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Die
schleichende Vertreibung
Israelische
Gewalt gegen Palästinenser nimmt zu
Quelle:
Freace vom
22.08.2008
Zahlreiche
in den letzten Wochen erschienene Medienberichte zeigen, daß
israelische „Siedler“ in der von Israel seit 1967 besetzten palästinensischen
West Bank immer häufiger gewaltsam gegen die dort lebenden Palästinenser
vorgehen.
Beispielsweise
berichtete
die israelische Menschenrechtsorganisation B'Tselem am 7. August, daß
sie derzeit 12 Fälle von Angriffen israelischer „Siedler“ auf Palästinenser
untersuche. Diese ereigneten sich alle innerhalb weniger Tage zwischen
dem 29. Juli und dem 4. August dieses Jahres. In fünf der Fälle wurden
Steine geworfen, in zwei wurde Vieh gestohlen, in einem geschossen, in
drei der Fälle kam es zu körperlicher Gewalt und in drei der Fälle
wurde Eigentum von Palästinensern beschädigt – wobei es in mehreren
der Fälle zu mehreren der genannten Verbrechen kam. In mindestens vier
der Fälle waren Minderjährige betroffen.
So
wurde in einem Fall nahe der „Siedlung“ Yizhar die Windschutzscheibe
der im 6. Monat schwangeren Falastin Ma'ali von einem großen Stein
getroffen. Sie erlitt hierdurch eine Gehirnblutung und ihre sechs Jahre
alte Tochter Hadil erlitt einen Schädelbruch und wird möglicherweise
ihr Augenlicht verlieren. Ihre zwei Jahre alte Tochter, die sich
ebenfalls in dem Fahrzeug befand, wurde von Glassplittern verletzt.
Zeugenaussagen zufolge handelte es sich bei dem Angreifer um einen von
drei Männern, die bei einem geparkten Auto mit israelischen Kennzeichen
standen. Später wurde ein 16-jähriger Bewohner von Yizhar von der
Polizei verhaftet, später aber wieder freigelassen. Ein nicht
namentlich genannter Beamter wurde in Presseberichten mit den Worten
zitiert, daß „das Werfen eines Ziegelsteins auf das Auto der palästinensischen
Familie anscheinend nur eines in einer ganzen Reihe von Ereignissen ist,
in denen rechte Aktivisten die palästinensische Bevölkerung
angreifen.“ Statistiken der UN-Behörde für die Koordination humanitärer
Angelegenheiten (UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs,
OCHA) zeigen, daß die Zahl gemeldeter Fälle von Gewalt seitens
israelischer „Siedler“ gegenüber Palästinensern im Juli im
Vergleich zum Vormonat um 46 Prozent gestiegen ist. Anfang August ist
auch der B'Tselem-Mitarbeiter Issa Amro Ziel eines Angriffs geworden,
als er seinerseits einen Angriff israelischer „Siedler“ auf eine palästinensische
Hochzeitsgesellschaft filmen wollte, woran er aber von israelischen
Soldaten gehindert wurde. Hierbei wurde seine Kamera zerstört, während
die israelischen Soldaten tatenlos blieben.
Einen
Tag zuvor hatte die britische Times
berichtet, daß eine Gruppe israelischer „Siedler“ einen 14 Jahre
alten palästinensischen Jungen von einem Dach gestoßen haben. Hamza
Abu Khetar befand sich auf dem Dach eines vierstöckigen Hauses, das er
mit Freunden renovierte, als eine Gruppe israelischer „Siedler“ auf
das Haus in der Altstadt von Hebron zu kam. Während seine Freunde
rechtzeitig fliehen konnten, sah er nicht die auf ihn zukommende Gefahr.
„Als ich sie schließlich sah, waren sie schon über mir“, sagte der
14-Jährige. „Sie begannen mich zu treten und zu schlagen. Ich konnte
mich nicht schützen, da waren etwa 25 von ihnen.“
„Sie
schoben mich über die Dachkante“, so Hamza weiter. „Sie wollten
mich töten.“ Da er auf ein vorgelagertes Dach fiel, brach er sich
stattdessen einen Fuß. Als seine Familie ihn schließlich fand, hatte
er starke Schmerzen. Trotzdem mußte ein palästinensischer Krankenwagen
an einem israelischen Kontrollpunkt eineinhalb Stunden lang warten, weil
in jenem Gebiet nur israelische Fahrzeuge zugelassen sind. „Sie
betrachten uns als nichts anderes als Moskitos, nicht als Menschen, als
würden wir gar nicht existieren“, sagte Hamzas Vater Sufian.
B'Tselem
zufolge wandten sich die „Siedler“ nach dem Angriff auf Hamza einer
palästinensischen Hochzeitsfeier zu, die in einem Haus gegenüber der
„Siedlung“ Jabara stattfand. Dort trafen sie sich mit mehreren
Dutzend weiterer „Siedler“ und begannen, Steine auf die Hochzeitsgäste
zu werfen, wobei sie „Mohammed ist ein Schwein“ sangen und zwei
behinderte Kinder verspotteten, sagte der Vater des Bräutigams, Abd
al-Karim al-Jabari. Als seine Tochter die Angreifer mit der ihr von
B'Tselem für solche Fälle zur Verfügung gestellten Videokamera
aufnehmen wollte, wurde sie von mehreren israelischen Frauen
angegriffen. Als ihr Bruder ihr helfen wollte, wurde er von zwei
israelischen Soldaten festgehalten und von einem „Siedler“ mit einem
Stein ins Gesicht geschlagen.
Sowohl
die israelischen „Siedler“ als auch das israelische Militär
bestreitet die Darstellung der Palästinenser – was bei objektiver
Betrachtung angesichts der zahllosen gleichlautenden Berichte allerdings
wenig glaubwürdig erscheint.
Ebenfalls
am 7. August berichtete die britische BBC,
daß in Hebron sogar ein Fahrzeug mit britischen Diplomaten von
israelischen „Siedlern“ angegriffen worden ist. Die drei Diplomaten
waren zuvor von einem Mitarbeiter der israelischen
Menschenrechtsorganisation Breaking the Silence, einem ehemaligen
israelischen Soldaten, in Hebron herumgeführt worden. Der Angriff
ereignete sich in einem für Palästinenser gesperrten Bereich Hebrons.
Zwar schritten israelische Polizisten in diesem Fall ein, so daß es zu
keinerlei Verletzungen gekommen ist, offenbar ist es ihnen aber nicht
gelungen, der Angreifer habhaft zu werden. Derzeit werde der Vorfall
seitens der israelischen Polizei „untersucht“, so eine Erklärung
des britischen Konsulats. In Hebron leben inmitten der dort beheimateten
etwa 120.000 Palästinenser etwa 500 israelische „Siedler“, die von
rund 1.200 israelischen Soldaten „geschützt“ werden.
Bereits
am 27. Juli veröffentlichte die Organisation International Solidarity
Movement (ISM), die sich der Unterstützung der palästinensischen Bevölkerung
verschrieben hat, einen Artikel,
dem zufolge mehrere israelische „Siedler“ am gleichen Tag eine
Gruppe palästinensischer Kinder und ihre zwei Begleiter von der
Organisation Christian Peacemaker Teams (CPT) mit Steinwürfen
angegriffen haben. Nachdem es den Kindern im Alter zwischen 6 und 15
Jahren gelungen war, den Steinen unverletzt zu entkommen, wandten sich
die „Siedler“ gegen das CPT-Mitglied Joel Gulledge, der den Angriff
mit einer Videokamera aufgezeichnet hatte. Nachdem sie ihn mit einem
Stein getroffen hatten und er zu Boden gegangen war, liefen sie zu ihm
und schlugen ihn mit einem Stein und seiner Kamera. Anschließend
rannten sie mit seiner Kamera weg. In den Tagen vor diesem Angriff war
es bereits mehrfach zu ähnlichen Angriffen auf die Kinder gekommen, das
israelische Militär weigerte sich aber, ihnen auf ihrem Weg in das
Ferienlager Schutz zu gewähren.
Am
21. Juli berichtete die israelische Haaretz,
daß zwei selbstgebaute Raketen in der Nähe der palästinensischen Dörfer
Odala und Awarta in der West Bank eingeschlagen sind. Anwohner sagten,
diese seien von der nahegelegenen israelischen „Siedlung“ Yitzhar
aus auf sie abgefeuert worden. Zwar bezeichnete eine nicht näher
benannte Quelle innerhalb der israelischen Sicherheitskräfte diese
Darstellung als unzutreffend, ein Kameramann der Nachrichtenagentur
Reuters hat allerdings selbst eine etwa 45 Zentimeter lange Rakete auf
einem Acker brennen gesehen. Damit nicht genug war erst eine Woche zuvor
Gilad Herman, ein in Yitzhar wohnender „Siedler“ von der
israelischen Polizei verhaftet worden, weil er verdächtigt wurde, an
einem anderen Raketenangriff auf das palästinensische Dorf Burin im
Juni beteiligt gewesen zu sein. Es ist also offensichtlich durchaus so,
daß mittlerweile selbstgebaute Raketen auf Palästinenser abgefeuert
werden.
Daß
diese massiv anwachsende Gewalt ebenso wie das mindermotivierte Vorgehen
der israelischen Behörden gegen sie kaum geeignet ist, die Beziehungen
zwischen Israelis und Palästinensern zu verbessern, ist offensichtlich.
Aber das ist ohne Zweifel auch nicht ihr Ziel. Vielmehr versuchen die
„Siedler“ hier offenbar, Palästinenser zu vertreiben, um so
leichter weitere Flächen für „Siedlungen“ annektieren zu können.
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