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Auslassungen
des zweifelhaften Friedensfreundes Ulrich Sander in der UZ
„Irakischer
Widerstand führt grausamen Feldzug gegen die USA“
von
Gerd Höhne/07.12.2004
Der
ehemalige
UZ-Redakteur Ulrich Sander in seiner Gastkolumne in der UZ: „Sie
(die Aufständischen im Irak, G.A.)
verbünden sich zu grausamen
Feldzügen und Anschlägen (...) gegen die USA und gegen alle, die sie für
Handlanger der USA halten.“ Diese sehr kühne Behauptung,
wollen wir hier nicht unwidersprochen stehen lassen.
Ulrich
Sander ist DKP-Mitglied, hat aber eine eher offene als versteckte
Zuneigung zu den zionistischen Mördern und Unterdrückern des palästinensischen
Volkes. Sein Auftreten als Friedensfreund und Antifaschist ist also
etwas zu relativieren.
1.
Iran 1979
Da
reiste jemand 1979, der hauptamtlich für die UZ schrieb, in den Iran und
lobte damals das Regime der Mullahs über den grünen Klee. Er schrieb
damals das, was auch die Außenpolitik der sowjetischen Revisionisten
unter dem späten Breschnew vertraten und auch
die Tudeh Partei viele Jahre praktizierte: Die Einheit und
friedliche Koexistenz um jeden Preis
und sei es auch mit dem reaktionärsten Pack – und auf gar keinem Preis der
bewaffnete Kampf gegen den Schah, es einte allein die Gegnerschaft zum
Schahregime.
Dann,
wenige Monate nach Sanders Besuch im Iran, folgte dann das Morden an
Kommunisten und anderen Gegnern des Schah durch das Mullah-Regime. Die
Reaktion der Tudeh-Partei war: Sie beklagte sich bei Khomeni
weinerlich, er solle sie doch nicht verfolgen, sie seien doch beide
Gegner das Schah gewesen.
Damals
machte sich Sander genau diese falsche Hoffnung, weil er nicht –
ebenso wie die revisionistischen Führungen in Moskau und Berlin – vom
Marxismus-Leninismus die Situation im Iran analysierte, sondern er den
großen Einheitsbrei anbetete. Ideologische und politische Unterschiede
oder gar Klassenunterschiede ließ er außen vor.
Für
die Breschnew/Kossygin-Führung in der Sowjetunion war der Sturz des
Schahs von Persien eine Niederlage der USA, der anderen Supermacht und
daher war es positiv. Es war aber reines Kalkül einer Weltmacht ideologisch
verbrämt.
Folglich
musste Sander das Khomeni-Regime
falsch einschätzen und als fortschrittlich einstufen. Hätte er das
nicht getan, die UZ hätte es nicht gedruckt und er wäre seinen Job womöglich
los geworden.
Dass es ein Unding für eine kommunistische Partei ist, sich im Kampf
gegen ein Terrorregime den religiösen Eiferern zu unterordnen, sah er
weder damals noch heute. Indem die Tudeh-Partei das tat, schuf sie die
Voraussetzungen für die Verfolgungen durch eben jene religiösen
Eiferer um Ayatollah Khomeini. Dass diese neben sich niemanden
dulden würden, der atheistisch ist und daher keinen
Gottesstaat, wollen kann sondern einen laizistischen und damit letztlich auch die
Entmachtung und der Verlust aller Privilegien für die schiitischen
Kleriker, war
einfach klar.
Es
mag sein, dass ein Bündnis mit Ayatollah Khomeini, um den Kampf gegen
das Schah-Regime besser führen zu können, sinnvoll, ja sogar notwendig
war, aber die Tudeh-Partei hätte sich niemals deren Führung
unterordnen dürfen. Und vor allem, sie hätten sich auf den bewaffneten
Kampf vorbereiten müssen – erst gegen den Schah und dann, falls
erforderlich – gegen die Ayatollahs.
Aber
stattdessen hofften sie, wie Sander damals schrieb, dass „dem
Februar ein demokratischer Frühling und auch ein Oktober folgen
werde“.
Es
folgte die Verfolgung aller, die nicht mit den Ansichten der Mullahs
konform gingen, ob in religiöser oder politischer Sicht, die
Entrechtung der Frauen, Einführung des mittelalterlichen Rechtssystems
– kurz: die Errichtung eines klerikalen Staates unter der Oberhoheit einer
Priesterkaste. Das aber war voraus zu sehen und irgendwie bereits im
Februar 1979 nicht zu übersehen. Wieso Sander da einen demokratischen
Frühling ausmachen konnte, ist mir unverständlich. Die Tudeh-Partei
war keine revolutionäre und marxistisch-leninistische Partei, sonst hätte
sie diese Fehler nicht gemacht.
2.
Und
heute im Irak?
Sander
schreibt in seiner Kolumne in der UZ:
„Wieder kämpfen heute
islamische Revolutionäre um die Macht im Staate, diesmal im Nachbarland
Irak. Sie verbünden sich zu grausamen Feldzügen und Anschlägen mit
den Vertretern des alten Regimes des Saddam Hussein, mit Kriminellen und
Terroristen gegen die USA und gegen alle, die sie für Handlanger der
USA halten. Ihre Opfer sind vor allem irakische Mitbürger. Ich erkenne
heute im Irak die Kräfte wieder, die im Iran der Achtzigerjahre der
Revolution die furchtbare Wende bereiteten.“
Das
alles stimmt in mehrfacher Hinsicht nicht.
1.
Zunächst einmal setzt er mechanisch beides gleich. Der Iran war 1979
nicht von den USA angegriffen worden, sondern das Schah-Regime konnte
nicht mehr das Volk beherrschen und das Volk wollte sich nicht
mehr beherrschen lassen. Also die klassische revolutionäre
Situation. Aber, wie ich oben schon anmerkte, die Tudeh-Partei war nicht
bereit und durch ihre falsche Politik auch nicht in der Lage, die Führung
zu übernehmen. Ob es entsprechenden Druck aus Moskau gab, hier nicht
aktiv zu werden, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls wäre es ein
Affront gegen die USA gewesen, wenn im Iran eine prosowjetische
kommunistische Partei an die Macht gekommen wäre. Breschnew wird kaum
Interesse daran gehabt haben.
2.
Sander schreibt: „Sie verbünden sich zu grausamen Feldzügen und
Anschlägen mit den Vertretern des alten Regimes des Saddam Hussein, mit
Kriminellen und Terroristen gegen die USA und gegen alle, die sie für
Handlanger der USA halten.“
Sander
verrät hier etwas, was absolut neu ist. Die „gleichen Kräfte wie
die im Iran“ führen „grausame Feldzüge und Anschläge“
gegen die USA und deren Handlanger? Mit Verlaub, Herr Sander, liegt Falludscha,
Bagdad usw. in den USA? Haben die „gleichen Kräfte“ „mit
den Vertretern des alten Regimes des Saddam Hussein, mit Kriminellen und
Terroristen“ die USA angegriffen und stehen bewaffnet vor dem Weißen
Haus?
Oder
sind es nicht doch die USA, die mit „grausamen Feldzügen und
Anschlägen“ um des Erdöls Willen für die US-Konzerne den Irak
angriffen? Die Opfer dieses amerikanischen Feldzuges sind allerdings „vor allem
irakische Mitbürger“ und das nicht nur in Faludscha. Sander
geht etwas sehr kreativ mit den Tatsachen um!
Ergänzung:
á propos Kriminelle: War nicht der erste Chef des Regierundrats in
Bagdad Chalabi ein Krimineller, der
auf internationalen Fahndungslisten stand und im Libanon zu 20 Jahren
Knast wegen Bankbetrügereien verurteilt wurde?
Oder
der jetzige Regierungschef Allawi, der von Kanzler Schröder mit allen
Ehren empfangen wurde, der hat eigenhändig auf einer Polizeiwache sechs
Widerständler erschossen.
Also von wegen Kriminelle, die
stehen im Solde der USA-Besatzer, wie auch jene, die Museen und öffentliche
Gebäude kurz nach der Besetzung des Irak plünderten, von den
US-Besatzer z.T. ermutig, geduldet oder gar angestiftet worden waren.
In diesem Rat saß, wie auch in der
irakischen Regierung von George Bushs Gnaden, die IKP.
3.
Sander behauptet, die Angriffe des irakischen Widerstand gelten vor
allem der iraktischen Bevölkerung. Einer, der als ehemaliger stellv.
Chefredakteur einer kommunistischen Tagenszeitung
(die UZ war ja mal in besseren Zeiten sogar Tageszeitung), zeigt
eine bemerkenswerte Naivität den bürgerlichen Medien gegenüber. Die
Naivität kaufe ich ihm aber nicht ab. Sander ist nicht naiv, der Kerl lügt ganz
einfach.
Denn
selbst die Meldungen der bürgerlichen Medien reden von Angriffen der
Widerstandsbewegung (z.T. nennen sie das auch so) auf US-Konvois,
US-Lager, US-Stützpunkte und auf Kasernen und Stützpunkte der
irakischen Truppem im Solde der Besatzer und die irakische
Kollaboratoren-Polizei. Die sind bekanntlich Kombattanten. Dass im Irak
Krieg ist, dürfte auch bei Sander angekommen sein. Also richtet sich
der Krieg gegen sie und der Krieg um die Befreiung des Irak ist ein
gerechter Krieg.
Nach
Sanders Worten führen die irakischen Widerstandskämpfer
diesen Krieg, sie sind die Aggressoren, denn sie führten
„grausame Feldzüge gegen die USA“.
Also
wurde Faludscha von den Irakern niedergemacht, wurden die dortigen
Krankenhäuser von Irakern geschlossen, bombardierten die irakischen
Widerständler Faludscha und andere Städte, sie erschossen wahllos
in Moscheen Verwundete, sie stellten in Faludscha die Strom-, Gas- und
Wasserversorgung ab, lassen keine humanitären Hilfslieferungen durch
usw.
Weiß
dieser Kerl eigentlich, was er für Ungeheuerlichkeiten auskotzt? Ich
denke ja!
Er
stülpt sich die Maske des Friedensfreundes und Antifaschisten über,
steht aber eindeutig auf der Seite der Aggressoren – und das nicht nur
im Irak. Seine wüsten Beschimpfungen gegen den Journalisten Werner
Pirker von der jungenWelt, als angeblichen Nazi weil dieser kritisch den Zionismus
analysierte (siehe)
zeigt, wessen Geistes Kind Sander ist.
Zum
Schluss von Sanders denkwürdiger und unkommentiert in der UZ abgedruckten
Gastkolumne schreibt der:
„Wer
wie Bush Massenvernichtungsmittel zum Lobe Gottes bereithält und wie
die Islamisten den Glauben der Selbstmordattentäter an das Jenseits als
Märtyrer-Waffe missbraucht, ist unser Gegner.“
Diese
scheinbar antiimperialistische Stilübung Sanders beweist genau das
Gegenteil dessen, was er uns weiß machen will. Er verharmlost Bush. Bush
mag glauben
was er will, er mag wirklich meinen, Gott persönlich flüstere ihm das
ein, was er macht, mag er noch so viele fromme Eingebungen haben, sie
blieben folgenlos. Denn ein verrückter religiöser Eiferer interessiert
die Bosse der Wallstreet, Standard-Oil und andere Geldbosse nicht. Es
sei denn, das wirre Zeug passt ihnen in den Kram. In den Kram passten
ihnen die fetten Gewinne, die es durch den Raub des Öl einzufahren
gilt. Ihnen in den Kram passt es, die Ölregionen im nahen und mittleren
Osten „neu zu ordnen“ sprich: zu rauben was das Zeug herhält. Bushs Religiosität mag
verrückt sein, aber seine Politik basiert darauf nicht, sondern auf den
Interessen des US-amerikanischen Finanzkapitals.
Auch die Aktionen der „Islamisten“
sind nur scheinbar religiös determiniert. Zum Unterschied zu Bush wollen
sie aber ihr Land, ihre Kultur, ihr Volkseigentum vor fremden Räubern
schützen und fliehen in die Religion.
"Das
religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in
einem die Protestation gegen, das wirkliche Elend. Die Religion ist der
Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie
sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks."
(Aus Marx/Engels-Werke,
Bd. 1, 378ff.)
Der
USA-Überfalls auf den Irak hat diese Kräfte erstmal zur Popularität
verholfen. Der Islam, scheint es vielen, sei das wirkliche Gegengewicht
zu den Mördern und Räubern aus den USA.
Das ist aber ein riesiger
Unterschied. Sander, der in einer Partei ist, die vorgibt
marxistisch-leninistisch zu sein, sollte mal marxistisch analysieren –
falls er dazu fähig ist.
Es
lohnte sich nicht, sich über ihn auszulassen, aber er missbraucht seine
Funktionen um sich als ideologischer Brunnenvergifter zu verdingen. Es
muss auch zukünftig mit scharfer Kritik von uns und anderen rechnen.
Und diese Kritiker sind nicht nur „Chaoten“. Die zustimmenden
Zuschriften unserer Kritik an Sanders Parteichef Stehr zeigen, dass dessen pro-imperialistischen Ansichten auch in der DKP
auf Ablehnung stoßen.
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