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Vertreibung
und Landraub
Großisrael
als Ziel:
Palästinenser
aus Ostjerusalem ausgewiesen,
Siedlungsbau
in besetzten Gebieten ausgeweitet
Von
Karin Leukefeld
jungeWelt
vom 15. April 2009 – Die israelischen Behörden haben vor wenigen
Tagen 45 Angehörige der Familie Al-Radaydeh aus dem Viertel Beit Hanina
im westlichen Teil Ostjerusalems hinter die sogenannte Schutzmauer im
Osten deportiert. Als Grund wurde angegeben, die palästinensische
Familie habe ihr Wohnrecht in Jerusalem verloren, wo sie seit
Jahrzehnten und Generationen lebte. Ziel sei es, in der Stadt ein »demographische
Gleichgewicht« herzustellen, kritisiert die Kommission für Deportierte
aus Jerusalem. Vermutlich wurde der Familie ihr Wohnrecht aberkannt,
weil zu ihr Mari Al-Radaydeh gehört hatte, der im März von der
israelischen Polizei erschossen worden war. Der Mann hatte mit seinem
Traktor ein Polizeiauto überrollt und anschließend einen Bus gerammt.
Ob es sich um einen Anschlagsversuch gehandelt hatte oder einen Unfall,
wurde nicht ermittelt.
Die
Deportation der Al-Radaydeh-Familie ist das jüngste Beispiel für die
gezielte Vertreibungspolitik Israels mit dem offensichtlichen Ziel, den
größten Teil der 1967 widerrechtlich besetzten Gebiete langfristig
Israel einzugliedern oder zumindest unter permanente israelische
Kontrolle zu stellen. Zuletzt hatte US-Außenministerin Hillary Clinton
zwar die Vertreibung und den Siedlungsbau als »nicht hilfreich«
bezeichnet, Sanktionen wurden aber nicht angedroht. Und so macht Israel
weiter: 20 Häuser in der Umgebung von Nablus sollen geräumt werden,
acht Häuser in Al Baqaa (Hebron) ebenfalls, und in der Nähe von
Ramallah konfiszieren die Siedlungsbehörden 35,5 Morgen Land, wie das
Schweizer Internetportal »Fair unterwegs« berichtet.
Die
Vertreibung der Araber aus ihrer Heimat Palästina ist nicht neu. Seit
der Ankunft der Zionistischen Kommission unter Führung von Chaim
Weizmann (1918) in Palästina war es deren Bestreben, sich das Land
anzueignen. Man kaufte Boden und Häuser, sogar für die Klagemauer und
die Jerusalemer Wasserquellen wurde Geld geboten, wie der israelische
Historiker Tom Segev in seinem Buch »Es war einmal ein Palästina«
anhand historischer Quellen beschreibt.
Jerusalem
spielte immer eine wichtige Rolle in der Strategie der israelischen
Landnahme. Für den Ausbau eines archäologischen Vergnügungsparks
sollen nun allein im Gartenviertel »Bustan« 1500 Palästinenser
vertrieben werden. Bustan liegt südlich der Altstadt von Jerusalem,
unterhalb der Al-Aksa-Moschee. Es ist eine wahre Schatzkammer. Dort
haben Kanaaniten, Juden, Perser, Griechen, Römer, Byzantiner, Muslime,
Kreuzritter und Osmanen ihre Spuren hinterlassen. Etwa 250000 Palästinenser
leben noch in Ostjerusalem, doch in den Träumen einiger
Geschichtsschreiber, die ausschließlich Zion, die Stadt Davids
wiederbeleben wollen, sollen Araber offenbar ganz aus der Stadt
vertrieben werden. Frontorganisation bei der Umsetzung dieses Traumes
ist die von David Beeri gegründete Stiftung »Ir David« (Stadt
Davids), die mit Millionen US-Dollar ausländischer Industriemagnaten
unterstützt wird. Beeri ist ehemaliger Kommandeur einer israelischen
Eliteeinheit und hat sich dem »Erhalt und der Entwicklung der
Biblischen Stadt Davids und ihrer Umgebung« verschrieben.
Um
»das Erbe König Davids und Israels historische Verbindung zu Jerusalem
zu stärken«, finanziert die Stiftung nach eigenen Aussagen »archäologische
Ausgrabungen, Tourismusentwicklung, Wiederbelebung der Wohnviertel und
Bildungsprogramme«. Für die arabische Bevölkerung Jerusalems, die
schon vor Entstehung von Juden-, Christentum und Islam in Palästina
lebte, ist dabei höchstens noch Platz als Tagelöhner |