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Die
UZ, die IKP und andere Kommunisten im Irak
Das
Thema Irak fristet an sich in der UZ eher ein Schattendasein. Ausnahmen
sind immer wieder umfangreiche Interviews mit Vertretern der „Irakischen
Kommunistischen Partei“ (IKP).
Mehr
scheint wohl auch nicht nötig, da die Dinge im großen und ganzen ja in
die richtige Richtung laufen, zumindest nach Ansicht der wichtigsten Gewährsleute
der Parteizeitung. „Die USA und ihre Alliierten sind nach wie vor eine
starke Kraft im Irak, aber die Entwicklung im Irak zeigt deutlich, dass
die eigenen Kräfte unseres Landes in der Lage sind, die Richtung, den
Inhalt und den Weg der politischen Entwicklung zu steuern,“ behauptet
Rashid Ghewielib allen Ernstes in der Ausgabe vom 4. Mai1.
Mit
dieser Ansicht steht Ghewielib ziemlich allein, genießen die irakischen
Institutionen doch, wie es der Völkerrechtsprofessor Sir Adam Roberts
ausrückte, die „gleiche Unabhängigkeit wie ein Hund an der Leine“.
Solange er in die gleiche Richtung wie sein Herr trotten will, ist dieser
auch „frei“. Jeder weiß, dass die wesentlichen Entscheidung für den
Irak in Washington und in der riesigen US-Botschaft in Bagdad gefällt
werden. Im Krieg der US-Truppen gegen die Gegner der Besatzung haben auch
die irakischen Verbündete keinerlei Mitsprache. Als vor kurzem der
irakische Premier nach breiten landesweiten Protesten gegen die Mauer um
einen „aufständischen“ Stadtteil Bagdads einen unverzüglichen
Baustopp verfügte, haben die zuständigen US-Kommandeure nur gegrinst:
Die Mauer wurde fertig gestellt und 10 weitere um ebenso widerspenstige
Stadtviertel werden folgen.
Auch
das neue Interview reiht sich nahtlos in die Politik der IPK der letzten
Jahre ein. Von Beginn an hat sie sich nach Kräften bemüht, die reale
Besatzungsherrschaft als „politischen Prozess“ hin zur „Demokratie
und Unabhängigkeit“ zu verklären. Sie bedient sich dabei stets
derselben Rosstäuscherei: die im Irak übliche Kritik an den Besatzern
wird zwar in ein paar allgemein gehaltenen Floskeln aufgegriffen, anschließend
jedoch wieder völlig negiert, in dem man sich ohne wenn und aber hinter
den von den USA betriebenen „politische Prozess“ stellt. Selbstverständlich
sei man gegen die Besatzung, so wird stets versichert, aber gehen sollen
die fremden Truppen doch bitte erst, wenn irakische Regierung und Armee
die Lage allein im Griff haben – mit anderen Worten, wenn es den USA und
ihren Verbündeten gelungen ist, ihre Ziele umzusetzen – gegen den
Willen der Mehrheit im Land.2
Für
Versorgungsprobleme und den fehlende Wiederaufbau macht Ghewielib einmal
mehr den Widerstand verantwortlich. Die Berichte über die Veruntreuung
von zig Milliarden Dollar, die sich US-Konzerne ohne sichtbare
Gegenleistung in die Taschen steckten oder völlig spurlos verschwanden
sind ihm und seinen Genossen offenbar entgangen. Der Hauptwiderspruch ist
für ihn offensichtlich zwischen denen, „die den politischen Prozess
unterstützen“ und „denen, die versuchen, sich durch Terror und Gewalt
als ‚Widerstand’ darzustellen.“
Die
IKP hat sich von Anfang an gegen den Widerstand gestellt. Demagogisch
werfen ihre Vertreter alle Gewalttaten in eine Topf und schreiben sie
pauschal dem Widerstand zu. Sicherlich gibt es Terrorgruppen und
sektiererische Milizen, die im ihr Unwesen treiben. Viele stehen jedoch
den Regierungsparteien nahe und gehören wie die Folter zum hässlichen
Gesicht ihres „politischen Prozesses“. Auf der anderen Seite kann man
selbst den Statistiken der US-Armee entnehmen, dass sich die Angriffe des
nationalen Widerstands selbst, nahezu ausschließlich gegen die Besatzer
und ihre einheimischen Hilfstruppen richten. Und diese Angriffe werden
Umfragen zufolge von fast zwei Dritteln aller Iraker und sogar 91% der
Sunniten unterstützt.3
Angeblich
hat sich die IKP auch den „Kampf gegen Privatisierungen“ auf die
Fahnen geschrieben und möchte erreichen, „dass das Öl nicht aus der
staatlichen Kontrolle gerät“. Ohne den Widerstand wäre dies aber
bereits Realität. Rashid G. bedauert, dass aufgrund der Sabatoge an den
Pipelines wenig Öl exportiert werden kann. Wohin würden denn seiner
Meinung nach die Einnahmen fließen? Etwa in die Versorgung mit
Lebensmittel oder Medizin? Die USA geben über fünf Milliarden US-Dollar
pro Monat für den Krieg aus, in den Krankenhäuser gibt es aber oft noch
nicht mal mehr Verbandmaterial. – Ist dies die Schuld des Widerstands?
Es
gibt zudem nicht nur den bewaffneten Widerstand, sondern trotz
Besatzungsherrschaft, Repression, Folter und Todesschwadronen auch eine
sehr aktive zivile Opposition, auch eine gewerkschaftliche. Die IKP und
die von ihr dominierte Gewerkschaft sind jedoch in keinem der zivilen
Widerstandsbündnisse vertreten.
Dies
bedeutet allerdings nicht, dass keine Kommunisten am Widerstand beteiligt
sind. Wenn Rashid G. behauptet, es gäbe keine Abspaltungen von der
offiziellen KP, so ist das natürlich glatt gelogen. Bedeutende Teile
haben sich bereits viel früher abgespalten, so die „IKP
(Zentralkommando)“ und die „IKP (Kader)“ – nicht zu letzt auch
wegen Paktierens der Parteiführung mit Gegnern Iraks.
Abgewandt
hat sich zu Beginn der Besatzung beispielsweise auch das langjährige
Politbüromitglied Baqer Ibrahim Al-Mousawi. Gemeinsam mit Ahmed Karim,
der ebenfalls lange Jahre ein führendes Mitglied der Partei war, hatte er
stellte er in einen offen Brief fest, dass „die Führung der
Kommunistischen Partei lügt, wenn sie behauptet, gegen den Krieg des
Landes gewesen zu sein, oder wenn sie behauptet, für ein Ende dieser
Besatzung einzutreten. Diese Führung, genauso wie eine Reihe anderer
politischer Bewegungen hat sich mit den Besatzern vereinigt, und es ist
daher sinnlos zu versuchen, sie von einer anderen Linie zu überzeugen.“
Beide
beteiligen sich seither aktiv am Widerstand. Baqer Ibrahim ist Mitglied im
Generalsekretariat des Irakischen Nationalen Gründungskongresses (INFC),
einer Dachorganisation die nach dem Vorbild des Afrikanischen National
Kongress (ANC) einen guten Teil des zivilen Widerstands zusammenfasst. Im
gehören über hundert Organisationen und zahlreiche prominente Persönlichkeiten
an, darunter Vertreter aller Konfessionen, sowie säkulare, nationale und
linke Gruppierungen. 4
Ahmed
Karim ist als Führer der „Demokratischen kommunistischen patriotischen
Strömung“5
Mitglied im „Vereinigten Politischen Kommando des irakischen
Widerstands“, dem bisher breitesten Widerstandsbündnis. Neben
baathistischen, panarabischen, linken und religiösen Gruppen gehören ihm
auch der INFC und drei der bedeutendsten Guerillaorganisationen an. Bei
allen dreien erkennen selbst US-amerikanische „Terrorismusexperten“
an, dass sie keine Bombenanschläge gegen Zivilisten durchführen oder
Geiseln entführen.
Neben
Karims „Strömung“ sind auch noch weitere kommunistischen Parteien und
Gruppen in diesem Bündnis beteiligt. So die IKP (Zentralkommando) und die
kommunistische Volksunion. Letztere wird z.B. von der spanischen KP
auch als Schwesterorganisation anerkannt6.
Im vereinigten Kommando ist sie durch ihren Vorsitzenden Yusuf Hamdan Amer
beteiligt, ebenso wie Ibrahim und Karim einer der historischen Führer der
irakischen Linken. Vermutlich ist auch die vorwiegend aus dem Exil
arbeitende IKP (Kader) mit von der Partie.
Seit
kurzem macht auch eine marxistische Guerillagruppe, der „Irakische
bewaffnete revolutionäre Widerstand“ von sich reden. In Flugblättern,
das mit dem Bild von Che Guevara geschmückt sind, bekannte sich die
Gruppe, die sich als „Bewegung irakischer Kommunisten und Marxisten, mit
Erfahrung im bewaffneten Kampf und linken Nationalisten“ beschreiben, zu
einigen Angriffen auf US-Truppen und rief zum „Widerstand gegen die
amerikanischen, britischen und zionistischen Besatzer, um den Irak zu
befreien und eine sozialistische, demokratische Alternative zu schaffen.7
Die
zahlenmäßige Stärke dieser patriotischen und antiimperialistischen
kommunistischen Gruppen ist nicht groß, dennoch haben sie einen gewissen
politischen Einfluss auf die Widerstandsbewegung. Die offizielle KP spielt
hingegen im Irak praktisch überhaupt keine Rolle mehr. Nachdem sich die
Parteiführung mit ihrem Eintritt in den vom Statthalter Paul Bremer
eingesetzten „Regierungsrat“ offen an die Seite der Besatzer gestellt
hatte, verspielte sie beim Gros ihrer Mitglieder und Sympathisanten den
letzten Kredit. „Die Ankündigung traf einige Parteimitglieder, die ich
in Bagdad letztes Jahr traf, wie ein Schock“, so Sami Ramadani von den
„Irakischen Demokraten gegen die Besatzung. „Von diesem Tag an wurde
die Partei von den meisten Irakern als kollaborierende Kraft angesehen,
deren Führer z.T. nun ihr Gehalt von der Besatzungsbehörde beziehen.“8
Übrig blieb nur noch eine Fassade. In den diversen Umfrage, die sich nach
den Sympathien für irakische Gruppen erkundigen, wird sie nicht einmal
erwähnt.
Joachim
Guillard
1
Siehe wadinet.de/news
(Die Red.)
2
siehe hierzu die ausführliche Analyse der Politik der IKP in „Irak –
Besatzungsherrschaft, Widerstand und die Rolle der irakischen KP“ vom
28.11.2004, die ich als Reaktion auf einen Vortrag von Heinz Stehr schrieb
siehe
3
„The
Iraqi Public on the US Presence and the Future of Iraq”, WorldPublicOpinion.org, 27.9.2006,
4
„Besatzungsgegner schließen sich zusammen – Vereinigtes Politisches
Kommando des irakischen Widerstands gebildet“, junge Welt, 11.11.2006
5
Zur Ahmed Karim siehe das Interview das „Haló Noviny“, die Zeitung
der KP Böhmens und Mährens am 08.01.2006, mit ihm führte, siehe
6
„Yusuf Hamdan, dirigente comunista iraquí de la UP,
participará en la Fiesta del PCE -- El PCE reconoce a la Unión del
Pueblo como „organización comunista hermana“ en Iraq”, siehe
7
„Iraqi
Marxist Insurgent Group Declared”,
Iraqslogger, 15.5.2007
8
Aus einem Brief von Sami Ramadani, Hochschullehrer in London und häufiger
Kommentator im Guardian über IKP und IFTU an britische Gewerkschaften, http://www.idao.org/sami-iftu.html
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