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Die
Demokratieheuchler und ihre
geopolitische Militarisierung
WARUM
US-MARINES IN KOSTARIKA?
von
Atilio A. Boron, Havanna
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Havanna,
17. Juli 2010, Cubadebatte. /auf Kommunisten-online am 20. Juli 2010)
– Mit den Stimmen der den Präsidenten Kostarikas derzeit
stellenden Partido Liberal Nacional (PLN), der Libertären Bewegung und
des evangelischen Abgeordneten Justo Orozco von der Partei Renovación
Costarriquense genehmigte am vergangenen 1. Juli 2010 der Kongress von
Kostarika die Stationierung von 46 US-Kriegsschiffen, 200
US-Kampfhubschraubern und Kampfflugzeugen sowie 7.000
US-Marine-Infanteristen in diesem mittelamerikanischen Land. Auch wenn
es angesichts der vielfältigen und widersprüchlichen Erklärungen
schwerfällt, eindeutig die Herkunft dieses Beschlusses zu ermitteln,
zeichnet sich doch eine unbestreitbare Beweislage dafür ab, dass
Washington um die Genehmigung zur Stationierung seiner Truppen ersuchte.
Aufmerksamkeit
muss es hervorrufen, dass die gesamte US-Presse diesen Vorgang
verschweigt. Auch aus dem US-Verteidigungsministerium gibt es keine
amtliche Stellungnahme dazu. All dies nährt den Verdacht, dass hier das
Weiße Haus die Initiative selbst ergriff, sich an den Kongress von
Kostarika wandte und um Diskretion nach allen Seiten ersuchte.
weiter
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USA1:
Ein Baden in Exkrementen für die Gefangenen von Abu
Ghraib ist dass, was die US-Marine-Infanteristen anwendeten, um
Demokratie im Irak zu unterrichten. Jetzt stationieren sie sich
in Kostarika, um dasselbe mit den Lateinamerikanern zu
veranstalten.
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USA2:
Die Frauen unter den US-Marines unterrichten auch gerne
Demokratie in den militärisch besetzten Außenprovinzen des
US-Imperiums
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USA3:
Der US-Flugzeugträger Makin Island dient angablich
allein zur Bekämpfung von Drogenschmuggel, damit da bitte
nichts Schlechtes jetzt gedacht wird ...
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Dem
mittelamerikanischen Land wurde mitgeteilt, dass die herrschende Lage in
Mexiko die Drogenkartelle gezwungen habe, ihre traditionellen Routen zu
ändern, um Drogen in die USA zu schmuggeln. Und um diese Machenschaften
zu vereiteln, war es nach Vordenk-Art des Weißen Hauses notwendig, ein
großes US-Militärkontingent am mittelamerikanischen Isthmus
zusammenzuziehen. Also ganz unerlässlich für eine wirksame Schlacht
gegen den Drogenschmuggel. Wie vorherzusehen war, bot die Regierung der
kostarikanischen Präsidentin Laura Chinchilla mit ihren langjährigen
Verbindungen zur USAID all ihre eigene Unterstützung und die ihrer
Parlamentarier auf, um gehorsamst dem Ersuchen Washingtons nachzukommen.
Niemanden
überrascht der Rückgriff auf den Vorwand des Drogenschmuggels, denn
das geschieht ja ständig seitens Washingtons. Andere Ausreden scheinen
ausgegangen zu sein. Wie jene, als sich ein Erdbeben ereignete in...
Haiti,
ganz richtig, und dieses Erdbeben dienten der Rechtfertigung für das
Stationieren von US-Militär in den Ländern Unseres Amerikas. Bei all
dem verschwört sich etwas gegen die Glaubwürdigkeit des vom
US-Imperialismus immer mehr abgedroschenen Arguments der Bekämpfung des
Drogenschmuggels. Dieses Etwas sind die Tatsachen.
Tatsache
ist, dass es genau jene Länder mit einer starken US-Truppenpräsenz
sind, die wegen der Produktion und Vermarktung von Drogen herausragen.
Darin zeigt sich ganz deutlich die dunkle Seite des Imperiums. Die
Verletzung der Menschenrechte durch die USA, unzweifelhafte Quellen der
UNO wie UNODOC, das Büro der UNO gegen Drogen und Verbrechen, zeigen
mit überwältigenden Statistiken, dass sich seit der Präsenz von
US-Truppen in Afghanistan Produktion und Export von Opium und Heroin
gewaltig ausgeweitet haben dort. Ebenso verhielt es sich in Kolumbien,
wo die US-Präsenz die Drogenproblematik nicht minderte, sondern im
Gegenteil gewaltig ansteigen ließ, so dass sich dort eine beachtliche
Ausweitung des Coca-Anbaus vermerken ließ. (1)
Aus
verschiedenen Gründen muss all dies keine Überraschung hervorrufen.
Einer dieser Gründe liegt darin, dass jenes Land, welches sich das
Recht anmaßt, den Drogenhandel in aller Welt zu bekämpfen, sich als
verdächtigerweise und verheimlichterweise völlig unfähig erweist, den
Drogenhandel innerhalb seiner eigenen Grenzen wirksam zu bekämpfen. Das
beginnt beim Sprengen der Drogennetze mit ihren Verbindungen zu den
Drogenmafiosi aber auch den Behörden, der Polizei, den Richtern vor Ort
und im Staate. Sie alle ermöglichen das Drogengeschäft und belassen es
allenfalls bei etwas Kampagne von minimalster Bedeutung als Hilfe an die
Drogenabhängigen.
Wir
sind nicht überrascht, weil ja der Drogenhandel eine Zahl von 400
Milliarden Dollar umfasst, die in Steuerparadiesen der großen
imperialistischen Länder „reingewaschen“ werden, die allerorts in
der Erde eingerichtet worden sind. Das beginnt in den USA und reicht bis
Europa. Diese Gelder gelangen dann wieder in das öffentliche
Finanzsystem und dienen so den Geschäften des Finanzkapitals.
Des
Weiteren wird die Schwäche und Unhaltbarkeit dieses Vorwandes der Bekämpfung
des Drogenschmuggels offenkundig, wenn wir lernen, dass die USA der
weltweite Hauptproduzent von Marihuana sind. Laut einer Studie der
Stiftung Drug Science übersteigt die Summe des in den USA angebauten
und vermarkteten Marihuanas 35 Milliarden Dollar. Diese gigantische Zahl
liegt noch über der, welche sich aus der Produktion von Weizen und Mais
in den USA insgesamt ergibt. (2)
Drittens
und letztens: Wie lässt sich die Bedeutung unterschätzen, die die
Kontrolle und die Verwaltung des Drogengeschäfts haben, um die
imperialistische Vormachtstellung in den Außenprovinzen des Imperiums
aufrechtzuerhalten?
War
es nicht rein zufällig Großbritannien, welches das Opium in China
wiedereinführte? Jener Droge, die vom Kaiser Yongzheng wegen der Schäden
verboten worden war, die sie in der Bevölkerung verursachte. Ihrem
massenhaften Konsum aber, gefördert von den Briten, diente er nicht
dazu, das Handelsdefizit des damaligen britischen Empires auszugleichen?
Um
diese Drogenabhängigkeit zwischen den Chinesen, Briten und Portugiesen
zu fördern, wurden zwei Kriege entfesselt, von 1839 bis 1842 und von
1856 bis 1860, in deren Ergebnis zwei Brückenköpfe errichtet wurden,
um den Opiumhandel in ganz China zu organisieren: einer in Hongkong
unter britischer Kontrolle, der andere in Macao unter Herrschaft der
Portugiesen.
Warum
also sollten wir heute denken, dass die USA als Hurensohn des britischen
Empires von anderen Interessen geleitet würden, nur weil sie nach außen
hin vollmundig dem Drogengeschäft den Krieg erklären? Ist es nicht zufällig
vorteilhaft für ihre Interessen, ein Lateinamerika vor sich zu haben,
welches aus korruptionszerfressenen Staaten besteht, in denen der
Drogenhandel sich hervorbringen lässt mit all seinen Übeln wie der
gesellschaftlichen Auflösung, den Mafiosi,
Paramilitärs,
usw., so dass die lateinamerikanischen Länder schließlich unfähig
werden, von sich selbst aus auch nur den geringsten Widerstand gegen die
imperialen Bestrebungen zu leisten?
Die
vom Kongress Kostarikas gegebene Genehmigung dehnt sich über sechs
Monate aus, vom 1. Juli 2010 an. Dennoch hat diese Konzession nur Ziele,
aber keine Befristung, denn sie erfolgt auf der Grundlage der Mérida-Initiative
(und umfasst somit Mexiko und Mittelamerika). Weshalb die
Wahrscheinlichkeit, dass die US-Truppen Ende des Jahres Kostarika
verlassen und in ihre Kasernen in Metropolis zurückkehren, praktisch
null ist.
Außerdem
lehrt die internationale Erfahrung, dass sowohl in Europa als in Japan
die US-Truppen nach dem 2. Weltkrieg erst für nur wenige Jahre
stationiert werden sollten, was sich dann unter dem Vorwand des kalten
Krieges immer weiter hinauszog. Jetzt haben die USA n diesen entfernten
Regionen über 65 ständige Militärstützpunkte, ohne dass die US-Präsidenten
die geringsten Regungen für einen Abzug der dortigen Truppen zeigen.
In
Okinawa lehnt die Bevölkerung allgemein die Besatzungsmacht USA ab,
denn die Okkupanten töten, vergewaltigen und rauben vor den Augen der
Öffentlichkeit im Schutz ihrer Immunität. Die Proteste der Bevölkerung
reichten nicht zur Erzwingung der Auflösung des US-Militärstützpunktes
Okinawa. Diese Tatsache unterstreicht übrigens die Kraft der Regierung
von Rafael Correa in Ekuador, welche den Abzug der US-Truppen aus deren
Basis Manta erreichte. Und sollte es einen Ruf des Volkes in Kostarika
nach Korrektur der Kongressentscheidung geben, dann weiß die CIA ganz
gut, welche Handlungen sie vereint mit organisierten Verbrecherbanden zu
unternehmen hat, um alles in den Griff zu bekommen. Dabei kann sie sich
dann vor allem auf die Regierung von Laura Chinchilla stützen, die ständig
ihre Unterwürfigkeit unter die Diktate des Imperiums bekundet.
Das
ist dasselbe Spiel wie beim Vertrag zwischen Obama und Uribe in
Kolumbien, wo Kolumbien anfänglich die Nutzung von sieben Militärstützpunkten
durch die US-Streitkräfte gewährte. Wie in Kolumbien erfreuen sich die
US-Militärangehörigen auch in Kostarika der Immunität gegenüber der
Justiz des Stationierungslandes. Sie können nach eigenem Gutdünken das
Land betreten und verlassen. Sie können sich dort überall aufhalten,
dabei ihre Uniformen und ihre Waffen tragen.
Mit
einer solchen Entscheidung hat der Kongress Kostarikas die Souveränität
Kostarikas preisgegeben, sie auf eine Lachnummer schrumpfen lassen. Dies
in einem Lande, welches 1948 seine Streitkräfte abschaffte, den Wächter
der Oligarchie zurechtstutzte und dank dieser Maßnahme eine
fortgeschrittene Sozialpolitik inmitten eines erbärmlichen
lateinamerikanischen Umfeldes umsetzen konnte.
In
Sachen Militarisierung ermöglicht die Genehmigung des Kongresses von
Kostarika das Anlaufen von US-Küstenwache und kleineren
US-Kriegsschiffen, aber auch anderer wie des US-Flugzeugträgers der
letzten Generation namens MakinIsland, vom Stapel gelaufen im August
2006 und mit einer Kapazität zur Beherbergung von 102 Offizieren und
1.449 Marine-Infanteristen, dem Transport von 42 Kampfhubschraubern
CH-46, 5 Kampfflugzeugen AV-8B Harrier und 6 Kampfhubschraubern des Typs
Blackhawk. Die Genehmigung des kostarikanischen Kongresses gestattet
auch US-Kriegsschiffen wie USS Freedom, Baujahr 2008, mit der Kapazität
des Kampfes gegen U-Boote und dem Operieren in flachen Gewässern das
Anlegen. Auch andere US-Kriegsschiffe wie der Typ Catamaran, ein
Lazarettschiff sowie alle möglichen militärischen Amphibienfahrzeuge
werden in Kostarika anlegen. Im Klartext: eine Streitmacht, die wenig
bis nichts nützt, um den Drogenschmuggel zu bekämpfen. Dies sei nur für
den äußerst zweifelhaften Fall angemerkt, dass die Bekämpfung von
Drogenschmuggel zu den Zielen der US-Besatzer gehört. Es ist mehr als
offenkundig, dass sie ein ganz anderes Ziel verfolgen.
Diese
Initiative der US-Regierung muss vor dem Hintergrund der wachsenden
Militarisierung der Außenpolitik des US-Imperialismus gesehen werden.
Im Rahmen Lateinamerikas finden sich da als wichtigste Merkmale bisher
die Reaktivierung der 4. Flotte, der Obama-Uribe-Pakt, die faktische
militärische US-Besetzung von Haiti, der Bau der Mauer der Schande
zwischen Mexiko und den USA, der Staatsstreich in Honduras und die
anschließende Legitimierung des Wahlbetrugs zugunsten der Präsidentschaft
von Porfirio Lobo, die Gewährung von 9 US-Militärstützpunkten durch
die reaktionäre Regierung von Panama. Und all dem ist jetzt die
Stationierung von US-Marine in Kostarika hinzuzufügen.
Natürlich
hat all das zuvor Geäußerte mit der Aufrechterhaltung und Verschärfung
der Blockade gegen die Kubanische Revolution und der ständigen
Anfeindung des US-Imperialismus gegen Venezuela, Bolivien und Ekuador zu
tun. Auf internationaler Ebene muss die Anlandung von
US-Marine-Infanteristen in Kostarika als Teil des offensichtlich
werdenden Krieges gegen Iran und der grotesken Provokation der KVDR
gesehen werden, vor deren schwerwiegenden Folgen kürzlich in seinen
Gedanken unser Comandante Fidel Castro Ruz warnte.
Fazit:
Das Imperium treibt seine Militarisierung in der Region voran. Es
bereitet sich auf ein militärisches Abenteuer im Weltmaßstab vor. Wenn
die Aggression gegen Iran letztendlich erfolgt sein wird, wie ganz
offenbar in diesen letzten Tagen es vorhersehbar beschlossene Sache ist,
wird die sich daraus ergebende schwierige Lage die USA dazu verleiten,
um jeden Preis die uneingeschränkte Kontrolle ohne jede Skrupel in dem
Sinne zu gewährleisten, wie ihre geopolitischen Strategien es bei der
Beherrschung der großen amerikanischen kontinentalen Insel vorsehen,
die von Alaska bis Feuerland reicht. Getrennt vom Festland Eurasiens wie
auch von Afrika. Was laut ihnen eine grundlegende Rolle für die
nationale Sicherheit der USA spielt.
Das
ist der Grund hinter allem, weshalb präventiv die Außenpolitik des
US-Imperialismus völlig auf Militarisierung umgestellt worden ist. Es
ist doch geradezu lächerlich, unsere Völker davon überzeugen zu
wollen, dass die über 20 US-Militärstützpunkte in Mittel- und Südamerika
und in der Karibik , zu denen sich jene in Kostarika jetzt
hinzugesellen, sowie die Reaktivierung der 4. Flotte als Zielstellung
haben, den Drogenschmuggel zu bekämpfen. Wie die Erfahrung lehrt, lässt
sich kein Drogenschmuggel mit einer militärischen Strategie bekämpfen,
sondern nur mit einer sozialpolitischen Strategie, welche die USA nicht
mal in ihren eigenen Grenzen anwendet noch erlaubt nach außen, dank des
enormen Einflusses des IWF und der Weltbank über die schwachen und
verschuldeten Länder. Die Erfahrung aus Kolumbien und jetzt Mexiko (mit
seinen über 26.000 Toten, seit Präsident Calderón seinen „Krieg
gegen den Drogenschmuggel“ erklärte!), bestätigen, dass die Lösung
des Problems nicht durch Marine-Infanteristen, Flugzeugträger, U-Boote
und schießende Hubschrauber erfolgt, sondern durch den Aufbau einer
gerechten und solidarischen Gesellschaft. Aber dies ist was, was mit der
Logik des Kapitalismus nicht vereinbar ist und den grundlegenden
Interessen des US-Imperialismus zuwiderläuft.
Zusammengefasst:
Die Anlandung der US-Marine in Kostarika hat zum Ziel, die
US-Vorherrschaft in der Region zu stärken, mit verschiedenen Methoden
die als „feindlich“ eingestuften Regierungen (Kuba, Venezuela,
Bolivien und Ekuador) zu beseitigen, die schwächelnden und immer noch
doppelzüngig wankelmütigen Regierungen der „Mitte-Links-Richtung“
zu schwächen und die reaktionären Kräfte zu stärken, wie es an der südamerikanischen
Küstenlinie des Pazifiks (Chile, Peru, Kolumbien, Panama, Kostarika,
Honduras, Mexiko) zu einer starken Tatsache geworden ist. Auf diese Art
soll der „Hinterhof“ des Imperiums neugeordnet werden, um hier freie
Hand und ein gesichertes Rückzugsgebiet zu haben, aus dem heraus die
imperiale Vormachtstellung nach allen Seiten durchgesetzt werden kann.
Quellen:
[1]
Cf. Atilio A. Boron y Andrea Vlahusic, El Lado Oscuro del Imperio. La
Violación de los Derechos Humanos por Estados Unidos (Buenos Aires:
Ediciones Luxemburg, 2009), pg. 73.
[2]
Cf. El Lado Oscuro, op. Cit. , p. 72.
entnommen:
http://www.cubadebate.cu/
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