|

Er
lieferte den Kriegsgrund gegen den Irak:
Lügner
im Solde der CIA:
Rafeed
al-Janabi |
Dies
ist der Text eines Vortrags mit dem Titel
„Medien als Werkzeug des US-Imperiums“, gehalten in Sabeel
beim Ökumenischen Zentrum für Befreiungstheologie auf seiner
8. Internationalen Konferenz in Bethlehem am 25. Februar 2011
DAS
LÜGEN-IMPERIUM AUS CIA UND WESTLICHEN MEDIEN
von
Jonathan Cook*, Global Research
übersetzt
aus dem Englischen für Rebelión von Germán Leyens
übersetzt
aus dem Spanischen von Jens-Torsten Bohlke |
Dies
ist der Text eines Vortrags mit dem Titel „Medien als Werkzeug des
US-Imperiums“, gehalten in Sabeel beim Ökumenischen Zentrum für
Befreiungstheologie auf seiner 8. Internationalen Konferenz in Bethlehem
am 25. Februar 2011
DAS
LÜGEN-IMPERIUM AUS CIA UND WESTLICHEN MEDIEN
von
Jonathan Cook*, Global Research
übersetzt
aus dem Englischen für Rebelión von Germán Leyens
übersetzt
aus dem Spanischen von Jens-Torsten Bohlke
Havanna,
2. März 2011, Cubadebate. (auf Kommunisten-online am 8. März 2011) -
Großbritanniens größte liberale
Tageszeitung, „The Guardian“, veröffentlichte in der vergangenen
Woche einen Exklusivbericht über das verspätete Geständnis eines von
der CIA unter dem Codenamen Curveball geführten Exil-Irakers namens
Rafeed al-Janabi. Janabi hatte vor acht Jahren vielleicht nur zufällig
eine wichtige Rolle hinter den Kulissen gespielt, um die militärische
US-Intervention im Irak zu ermöglichen. Seine Zeugenaussage
untermauerte die Behauptungen der Bush-Regierung, dass Iraks Präsident
Saddam Hussein ein Programm für die fortschreitende Produktion von
Massenvernichtungswaffen entwickelt hätte.
Curveballs
Bericht enthielt die vom damaligen US-Verteidigungsminister Colin Powell
in den Vereinten Nationen Anfang 2003 präsentierten Einzelheiten über
Lastwagenladungen voller mobil einsetzbarer biologischer Waffen. Powells
anscheinend überzeugender Vortrag über die Massenvernichtungswaffen
wurde benutzt, um den wenige Wochen später erfolgten Überfall der
US-Truppen gegen den Irak zu rechtfertigen.
Acht
Jahre danach enthüllt Curveball gegenüber The Guardian, dass er die
Geschichte von den Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins im Jahr 2000
erfunden hatte, kurz nach seiner Ankunft in Deutschland auf der Suche
nach Asyl. Er sagte der Zeitung, dass er die deutschen Geheimdienste in
der Hoffnung belogen hatte, dass seine Aussagen mithelfen, Saddam
Hussein zu stürzen. Auch wenn bei all dem wahrscheinlicher zu sein
scheint, dass er sicherstellen wollte, dass sein Asylgesuch ernsthafter
genommen wird.
Ziehen
wir das Eingeständnis von Curveball sowie andere Fakten aus dem Artikel
in Betracht, dann können wir einige offenkundige und durch spätere
Ereignisse bestätigte Schlüsse ziehen.
Für
den aufmerksamen Leser - und ich unterstreiche das Wort aufmerksam -
zeigt der Bericht einige beunruhigende Tatsachen.
Eine
dieser Tatsachen ist der Umstand, dass die deutschen Behörden sehr
rasch bestätigt haben, dass der Bericht über die
Massenvernichtungswaffen falsch war. Deutsche und britische
Geheimdienstler reisten nach Dubai, um mit Bassil Latif zu sprechen, dem
einstigen Chef der Quelle im Ausschuss für militärische Industrien
Iraks. Dr. Latif zeigte auf, dass die Behauptungen Curveballs nicht wahr
sein konnten. Die deutschen Behörden verloren dann rasch ihr Interesse
an Janabi. Bis Ende 2002 sprachen sie nicht mehr mit ihm. Das war der
Zeitpunkt, zu dem es für die USA immer dringender wurde, irgendetwas Überzeugendes
vorzulegen, um den Irak anzugreifen.
Eine
weitere interessante Enthüllung besteht darin, dass trotz der
Notwendigkeit der Klärung der Aussagen von Curveball und im Bewusstsein
dessen, was auf dem Spiel stand, wenn ein Präventivangriff gegen einen
anderen souveränen Staat geführt wird, die USA sich nie damit abgaben,
selbst mit Curveball zu sprechen.
Eine
dritte Enthüllung stellt die Tatsache dar, dass Tyler Drumheller. der
operative CIA-Chef in Europa, Hinweise der deutschen Geheimdienste
weitermeldete, wonach die Aussagen von Curveball höchst zweifelhaft
waren. CIA-Chef George Tenet ignorierte diese Information einfach.
In
Ermangelung einer völkerrechtlichen Grundlage und der Unterstützung
ihrer wichtigsten Verbündeten brauchte die Bush-Regierung verzweifelt
die Geschichte von Janabi über die Massenvernichtungswaffen des Iraks,
ganz gleich wie dünn diese Geschichte war, zur Rechtfertigung ihrer
militärischen Pläne gegen den Irak. Das Weiße Haus sprach nicht mit
Curveball, weil es wusste, dass sein Bericht über das
Massenvernichtungswaffenprogramm von Saddam Hussein eine Erfindung war.
Seine Geschichte würde platzen, wenn sie untersucht werden würde. Es
musste sich also besser machen, Washington mit der Option zu belassen,
sie „aus plausiblen Gründen“ abzulehnen.
All
dessen ungeachtet war die Falschaussage von Janabi von großem Nutzen für
die US-Regierung. Für einen großen Teil der US-Öffentlichkeit
verschaffte sie dem unwahrscheinlichen Fall, dass Saddam Hussein eine
Gefahr für die Welt darstellen würde, einen Anstrich von Glaubwürdigkeit.
Sie half mit, schwankende Verbündete unter Druck zu setzen, die mit
dieser unglaublichen Geschichte konfrontiert wurden. Und eingebracht
wurde die ganze Legende von Colin Powell, einem ehemaligen US-General,
der als Hauptstimme der Vernunft in der US-Regierung galt.
Im
Klartext: Das Weiße Haus mit Bush benutzte Curveball, um seine
verlogene Geschichte über die von Saddam Hussein für den Weltfrieden
ausgehende Gefahr zu beleben.
Aber
wie präsentierte nun der britische Guardian als Stimme des liberalen
Journalismus seinen Exklusivbericht über die widersprüchlichste
Episode in der jüngsten US-Außenpolitik?
Seine
Schlagzeile lautete: „Wie die USA von einem phantasierenden Iraker getäuscht
wurden, der Saddam stürzen wollte“.
Verstand
der Verfasser dieser Schlagzeile nicht die von Journalisten der Zeitung
geschriebene Geschichte? Nein, diese Überschrift verfälschte sorgfältig
den Inhalt des Artikels. Im Text sagen uns die Verfasser, dass der
Vortrag von Powell vor der UNO „enthüllte, dass die für die
kriegstreiberischen Entscheidungen der Bush-Regierung Zuständigen sich
verschluckt hatten“ an der Aussage von Curveball. An anderer Stelle
sagen sie uns, dass Janabi „eine der größten Täuschungen der
Geschichte der modernen Geheimdienste gelang“. Und dass „seine
Kritiken, seine vielen und starken Kritiken besagen, dass es schwierig
ist, die Kosten seiner Täuschung zu berechnen.“
Im
Klartext: Der britische Guardian unterstellte trotz aller Beweiskraft
aus seiner eigenen Analyse, dass Curveball die Bush-Regierung getäuscht
hätte und beließ es bei einem verhängnisvollen Denkfehler für die
Bush-Regierung. Von diesem Gesichtspunkt aus rückte der britische
Guardian das Weiße Haus als ein scheinbar wahres Opfer der Lügen von
Curveball in das Licht der Öffentlichkeit. Das wahre Opfer sollte nicht
das irakische Volk sein, welches über eine Million toter Menschen und
vier Millionen ins Exil gezwungene Menschen als Ergebnis der US-Invasion
laut vertrauenswürdigen Zahlen zu beklagen hat.
Eigentlich
gibt es gar nichts Außergewöhnliches an diesem Beispiel. Ich habe es
ausgesucht, weil es von anhaltender und gegenwärtiger Bedeutung ist.
Leider
gibt es etwas schon recht Vertrautes und beinahe schon
Niederschmetterndes an dieser Art von Informationsverbreitung auch bei
den großen liberalen Blättern des Westens. Völlig entgegen ihrem erklärten
Ziel vermindert der Mainstream-Journalismus ohne jeden Unterschied die
Auswirkung neuer Tatsachen, wenn sie die mächtigen Eliten bedrohen.
Wir
werden den Grund in einer Minute untersuchen. Aber wir vergewärtigen
uns erst einmal darüber, was oder wer derzeit das „US-Imperium“
ausmacht. Gewissermaßen in der am meisten symbolischen Form kann man da
die US-Regierung und die US-Streitkräfte anführen, welche die einzige
Supermacht weltweit darstellen.
Traditionell
haben die Imperien sich in beschränkter Weise in den Begriffen eines
starken Nationalstaats definiert, der erfolgreich seine Einflusssphäre
und Macht auf andere Territorien ausdehnt. Das Ziel des Imperiums
besteht darin, jenen Territorien die Abhängigkeit aufzuzwingen und im
Fall der wenig entwickelten Länder anschließend deren Naturreichtümer
auszuplündern oder bei den entwickelteren Ländern sie zu Absatzmärkten
für seine Erzeugnisse zu machen. In diesem letztgenannten Zusammenhang
hat das US-Imperium erreicht, sich häufig als eine Kraft für den
Wohlstand auf der Welt auszugeben, welche hilft, die Freiheit und die
Vorzüge der Konsumgesellschaft zu verbreiten.
Das
US-Imperium erreicht seine Ziele auf verschiedene Arten. So durch
Einsatz von Gewalt zwecks Eroberung, wenn es sich besiedelten Gebieten
gegenübersieht, die gegen den Raub ihrer Rohstoffe Widerstand leisten.
So auch subtiler über die politische und wirtschaftliche Abhängigkeit,
die Beeinflussung und Kontrolle der Köpfe und Stimmungen, wenn es neue
Märkte schaffen will. Es ist völlig unwichtig, wie das
funktionieren soll. Das Ziel heißt Schaffung einer Stimmung in den abhängigen
Territorien, wonach deren Interessen und Schicksale mit denen des
US-Imperiums verknüpft sind.
In
unserer globalisierten Welt ist die Frage, wer da im Mittelpunkt des
US-Imperiums steht, weitaus weniger klar als früher. Derzeit ist die
US-Regierung weniger das Herz des Imperiums als sein Moderator. Was
bis vor kurzem die Arme des US-Imperiums waren, vor allem seine Finanz-
und Rüstungsindustrie, ist zu einer transnationalen imperialen Elite
geworden, deren Interessen nicht durch Grenzen beschränkt sind, und
deren Machtbefugnisse sich größtenteils allen gesetzlichen und
moralischen Kontrollen entziehen.
Wir
müssen darauf hinweisen, dass Israels Führung wie auch seine
Elite-Parteigänger in aller Welt einschließlich der zionistischen
Lobby, der Rüstungsfabrikanten, der westlichen Militärs und in
gewissem Grade den ins Stocken geratenen arabischen Tyranneien des
Mittleren Ostens Bestandteile jener transnationalen Elite sind.
Der
Erfolg der imperialen Eliten hängt in großem Maß vom Glauben der
westlichen Öffentlichkeit ab, dass wir diese imperialen Eliten
brauchen, um unseren Lebensunterhalt und unsere Sicherheit zu gewährleisten,
und dass wir gleichzeitig wirklich ihre Herren sind. Einige der ständig
von den transnationalen Eliten reproduzierten Illusionen schließen
solche Aussagen ein:
-
Wir würden Regierungen wählen, deren Aufgabe es ist, die Konzerne zu
kontrollieren;
-
Wir im Einzelnen und die globalen Arbeitskräfte im Allgemeinen sollen
die Hauptnutznießer aus der Schöpfung von Konzernreichtum sein;
-
Die Konzerne und die ihnen zugrunde liegende Ideologie des
globalen Kapitalismus sollen die einzige Hoffnung auf Freiheit sein;
-
Der Konsum soll nicht nur ein Ausdruck unserer Freiheit, sondern auch
eine wichtige Quelle unseres Glücks sein;
-
Das Wirtschaftswachstum soll endlos und ohne kurz- und langfristige
Kosten für das Wachstum des Planeten aufrechterhalten werden können;
-
Und es soll Gruppen geben, sogenannte terroristische Gruppen, die dieses
wohlwollende System der Schaffung von persönlichem Reichtum und persönlicher
Verbesserung zerstören wollen.
So
blühend phantasievoll diese Unterstellungen bei näherer Betrachtung
auch erscheinen mögen, bilden sie doch das ideologische Fundament, auf
welchem die Märchen „unserer“ Gesellschaften im Westen aufgebaut
werden und aus welchem sich in letzter Instanz „unser“ Identitätsgefühl
mit dieser imperialistischen Gesellschaft herleitet. Dieses ideologische
System erscheint uns dann so, und da benutze ich bewusst „uns“ und
„wir“, damit wir uns nur mit der westlichen Öffentlichkeit in Bezug
setzen und sie als passende naturgegebene Ordnung beschreiben.
Die
Aufgabe der Seligsprechung dieser Unterstellungen sowie des Gewährleistens
ihres Nichthinterfragens kommt unseren vorherrschenden Massenmedien zu. Die
westlichen Konzerne sind die Besitzer der Massenmedien, ihre Werbung lässt
diese Medienindustrie rentabel werden. Daher können die Medien ihre
Funktion einer Kontrolle der Macht gar nicht erfüllen, weil sie
faktisch Teil der Macht sind. Es geht da um die Macht der globalisierten
Medien-Elite, die ideologischen und Vorstellungshorizonte der Leser und
des Publikums zu kontrollieren und einzuschränken. Die Medien tun dies,
um die imperialen Interessen abzusichern, welche dasselbe wie die
Konzerninteressen sind und nicht gefährdet werden sollen.
Die
Geschichte von Curveball verdeutlicht die Rolle der Medien
Sein
Eingeständnis kam genau acht Jahre zu spät, um irgendeine Wirkung
hinsichtlich bedeutender Ereignisse zu haben. Wie es so häufig mit
wichtigen Geschichten geschieht, die die Interessen der Elite berühren,
werden lebenswichtig notwendige Fakten verdreht, um der westlichen Öffentlichkeit
weiszumachen, Informationen seien angeblich nicht verfügbar gewesen,
als sie gebraucht wurden. In diesem Fall sind Bush, Cheney und Rumsfeld
sowie ihre neokonservativen Berater längst von der Bühne gegangen. Die
Geschichte von Curveball interessiert heute vor allem die Historiker.
Dieser
letzte Punkt lohnt sich in ganz wörtlichem Sinn. Die Enthüllungen des
britischen Guardian interessierten schon fast niemanden mehr in den
US-Medien, der angeblichen Kontrolle im Herzen des US-Imperiums. Eine
Suche in der Medien-Database von Lexis Nexis zeigt, dass die Eingeständnisse
von Curveball nur in der New York Times in einer Kurzmeldung auf Seite 7
veröffentlicht wurden, wie auch in einer Nachrichtenzusammenfassung in
der Washington Times. All die übrigen großen Tageszeitungen der USA,
was einige Dutzende sind, einschließlich der Washington Post, erwähnten
diese Eingeständnisse von Curveball überhaupt nicht.
Stattdessen
waren die Leser der Tageszeitung Hindu in Indien und Khaleej Times in
Dubai das größte Publikum dieser Geschichte, d.h. eine Leserschaft außerhalb
Großbritanniens.
Aber
selbst der britische Guardian, der oft für waghalsig genug gilt, sich
mich Machtinteressen anzulegen, verhüllte seine Meldung dermaßen, dass
er dem Eingeständnis von Curveball ihren wahren Gehalt nahm. Die
wirkliche Brisanz der Tatsachen wurde entfernt. Die Aufmachung stellte
sicher, dass nur die informiertesten Leser verstehen würden, dass
Curveball nicht die USA täuschte, sondern vielmehr das Weiße Haus
einen „blühenden Phantasten“ oder verzweifelten Asylbewerber eines
brutalen Regimes für seinen eigenen rechtswidrigen und unmoralischen
Ziele ausgebeutet hatte. Was davon abhängt,
wie man das betrachtet.
Warum
bemäntelte der britische Guardian in seiner eigenen Exklusivmeldung das
Wichtigste? Der Grund liegt darin, dass alle unsere herrschenden Medien,
so liberal sie auch sein wollen, als Ausgangspunkt die Auffassung
teilen, dass die politische Kultur des Westens aus sich selbst heraus
wohlwollend und überlegen unter moralischem Aspekt gegenüber allen
vorhandenen alternativen oder denkbaren Systemen ist.
In
der Information und in den Kommentaren zeigt sich dies am deutlichsten
in der Auffassung, dass „unsere“ Führungspersönlichkeiten immer in
gutem Glauben handeln, während „deren“ Führungspersönlichkeiten,
die sich dem US-Imperium oder seinen Interessen entgegenstellen, von
niederen oder bösartigen Beweggründen getrieben sind.
Auf
diese Weise können die offiziell zu Gegnern erklärten Regierungschefs
wie Saddam Hussein und Slobodan Milosevic als Personifizierungen
wahnsinniger oder perverser Diktatoren hingestellt werden, während
andere ebenfalls verbrecherische Regimes wie Saudi-Arabien als „gemäßigt“
abgetan werden, weil sie den Weg öffnen, damit ihre Länder sich den
Zielen „unserer“ eigenen imperialen Strategien unterwerfen.
Den
für die „Umarmung“ des US-Imperiums auserwählten Staaten werden
vor eine düstere Alternative gestellt: Akzeptiert „unsere“
Bedingungen der Kapitulation und werdet Verbündete oder fordert das
US-Imperium heraus und erlebt „unsere“ Rache!
Wenn
die Konzern-Eliten auf anderen Völkern und Staaten herumtrampeln, um
ihre eigenen egoistischen Interessen wie im Fall Irak zur Kontrolle über
dessen Rohstoffe durchzusetzen, dann können „unsere“ herrschenden
Medien nicht zulassen, dass die Ereignisse auf ehrliche Weise
dargestellt werden. Die Unterstellungen reihen sich in den Kommentaren
bezüglich des Angriffs der USA auf den Irak aneinander. Als man
beispielsweise keine Massenvernichtungswaffen fand, blieb die
Bush-Regierung im Irak, um Bestrebungen zur Beseitigung von Terroristen
durchzusetzen, Gesetz und Ordnung wiederherzustellen und die Demokratie
zu verkünden.
Für
die westlichen Medien machen „unsere“ Politiker Fehler. Sie sind
naiv und dumm. Aber nie sind sie schlecht oder pervers! „Unsere“
Medien fordern nicht, dass Bush oder Blair in Den Haag als
Kriegsverbrecher verurteilt werden.
Dies
bedeutet nicht, dass die westlichen Medien die Prawda wären, das
propagandistische Sprachrohr der einstigen Sowjetunion. Es gibt
Unterschiede. Die Meinungsverschiedenheit ist möglich, aber sie muß
sich in relativ enggefassten Grenzen einer „vernünftigen“
Diskussion bewegen, was ein Spektrum des für möglich erklärten
Denkens ist, welches ohne Vorbehalt die Annahme befürwortet, dass
„wir“ besser und moralischer als alle anderen sind.
Auf
dieselbe Art werden den Journalisten nur wenige Male zumindest direkt
gesagt, was sie schreiben müssen. Die Medien haben sorgfältige
Auswahlverfahren und in ihren Redaktionskollegien filternde Hierarchien
wegen der Kritiken solcher Publizisten wie Ed Herman und Noam Chomsky
entwickelt. Damit stellen sie sicher, dass die abweichlerischen oder
wirklich unabhängigen Journalisten keine wirklich einflussreichen
Positionen erlangen.
Im
Klartext, da gibt es keine einfache Partei-Richtlinie. Es gibt Eliten
und Konzerne in Konkurrenz miteinander, und ihre Stimmen erschallen auf
dem schmalen Gebiet, welches wir Kommentar und Meinungsmache nennen.
Anstatt den Vorgaben der Parteifunktionäre zu folgen, wie es in der
Sowjetunion geschah, wetteifern „unsere“ Journalisten um die Unterstützung
in den Vorzimmern der Macht. Privilegierte machen dann Karrieren. Dies
aber enorm zu Lasten der Unabhängigkeit von Journalisten.
Dennoch
dehnt sich die Spanne des Zulässigen langsam aus. Dies geschieht über
den Widerstand aus den Eliten und der herrschenden Fernsehkonzerne und
Presse hinweg. Der Grund dafür liegt in den neuen Medien, die allmählich
das so lange Zeit von den Medienkonzernen aufrechterhaltene Monopol der
Kontrolle und Verbreitung von Informationen und Gedanken aufweichen.
Wikileaks ist bisher das offenkundigste und beeindruckendste Ergebnis
dieser Tendenz.
Die
Auswirkungen sind bereits im gesamten Mittleren Osten zu spüren. Der
Mittlere Osten hat unverhältnismäßig hart unter dem Unterdrückungsregime
des US-Imperiums zu leiden. Während die arabischen Völker dafür kämpfen,
ihre Tyrannen loszuwerden, setzen die Reaktionen darüber auch einige
der Illusionen frei, die uns die westlichen Medien verkauft haben. Sie
haben uns erzählt, dass das US-Imperium Demokratie und Freiheit in
aller Welt will. Und dennoch wird bei all dem still und teilnahmslos
zugeschaut, wie die Henker des US-Imperiums in den USA produzierte
Waffen gegen ihre Völker einsetzen, welche Freiheiten nach westlichem
Stil einfordern.
Eine
wichtige Frage ist: Wie werden „unsere“ Medien angesichts dieser
Schau reagieren, nicht nur hinsichtlich der Scheinheiligkeit
„unserer“ Politiker, sondern aus ihrer eigenen Scheinheiligkeit
heraus? Sie sind derzeit bestrebt, die neuen Medien einschließlich
Wikileaks zu kooptieren. Aber sie haben keinen wirklichen Erfolg dabei.
Auch beginnen sie, eine breitere Diskussion zuzulassen. Dies aber immer
noch stark eingeschränkt.
Die
westliche Version von Glasnost wird besonders offenkundig im Vernebeln
des unseren Herzen nächststehenden Problems, hier in Palästina. Was
Israel als Delegitimierungskampagne bezeichnet, ist wirklich die sanfte
Öffnung der Medienlandschaft, um etwas Licht zuzulassen, wo bis vor
kurzem die völlige Finsternis herrschte.
Das
ist eine Chance! Und wir müssen sie ergreifen. Wir müssen mehr
Ehrlichkeit von den Medienkonzernen einfordern. Wir müssen sie beschämen
damit, dass wir besser informiert sind als die Verfasser abgedroschene
amtlicher Pressemitteilungen mit ihrem Ruf nach Zugängen. Und wir müssen
sie ablehnen, wie es schon geschieht, auf der Suche nach besseren
Informationsquellen.
Wir
haben ein Fenster. Wir müssen es mit Kraft öffnen, bevor die Eliten
des US-Imperiums versuchen, es mit einem Schlag zu schließen.
*Jonathan
Cook ist ein Autor und Journalist. Er arbeitet in Nazareth, Israel.
Seine letzten Bücher: „Israel und der Zusammenprall der
Zivilisationen“, „Irak, Iran und der Plan zur Neuordnung des
Mittleren Ostens“, Pluto Press, und „Verschwindendes Palästina:
Israels Experimente an menschlicher Verzweiflung“, Zed Books. Seine
Website: www.jkcook.net.
©
Copyright Jonathan Cook, Global Research, 2011
Quellen:
http://www.cubadebate.cu/
Anmerkung:
Hervorhebungen
durch Fettdruck im Text stammen von Jens-Torsten Bohlke.
|