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Wasser in Palästina;

Palästinenser fürchten um ihre tausendjährigen Wasserquellen im Westjordanland

Tom Perry

Übersetzt von Ellen Rohlfs

Herausgegeben von Fausto Giudice  

Auf Kommunisten-online am 6. Sept. 2011 - RAB AL RASHAYIDA, Westjordanland, 28.7.2011 (Reuters)-In den Felsen gehauene tiefe Zisternen , die verstreut in der Wüste jenseits von Bethlehem liegen haben seit Jahrhunderten den Winterregen gesammelt, um die Hirten und ihre Herden während des Sommers zu versorgen.

Unter einer glühenden Sonne erklärt ein Beduine, wie viele der Zisternen, an die er sich aus seiner Kindheit erinnert, in den letzten paar Jahren wieder völlig hergestellt wurden und seiner Gemeinschaft von Ziegenhirten zum Überleben helfen.

Die israelischen Behörden, die das Westjordanland kontrollieren, haben seit November mindestens drei Zisternen in diesem Gebiet zerstört. Er folgert daraus:

„Vielleicht tun sie das, damit wir weggehen“, sagte Falah Hedawa, 64, der auf Kissen in seinem Zelt sitzt, das in den Hügeln aufgeschlagen ist, die zum Toten Meer hinunter führen.

Draußen in der Wüste markiert ein Tümpel die Stelle, wo einst eine der Zisternen war, die aus einem Hügelhang herausgehauen war und die dort lag, bevor sie vor kurzem zerstört wurde. Eine matschige Spur führt hinunter zu einem Wadi, einem Tal, das bei Regen zu einem Fluss wird.

Israel hat 20 das Regenwasser sammelnde Zisternen in der ersten Hälfte dieses Jahres im Westjordanland zerstört – nach dem Büro des UN-Amts für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA), das die Lage in den palästinensischen Gebieten überwacht.

Dieses Dem-Erdboden-gleich-machen ist ein Teil der Beschleunigung des Zerstörens palästinensischer Strukturen in der Zone C, die 60 Prozent des Westjordanlands, wo Israel volle Kontrolle ausübt.

Die Interim-Friedensabkommen, die zwischen Israel und den Palästinensern in den 90er-Jahren beschlossen wurden, bestimmen die Zone C, wo alle israelischen Westjordanlandsiedlungen liegen.

In der 1. Hälfte von 2011 verloren mehr Palästinenser ihren Wohnplatz/Hütte in Zone C als im ganzen Jahr von 2009 oder 2010, sagt OCHA. Viele von ihnen sind Beduinen. Im Ganzen wurden 342 palästinensische Strukturen in diesem Gebiet allein in diesem Jahr zerstört.

Es ist typisch, dass die Strukturen ( oft nur Zelte) nur deshalb zerstört werden, weil sie ohne israelische Genehmigung errichtet wurden – etwas , was kaum zu erhalten ist, sagen Palästinenser.

Was die Zisternen betrifft, so sagte die israelische zivile Verwaltung für das Westjordanland, dass wenigstens in zwei Fällen – wahrscheinlich in mehr – sie handeln musste, weil sie in militärischen Übungszonen liegen, wo scharf geschossen wird und die Leute in Gefahr bringen.

„Genehmigt durch die Geschichte“

Das ist nur ein Vorwand, sagen Palästinenser, Teil eines Systems israelischer Restriktionen, um ihre Entwicklung zu bremsen und die der Siedlungen zu fördern.

Die NRO hinter dem Zisternenaufbauprojekt machen sich große Sorgen: die Beduinen – etwa 27 500 in Zone C - sind die Ärmsten aller Palästinenser.

Die wiederhergestellten Zisternen haben ihnen kostenlos Wasser geliefert und sie von dem teuren Wasser aus den Behältern unabhängig gemacht, die sie sonst mit Traktor ins Lager ziehen mussten.

Beim Wiederbeleben alter Zisternen hofften die Projektleiter, sie könnten die strengen Restriktionen am Bau von neuer Wasserinfrastruktur umgehen.

„Diese Zisternen sind durch die Geschichte genehmigt“, sagt Nadi Farraj, ein palästinensischer Landwirtschaftsexperte, der in den letzten vier Jahren geholfen hat, 140 alte Zisternen wieder nutzbar zu machen.

Die Beduinen sprachen davon, dass das Alter der Zisternen bis in die nabatäische Zeit, etwa 2000 Jahre, zurückgeht. Während ihrer Wiederherstellung haben Arbeiter aus der Beduinengemeinschaft Artefakten entdeckt, einschließlich militärischer Helme aus der ottomanischen Zeit.

An einem entfernten Wüstenort fanden die Arbeiter, die zwei Zisternen wiederherstellten, inmitten von Steinstrukturen Reste einer frühen christlichen Kirche und Teile eines Mosaikfußbodens.

„Es stimmt, sie sind lange Zeit nicht hier gewesen – wenigstens seit den Tagen ihrer Vorfahren“, sagte Ibrahim Moussa, der im Schatten eines Felsens saß und seine Herde beobachtete.

Fotos, die während der Restaurierung aufgenommen wurden, zeigten tiefe Räume, die von Säulen und Bögen getragen wurden. Nicht alle Zisternen liegen unterirdisch. Einige sind kleine Teiche, die am Ende eines Wadi liegen, um dort das Regenwasser aufzufangen.

Oft ist der härteste Teil der Arbeit, die entfernten Örtlichkeiten zu erreichen, sagte Farraj. Wenn die Arbeiter erst mal dort sind, mussten sie erst Ablagerungen entfernen, die Mauern wasserdicht machen und dann eine Reihe Kanäle neubauen, die das Wasser in die Zisternen leiten.

„Wasserkrise überall“

In der Wüste außerhalb von Zaatara, trägt eine Zisterne ein christliches Symbol, was bedeutet, dass sie vor dem 7. Jahrhundert stammt, bevor sich der Islam von der arabischen Halbinsel ausbreitete, sagte Ahmad Abu Rabada, eine lokale Persönlichkeit.

Die Zisterne ist eine von zwei, deren Wiederaufbau in Juni unter dem Vorwand, dass die Gegend ein Schießübungsplatz sei, gestoppt wurde. Doch Abu Rabada sagte, dass seit Jahren hier keine Schüsse gehört worden seien. „Sie benutzen allerlei Vorwände“.

Er fürchtet, es ist jetzt nur eine Frage der Zeit, bevor die Zivilverwaltung die Zisterne zerstört.

Die UN hat die Zerstörungen verurteilt. DanChurch Aid, eine dänische kirchliche NRO, die das Projekt finanziert hat, sagt, dass die fünf von ihr restaurierten Zisternen in diesem Jahr zerstört wurden, drei vom israelischen Militär und zwei von jüdischen Siedlern.

„Ich finde es äußerst besorgniserregend. Am ganzen Horn von Afrika und im Nahen Osten sieht man sich in diesem Jahr einer großen Dürre ausgesetzt“, sagt Mads Lindegarde, Regionalvertreter von DanChurchAid, Teil einer NRO-Koalition, die eine Gruppe zur Notlage im Bereich Wasser, Sanitäranlagen und Hygiene in den palästinensischen Gebieten gebildet hat.

„Alte Wasserzisternen und Wasserressourcen im allgemeinen zu zerstören ist Wahnsinn, ganz besonders dort, wo die Menschen an einem extremen Wassermangel leiden“, sagte er.

Die Zerstörungen (der Zisternen) verstärken eine Wasserkrise im ganzen Westjordanland, sagt Shadad Attili, Chef der palästinensischen Wasserbehörde.

„Ich habe überall eine Wasserkrise, besonders in der Zone C“, sagt er. „Es ist mir nicht möglich, diese Leute mit Wasser zu versorgen. Nehmen wir an, ich hätte eine Wasserquelle, dann müsste ich eine Genehmigung bekommen, Röhren zu legen, aber dies bekomme ich nicht. Also sind die Leute von den Zisternen abhängig“, sagt er.

„Welche Botschaft geben sie uns damit? ‚Verlasst das Land!’ – dies ist die einzige Botschaft, die sie uns senden“, sagt er.

Obwohl Israel leugnet, es versuche die Beduinen mit solchen Methoden zu vertreiben, hat es einen Plan, sie in fertig gebaute Gemeinden umzusiedeln.

„Sie werden das Land umsonst bekommen, Strom und Wasser, das ihre Situation wahrscheinlich verbessern wird“, sagt ein Sprecher der israelischen Zivilverwaltung. „Sie können nicht einfach von Platz zu Platz wandern, das Land ist begrenzt.“

„Das ist die einzige Lösung für die Beduinen.“

Artikel veröffentlicht auf Tlaxcala am 27/08/2011

Original: Palestinians fear for ancient West Bank water source

Übersetzungen: Français

Danke Tlaxcala

Quelle: http://www.reuters.com/article/2011/07/28/us-palestinians-israel-cisterns-idUSTRE76R1HY20110728

Erscheinungsdatum des Originalartikels: 28/07/2011

Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=5614  

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Wasserkonflikt

Quelle: Palästina Aktuell

Auf Kommunisten-online am 6. September 2011 - Neben ideologischen Fragen wie dem Streit um Jerusalem gibt es eine ganz pragmatische Frage, in der sich bislang keine Einigung zwischen der israelischen Regierung und den Palästinensern abzeichnet: Wasser - der kostbarste Rohstoff in der Region.

„Die Palästinenser müssen jeden Sommer unter Israels Strenge leiden: Das Wasser, das ihnen zusteht, erhalten sie unregelmäßig, wenn überhaupt. Die Verteilung der Wasserquellen ist ein genauso wichtiger Punkt, über den Israelis und Palästinenser sich einigen müssen, wie die Zukunft der Siedlungen und Jerusalems. Die Zeit eilt, denn die Region trocknet aus. Israel erwägt für dieses Jahr die Ausrufung des Wassernotstands.

Die größte Grundwasserader liegt unter dem Westjordanland. Von dort fließt das meiste Wasser in israelisches Staatsgebiet, wo es 40 Prozent des Verbrauchs deckt. Vier Fünftel der Wasservorkommen aus den Palästinensergebieten, so eine Studie der Weltbank, werden von Israel genutzt. Die Ungerechtigkeit ist sichtbar: Die jüdischen Siedler im Westjordanland können ohne Sorge in Swimmingpools planschen und ihre Autos waschen. Sie verbrauchen pro Person bis zu 330 Liter am Tag – während ein Palästinenser mit 30 Litern am Tag auskommen muss. Auch deshalb besteht Arafat darauf, dass sein Volk das Nutzungsrecht für das Westjordanland-Wasser erhält. Israel argumentierte bislang, dass der Regen nicht den Bergen gehöre, auf die er falle. Der Regen fließe via Grundwasserader automatisch nach Israel.“ Aus: der Süddeutschen Zeitung, 12. April 2001.

Die Palästinenser fordern volle Hoheit über die natürlichen Wasser-Reservoirs des 1967 besetzten Westjordanland, und verzichten auf die Wasser-Reservoirs der 1948 besetzten Gebiete. Während die israelischen Besatzer derzeit jährlich rund 450 Millionen Kubikmeter aus dem Wasservorkommen des Westjordanlandes abpumpen, bleiben den Palästinensern hier gerade einmal 150 Millionen Kubikmeter des eigenen Wassers übrig.

Die Wassersituation ist vor allem im Gaza-Streifen schon aufgrund natürlicher Wasserknappheit sehr problematisch. Verschärft wird das Problem durch die Okkupation der Israelis, die jegliche Modernisierung des Wassersystems verhindern. Durch die Beschlagnahme des palästinensischen Bodens durch die israelische Regierung müssen die Palästinenser mit wenig Wasser und vor allem „untrinkbarem Wasser“ auskommen, um das beste Wasser für die Siedlungen zu sichern. Israel beraubt die palästinensischen Gebiete um das Wasser mit der „besten Qualität“ und die Palästinenser im Gaza-Streifen müssen das „Untrinkbare Wasser“ bei den israelischen Behörden kaufen und darüber hinaus zum dreifachen Preis, den israelische Siedler bezahlen.  

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