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Dr. Jürgen Todenhöfer

Von 1972 bis 1990 CDU-Bundestagsabgeordneter.
Seit 1987 im Burda-Verlag stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes von Hubert Burda Media mit Zuständigkeit für den Bereich Verlage, Finanzen und Verwaltung.

Friedensaktivist des Tages:

Jürgen Todenhöfer

Quelle: jungeWelt vom 15.03.2008

 

Zum fünften Jahrestag des US-amerikanischen Überfalls auf den Irak hat der Burda-Manager Jürgen Todenhöfer eine mediale Offensive wider Besatzung und Krieg gestartet. In seinem gerade erschienenen Buch »Warum tötest Du, Zaid?« (C. Bertelsmann) schildert er die Hinter- und Beweggründe für den anhaltenden irakischen Widerstandskampf. Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete hatte in Ramadi mit bewaffneten Besatzungsgegnern gesprochen. Was selbst so mancher Kommunist nicht wissen will, schreibt Todenhöfer in der derzeit aktuellesten und brillantesten deutschsprachigen Analyse über das besetzte Zweistromland: »Die große Mehrheit der irakischen Bevölkerung steht hinter dem Widerstand, der Angriffe auf Zivilisten ausdrücklich ablehnt.« Der Kampf der Iraker ist »legitim« und hat nichts zu tun mit den Selbstmordanschlägen von Al-Qaida. Todenhöfer fürchtet gleichwohl, »den Medienkrieg haben die Iraker längst verloren«. Von den täglich 100 militärischen Aktionen der Besatzer gegen die Bevölkerung und den Angriffen des Widerstands auf die US-Truppen berichten die hiesigen Medien praktisch nichts. Bestimmend sind die Bilder des Selbstmordterrors.
In doppelseiten Anzeigen in FAZ, New York Times und Al-Quds Al-Arabi am Freitag und an diesem Wochenende veröffentlicht Todenhöfer zudem zehn Thesen wider die westliche Ignoranz und Hegemonialpolitik. »Der Westen ist viel gewalttätiger als die muslimische Welt. Millionen arabische Zivilisten wurden seit Beginn der Kolonialisierung ermordet«, heißt es eingangs. Und weiter: »Muß man, wenn man über die 5000 von Al-Qaida ermordeten Westler spricht, nicht auch über die Hunderttausende irakischen Zivilisten sprechen, die durch George W. Bushs völkerrechtswidrige Kriege getötet wurden?« Todenhöfer will mit seinem Beitrag »die Fenster öffnen zu einer anderen Sicht der muslimischen Welt – oder wenigstens zu einer fairen Diskussion«. Ein kleiner Anfang ist gemacht. (rg)

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„Eine Änderung der heutigen global herrschenden Politik, deren Auswirkungen nicht nur Völker wie das des Irak an den Rand seiner Existenz bringen, ist innerhalb dieses weltweit dominierenden Systems - also systemimmanent - nicht denkbar.“

Lieber Herr Todenhöfer,

nur kurz: Ich habe mich sehr über Ihr Buch „Warum tötest du, Zaid?“ gefreut, auch wenn Sie das u.U. nicht freut: Natürlich und gerade auch deshalb bleibe ich Kommunist: Das, was Sie detailliert und faktenreich beschreiben, hat Anfang des 20. Jh. bereits der hierzulande verpönte Wladimir Iljich Uljanow (Lenin) auf die ökonomischen Grundlagen des weltweit herrschenden Systems bezogen beschrieben. Sein tolles und noch immer sehr aktuelles Buch heißt „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“. Das historisch und soziologisch Nachfolgende und Weitere aus seiner Analyse, also die ökonomische Verfasstheit der Staaten heute und die daraus resultierenden Gemetzel, ist bzw. sind nur Konsequenz.

Und eine Änderung der heutigen global herrschenden Politik, deren Auswirkungen nicht nur Völker wie das des Irak an den Rand seiner Existenz bringen, ist innerhalb dieses weltweit dominierenden Systems - also systemimmanent - nicht denkbar.

Also: Eine Änderung der Politik der tatsächlich in unserem System Herrschenden (der Wirtschaft) wird nicht geschehen. Sie wird nicht geschehen in Bezug auf den Krieg wie in Irak (Ölindustrie), nicht in Bezug auf den Hunger wie nur z.B. in Haiti (Nahrungsmittelverbrennung für Ersatz-Öl) oder wie in Indien (Monsanto-Patente), nicht in Bezug auf Folter wie in den USA (klares Wasser kontra Menschenrechte). Es werden weiterhin täglich 20.000 Kinder v.a. in den Trikont-Ländern sterben, es werden weiterhin Medizin-Patente die Linderung von HIV-Infektionen in armen Staaten verhindern bzw. sogar zum Massenmord führen (für mich zählt „Profitstreben“ zu den „niedrigen Beweggründen“).

Eine Änderung der weltweit offenbaren Verbrechen, die unter der Maxime des Profits verübt werden, wird nicht von selbst geschehen, und leider auch nicht durch ein gutes und wahres Buch. Eine Änderung der weltweit offenbaren Verbrechen wird nur dann geschehen, wenn die einfachen Menschen „Schluss!“ sagen und ihren jeweiligen nationalen „Eliten“ des Hungers, des Massenmordes und - wie hierzulande der rückwärtsgewandten „Reformen“ - den Laufpass geben. Und verhindern, dass diese Leute wieder an den MG-Abzug kommen.

Trotz des Umstands, dass letztgenannte Veränderungen gegenwärtig kaum vorstellbar erscheinen – Gibt es eine andere Lösung? Dann erklären Sie mir, bitte, warum Sie dieses sehr gute Buch geschrieben haben? Was haben Sie weiter vor, wie stellen Sie sich Veränderungen nicht nur für die Iraker und die arabischen Völker, sondern auch für die vielen Millionen anderer vor? 

Die FAZ urteilte am 23.04. in Die Wirklichkeit ohne Begleitoffizier, es gehe Ihnen nur um das Eine (...): zur fairen Darstellung eines weltpolitischen Konflikts beizutragen, der bis ins Alltäglichste hinein das Zusammenleben zwischen Muslimen und Nichtmuslimen in aller Welt beeinflusst. Und Sie werden zitiert mit Der Irak-Krieg ist lediglich ein Kapitel der seit Jahrhunderten nicht endenden Aggressionspolitik Europas und der USA gegenüber der muslimischen Welt.

Diese Positionen sind unscharf und verkennen das Eigentliche; nämlich dass diese Aggressionspolitik nicht nur System HAT, sondern v.a. eben auch IST, und zwar fast weltweit, vgl. Lenin. Doch wenn ausgerechnet die systemtreuen Medien in FAZ, Zeit und anderswo nun plötzlich mit freundlichen Rezensionen Ihres Buches die sog. „öffentliche Meinung“ (also die Meinung der Handvoll Medienkonzerne, die Kohle haben) zum Irak neu positionieren, werde ich vorsichtig.

Nicht in Bezug auf den Inhalt Ihres Buches werde ich vorsichtig. Aber: Welche Funktion hat es bereits jetzt, weshalb wird es dazu genutzt, die sog. „öffentliche Meinung“ zum Irak neu zu positionieren? Cui bono - Wem nützt das?

Der deutsche Imperialismus hat mehrmals versagt, als es um die Aufteilung der Reichtümer anderer Regionen der Welt ging; als Paradebeispiel schlechthin wird die Entwicklung zum 1. Weltkrieg genannt. Doch auch in den letzten Jahren ist ihm nicht viel gelungen: Die Akzeptanz militärischer Einsätze in der Bevölkerung hierzulande schwächelt noch immer. Zu wenige sind Teilhaber der hiesigen Diktatur der Ökonomie, die – propagandistisch als „Freiheit“ verkauft – am Hindukusch verteidigt werden soll. Also bei Ölscheichs nebenan. Jetzt geht es dem Kapital darum, bei denen hereingelassen zu werden. 

Eine neue Runde ist bereits eingeläutet - seien wir wachsam!

Emko

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