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„Eine
Änderung der heutigen global herrschenden
Politik, deren Auswirkungen nicht nur Völker wie das des Irak an
den Rand seiner Existenz bringen, ist innerhalb dieses weltweit
dominierenden Systems - also systemimmanent - nicht denkbar.“
Lieber Herr Todenhöfer,
nur kurz: Ich habe mich sehr über Ihr Buch „Warum
tötest du, Zaid?“ gefreut, auch wenn Sie
das u.U. nicht freut: Natürlich und gerade auch deshalb
bleibe ich Kommunist: Das, was Sie detailliert und faktenreich
beschreiben, hat Anfang des 20. Jh. bereits der hierzulande verpönte
Wladimir Iljich Uljanow (Lenin) auf die ökonomischen Grundlagen
des weltweit herrschenden Systems bezogen beschrieben. Sein tolles
und noch immer sehr aktuelles Buch heißt „Der Imperialismus als höchstes
Stadium des Kapitalismus“. Das historisch und soziologisch
Nachfolgende und Weitere aus seiner Analyse, also die ökonomische
Verfasstheit der Staaten heute und die daraus resultierenden Gemetzel,
ist bzw. sind nur Konsequenz.
Und eine Änderung der heutigen global herrschenden
Politik, deren Auswirkungen nicht nur Völker wie das des Irak an den
Rand seiner Existenz bringen, ist innerhalb dieses weltweit
dominierenden Systems - also systemimmanent - nicht denkbar.
Also: Eine Änderung der Politik der tatsächlich
in unserem System Herrschenden (der Wirtschaft) wird nicht
geschehen. Sie wird nicht geschehen in Bezug auf den Krieg wie in Irak (Ölindustrie),
nicht in Bezug auf den Hunger wie nur z.B. in Haiti
(Nahrungsmittelverbrennung für Ersatz-Öl) oder wie in Indien (Monsanto-Patente),
nicht in Bezug auf Folter wie in den USA (klares Wasser kontra
Menschenrechte). Es werden weiterhin täglich 20.000 Kinder v.a. in den
Trikont-Ländern sterben, es werden weiterhin Medizin-Patente die
Linderung von HIV-Infektionen in armen Staaten verhindern bzw. sogar zum
Massenmord führen (für mich zählt „Profitstreben“ zu den
„niedrigen Beweggründen“).
Eine Änderung der weltweit offenbaren Verbrechen,
die unter der Maxime des Profits verübt werden, wird nicht von selbst
geschehen, und leider auch nicht durch ein gutes und wahres Buch. Eine
Änderung der weltweit offenbaren Verbrechen wird nur dann geschehen,
wenn die einfachen Menschen „Schluss!“ sagen und ihren
jeweiligen nationalen „Eliten“ des Hungers, des Massenmordes und -
wie hierzulande der rückwärtsgewandten „Reformen“ - den
Laufpass geben. Und verhindern, dass diese Leute wieder an den MG-Abzug
kommen.
Trotz des Umstands, dass letztgenannte Veränderungen
gegenwärtig kaum vorstellbar erscheinen – Gibt es eine andere Lösung? Dann
erklären Sie mir, bitte, warum Sie dieses sehr gute Buch geschrieben
haben? Was haben Sie weiter vor, wie stellen Sie sich Veränderungen
nicht nur für die Iraker und die arabischen Völker, sondern auch
für die vielen Millionen anderer vor?
Die FAZ urteilte am 23.04. in Die
Wirklichkeit ohne Begleitoffizier, es gehe Ihnen nur um das Eine (...): zur
fairen Darstellung eines weltpolitischen Konflikts beizutragen, der bis
ins Alltäglichste hinein das Zusammenleben zwischen Muslimen und
Nichtmuslimen in aller Welt beeinflusst.
Und Sie werden zitiert mit Der Irak-Krieg ist lediglich ein Kapitel der seit Jahrhunderten nicht
endenden Aggressionspolitik Europas und der USA gegenüber der
muslimischen Welt.
Diese Positionen sind unscharf und verkennen das
Eigentliche; nämlich dass diese Aggressionspolitik nicht nur
System HAT, sondern v.a. eben auch IST, und zwar fast weltweit, vgl.
Lenin. Doch wenn ausgerechnet die systemtreuen Medien in FAZ, Zeit und
anderswo nun plötzlich mit freundlichen Rezensionen Ihres Buches
die sog. „öffentliche Meinung“ (also die Meinung der Handvoll
Medienkonzerne, die Kohle haben) zum Irak neu positionieren, werde ich
vorsichtig.
Nicht in Bezug auf den Inhalt Ihres Buches werde ich
vorsichtig. Aber: Welche Funktion hat es bereits jetzt, weshalb
wird es dazu genutzt, die sog. „öffentliche Meinung“ zum Irak neu
zu positionieren? Cui
bono - Wem nützt das?
Der deutsche Imperialismus hat mehrmals versagt, als
es um die Aufteilung der Reichtümer anderer Regionen der Welt ging; als
Paradebeispiel schlechthin wird die Entwicklung zum 1. Weltkrieg
genannt. Doch auch in den letzten Jahren ist ihm nicht viel gelungen:
Die Akzeptanz militärischer Einsätze in der Bevölkerung hierzulande
schwächelt noch immer. Zu wenige sind Teilhaber der hiesigen Diktatur
der Ökonomie, die – propagandistisch als „Freiheit“ verkauft – am
Hindukusch verteidigt werden soll. Also bei Ölscheichs nebenan.
Jetzt geht es dem Kapital darum, bei denen hereingelassen zu werden.
Eine neue Runde ist bereits eingeläutet - seien wir
wachsam!
Emko
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