Gegen den imperialistischen Krieg

Wichtige Rubriken und Beiträge

+++Neu+++

Newsletter bestellen

zur Homepage

Der Krieg der herrschenden Klasse gegen das Volk

Kampf den ideologischen Diversanten

Für den Aufbau der Kommunistischen Partei Deutschlands

Gegen den imperialistischen Krieg

Black Channel

Betrieb&Gewerkschaft

Bildung, Kultur & Wissen

Wider den Block der
Rechten und Trotzkisten

zur Geschichte
der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung

Wissenschaftlicher Sozialismus

Aus den Ländern

Links

Impressum

Archiv

Intern

Proletarischer Internationalismus

zurück

soldados-trajes-especial-radiacion1Die weltweit geheim agierenden Sondereinsatzkräfte der US-Streitkräfte

DER GEHEIME KRIEG DER USA IN 120 LÄNDERN

von Nick Turse

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke

Havanna, 7. August 2011, Cubadebate. (auf Kommunisten-online am 15. August 2011) – Irgendwo auf der Erde führt ein US-Einsatzkommando derzeit einen Einsatz aus. Wiederholen Sie diesen Satz bitte 70 mal! Und dann haben sie es erst mal genug getan - für den heutigen Tag!

Ohne jedes Wissen des US-amerikanischen Volkes darüber führen geheime Einsatzkommandos der US-Streitkräfte gegenwärtige eine Anzahl von Einsätzen in der Mehrheit der Länder des Planeten Erde durch. Diese neue Machtelite im Pentagon entfesselt derzeit einen Weltkrieg, dessen Ausmaß und Reichweite bisher nicht offengelegt worden sind.

Nachdem ein SEAL-Kommandotrupp der US-Marine Ossama Bin Laden eine Kugel in die Brust und eine weitere in den Kopf geschossen haben soll, nachdem sie sein Haus in Pakistan erstürmt haben soll, sah sich plötzlich eine der geheimgehaltensten Formen von verdeckten Einsätzen der US-Streitkräfte im Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit. So etwas geschieht nur äußerst selten.

Zwar ist bekannt, dass Sondereinsatzkräfte der USA in Kriegsgegenden Afghanistans und Iraks eingesetzt sind. Auch wird immer deutlicher, dass jene Einheiten in schwierigen Kampfgebieten wie Jemen und Somalia tätig sind. Das gesamte Ausmaß ihres Krieges im Weltmaßstab jedoch ist bisher sehr verborgen im Dunkeln geblieben.

Im vorigen Jahr berichteten Karen De Young und Greg Jaffe von der Washington Post, dass die Sondereinsatzkräfte der US-Streitkräfte in 75 Ländern stationiert worden sind. Sie erhöhten sich auf diese Zahl von jenen einst 60 Ländern am Ende der Amtszeit von US-Präsident George W. Bush. Der Sprecher des Oberkommandos dieser Sondereinsatzkräfte der US-Streitkräfte, Tim Nye, sagte mir, dass Ende dieses Jahres wohl in 120 Ländern diese geheimen Truppenverbände der US-Streitkräfte stationiert sein werden.

Er meinte wörtlich: „Wir halten nicht inne, es geht nicht nur um Afghanistan oder Irak.“ Diese globale Präsenz in ca. 60% der Länder des Planeten Erde und einer viel umfassenderen Stärke als bisher gekannt bietet einen neuen und schlagenden Beweis für das Vorhandensein der wachsenden geheimen Machtelite innerhalb des Pentagons, die gegenwärtig einen geheimgehaltenen Krieg in allen Ecken des Planeten Erde führt.

ZUR ENTSTEHUNG DER GEHEIMARMEE DER US-STREITKRÄFTE

SOCOM (Special Operations Command - Sondereinsatzkommando) wurde 1987 im Ergebnis des gescheiterten Überfalls von US-Militärangehörigen 1980 auf den Iran zur Rettung von US-Geiseln geschaffen. Bei jenem gescheiterten Kommando-Unternehmen der US-Streitkräfte 1980 kamen 8 US-Söldner ums Leben. Gleich nachdem die reguläre US Army das Mißtrauen in sie und die Verknappung der Mittel für sie aus dem Militärbudget der USA infolge der Jahre unmittelbar nach dem Vietnamkrieg hinter sich hatte, fanden sich die gebildeten Sondereinsatzkräfte der US-Streitkräfte als einheitliche Struktur mit einer stabilen Finanzierung und einem Viersterne-General als Befehlshaber zusammen.

Seitdem ist diese SOCOM in besorgniserregendem Tempo als kombinierte militärische Einsatzarmee angewachsen. Sie wird von Einheiten aller Teilstreitkräfte der US-Streitkräfte gebildet. Unter ihnen sind die „Green Barrets“ („Grüne Barrette“), die „Rangers“, die SEAL der US-Marine, Teile der US Air Force sowie bestimmte spezialisierte Einheiten der US Marines. Desweiteren zählen spezialisierte US-Militärhubschraubereinheiten, spezielle Schiffsbesatzungen von US-Kriegsschiffen, ziviles Fachpersonal, paramilitärische Bergungstrupps sowie Fluglotsen und Luftraumkontrolleure mit Erfahrungen aus Kriegsgebieten und Meteorologen mit Training auf Sondereinsätze dazu. SOCOM führt die geheimsten und speziellsten Einsätze für das Pentagon aus.

Die SOCOM-Einsätze bestehen aus Morden, „Anti-Terroristen“-Angriffen, Aufklärungseinsätzen umfassender Reichweiten, geheimdienstlicher Auswertung erfaßter Informationen und gesammelten Materials, Ausbilden von ausländischen Truppen und Einsätzen für die Nichtweiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen.

Ein maßgeblicher Bestandteil von SOCOM ist das Kommando für Gemeinsame Sondereinsätze (JSOC - Joint Special Operations Command). Dies ist eine geheimes Unterkommando von SOCOM. JSOC's Hauptauftrag ist die Verfolgung und Ermordung von mutmaßlichen Terroristen. Das JSOC ist direkt dem US-Präsidenten unterstellt und erstattet ihm Bericht. Das JSOC betreibt eine weltweite schwarze Liste, auf der auch US-Bürger stehen. Seine Tätigkeit ist das außergesetzliche „Aufspüren und Festnehmen“. John Nagl, ein früherer Berater für Aufstandsbekämpfung des Viersterne-Generals und nächsten CIA-Leiters David Petraeus bezeichnete dies als „eine Maschine zur Tötung von Terroristen in fast industriemäßigem Maßstab“.

Das Programm der Ermordungen wird von Kommando-Einheiten wie den SEAL der US-Marine und der DELTA-Einsatzgruppe der US Army durchgeführt. Es wird auch durch Angriffe mit Drohnen (unbemannten Flugkörpern) als Bestandteil der verdeckten Kriegshandlungen der CIA in Ländern wie Somalia, Pakistan und Jemen durchgeführt. Darüber hinaus leitet und kontrolliert JSOC das weltweite Netz geheimer Gefängnisse, welches allein in Afghanistan bis zu 20 Standorte umfassen soll, wo vor allem „verhört“ wird, um an Informationen zu gelangen.

EINE ERMORDUNGS-INDUSTRIE IM WACHSTUM

Von einer Stärke von 36.000 Söldnern zu Beginn der 1990er Jahre ist das Personal der Sondereinsatzkräfte der US-Streitkräfte auf 60.000 Söldner angewachsen. Ein Drittel dieser Söldner sind Militärangehörige mit einer Laufbahn innerhalb von SOCOM. Die übrigen Zweidrittel nehmen andere berufliche Funktionen innerhalb der US-Streitkräfte wahr und werden jeweils bei Bedarf für einzelne Einsätze von SOCOM übernommen.

Seit dem 11. September 2001 ist das Wachstum von SOCOM ganz rasant vonstatten gegangen. Allein die Finanzmittel für SOCOM verdreifachten sich nahezu von 2,3 Mrd. Dollar auf 6,3 Mrd. Dollar. Rechnet man die Finanzmittel für die Kriege in Irak und Afghanistan hinzu, dann kommt man auf 9,8 Mrd. Dollar und somit eine Vervierfachung in den letzten zehn Jahren. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Zahl an Personal im Ausland sich bei SOCOM in den letzten zehn Jahren ebenfalls vervierfacht hat. Weiteres Wachstum und weitere umfassende Einsätze zeichnen sich bereits am Horizont für SOCOM ab.

Generalleutnant Dennis Hejlik als einstiger Befehlshaber der Sondereinsatzkräfte der US-Marine, welche die letzte Waffengattung der US-Streitkräfte hinsichtlich Eingliederung in das SOCOM im Jahr 2006 war, gab beispielsweise an, dass er erwartet, seine bisher 2600 Söldner starke Einheit zu verdoppeln. Wörtlich sagte er im Juni 2011 bei einem Pressefrühstück auf dem Gebiet der Verteidigung eingesetzten Journalisten: „Ich sehe sie als eine Einsatzkraft, die eines Tages 5000 Angehörige zählen wird, genauso stark sein wird wie die SEAL, die es im Kriegsgebiet gibt. Zwischen 5000 und 6000 Mann stark.“ Die langfristigen Planungen erfordern bereits eine Zunahme dieser Einsatzkraft um 1000 Mann.

Bei seiner jüngsten Anhörung im Senat genehmigte sich der Vize-Admiral der US-Marine William McRaven als angehender Leiter von SOCOM und abtretender Leiter von JSOC (JSOC leitete er beim Angriff auf Bin Laden) eine rasche Wachstumsrate von 3-5% innerhalb eines Jahre für die SOCOM. Gleichzeitig kämpfte er im Senat darum, mehr Mittel zu erhalten, einschließlich ferngesteuerter Flugkörper und auch für den Bau von neuen Einrichtungen für die verdeckten Einsätze.

Als ehemaliger SEAL, der immer noch gelegentlich die Truppenverbände auf dem Schlachtfeld begleitet, äußerte Mc Raven seine Gedanken, wonach die verdeckt tätigen Sondereinsatzkräfte eine immer größere Rolle gerade dann spielen sollen, wenn die konventionellen US-Streitkräfte in Afghanistan verringert werden. Es wäre nützlich, wenn die US-Streitkräfte weiterhin vor Ort tätig bleiben, sobald die Grenze von Dezember 2011 für einen vollständigen Abzug der US-Truppen überschritten werde. Auch erklärte er vor dem Streitkräfte-Ausschuß des US-Senats: „Als ehemaliger Befehlshaber von JSOC kann ich Ihnen sagen, dass wir sehr hart in Jemen und in Somalia arbeiten.“

Der abtretende Chef des Sondereinsatzkommandos der Marine, Marine-Admiral Eric Olson, zeigte bei einem Vortrag im jährlichen Symposium über Konflikte niedriger Intensität und verdeckte Einsätze der Industrievereinigung für Nationale Verteidigung der USA am Anfang dieses Jahres eine nachts aufgenommene Satellitenaufnahme. Vor dem 11. September wurden schwerpunktmäßig vor allem Länder auf der Nordhalbkugel der Erde satellitengestützt beobachtet und militärisch aufgeklärt und als wichtigste Gebiete angesehen. „Aber die Welt hat sich im letzten Jahrzehnt sehr verändert“, so Olson. „Unser Fokus verlagerte sich weitgehend auf die südliche Halbkugel der Erde (...) ohne Zweifel innerhalb der Sondereinsatzkräfte, während wir die aufkommenden Bedrohungen aus nicht aufgeklärten Orten anpacken.“

Zu diesem Zweck rief Olson das „Lawrence-Projekt“ ins Leben. Das ist ein Beitrag zur Förderung der Kultur, wie Weiterbildung in Sprachen und bessere Kenntnisse der Geschichte und der lokalen Sitten und Bräuche für die verdeckten Einsätze im Ausland. Das Programm ist nach dem britischen Offizier Thomas Edward Lawrence, bekannt als „Lawrence von Arabien“, benannt. Er schloß sich den arabischen Kämpfern an, um einen Guerrillakrieg im Nahen Osten während des 2. Weltkriegs zu führen. Olson fügte mit Fingerzeig auf Afghanistan, Pakistan, Mali und Indonesien hinzu, dass SOCOM jetzt „Lawrences in allen Teilen“ benötigt.

Obwohl Olson sich nur auf 51 Länder bezog, die für SOCOM von Belang seien, sagte mir Nye an einem ganz bestimmten Tag, dass die Sondereinsatzkräfte in nahezu 70 Ländern auf der gesamten Welt stationiert sind. Und dies in jedem Fall auf Bitte der gastgebenden Regierungen, wie hinzuzufügen er sich beeilte.

Laut der Aussage von Olson zu Jahresbeginn vor dem Streitkräfte-Ausschuß des US-Kongresses befinden sich ca. 80% der im Ausland stationierten Truppenverbände der Sondereinsatzkräfte in 20 Ländern des Einsatzgebietes von CENTCOM im Großraum Mittlerer Osten: Afghanistan, Bahrein, Ägypten, Iran, Jordanien, Kasachstan, Kuwait, Kirgistan, Libanon, Oman, Pakistan, Katar, Saudi-Arabien, Syrien, Tadschikistan, Turkmenistan, Vereinigte Arabische Emirate, Usbekistan und Jemen. Der Rest verteilt sich auf alle Welt, von Südamerika bis Südostasien. Einige in kleiner Zahl, andere in großen Kontingenten.

Das Oberkommando der Sondereinsatzkräfte will nicht konkret offenlegen, in welchen Ländern seine Einsatzkräfte tätig sind. Nye sagt dazu: „Natürlich sind wir an einigen Orten aktiv, wo es nicht von Vorteil ist, dass wir dies hier sagen. Nicht alle Gastgeberländer wollen davon etwas wissen, aus welchen Gründen auch immer, internen oder regionalen Gründen.“

Aber es ist kein Geheimnis bzw. nur ein sehr schlecht gehütetes Geheimnis, dass die verdeckt tätigen Einsatzkräfte wie die SEAL und die DELTA FORCE dabei sind, Einsätze zur Festnahme und Ermordung in Afghanistan, Irak, Pakistan und Jemen auszuführen, während die offen tätigen Einsatzkräfte wie die Green Barrets und die Ranger ihre vor Ort ansässigen Partner zu einem Bestandteil des weltweiten verdeckten Krieges gegen die Al-Quaida und die anderen gegnerischen Gruppen ausbilden.

Zum Beispiel geben die USA in den Philippinen 50 Millionen Dollar jährlich für ein Kontingent von 600 Angehörigen der Sondereinsatzkräfte der US Army und den SEAL der US Marine und für Sondereinsätze der US Air Force und andere Einsatzkräfte aus, die „Terrorismusbekämpfung“ mit phlippinischen Verbündeten gegen Aufstandsgruppen wie Jemaah Islamiyah und Abu Sayyaf durchführen.

Eine von der Journalistin Tara McKelvey (für die Initiative Journalismus der Nationalen Sicherheit der Fakultät Medill für Journalismus) zusammengestellte Auswertung von SOCOM-Dokumenten, offen zugänglichen Dokumenten des Pentagon und einer Database über die Aufträge der Sondereinsatzkräfte enthüllte, dass die Mehrheit der US-Elitetruppen Ausbildungsmanöver in Belize, Brasilien, Bulgarien, Burkina Faso, Deutschland, Indonesien, Mali, Norwegen, Panama und Polen durchführen.

Bisher sind in diesem Jahr ähnliche Ausbildungseinsätze in der Dominikanischen Republik, Jordanien, Rumänien, Senegal, Südkorea und Thailand sowie anderen Ländern durchgeführt worden. In Wirklichkeit jedoch, wie mir Nye versicherte, gehen in diesen Momenten die Trainingsarbeiten in fast allen Ländern weiter, wo die Sondereinsatzkräfte stationiert sind. „Von den 120 Ländern, die wir bis Jahresende besuchen, würde ich sagen, dass in der überwältigenden Mehrheit die Ausbildungsmanöver in der einen oder anderen Form laufen. Man könnte sie als Übungen einstufen.“

DIE MACHTELITE DES PENTAGON

Als einst vernachlässigte Stiefkinder der Militärführung sind die Sondereinsatzkräfte nicht nur in Ausmaß und Finanzausstattung beachtlich gewachsen, sondern auch an Macht und Einfluß erstarkt. Seit 2002 ist SOCOM gestattet, eigene Gemeinsame Sondereinsatzverbände wie die Gemeinsamen Sondereinsatzkräfte in den Philippinen zu schaffen. Dieses eingeschränkte Vorrecht blieb normalerweise den großen Kampfeinsatzkommandos wie CENTCOM vorbehalten. Ohne großes Aufsehen richtete in diesem Jahr SOCOM auch seine eigene Beschaffungsstelle mit einer Gruppe von Spezialisten im Beschaffungswesen ein.

Normalerweise obliegt die Kontrolle über die Finanzmittel, die Ausbildung und die Ausrüstung der US-Streitkräfte ausschließlich den dafür zuständigen US-Staatssekretariaten wie dem Staatssekretariat für die Armee oder dem Staatssekretariat für die Marine. Jeder Verteidigungshaushalt der USA und einflußreiche Persönlichkeiten im US-Kongreß weisen diesen Staatssekretariaten die Gelder zu. Mit der Kontrolle über eigene Finanzmittel, eigene Ausbildung und eigene Ausrüstung ist SOCOM ein außerordentlich mächtiger Part im Pentagon.

Mit derart starkem tatsächlichen Gewicht lassen sich bürokratische Kämpfe durchfechten, modernste Spitzentechnologien kaufen und ausgetüftelste Untersuchungen wie die Übertragung von elektronischen Botschaften in die Köpfe der Menschen oder das verdeckte Entwickeln von geheimen Technologien für die Bodentruppen anstellen. Seit 2001 haben sich die Aufträge von SOCOM an hochspezialisierte kleine Firmen für den Erwerb von ganz speziellen Waffen und Ausrüstungen versechsfacht.

Seinen Standort hat SOCOM auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Macdill in Florida, sein Einsatzgebiet aber liegt außerhalb dieses Ortes. Und die untergeordneten Kommandostäbe befinden sich überall auf dem Planeten Erde, auch in Hawai, Deutschland und Südkorea. Und sie sind in der Mehrzahl der Länder aktiv tätig. Die Sondereinsatzkräfte sind zu einer Macht an sich geworden.

Als bisheriger Leiter von SOCOM sagte Olson zu Jahresbeginn über SOCOM: „Das ist ein Mikrokosmos des US-Staatssekretariats für Verteidigung, mit den Teilstreitkräften zu Lande, zur See und in der Luft, mit einer weltweiten Präsenz, Behörden und Zuständigkeiten, die ein Abbild der militärischen US-Ministerien, der militärischen Dienstleister und der militärischen Geheimdienste der USA sind.“

SOCOM ist demzufolge etwas völlig Neues in den US-Streitkräften, da SOCOM mit der Koordinierung aller Planungen des Pentagon gegen die weltweiten Terrorismusnetzwerke beauftragt ist und infolge dessen eng mit den anderen Regierungsbehörden, mit ausländischen Armeen und Geheimdiensten verbunden ist, mit einem gigantischen Arsenal an verdeckt einsetzbaren Hubschraubern, bemannten Flugzeugen, spitzentechnologisch ausgestatteten ferngesteuerten Drohnen, spitzentechnologisch ausgestatteten bewaffneten Schnellbooten, Spezialfahrzeugen, minenfesten Panzerfahrzeugen sowie anderen modernsten Ausrüstungen.

Obwohl beim Thema eines Endes des Militarismus der Gelehrte Chalmers Johnson sich auf die CIA „als private Armee des Präsidenten“ zu beziehen pflegte, übernimmt heute JSOC diese Rolle, indem JSOC in Ausführung von Aufträgen des US-Präsidenten private Mordkommandos entsendet und sein Verwandter SOCOM als neue Machtelite im Pentagon fungiert, eine Geheimarmee innerhalb der US-Streitkräfte bildet, die im Besitz der Macht vor Ort in den USA ist und zugleich über globale Reichweite verfügt.

In 120 Ländern des gesamten Erdballs führen die Sondereinsatzkräfte hochkarätig ihren geheimen Krieg voller Morde, metzeln auf niedrigem Niveau nieder, führen Einsätze zur Festnahme und gewaltsamen Verschleppung durch, führen nächtliche Angriffe in der Art des Eintretens von Türen durch, realisieren gemeinsame Einsätze mit ausländischen Streitkräften und Ausbildungsprogramme mit den Partnern vor Ort als Teil eines verdeckten Konflikts, von dem die Mehrheit der US-Amerikaner überhaupt nichts weiß. In anderen Zeiten waren sie „besondere Einsatzkräfte“, weil sie klein, mager, im Ausland aktive Mannschaften waren. Heute sind sie „besondere Einsatzkräfte“ durch ihre Macht, ihre Zugänge, ihren Einfluß und ihre Ausstrahlung.

Jene Ausstrahlung profitiert jetzt von einer gutorganisierten Werbekampagne, die ihnen hilft, ein übermenschliches Bild zuhause und im Ausland abzugeben, obwohl viele ihrer gegenwärtigen Aktivitäten immer umfassender im Dunkeln verbleiben. Die typische Ansicht über sich selbst, die sie zu verbreiten bestrebt sind, findet sich in dieser Erklärung von Admiral Olson: „Ich bin davon überzeugt, dass die Sondereinsatzkräfte (...) die kulturell am meisten vorbereiteten Partner sind. Sie sind die tödlichsten Aufspürer, die kompetentesten, beweglichsten, modernsten und wirksamsten Berater, Ausbilder, Problemlöser und Krieger, die irgendein Land aufbieten könnte.“

Kürzlich bot Olson im Sicherheitsforum des Asperi-Instituts einige ebenso süßliche Kommentare und auch etwas irreführende Informationen an, als er erklärte, dass die Sondereinsatzkräfte der USA nur in 65 Ländern im Einsatz wären und nur in zwei dieser Länder in Kampfhandlungen verwickelt sein würden. Als man ihn wegen der Drohnenangriffe in Pakistan befragte, antwortete er laut vorliegenden Informationen: „Sprechen Sie von nicht aufgeklärten Explosionen?“

Dennoch entging ihm etwas. Er stellte beispielsweise fest, dass die verdeckten Einsätze wie der Bin-Laden-Einsatz mit den nächtlich Angriffe realisierenden Luftlandekommandos nichts Außergewöhnliches mehr wäre. Jede Nacht wird mindestens ein Dutzend davon durchgeführt, so sagte er.

Aber vielleicht ist seine Bemerkung zur Größe von SOCOM noch aufschlußreicher. Gerade jetzt, so unterstrich er, sind die Sondereinsatzkräfte annähernd genauso groß wie die gesamten Landstreitkräfte Kanadas im aktiven Dienst (Friedensstärke). In Wahrheit also ist SOCOM vom Personalbestand her viel größer als die Armeen vieler Länder, in denen die US-Elitetruppen jedes Jahr tätig sind. Und es ist beschlossene Sache, dass SOCOM weiter wächst.

Die US-Amerikaner müssen sich darüber klar werden, was es bedeutet, eine so enorme „Sondereinsatzkraft“ zu haben, die so aktiv ist und so geheim tätig ist. Und es sieht nicht so aus, als ob die US-Amerikaner beginnen, da die Augen zu öffnen, bis sie nicht über mehr Informationen verfügen werden. Olson oder seine Truppen werden ihnen diese Informationen nicht einfach zur Verfügung stellen.

„Unser Zugang (zu anderen Ländern) hängt ab von unserer Fähigkeit, nicht davon zu reden“, sagte er in Beantwortung von Fragen über die Geheimnistuerei von SOCOM. Wenn die Einsätze auf den Prüfstand kommen, wie im Fall des Überfalls auf Bin Laden, dann versetzt dies die Elite-Truppen der USA in Aufregung. Die „Geheimarmee“ der Armee, so sagte Olson, will „in die Dunkelheit zurückkehren und dort tun, was sie tun muß“.

(Nick Turse ist Historiker, Publizist und investigativer Journalist. Er ist Herausgeber und Partner von TomDispatch.com und neuer Redakteur von Alternet.org, sein zuletzt erschienenes Buch heißt The Case for Withdrawal from Afghanistan - Der Fall des Rückzugs aus Afghanistan -Verso Books-.)

Dieser Artikel ist eine Zusammenarbeit von Alternet.org und TomDispatch.com

Quelle: http://www.cubadebate.cu/

zurück

Spenden für die Homepage: Günter Ackermann, Konto-Nr.: 433 407 436,
IBAN DE62 3601 0043 0433 4074 36., BIC PBNKDEFF, BLZ: 360 100 43
Postbank Essen. Verwendungszweck: Homepage 
(Bitte eMail-Adresse und Verwendungszweck immer angeben!)

  Bitte immer angeben!