ... Die Armee existiert,
um Länder und Völker zu erobern und auszuplündern“.
Beim
Gipfel in Lissabon werden die Teilnehmer eine neue strategische
Konzeption für die NATO annehmen müssen, welche die bisherige ablösen
wird, die im Mai 1999 beschlossen wurde und in der der Block sich das
Recht anmaßte, weltweit überall zu intervenieren. In der neuen
Konzeption ist vorgesehen, dass die NATO ihre Expansion nach Osten
fortsetzen wird, ihre Kernwaffen in Europa beibehalten wird und ein
europäisches System der Raketenabwehr errichten wird, welches
unvermeidlich gegen Russland gerichtet sein wird.
Das
oligarchische Kapital weiß um die Bedrohung für seine Vorherrschaft,
die von Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten ausgeht. Es will den
Gegenangriff. Während seine Mittel sich weiterhin verschleißen.
Sie
sind dabei, Russland in den Afghanistankrieg hineinzuziehen
Was
macht der NATO die größten Sorgen? Dass ihr für ihre Kolonialkriege
das „Kanonenfutter“ ausgehen könnte. Die NATO sucht derzeit
fieberhaft Verbündete. Gegenwärtig stehen 150.000 Militärangehörige
aus 47 Ländern in Afghanistan. Sie haben schon jede Menge aus den früheren
Sowjetrepubliken dorthin geschleppt: Estland mit 160 Militärangehörigen,
Lettland mit 170, Litauen mit 245, Aserbaidschan mit 90, Armenien mit
40, die Ukraine mit 15, Georgien nimmt mit 925 Militärangehörigen
teil.
Von
unseren einstigen Verbündeten aus dem Warschauer Vertrag haben sie den
höchsten Beitrag gefordert. Hier hat Polen 2630 Soldaten und Offiziere
in Afghanistan, Rumänien 1750, Ungarn 360, Bulgarien 540, die
Tschechische Republik 500, die Slowakei 300. Sogar die Mongolei hat sich
verpflichtet gesehen, fast 200 Soldaten dorthin zu entsenden. Kann da
noch irgendjemand zweifeln, dass sie Russland auffordern werden, einen
„würdigen“ Beitrag im „Kampf für die Demokratie“ in
Afghanistan zu leisten?
Was
bedeutet der Artikel 5 des NATO-Statuts? Er besagt, dass alle Mitglieder
des Bündnisses zur Verteidigung jedes Mitgliedsstaates des Bündnisses
intervenieren müssen, wenn es sich angegriffen sieht. Das Wesen des
Angriffs wird nicht konkret gefasst. Die „terroristische Bedrohung“,
die sie so sehr im Westen als Teufel an jede Wand malen, kann perfekt für
diese Vorstufe herhalten. Jene, die den Beitritt Russlands zur NATO
untermauern, müssen begreifen, dass Russland sich verpflichtet sehen würde,
die kollektiven Interessen des Bündnisses zu verteidigen. Und nicht nur
in Afghanistan ...
Aus
diesem Aspekt halten sie es in „Washington“ für unausstehlich, dass
die Regierung Russlands bisher ihre „heilige Pflicht“ ablehnt, wie
jeder andere Partner der USA für die US-amerikanischen Interessen zu kämpfen.
In Washington werden die Stimmen lauter, die eine Intervention im Iran
fordern. Und jedes Mal werden sie mehr „Kanonenfutter“ brauchen.
Die
Öffentlichkeit im Westen lehnt klar die militärischen Abenteuer im
Mittleren Osten ab. Sie ist sich darüber bewusst, dass diese
„noblen“ Ziele des „Kampfes gegen den internationalen
Terrorismus“ immer finsterer werden, während die Ausgaben und der
Blutzoll in Afghanistan ständig anwachsen.
Darum
ist es für die Führer der NATO lebenswichtig, darauf hinzuweisen, dass
dieser Krieg mehr internationale Unterstützung braucht. Das ist die
typische und so übliche Masche der US-Amerikaner: den Verbündeten
einen Teil der Verantwortung für ihre kolonialen Abenteuer auferlegen.
Dasselbe ereignete sich in den 50er Jahren in Korea, in den 60er Jahren
in Vietnam, jetzt in Afghanistan.
Der
NATO-Generalsekretär spricht schon offen von der Entsendung russischer
Kampfhubschrauber nach Afghanistan. Und bei einem Treffen im Pentagon
vor ein paar Monaten beriet der US-Verteidigungsminister mit dem Herrn
Serdjukow die Entsendung von russischen Luftlandetruppen und
Elite-Einheiten nach Afghanistan. Wir haben bisher keine negative
Reaktion von der russischen Seite auf all diese Anliegen vernommen.
Was
wir wohl wissen: Im Verlauf der Reise des Generalstabschefs Makarow zum
NATO-Hauptquartier in Brüssel zu Beginn dieses Jahres wurden die militärischen
Beziehungen zwischen Russland und der NATO vollauf wiederhergestellt. Es
wurden eine Reihe von Abkommen unterzeichnet, um regelmäßig gemeinsame
Militärmanöver durchzuführen mit dem Ziel, die Kompatibilität der
Truppen und ihr Zusammenwirken zu trainieren, Offiziere der Militärakademien
auszutauschen usw. Alles ist darauf gerichtet, die Streitkräfte der
Russischen Föderation in die NATO-Strukturen einzugliedern.
Die
westlichen Strategien würden wohl mit Russlands Beitritt zum NATO-Bündnis
einverstanden sein. Russland wäre dann ein Mitglied mehr. Wobei klar
bliebe, dass der Herr nur einer ist: die USA.
Russland
soll aufhören, ein gefährlicher Konkurrent zu sein, den man aus Europa
raushalten muss. Russland soll ein gehorsamer Vasall werden. Das heißt,
die Formel variiert. Jetzt ändert sich der Sinn der NATO in: „die USA
in Europa halten und Deutschland und Russland in Untergebenheit
halten“.
Die
Folgen eines Nato-Beitritts Russlands
Falls
unser Land der NATO beitritt, sähe sich unsere Unabhängigkeit in der
Außenpolitik beeinträchtigt. Russland würde sich gezwungen sehen,
seine Handlungen mit dem NATO-Hauptquartier abzustimmen. Oder um es noch
einfacher zu sagen: Russland wird um Erlaubnis bitten müssen, bevor es
irgendeine außenpolitische Initiative beschließt. Wir würden einen
„gemeinsamen Feind“ bekommen. Wir alle müssen uns bewusst sein,
dass falls Russland Teil der NATO wird, unsere Ost- und südlichen
Grenzen zu Spannungsherden und anschließend Schlachtfeldern werden können.
Wie
die übrigen Bündnismitglieder wird Russland sich mit der Tatsache
auseinanderzusetzen haben, sich „freundschaftlich besetzt“ zu sehen.
Auf unserem Territorium werden ausländische Militärstützpunkte und
ausländische schnelle Eingreiftruppen auftauchen und im freien Transit
durch das russische Territorium ihre Waffen und technischen Ausrüstungen
befördern. Im Ergebnis dieser Veränderung würde Russland sein eigenes
eurasisches geopolitisches Wesen verändern. Aus all dem heraus wäre
der NATO-Beitritt Russlands der Auftakt seiner Selbstzerstörung.
Für
die Wirtschaft Russlands würde dieser Schritt die vollständige Zerstörung
unseres militärisch-industriellen Komplexes bedeuten, der seit langer
Zeit die Quelle höchster wissenschaftlich-technischer Errungenschaften
mit den höchsten Formen der Arbeitsorganisation ist. Unausweichlich würden
sie uns verpflichten, dass wir uns an den NATO-Standard anpassen, so
dass wir Waffen ausländischer Fabrikation kaufen müssen. Das ist ein
Prozess, der schon in Bewegung gesetzt worden ist. Es sind Sturmgewehre
britischer Produktion gekauft worden, unbemannte Flugkörper aus
israelischer Produktion sind gekauft worden, italienische
Panzerfahrzeuge sind gekauft worden. Und der „Jahrhundertvertrag“
wird vorbereitet: Der Ankauf völlig unnötiger Hubschrauberträger für
die russische Marine. Laut Schätzungen von General Iwaschow werden in
den nächsten Jahren nicht weniger als 30% der von Russland erneuerten
Waffen aus NATO-Ländern und Israel stammen.
Zur
gleichen Zeit bringt die praktische Stilllegung des Baus von Flugzeugen
des Typs TU-204 und IL-96 nicht nur mit sich, dass wir dazu übergehen,
im Passagierflugwesen völlig vom Westen abhängig zu sein, sondern
auch, dass wir die Fähigkeit einbüßen, eigene militärische
Transportflugzeuge zu bauen. Und im Konfliktfall hätten wir keine
Ersatzteile und könnten nicht mal die Passagierflugzeuge reparieren,
die immer eine mobile Reserve gewesen sind.
In
dieses Schema ist die Perfektion der „Reform“-Katastrophe der
Streitkräfte eingefügt. Sie verbindet sich mit dem Namen des Herrn
Serdjukow. Aber es scheint so, als ob sich seine Umtriebe der Unterstützung
der Regierung dieses Landes erfreuen. Es fehlen nicht die bitteren
Erfahrungen mit diesen „Reformen“. Wer einst in den vergangenen
Jahren der Zugehörigkeit zum Warschauer Vertrag wie Polen, die CSSR,
Ungarn, Bulgarien, Rumänien starke Armeen hatte, der hat heute nicht
mehr als ein „Kontingent“, welches völlig außerstande zur
Verteidigung des eigenen Landes und der eigenen Bevölkerung ist, aber
dafür zur Quelle von Söldnern für die Kolonialkriege der USA herhält.
Ein
ähnliches Schicksal ist der einst mächtigen Volksarmee Jugoslawiens
widerfahren. Nach dem Staatsstreich von Oktober 2000, mit dem die
pro-westlichen Kräfte sich an die Macht brachten, hat die einer Reihe
von „Reformen“ sich ausgesetzt sehende jugoslawische Armee sich in
einen traurigen Schatten jener einst realen Streitmacht verwandelt. Und
vor nicht langer Zeit stand sie noch vollständig zur Verfügung, um
jede Bodeninvasion der NATO abzuwehren.
Die
russische Regierung hat den aus dem Erbe der UdSSR stammenden MIK bis zu
dem Punkt aufgelöst, dass wir nicht nur die Fähigkeit verloren haben,
in nötigen Stückzahlen moderne Waffen herzustellen, sondern generell
jede Art Waffen in unserer Eigenproduktion zu bauen. Und was bis vor
nicht all zu langer Zeit noch eine furchterregende Armee für die Feinde
der Heimat war, ist jetzt demoralisiert und entwaffnet durch die
„Reformer“, hat praktisch die Fähigkeit verloren, Russland zu
verteidigen.
Die
Reorganisation der Struktur der Streitkräfte, ihr Übergang in ein
Brigadesystem, der Kauf von Waffen im Ausland, die gemeinsamen Manöver
auf dem Boden der USA und Europas, die Ablehnung gegenüber der
Ausbildung von neuen Kadetten an den Militärakademien ... all dies ist
nichts weiter als die zwangsmäßige Vorbereitung des militärischen
Moduls für den „Einbau“ der Reste der russischen Armee und Marine
in die Streitkräfte der USA und der NATO.
All
dies bedeutet nur eines: Russland verliert freiwillig den Status einer
Weltmacht, um in der Unterwerfung unter die aggressivsten Kräfte zu
enden. Hat eigentlich unser siegreiches Volk so etwas verdient?
Kann
man auf die Freundschaft der NATO vertrauen?
Die
Tatsachen sind knallhart. Und sie sagen uns, dass schrittweise und
fortschreitend die Intervention der NATO in Russland derzeit vorbereitet
wird. Hinsichtlich der Zahl an Truppenstärke auf der Theaterbühne der
europäischen militärischen Szenerien ist uns die NATO 10- bis 12-mal
überlegen. Allein in Europa hält die NATO 36 Divisionen, 120 Brigaden,
11.000 Panzer, 23.000 Artillerie-Geschoßwerfer, 4.500 Kampfflugzeuge.
Wofür brauchen sie dieses militärische Potential? Um gegen den
internationalen Terrorismus zu kämpfen, den sie da verkaufen, um ihren
Hauptvorwand für die Existenz der NATO zu haben?
Laut
Experten befassen sich 70% aller militärischen Manöver, gemeinsamen
Handlungen, Übungen und Simulationen der NATO mit der Eröffnungsetappe
eines allumfassenden Kriegs, der Eroberung der Lufthoheit, dem Einleiten
von Offensivschlägen.
Heute
hat das Bündnis keinen anderen Gegenspieler mehr, um Kriegshandlungen
dieses Niveaus auszuführen. Wäre da nicht Russland. Somit können wir
ohne jede Angst vor einem Irrtum bestätigen, dass die NATO uns besetzen
will.
Die
Truppen des Blocks mehren sich nach allen Seiten. Sie sind in einem
strategischen Kreis um Russland im Einsatz und bilden einen Gürtel mit
Russland feindlich gesonnenen Staaten. Die Stützpunkte der USA befinden
sich in Polen, Bulgarien und Rumänien, an den Küsten des Schwarzen
Meeres. Wir haben die Kontrolle des Baltikums schon an die NATO
abgegeben. Dort sind die Marine- und Luftwaffenstützpunkte modernisiert
worden, so dass sie heute bereits über 200 Flugzeuge dort stationieren
können, eingeschlossen Bomber mit Atombomben. Von Estland bis Leningrad
sind es kaum 200 km. Die Luftwaffe der NATO kann Raketen auf uns
abfeuern, ohne unseren Luftraum zu betreten.
Die
Ukraine und Moldawien lassen sich Zeit beim Öffnen der Türen für den
NATO-Beitritt. Georgien haben sie schon völlig in der Tasche.
Aserbaidschan tendiert auch fortschreitend in Richtung Bündnismitgliedschaft.
In Tadschikistan und Kirgistan gibt es schon Militärstützpunkte. Die
neuen Mitglieder, darunter die baltischen Republiken, haben keinerlei
Beschränkung mehr für die Stationierung von Atomwaffen auf ihren
Territorien. Sie sind nicht mal von den Beschränkungen betroffen, die
der Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa auferlegt. Was
ihnen ermöglicht, mit Massenvernichtungswaffen ausgestattete Militäreinheiten
auf ihrem Territorium aufzustellen.
Die
Absichten hören nicht auf, um die Kontrolle über unsere Nordmeerflotte
zu erlangen. Dies ist die größte atomare Seekriegsflotte, und sie gehört
Russland. Die NATO nutzt ihre Aufmarschbasen in Norwegen und den
baltischen Republiken, die Basen für radar-elektrische Kontrolle in
Spitzbergen. Die akustischen Bojen, die Satelliten und Spionageflugzeuge
„Orion“ verfolgen jede Bewegung unserer atomaren U-Boote. Die
Aktivität der Luftaufklärung entlang unserer Grenzen wird seitens der
NATO derzeit ständig erhöht.
Was
steckt hinter dem Wunsch, Russland als NATO-Mitglied zu sehen?
Die
russische Elite drängt in ihrer Absicht, sich in die internationale
Oligarchie einzugliedern. Aber sie haben ihr zu verstehen gegeben, dass
der einzige Weg, um zum „Club“ zu gehören, durch die militärische
Organisation der NATO führt. Das heißt, um loszulegen, müsst ihr für
uns kämpfen, so dass das Blut eurer Mitbürger im Namen der westlichen
Werte vergossen wird. Und dann kann es sein, dass wir uns dazu
durchringen, euch im „Club“ zu akzeptieren.
Dieses
„unerwartete“ Interesse, dem Block beizutreten, ist nicht mehr als
eine weitere Bestätigung für die Einheit der Eliteklasse Russlands und
der anderen Mitgliedsländer der NATO. Die gegenwärtige
Regierungsmannschaft widmet sich derzeit mehr ihrer „Verwestlichung“
als der Modernisierung Russlands.
Und
die Vorbereitungen für diese „Verwestlichung“ laufen seit geraumer
Zeit. Die pro-westliche Elite der Russischen Föderation lebt, indem sie
ständig bestätigt, dass Russland keine Feinde hat. Mit Ausnahme der
mystischen „internationalen Terroristen“. Die für unsere Außenpolitik
Zuständigen weigern sich stur zu sehen, was auf der Hand liegt: Die
historischen Ziele des Westens sind nicht verändert worden. Und sie
sehen uns weiterhin einzig als eine Quelle von billigen Naturrohstoffen
und einen Markt für ihre überschüssigen Produkte.
Die
Parade von NATO-Söldnereinheiten auf dem Roten Platz am heiligen Tag
des Sieges, diesem 9. Mai, zeigte wohl ganz deutlich, wie sie nach dem
„Zusammengehen unserer Seelen“ suchen. Sie wollen uns beibringen,
dass ein Volk, welches als erstes Volk einen seiner Söhne wie Juri
Gagarin in den Weltraum entsenden konnte, lediglich dazu fähig ist, die
Brosamen von den westlichen Tischen zu lecken. Die Revanche, die sie aus
diesem hemmungslosen Liberalismus vorbereiten, weshalb sie über 900
Staatsbetriebe privatisieren wollen, darunter einige strategisch
wichtige, bedeutet nichts weiter, als dass ihre Profitgier und ihre
egoistischen Interessen so groß sind, dass es nur wenig wichtig für
sie ist, als Gegenleistung die nationale Sicherheit anzubieten.
Völlig
richtig ist, dass die russische Regierungselite sich als die
inkonsequenteste erweist. Mit harter Stimme spricht sie sich dagegen
aus, dass die Ukraine und Georgien als NATO-Mitglieder akzeptiert
werden, während sie in Moskau plötzlich erklären, dass sie die
Absicht haben, selbst in diesen Block aufgenommen zu werden. In der
Militärdoktrin Russlands wird dieser Block als unser Hauptgegenspieler
dargestellt. Werden wir uns in die Organisation unseres Hauptgegners
eingliedern?
Offenkundig
ist es gemäß der geltenden Gesetzgebung der Präsident der Russischen
Föderation, dem es obliegt, die Außenpolitik des Landes zu bestimmen.
Gleichzeitig sollten die Führer des Landes nicht den Teil der
Verfassung vergessen, der besagt, dass die Souveränität vom Volk
ausgeht. Es scheint, dass eine drastische Veränderung der historischen
Entwicklung des Landes der Annahme durch Volksentscheid bedarf. Das
Mittel, um dies zu erreichen, ist bestens bekannt: die Volksabstimmung.
Wenn
die gegenwärtige russische Regierung ihre Unfehlbarkeit verspürt, dann
soll sie doch den Beitritt zur NATO dem Referendum unterwerfen. Am
wahrscheinlichsten ist, dass sie das nicht tun wird. Denn sie weiß
genau, was das historische Gedächtnis des Volkes treu in seinem
Bewusstsein bewahrt: die früheren „Besuche“ unserer europäischen
Nachbarn in Russland, - so bereits in Gestalt der polnischen
Intervention aus dem „Zeitalter der Revolten“ (Beginn des 17.
Jahrhunderts), so bereits mit Napoleons Invasion oder den Horden von
Hitler und seinen SS-Legionen, welche heute fast alle Länder der NATO
repräsentieren.
Russland
hat schon für seine Sicherheit mit Millionen Leben im 2. Weltkrieg
bezahlt und dabei Europa vom Faschismus freigekämpft. Um die Sicherheit
Russlands zu stärken, muss man nicht darum betteln, dass sie uns in die
NATO lassen, sondern unsere eigene Industrie, unser Bildungswesen und
unsere Wissenschaft entwickeln. Wir müssen unsere Streitkräfte
wiederaufbauen. Wir müssen einen Kreis von Freunden und Verbündeten
unter den Mitgliedsländern der Organisation für Zusammenarbeit von
Shanghai und der OSZE bilden. Aber vor allem müssen wir die Schaffung
der Union aus Russland, Weißrussland und der Ukraine schaffen, die das
Potential der drei slawischen Völker bündelt. Dies ist die größte
Garantie für unsere Sicherheit. So ist es im Verlauf von vielen
Jahrhunderten des Lebens in einem gemeinsamen Staat gewesen. Und so wird
es auch künftig werden.
Quelle:
Rebelión - Pravda http://gazeta-pravda.ru/
in:
http://www.tribuna-popular.org/i |