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Wie
einem italienische Gast der Initiative
„Willkommen in Palästina“ die Einreise in Israel gelang
INTERVIEW
MIT ITALIENISCHEM AKTIV ENGAGIERTEN PALÄSTINA-TOURIST
(9.
Juli 2011)
Auf
Kommunisten-online am 19. Juli 2011 –
Media
Center: Sie kamen gestern an?
Italienischer
Gast: Ich kam vor ein paar Tagen an.
Mediacenter:
Sind Sie Teil der Initiative „Willkommen in Palästina“?
Italienischer
Gast: Ja
Mediacenter:
Was sagten Sie den israelischen Sicherheitsbeamten am Flughafen?
Italienischer
Gast: Ich erzählte ihnen nur, dass ich zum Tourismus hier bin.
Mediacenter:
Stellten sie Ihnen weitere Fragen?
Italienischer
Gast: Ja, eine Menge. 11 Stunden lang. Jede Stunde oder jede halbe
Stunde kam irgend jemand und stellte mir eine Menge Fragen. Ob ich hier
Leute kenne. Welche Interessen ich habe. Fragen über meine Frau. Über
meine Arbeit. Sehr, sehr detailliert. Spezifische Fragen über die
Menschen, die ich hier kenne. Sie wollten Antwort auf sehr detaillierte
Fragen, wie beispielsweise wo ich mich aufhalten will, wo ich schlafen
will. Sie wiederholten dieselben Fragen zehn mal. Ich mußte manche
gleiche Fragen 20 oder 30 mal beantworten. Ich bekam mit, dass vielen
Menschen die Einreise verweigert wurde.
Mediacenter:
Sie wußten also, dass Sie gerade nach Paläsina kommen. Wußten sie
auch, dass Sie wegen der Initiative da sind?
Italienischer
Gast: Nein. Sie dachten, dass ich gerade wegen Tourismus nach Palästina
komme.
Mediacenter:
Sind Sie mit anderen aktiven Teilnehmern am Flughafen eingereist?
Italienischer
Gast: Nein. Nicht, dass ich wüßte! Ich sah nur mit an, dass einer
Menge Menschen die Einreise verweigert wurde. Ich sah auch Menschen, bei
denen ich annehme, dass sie nicht aktiv engagiert sind, - viele
US-Amerikaner palästinensischer Herkunft. Ihnen wurde ohne jede Erklärung
die Einreise verweigert. Sie verweigern sogar Ausländern palästinensischer
Herkunft die Einreise, nicht nur den aktiv für Palästina sich
engagierenden Leuten.
Mediacenter:
Wieviele andere Menschen haben Sie gesehen, als Sie befragt wurden?
Italienischer
Gast: Viele Menschen. Ich kann sagen, dass einige von ihnen palästinensischer
Herkunft waren. Andere waren aus Europa und den USA. In den 11 Stunden
sah ich mindestens 50 Menschen. Ich kann sagen, dass mindestens 20 von
ihnen die Einreise verweigert wurde.
Mediacenter:
Wie konkret waren Sie mit Ihren Antworten?
Italienischer
Gast: Zum Beispiel fragten sie mich den ganzen Tag lang, was meine
Pläne sind. Wo ich zu schlafen vorhabe. Welche Leute ich zu treffen
vorhabe. Konkrete Information über meine Familie. Über das Leben
meiner Freunde und über meine Arbeit. Welche Kunden ich habe. Ich sagte
überhaupt nichts über die palästinensische Initiative für diese
Woche, zu der ich hierher gekommen bin. Ich antwortete ihnen sehr
ehrlich. Aber ich sagte ihnen, dass ich wegen Tourismus hierher gekommen
bin. Sie fragten mich nicht, ob ich mich mit irgendwelchen aktiv
engagierten Leuten treffen werde. Sie fragten mich nicht konkret, ob ich
ein aktiv engagierter Mensch bin. Ich erzählte ihnen nichts über meine
konkreten Aktivitäten. Deshalb bin ich hier.
Mediacenter:
Sind Sie jemals zuvor in Palästina gewesen? Und wenn ja, wurden Sie
damals auch dermaßen befragt?
Italienischer
Gast: Ja, voriges Jahr genau dasselbe. Ich erzählte ihnen dasselbe
im vorigen Jahr.
Mediacenter:
Können Sie sagen, was Ihr Plan für diese Woche ist? Was wollen Sie bei
dieser Initiative herauskommen sehen?
Italienischer
Gast: Ich möchte mich dieser Initiative in dieser Woche anschließen,
um mehr Informationen über das Leben der Palästinenser zu bekommen. So
dass ich, wenn ich nach Italien zurückkehre, so viel wie möglich über
die tatsächliche Situation der Palästinenser berichten kann. Die
Medien in Italien sagen immer falsche Dinge über die Situation in Palästina.
Sie sagen, dass die Palästinenser Terroristen sind und Israel das Recht
hat, sie zu stoppen. Sie sagen, dass es keine Besetzung gibt. Und die
Italiener wissen nicht viel über die Besetzung.
Mediacenter:
Wie haben Sie diese Initiative herausgefunden?
Italienischer
Gast: Ich gehöre zu einer Solidaritätskampagne für Palästina in
Italien. Und wir sind stets informiert über diese Initiativen. Wir sind
ein Netzwerk von aktiv sich solidarisch für Palästina engagierenden
Menschen in Italien.
Mediacenter:
Kennen Sie andere italienische aktiv solidarische Menschen hier?
Italienischer
Gast: Nein, nicht bei dieser Initiative.
Mediacenter:
Kommen wir zurück auf das Befragungsverfahren. Können Sie die Atmosphäre
beschreiben? Malen Sie uns ein Bild davon, damit wir fühlen können,
wie es da zuging.
Italienischer
Gast: Dieses Mal hatte ich keine größeren Probleme, weil ich ihnen
nicht direkt erzählt habe, dass ich wegen dieser Kampagne hier bin.
Aber sie waren äußerst verdächtigend! Einige von ihnen waren höflich
und sprachen freundlich. Andere von ihnen sprachen mich mit harten
Worten an. Sie wurden laut. Auch ein wenig bedrohlich. Aber nicht viel,
wenn ich es mal mit jenen vergleiche, die da ganz direkt erklärten,
dass sie gekommen sind, um an der Kampagne teilzunehmen.
Diese
Menschen wurden in ganz schlechter Manier verhört. Die Atmosphäre im
allgemeinen ist eine Atmosphäre der Unterdrückung. Man fühlt sich
wirklich sehr in Bedrängnis. Man fühlt sich wirklich wie im Käfig.
Sie kontrollieren dich laufend. Sie wollen deine Handlungen und deine
Gedanken kontrollieren. Es kann sein, dass du da etwas die Situation der
Palästinenser verstehst. Sie leben in einem Gefängnis. Es ist so, also
ob man nicht mit Menschen spricht. Man spricht dort mit Robotern.
Mediacenter:
Haben Sie etwas zu essen oder Wasser erhalten? Konnten Sie mal auf die
Toilette gehen? Waren Sie in Handschellen?
Italienischer
Gast: Nun ja, ich hatte keine Probleme. Ich hatte etwas Wasser und
Kekse dabei. (Kein von ihnen dort verarbreichtes Essen oder Wasser.) Mir
war es gestattet, auf die Toilette zu gehen. Aber dies nur, weil sie
nicht den tatsächlichen Grund wußten, warum ich dort war. Ich war
nicht in Handschellen.
Mediacenter:
Wie lange haben Sie vor, hier zu bleiben?
Italienischer
Gast: Mindestens eine Woche.
Mediacenter:
Haben Sie vor, sich an Demonstrationen und anderen Aktionen zu
beteiligen?
Italienischer
Gast: Ja, ganz sicher. Auch die Gruppen aktiver Menschen in Italien
haben derzeit vor, Demonstrationen in Italien gegen die Entscheidung
europäischer Fluggesellschaften zu machen, weil Passagieren dort das
Betreten der Flugzeuge verweigert wird. Das ist rechtswidrig, wirklich
rechtswidrig.
Ich
möchte das heute mal sagen: Wir als in Europa aktive Menschen
begreifen, dass wir gegenwärtig nicht in Demokratien leben. Wir sind
besetzt worden, genau wie die Palästinenser besetzt worden sind. Wir dürfen
nicht mal aus freiem Willen ein Flugzeug aus unseren Ländern von
unseren eigenen Fluggesellschaften nehmen. Unsere Regierungen, die wir
in demokratischen Wahlen wählten, treffen derzeit nicht die
Entscheidungen, die wir von ihnen getan haben wollen. Sie tun derzeit
genau das, was Israel ihnen da zu tun sagt. Das gilt für Italien,
Deutschland, Griechenland und Belgien. Das gilt für alle Länder, die
ihren Passagieren die Reise verweigern, sei es auf Schiffen, sei es in
Flugzeugen. Wir müssen gegen die Besetzung genau so auch in unseren
eigenen Ländern kämpfen.
Mediacenter:
Können Sie etwas über Italiens Politik gegenüber Israel sagen?
Italienischer
Gast: Unsere Regierung, welche die Berlusconi-Regierung ist, gehört
zu jenen Regierungen, die wirklich pro Israel sind. Als Berlusconi
Israel besuchte, da sagte er, dass Israel eine großartige Demokratie
ist, und dass Israel die Menschenrechte respektiert. Als er die palästinensischen
Gebiete besuchte und gefragt wurde, was er über die Mauer denkt, da
antwortete er, dass er keine Mauer gesehen hat. Das ist es, was unser Präsident
sagte. Er sagte, dass Italien alles unterstützen wird, was Israel tut.
Wir
müssen wirklich dafür kämpfen, dass das Volk nicht für eine
Regierung wie diese in den nächsten Wahlen stimmt. Berlusconi sagte all
das vor nur wenigen Monaten, als er Israel offiziell besuchte. Wir
fragten in diesen Tagen bei unserem Außenminister an, sich bei uns zu
beteiligen, und er sagte nein. Er sagte, dass wir nicht gegen Israels
Willen hierher kommen sollten. Wir sind somit nicht mal mehr Bürger,
wenn wir dort sind. Das ist sogar für US-Bürger zutreffend.
Mediacenter:
Können Sie über die Bedingungen für Palästina-Solidaritätsfreunde
in Italien sprechen?
Italienischer
Gast: In Italien sind die Bedingungen für die Palästina-Solidaritätsbewegung
sehr gut. Im vorigen Jahr nahmen wir an der Viva Palästina - Kampagne
teil. Wir erhielten zehntausende Medikamente für palästinensische
Krankenhäuser und Rollstühle für palästinensische Patienten. Auch
erhielten wir Druckpapier und Drucker für Gaza, die dort verboten sind.
Einer unserer Freunde beteiligte sich daran, die Medikamente in den
Gaza-Streifen zu bringen. Wir veranstalten jeden Monat Demonstrationen
von Nord- bis Süditalien. Wir laden gegenwärtig palästinensische
aktive Menschen dazu ein, nach Italien zu kommen. Wir organisieren
Pressemitteilungen, um der Bevölkerung zu erklären, was da vor sich
geht. Wir stehen in Abstimmungen mit anderen Gruppen in Großbritannien,
Deutschland und Frankreich. Wir sind eine Art Netzwerk.
Mediacenter:
Warum ist nach Ihrer Meinung die Beziehung zwischen Italien und Israel
so stark?
Italienischer
Gast: Ich meine, dass Italien und Israel eine Menge an gemeinsamen
Interessen haben. Sie arbeiten sehr stark in der Waffenindustrie
zusammen. Gerade mal vor zwei Wochen gab es eine große Ausstellung in
Mailand, wo alle israelischen Hochtechnologie-Firmen kamen und ihre
Produkte vorstellten, um geschäftliche Beziehungen zwischen den Rüstungsfirmen
Italiens und Israels auf- und auszubauen. Leider gibt es da wirklich
eine starke Verbindung zwischen unseren Ländern. Die israelische Lobby
ist wirklich stark in Italien. Sie kontrollieren derzeit sehr gut die
Medien.
Aber
wir haben auch einige jüdische aktive Leute dort, die gegenwärtig die
Sache der Palästinenser unterstützen. Das sind nur wenige, aber sie
sind sehr aktiv. Das ist ein positiver Punkt.
Mediacenter:
Welche Schritte wird Ihrer Meinung nach diese Kampagne unternehmen, um
mehr Bewußtsein über die Sache Palästinas und seines Volkes zu
wecken? Vor allem hinsichtlich der Medienbeachtung, die es gegeben hat.
Italienischer
Gast: Ich bin 100% sicher, dass es mehr Bewußtsein geben wird. Die
Tatsache, dass 95% der internationalen Gäste Palästina nicht erreichen
konnten, ist nicht so negativ. Weil jetzt unsere eigenen Länder
mitansehen, dass wir nicht wirklich frei darin sind zu tun, was wir tun
wollen.
Es
gab Demonstrationen an den Flughäfen, was wirklich gut ist. Unsere
Medien sind jetzt gezwungen, über diese Sache zu sprechen. Die Menschen
in Europa fragen, was da passiert ist. Wer sind jene Leute? Warum wurde
ihnen die Einreise verweigert? Und die Medien können sich dem nicht
verschließen. Die ganze Welt redet derzeit darüber.
Ich
bin sicher, dass noch mehr Menschen kommen werden. Israel kann aktive
Menschen nicht daran hindern, hierher zu kommen. Ich bin sicher, dass
jedes Jahr mehr Menschen herkommen werden. Vor allem jetzt, denn wir
haben mehr Technologie, zum Beispiel Facebook und Twitter. Wir stehen
alle miteinander in Verbindung. Nachdem die Menschen in Palästina
demonstriert haben, kann das Volk dies in Italien, Spanien und in Großbritannien
sehen.
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