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Die
weltweit geheim agierenden Sondereinsatzkräfte
der US-Streitkräfte
DER
GEHEIME KRIEG DER USA IN 120 LÄNDERN
von
Nick Turse
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Havanna,
7. August 2011, Cubadebate. (auf Kommunisten-online am 15. August 2011)
– Irgendwo auf der Erde führt ein US-Einsatzkommando derzeit
einen Einsatz aus. Wiederholen Sie diesen Satz bitte 70 mal! Und dann
haben sie es erst mal genug getan - für den heutigen Tag!
Ohne
jedes Wissen des US-amerikanischen Volkes darüber führen geheime
Einsatzkommandos der US-Streitkräfte gegenwärtige eine Anzahl von Einsätzen
in der Mehrheit der Länder des Planeten Erde durch. Diese neue
Machtelite im Pentagon entfesselt derzeit einen Weltkrieg, dessen Ausmaß
und Reichweite bisher nicht offengelegt worden sind.
Nachdem
ein SEAL-Kommandotrupp der US-Marine Ossama Bin Laden eine Kugel in die
Brust und eine weitere in den Kopf geschossen haben soll, nachdem sie
sein Haus in Pakistan erstürmt haben soll, sah sich plötzlich eine der
geheimgehaltensten Formen von verdeckten Einsätzen der US-Streitkräfte
im Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit. So etwas geschieht nur äußerst
selten.
Zwar
ist bekannt, dass Sondereinsatzkräfte der USA in Kriegsgegenden
Afghanistans und Iraks eingesetzt sind. Auch wird immer deutlicher, dass
jene Einheiten in schwierigen Kampfgebieten wie Jemen und Somalia tätig
sind. Das gesamte Ausmaß ihres Krieges im Weltmaßstab jedoch ist
bisher sehr verborgen im Dunkeln geblieben.
Im
vorigen Jahr berichteten Karen De Young und Greg Jaffe von der
Washington Post, dass die Sondereinsatzkräfte der US-Streitkräfte in
75 Ländern stationiert worden sind. Sie erhöhten sich auf diese Zahl
von jenen einst 60 Ländern am Ende der Amtszeit von US-Präsident
George W. Bush. Der Sprecher des Oberkommandos dieser Sondereinsatzkräfte
der US-Streitkräfte, Tim Nye, sagte mir, dass Ende dieses Jahres wohl
in 120 Ländern diese geheimen Truppenverbände der US-Streitkräfte
stationiert sein werden.
Er
meinte wörtlich: „Wir halten nicht inne, es geht nicht nur um
Afghanistan oder Irak.“ Diese globale Präsenz in ca. 60% der Länder
des Planeten Erde und einer viel umfassenderen Stärke als bisher
gekannt bietet einen neuen und schlagenden Beweis für das Vorhandensein
der wachsenden geheimen Machtelite innerhalb des Pentagons, die gegenwärtig
einen geheimgehaltenen Krieg in allen Ecken des Planeten Erde führt.
ZUR
ENTSTEHUNG DER GEHEIMARMEE DER US-STREITKRÄFTE
SOCOM
(Special Operations Command - Sondereinsatzkommando) wurde 1987 im
Ergebnis des gescheiterten Überfalls von US-Militärangehörigen 1980
auf den Iran zur Rettung von US-Geiseln geschaffen. Bei jenem
gescheiterten Kommando-Unternehmen der US-Streitkräfte 1980 kamen 8
US-Söldner ums Leben. Gleich nachdem die reguläre US Army das Mißtrauen
in sie und die Verknappung der Mittel für sie aus dem Militärbudget
der USA infolge der Jahre unmittelbar nach dem Vietnamkrieg hinter sich
hatte, fanden sich die gebildeten Sondereinsatzkräfte der US-Streitkräfte
als einheitliche Struktur mit einer stabilen Finanzierung und einem
Viersterne-General als Befehlshaber zusammen.
Seitdem
ist diese SOCOM in besorgniserregendem Tempo als kombinierte
militärische Einsatzarmee angewachsen. Sie wird von Einheiten aller
Teilstreitkräfte der US-Streitkräfte gebildet. Unter ihnen sind die
„Green Barrets“ („Grüne Barrette“), die „Rangers“, die SEAL
der US-Marine, Teile der US Air Force sowie bestimmte spezialisierte
Einheiten der US Marines. Desweiteren zählen spezialisierte US-Militärhubschraubereinheiten,
spezielle Schiffsbesatzungen von US-Kriegsschiffen, ziviles
Fachpersonal, paramilitärische Bergungstrupps sowie Fluglotsen und
Luftraumkontrolleure mit Erfahrungen aus Kriegsgebieten und Meteorologen
mit Training auf Sondereinsätze dazu. SOCOM führt die
geheimsten und speziellsten Einsätze für das Pentagon aus.
Die
SOCOM-Einsätze bestehen aus Morden, „Anti-Terroristen“-Angriffen,
Aufklärungseinsätzen umfassender Reichweiten, geheimdienstlicher
Auswertung erfaßter Informationen und gesammelten Materials, Ausbilden
von ausländischen Truppen und Einsätzen für die
Nichtweiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen.
Ein
maßgeblicher Bestandteil von SOCOM ist das Kommando für
Gemeinsame Sondereinsätze (JSOC - Joint Special Operations
Command). Dies ist eine geheimes Unterkommando von SOCOM. JSOC's
Hauptauftrag ist die Verfolgung und Ermordung von mutmaßlichen
Terroristen. Das JSOC ist direkt dem US-Präsidenten unterstellt
und erstattet ihm Bericht. Das JSOC betreibt eine weltweite
schwarze Liste, auf der auch US-Bürger stehen. Seine Tätigkeit ist das
außergesetzliche „Aufspüren und Festnehmen“. John Nagl, ein früherer
Berater für Aufstandsbekämpfung des Viersterne-Generals und nächsten
CIA-Leiters David Petraeus bezeichnete dies als „eine Maschine zur Tötung
von Terroristen in fast industriemäßigem Maßstab“.
Das
Programm der Ermordungen wird von Kommando-Einheiten wie den SEAL der
US-Marine und der DELTA-Einsatzgruppe der US Army durchgeführt. Es wird
auch durch Angriffe mit Drohnen (unbemannten Flugkörpern) als
Bestandteil der verdeckten Kriegshandlungen der CIA in Ländern wie
Somalia, Pakistan und Jemen durchgeführt. Darüber hinaus leitet und
kontrolliert JSOC das weltweite Netz geheimer Gefängnisse,
welches allein in Afghanistan bis zu 20 Standorte umfassen soll, wo vor
allem „verhört“ wird, um an Informationen zu gelangen.
EINE
ERMORDUNGS-INDUSTRIE IM WACHSTUM
Von
einer Stärke von 36.000 Söldnern zu Beginn der 1990er Jahre ist das
Personal der Sondereinsatzkräfte der US-Streitkräfte auf 60.000 Söldner
angewachsen. Ein Drittel dieser Söldner sind Militärangehörige mit
einer Laufbahn innerhalb von SOCOM. Die übrigen Zweidrittel
nehmen andere berufliche Funktionen innerhalb der US-Streitkräfte wahr
und werden jeweils bei Bedarf für einzelne Einsätze von SOCOM
übernommen.
Seit
dem 11. September 2001 ist das Wachstum von SOCOM ganz rasant
vonstatten gegangen. Allein die Finanzmittel für SOCOM
verdreifachten sich nahezu von 2,3 Mrd. Dollar auf 6,3 Mrd. Dollar.
Rechnet man die Finanzmittel für die Kriege in Irak und Afghanistan
hinzu, dann kommt man auf 9,8 Mrd. Dollar und somit eine Vervierfachung
in den letzten zehn Jahren. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die
Zahl an Personal im Ausland sich bei SOCOM in den letzten zehn
Jahren ebenfalls vervierfacht hat. Weiteres Wachstum und weitere
umfassende Einsätze zeichnen sich bereits am Horizont für SOCOM
ab.
Generalleutnant
Dennis Hejlik als einstiger Befehlshaber der Sondereinsatzkräfte der
US-Marine, welche die letzte Waffengattung der US-Streitkräfte
hinsichtlich Eingliederung in das SOCOM im Jahr 2006 war, gab
beispielsweise an, dass er erwartet, seine bisher 2600 Söldner starke
Einheit zu verdoppeln. Wörtlich sagte er im Juni 2011 bei einem
Pressefrühstück auf dem Gebiet der Verteidigung eingesetzten
Journalisten: „Ich sehe sie als eine Einsatzkraft, die eines Tages
5000 Angehörige zählen wird, genauso stark sein wird wie die SEAL, die
es im Kriegsgebiet gibt. Zwischen 5000 und 6000 Mann stark.“ Die
langfristigen Planungen erfordern bereits eine Zunahme dieser
Einsatzkraft um 1000 Mann.
Bei
seiner jüngsten Anhörung im Senat genehmigte sich der Vize-Admiral der
US-Marine William McRaven als angehender Leiter von SOCOM und
abtretender Leiter von JSOC (JSOC leitete er beim Angriff
auf Bin Laden) eine rasche Wachstumsrate von 3-5% innerhalb eines Jahre
für die SOCOM. Gleichzeitig kämpfte er im Senat darum, mehr
Mittel zu erhalten, einschließlich ferngesteuerter Flugkörper und auch
für den Bau von neuen Einrichtungen für die verdeckten Einsätze.
Als
ehemaliger SEAL, der immer noch gelegentlich die Truppenverbände auf
dem Schlachtfeld begleitet, äußerte Mc Raven seine Gedanken, wonach
die verdeckt tätigen Sondereinsatzkräfte eine immer größere Rolle
gerade dann spielen sollen, wenn die konventionellen US-Streitkräfte in
Afghanistan verringert werden. Es wäre nützlich, wenn die US-Streitkräfte
weiterhin vor Ort tätig bleiben, sobald die Grenze von Dezember 2011 für
einen vollständigen Abzug der US-Truppen überschritten werde. Auch
erklärte er vor dem Streitkräfte-Ausschuß des US-Senats: „Als
ehemaliger Befehlshaber von JSOC kann ich Ihnen sagen, dass wir
sehr hart in Jemen und in Somalia arbeiten.“
Der
abtretende Chef des Sondereinsatzkommandos der Marine, Marine-Admiral
Eric Olson, zeigte bei einem Vortrag im jährlichen Symposium über
Konflikte niedriger Intensität und verdeckte Einsätze der
Industrievereinigung für Nationale Verteidigung der USA am Anfang
dieses Jahres eine nachts aufgenommene Satellitenaufnahme. Vor dem 11.
September wurden schwerpunktmäßig vor allem Länder auf der
Nordhalbkugel der Erde satellitengestützt beobachtet und militärisch
aufgeklärt und als wichtigste Gebiete angesehen. „Aber die Welt hat
sich im letzten Jahrzehnt sehr verändert“, so Olson. „Unser Fokus
verlagerte sich weitgehend auf die südliche Halbkugel der Erde (...)
ohne Zweifel innerhalb der Sondereinsatzkräfte, während wir die
aufkommenden Bedrohungen aus nicht aufgeklärten Orten anpacken.“
Zu
diesem Zweck rief Olson das „Lawrence-Projekt“ ins Leben. Das ist
ein Beitrag zur Förderung der Kultur, wie Weiterbildung in Sprachen und
bessere Kenntnisse der Geschichte und der lokalen Sitten und Bräuche für
die verdeckten Einsätze im Ausland. Das Programm ist nach dem
britischen Offizier Thomas Edward Lawrence, bekannt als „Lawrence von
Arabien“, benannt. Er schloß sich den arabischen Kämpfern an, um
einen Guerrillakrieg im Nahen Osten während des 2. Weltkriegs zu führen.
Olson fügte mit Fingerzeig auf Afghanistan, Pakistan, Mali und
Indonesien hinzu, dass SOCOM jetzt „Lawrences in allen
Teilen“ benötigt.
Obwohl
Olson sich nur auf 51 Länder bezog, die für SOCOM von Belang
seien, sagte mir Nye an einem ganz bestimmten Tag, dass die
Sondereinsatzkräfte in nahezu 70 Ländern auf der gesamten Welt
stationiert sind. Und dies in jedem Fall auf Bitte der gastgebenden
Regierungen, wie hinzuzufügen er sich beeilte.
Laut
der Aussage von Olson zu Jahresbeginn vor dem Streitkräfte-Ausschuß
des US-Kongresses befinden sich ca. 80% der im Ausland stationierten
Truppenverbände der Sondereinsatzkräfte in 20 Ländern des
Einsatzgebietes von CENTCOM im Großraum Mittlerer Osten: Afghanistan,
Bahrein, Ägypten, Iran, Jordanien, Kasachstan, Kuwait, Kirgistan,
Libanon, Oman, Pakistan, Katar, Saudi-Arabien, Syrien, Tadschikistan,
Turkmenistan, Vereinigte Arabische Emirate, Usbekistan und Jemen. Der
Rest verteilt sich auf alle Welt, von Südamerika bis Südostasien.
Einige in kleiner Zahl, andere in großen Kontingenten.
Das
Oberkommando der Sondereinsatzkräfte will nicht konkret offenlegen, in
welchen Ländern seine Einsatzkräfte tätig sind. Nye sagt dazu: „Natürlich
sind wir an einigen Orten aktiv, wo es nicht von Vorteil ist, dass wir
dies hier sagen. Nicht alle Gastgeberländer wollen davon etwas wissen,
aus welchen Gründen auch immer, internen oder regionalen Gründen.“
Aber
es ist kein Geheimnis bzw. nur ein sehr schlecht gehütetes Geheimnis,
dass die verdeckt tätigen Einsatzkräfte wie die SEAL und die DELTA
FORCE dabei sind, Einsätze zur Festnahme und Ermordung in Afghanistan,
Irak, Pakistan und Jemen auszuführen, während die offen tätigen
Einsatzkräfte wie die Green Barrets und die Ranger ihre vor Ort ansässigen
Partner zu einem Bestandteil des weltweiten verdeckten Krieges gegen die
Al-Quaida und die anderen gegnerischen Gruppen ausbilden.
Zum
Beispiel geben die USA in den Philippinen 50 Millionen Dollar jährlich
für ein Kontingent von 600 Angehörigen der Sondereinsatzkräfte der US
Army und den SEAL der US Marine und für Sondereinsätze der US Air
Force und andere Einsatzkräfte aus, die „Terrorismusbekämpfung“
mit phlippinischen Verbündeten gegen Aufstandsgruppen wie Jemaah
Islamiyah und Abu Sayyaf durchführen.
Eine
von der Journalistin Tara McKelvey (für die Initiative Journalismus der
Nationalen Sicherheit der Fakultät Medill für Journalismus)
zusammengestellte Auswertung von SOCOM-Dokumenten, offen zugänglichen
Dokumenten des Pentagon und einer Database über die Aufträge der
Sondereinsatzkräfte enthüllte, dass die Mehrheit der US-Elitetruppen
Ausbildungsmanöver in Belize, Brasilien, Bulgarien, Burkina Faso,
Deutschland, Indonesien, Mali, Norwegen, Panama und Polen durchführen.
Bisher
sind in diesem Jahr ähnliche Ausbildungseinsätze in der
Dominikanischen Republik, Jordanien, Rumänien, Senegal, Südkorea und
Thailand sowie anderen Ländern durchgeführt worden. In Wirklichkeit
jedoch, wie mir Nye versicherte, gehen in diesen Momenten die
Trainingsarbeiten in fast allen Ländern weiter, wo die Sondereinsatzkräfte
stationiert sind. „Von den 120 Ländern, die wir bis Jahresende
besuchen, würde ich sagen, dass in der überwältigenden Mehrheit die
Ausbildungsmanöver in der einen oder anderen Form laufen. Man könnte
sie als Übungen einstufen.“
DIE
MACHTELITE DES PENTAGON
Als
einst vernachlässigte Stiefkinder der Militärführung sind die
Sondereinsatzkräfte nicht nur in Ausmaß und Finanzausstattung
beachtlich gewachsen, sondern auch an Macht und Einfluß erstarkt. Seit
2002 ist SOCOM gestattet, eigene Gemeinsame Sondereinsatzverbände
wie die Gemeinsamen Sondereinsatzkräfte in den Philippinen zu schaffen.
Dieses eingeschränkte Vorrecht blieb normalerweise den großen
Kampfeinsatzkommandos wie CENTCOM vorbehalten. Ohne großes Aufsehen
richtete in diesem Jahr SOCOM auch seine eigene
Beschaffungsstelle mit einer Gruppe von Spezialisten im
Beschaffungswesen ein.
Normalerweise
obliegt die Kontrolle über die Finanzmittel, die Ausbildung und die
Ausrüstung der US-Streitkräfte ausschließlich den dafür zuständigen
US-Staatssekretariaten wie dem Staatssekretariat für die Armee oder dem
Staatssekretariat für die Marine. Jeder Verteidigungshaushalt der USA
und einflußreiche Persönlichkeiten im US-Kongreß weisen diesen
Staatssekretariaten die Gelder zu. Mit der Kontrolle über eigene
Finanzmittel, eigene Ausbildung und eigene Ausrüstung ist SOCOM
ein außerordentlich mächtiger Part im Pentagon.
Mit
derart starkem tatsächlichen Gewicht lassen sich bürokratische Kämpfe
durchfechten, modernste Spitzentechnologien kaufen und ausgetüftelste
Untersuchungen wie die Übertragung von elektronischen Botschaften in
die Köpfe der Menschen oder das verdeckte Entwickeln von geheimen
Technologien für die Bodentruppen anstellen. Seit 2001 haben sich die
Aufträge von SOCOM an hochspezialisierte kleine Firmen für den
Erwerb von ganz speziellen Waffen und Ausrüstungen versechsfacht.
Seinen
Standort hat SOCOM auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Macdill in
Florida, sein Einsatzgebiet aber liegt außerhalb dieses Ortes. Und die
untergeordneten Kommandostäbe befinden sich überall auf dem Planeten
Erde, auch in Hawai, Deutschland und Südkorea. Und sie sind in der
Mehrzahl der Länder aktiv tätig. Die Sondereinsatzkräfte sind zu
einer Macht an sich geworden.
Als
bisheriger Leiter von SOCOM sagte Olson zu Jahresbeginn über SOCOM:
„Das ist ein Mikrokosmos des US-Staatssekretariats für Verteidigung,
mit den Teilstreitkräften zu Lande, zur See und in der Luft, mit einer
weltweiten Präsenz, Behörden und Zuständigkeiten, die ein Abbild der
militärischen US-Ministerien, der militärischen Dienstleister und der
militärischen Geheimdienste der USA sind.“
SOCOM
ist demzufolge etwas völlig Neues in den US-Streitkräften, da SOCOM
mit der Koordinierung aller Planungen des Pentagon gegen die weltweiten
Terrorismusnetzwerke beauftragt ist und infolge dessen eng mit den
anderen Regierungsbehörden, mit ausländischen Armeen und
Geheimdiensten verbunden ist, mit einem gigantischen Arsenal an verdeckt
einsetzbaren Hubschraubern, bemannten Flugzeugen, spitzentechnologisch
ausgestatteten ferngesteuerten Drohnen, spitzentechnologisch
ausgestatteten bewaffneten Schnellbooten, Spezialfahrzeugen, minenfesten
Panzerfahrzeugen sowie anderen modernsten Ausrüstungen.
Obwohl
beim Thema eines Endes des Militarismus der Gelehrte Chalmers Johnson
sich auf die CIA „als private Armee des Präsidenten“ zu beziehen
pflegte, übernimmt heute JSOC diese Rolle, indem JSOC in
Ausführung von Aufträgen des US-Präsidenten private Mordkommandos
entsendet und sein Verwandter SOCOM als neue Machtelite im
Pentagon fungiert, eine Geheimarmee innerhalb der US-Streitkräfte
bildet, die im Besitz der Macht vor Ort in den USA ist und zugleich über
globale Reichweite verfügt.
In
120 Ländern des gesamten Erdballs führen die Sondereinsatzkräfte
hochkarätig ihren geheimen Krieg voller Morde, metzeln auf niedrigem
Niveau nieder, führen Einsätze zur Festnahme und gewaltsamen
Verschleppung durch, führen nächtliche Angriffe in der Art des
Eintretens von Türen durch, realisieren gemeinsame Einsätze mit ausländischen
Streitkräften und Ausbildungsprogramme mit den Partnern vor Ort als
Teil eines verdeckten Konflikts, von dem die Mehrheit der US-Amerikaner
überhaupt nichts weiß. In anderen Zeiten waren sie „besondere
Einsatzkräfte“, weil sie klein, mager, im Ausland aktive Mannschaften
waren. Heute sind sie „besondere Einsatzkräfte“ durch ihre Macht,
ihre Zugänge, ihren Einfluß und ihre Ausstrahlung.
Jene
Ausstrahlung profitiert jetzt von einer gutorganisierten Werbekampagne,
die ihnen hilft, ein übermenschliches Bild zuhause und im Ausland
abzugeben, obwohl viele ihrer gegenwärtigen Aktivitäten immer
umfassender im Dunkeln verbleiben. Die typische Ansicht über sich
selbst, die sie zu verbreiten bestrebt sind, findet sich in dieser Erklärung
von Admiral Olson: „Ich bin davon überzeugt, dass die Sondereinsatzkräfte
(...) die kulturell am meisten vorbereiteten Partner sind. Sie sind die
tödlichsten Aufspürer, die kompetentesten, beweglichsten, modernsten
und wirksamsten Berater, Ausbilder, Problemlöser und Krieger, die
irgendein Land aufbieten könnte.“
Kürzlich
bot Olson im Sicherheitsforum des Asperi-Instituts einige ebenso süßliche
Kommentare und auch etwas irreführende Informationen an, als er erklärte,
dass die Sondereinsatzkräfte der USA nur in 65 Ländern im Einsatz wären
und nur in zwei dieser Länder in Kampfhandlungen verwickelt sein würden.
Als man ihn wegen der Drohnenangriffe in Pakistan befragte, antwortete
er laut vorliegenden Informationen: „Sprechen Sie von nicht aufgeklärten
Explosionen?“
Dennoch
entging ihm etwas. Er stellte beispielsweise fest, dass die verdeckten
Einsätze wie der Bin-Laden-Einsatz mit den nächtlich Angriffe
realisierenden Luftlandekommandos nichts Außergewöhnliches mehr wäre.
Jede Nacht wird mindestens ein Dutzend davon durchgeführt, so sagte er.
Aber
vielleicht ist seine Bemerkung zur Größe von SOCOM noch
aufschlußreicher. Gerade jetzt, so unterstrich er, sind die
Sondereinsatzkräfte annähernd genauso groß wie die gesamten
Landstreitkräfte Kanadas im aktiven Dienst (Friedensstärke). In
Wahrheit also ist SOCOM vom Personalbestand her viel größer als
die Armeen vieler Länder, in denen die US-Elitetruppen jedes Jahr tätig
sind. Und es ist beschlossene Sache, dass SOCOM weiter wächst.
Die
US-Amerikaner müssen sich darüber klar werden, was es bedeutet, eine
so enorme „Sondereinsatzkraft“ zu haben, die so aktiv ist und so
geheim tätig ist. Und es sieht nicht so aus, als ob die US-Amerikaner
beginnen, da die Augen zu öffnen, bis sie nicht über mehr
Informationen verfügen werden. Olson oder seine Truppen werden ihnen
diese Informationen nicht einfach zur Verfügung stellen.
„Unser
Zugang (zu anderen Ländern) hängt ab von unserer Fähigkeit, nicht
davon zu reden“, sagte er in Beantwortung von Fragen über die
Geheimnistuerei von SOCOM. Wenn die Einsätze auf den Prüfstand
kommen, wie im Fall des Überfalls auf Bin Laden, dann versetzt dies die
Elite-Truppen der USA in Aufregung. Die „Geheimarmee“ der Armee, so
sagte Olson, will „in die Dunkelheit zurückkehren und dort tun, was
sie tun muß“.
(Nick
Turse ist Historiker, Publizist und investigativer Journalist. Er ist
Herausgeber und Partner von TomDispatch.com und neuer Redakteur von
Alternet.org, sein zuletzt erschienenes Buch heißt The Case for
Withdrawal from Afghanistan - Der Fall des Rückzugs aus Afghanistan
-Verso Books-.)
Dieser
Artikel ist eine Zusammenarbeit von Alternet.org und TomDispatch.com
Quelle:
http://www.cubadebate.cu/ |