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"Im eigentlichen
Sinn revolutionär ist diese Erhebung auch deshalb nicht, weil
sie auf keinen brachialen Eingriff in die nach 1991 entstandenen
bürgerlichen Eigentumsverhältnisse, sondern auf eine
Umverteilung innerhalb der Kapitalgruppen, auf die
Neoliberalisierung des etatistisch-korporativen
Kapitalismusmodells in der Ukraine zielt. Die »orange
Revolution« ist die Fortsetzung des konterrevolutionären
Umsturzes der Eigentumsverhältnisse 1991, ein Ausdruck der
Konterrevolution in Permanenz." |
Quelle: jungeWelt
25.11.2004
Kommentar
Werner Pirker
Siegt Gramsci?
»Orange Revolution« in Kiew
Die Zeichen stehen ganz klar auf Umsturz.
Denn die Dynamik des politischen Prozesses in der Ukraine wird von der
prowestlichen Opposition bestimmt. Sie verkörpert den politisierten,
ideologisch hochmotivierten Teil der Bevölkerung. Sie bringt das
durchaus legitime Massenbedürfnis nach tiefgreifenden Veränderungen
zum Ausdruck. Und deshalb ist sie auch dazu befähigt, den Machtkampf
auf die Straße zu tragen und für sich zu entscheiden. Auf der anderen
Seite herrscht weitgehend politische und soziale Apathie. Auch wenn sich
inzwischen Widerstand gegen den Widerstand regt.
Wenn Volksmassen in Bewegung geraten, ihre
demokratischen Bestrebungen unmittelbar, außerhalb des engen Rahmens
der repräsentativen Demokratie zum Ausdruck bringen, dann sollte das an
sich für Marxisten eine erfreuliche Erscheinung sein. Umgekehrt müßte
das Kiewer Szenario in den bürgerlichen Salons, wo man Ausbrüche des
Volkszornes als »barbarisch« zu beurteilten gewohnt ist und die
Volkssouveränität bürgerlich-parlamentarisch kanalisiert wissen möchte,
die reine Abscheu hervorrufen. Doch versteht es die Bourgeoisie
inzwischen, in koketter Verkehrung des Revolutionsbegriffs »Revolutionen«
zu fördern, die ihrem Interesse auf globalen Machterhalt dienlich sind.
Die ukrainische »Revolution« gegen die »Oligarchenmacht« ist ihrem
Inhalt nach alles andere als sozial emanzipatorisch; sie folgt
westlich-liberalen und ukrainisch-nationalistischen Wertvorstellungen.
Im eigentlichen Sinn revolutionär ist diese Erhebung auch deshalb
nicht, weil sie auf keinen brachialen Eingriff in die nach 1991
entstandenen bürgerlichen Eigentumsverhältnisse, sondern auf eine
Umverteilung innerhalb der Kapitalgruppen, auf die Neoliberalisierung
des etatistisch-korporativen Kapitalismusmodells in der Ukraine zielt.
Die »orange Revolution« ist die Fortsetzung des konterrevolutionären
Umsturzes der Eigentumsverhältnisse 1991, ein Ausdruck der
Konterrevolution in Permanenz.
Die postmoderne »Revolution« ist deshalb
auch nicht der sozialen Aufklärung, sondern der Verklärung der
Verhältnisse verpflichtet. Ihr Bezugspunkt ist die
»Zivilgesellschaft«, was nichts anderes als eine Chiffre für die
gesellschaftliche Verdrängung des politischen Klassenantagonismus ist.
Der italienische Marxist Antonio Gramsci hatte die Zivilgesellschaft als
vorgeschobene Bastion bürgerlicher Klassenherrschaft in Form der
kulturellen Hegemonie erkannt, die es zu erobern gelte. Daß seine
Theorie nun nicht auf revolutionäre, sondern konterrevolutionäre Weise
umgesetzt wird, zeugt vom Fortbestehen der bürgerlichen kulturellen
Hegemonie, die selbst in den Jahren des sozialistischen Aufbaus nicht
wirklich überwunden werden konnte.
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Ukraine:
Deutsche
Regierung fördert Nationalisten und Faschisten:
Antisemitische
,,Kultur"
Quelle:
www.german-foreign-policy
KIEW/LONDON/BERLIN (Eigener Bericht) - Führende deutsche Außenpolitiker
arbeiten weiter auf einen Umsturz in der Ukraine hin und verlangen die
Inthronisierung ihres prowestlichen Favoriten Wiktor Juschtschenko.
Seine Anhänger belagern in Kiew die Verfassungsorgane, einige bereiten
mit Straßensperren einen Bürgerkrieg vor. Die angedrohten Gewalttätigkeiten
finden in Berlin Beifall. Sprecher der deutschen Regierungsparteien
schreiben die Staatsstreichvorbereitungen einer angeblichen ,,Demokratiebewegung"
um Juschtschenko zu. Das Juschtschenko-Bündnis stützt sich u.a. auf
antisemitische und extrem nationalistische Kreise der Ukraine.
Dies berichtet die Londoner ,,British Helsinki Human Rights
Group" (BHHRG). Mitglieder rechtsextremer Organisationen ,,befanden
sich bereits nach dem ersten Wahlgang unter den Demonstranten für
Juschtschenko", bestätigt John Laughland (BHHRG) dieser
Redaktion. Die für den Berliner Favoriten kämpfenden Antisemiten und
Ultranationalisten verstehen sich als Nachfolger ukrainischer
NS-Kollaborateure, die unter der deutschen Besatzung Massenpogrome
veranstalteten. Damals wie heute paart sich ihr Rassismus mit
anti-russischem Nationalitätenhass. Moskau begegnet den aktuellen
Umsturzversuchen mit hilflosen Verhandlungsmanövern, um seine
westlichen Konkurrenten zu einer freiwilligen Abgrenzung der Einflusssphären
zu bewegen.
Nach
Auffassung des SPD-Außenpolitikers Gernot Erler zeugen die
Staatsstreichvorbereitungen in Kiew von einer ,,Umwälzung",
die er sich ,,persönlich wünschen würde".1) Vorbild sei der Staatsstreich in
Georgien, sagte Erler einem deutschen Radiosender. In Georgien war es
nach massiven westlichen Interventionen vor einem Jahr gelungen, die
Regierung auf kaltem Wege zu stürzen.
Unverzüglich
Wie
das Auswärtige Amt bestätigt, nimmt die Bundesregierung an den Bemühungen
um Einsetzung ihres ukrainischen Favoriten Juschtschenko ,,aktiv"
teil. Die Vorsitzende der Regierungspartei ,,Die Grünen",
Claudia Roth, verlangt von der legitimen und souveränen Regierung der
Ukraine, sie habe ,,unverzüglich" den westlichen
Bedingungen nachzukommen.2)
Ziel sei ,,das Durchsetzen einer neuen politischen Kultur der
Ehrlichkeit, der Fairness und auch der demokratischen Gesinnung",
die das Juschtschenko-Spektrum repräsentiere.
Jüdische
Kontrolle
In
dem von Berlin favorisierten Juschtschenko-Bündnis befinden sich auch
ukrainische Antisemiten und Ultranationalisten. Dies bestätigt die ,,British
Helsinki Human Rights Group" (BHHRG), eine regierungsunabhängige
Organisation, die regelmäßig Wahlbeobachter nach Ost- und Südosteuropa
entsendet. Die Sympathie der ukrainischen Antisemiten wurde von dem
Berliner Wunschkandidaten erwidert, berichtet BHHRG. Demnach hat sich
Juschtschenko persönlich für das einflussreiche Blatt ,,Silski
Visti" eingesetzt, nachdem die Zeitung (Auflage: 500.000) einen
Aufruf über ,,Juden in der Ukraine" veröffentlicht hatte.
Nach Auffassung des Herausgebers von ,,Silski Visti" wird
die Ukraine von ,,einer kleinen Gruppe jüdischer Oligarchen
(regiert), die die Ukraine wirtschaftlich und politisch
beherrschen". Auch die übrige Welt unterliegt ,,jüdischer
Kontrolle", meint der Herausgeber von ,,Silski Visti".3)
Hände
weg
Gegen
die landesweit verbreiteten Tiraden klagte Alexander Shlayen, ein
prominentes Mitglied der ukrainischen jüdischen Gemeinde. Die
ukrainischen Juden waren unter deutscher Besatzung in Massenpogromen (Lviv/Lemberg)
und während unvorstellbarer Exekutionsverbrechen (Babi Yar) mehr als
dezimiert worden. Der Klage gegen die antisemitischen Aufrufe in ,,Silski
Visti" wurde am 28. Januar 2004 stattgegeben. Wie BHHRG
berichtet, startete Juschtschenko daraufhin eine PR-Kampagne für
das Hetzblatt (,,Hände weg von Silski Visti"). Zu den
Mitunterzeichnern gehören weitere Prominente des prowestlichen
Politlagers, so Julia Timoschenko und Alexander Moroz.
Achse
Ausgerechnet
im westukrainischen Lviv, dem Ort des mehrtausendfachen Mordes an
ukrainischen Juden unter NS-Besatzung, setzte sich Juschtschenkos Wahlbündnis
für eine ehemalige Führungsfigur der rechtsextrem-antisemitischen
Partei UNA-UNSO ein.4)
Die UNA-UNSO gilt als militant antirussisch und befürwortet eine ,,Achse
Ukraine-Deutschland-Spanien". Sie steht in der Tradition
ukrainischer NS-Kollaborateure und setzt diese Vergangenheit generationsübergreifend
fort. Der Sohn des ukrainischen NS-Kommandeurs, der am 30. Juni 1941 mit
den Deutschen auf Lviv vorrückte und die antisemitischen Morde zu
verantworten hat, spielt in der heutigen UNA-UNSO eine zentrale Rolle.6)
Besondere
Protektion
Die
ukrainischen NS-Kollaborateure waren Mitglieder der ,,Organisation
Ukrainischer Nationalisten" (OUN(B)). Der
antisemitisch-nationalistische Block ,,erfreute sich der besonderen
Protektion der deutschen Abwehr".5) Als Nachfolgeorganisation der OUN(B) gilt
der ,,Kongress Ukrainischer Nationalisten" (KUN).6)
Er ist Teil des Wahlbündnisses von Wiktor Juschtschenko, dem Bündnis
der ,,Umwälzung" und ,,politischen Kultur der
Ehrlichkeit", die der SPD-Aussenpolitiker Gernot Erler in Kiew
heraufziehen sieht.
1) Interview mit NDR Info am 24. 11. 04: Reaktionen auf die Wahl in der
Ukraine; www.gernot-erler.de 24.11.2004
2) ,,Gravierende Unregelmäßigkeiten"; Pressemitteilung von
Claudia Roth 23.11.2004
3) Shadow of Anti-Semitism over Ukraine's Disputed Election;
www.bhhrg.org 24.11.2004. Anti-Semitism
in Ukrainian media up, and its acceptance is worrying Jews; www.ncsj.org
21.09.2004
4) Anti-Semitism in Ukraine; Euro-Asian Jewish Congress www.eajc.org
5) Blutige Ouvertüre. Lemberg, 30. Juni 1941: Mit dem Einmarsch
der Wehrmachttruppen beginnt der Judenmord; Die Zeit 26/2001
6) Yushchenko finally gets tough on nationalists; Eurasia Daily Monitor
04.08.2004
s.
auch Sozialdemokratische
Drohungen und Russlands
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