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Willkommen in Palästina“ 

DIENSTAG, 5. JULI 2011

Hunderte aus Palästina und aus aller Welt bringen sich in die Veranstaltungen vom 8.-16. Juli ein

Ca. 40 palästinensische Massenorganisationen, Volkswiderstandskomitees und politische Gruppierungen kündigen den Beginn der Initiative „Willkommen in Palästina“ vom 8. bis 16. Juli an. Es werden hunderte Menschen aus aller Welt gemeinsam mit hunderten Palästinensern für Frieden arbeiten. Diese hunderte Männer, Frauen und Kinder werden am 8. Juli am Flughafen Lod ankommen. Die internationale Gemeinschaft muß das Grundrecht anerkennen, Besucher aus dem Ausland in Palästina zu empfangen und das Recht der Bürger aus Ländern in aller Welt unterstützen, unbehelligt nach Palästina zu reisen. Während Israel daran arbeitet, uns zu isolieren, laden wir alle ein, offen und stolz bei uns zu sein. Wir nehmen die Bestrebungen nicht hin, uns ins abseits stellen zu lassen oder uns dazu zu zwingen, nicht ganz ehrlich zu sprechen.

Diese Juli-Initiative erfolgt in einer geplanten Reihe von Veranstaltungen und folgt ähnlichen Veranstaltungen, welche im Dezember unter der Losung „Apartheid und ethnische Säuberung beenden“ stattfanden. Die Woche der Veranstaltungen beginnt am 9. Juli, weil dies der Jahrestag ist, an dem der Internationale Gerichtshof sein Urteil über die Rechtswidrigkeit der Siedlungen und der Apartheid-Mauer in den besetzten palästinensischen Territorien verkündete. Dies ist zugleich der Jahrestag der palästinensischen Zivilgesellschaft mit ihrem Aktionsaufruf: 9. Juli Gebiet Ramallah, 10. Juli Gebiet Bethlehem, 11. Juli Hebron und Jordantal, 13. Juli Neqab, 14./15. Juli Jerusalem.

Die Juli-Initiative „Willkommen in Palästina“ wird Teilnehmer aus Palästina und aller Welt in verschiedene Teile von Palästina vom Norden bis nach Negev führen und die Kraft der Gewaltlosigkeit und der Anstrengungen für die Schaffung des Friedens hervorheben. Die Besucher werden vor Ort untergebracht werden. Sie werden die palästinensische Gastfreundschaft und ein Programm voller Begegnungen, Bekanntschaften und freiwilliger Friedensarbeit in palästinensischen Städten und Dörfern zusammen mit hunderten Aktivisten vor Ort geniessen.

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MITTWOCH, 6. JULI 2011

Die Organisatoren von „Willkommen in Palästina“ prangern israelische Propagandabestrebungen an

Bethlehem und Jerusalem. - Die Organisatoren der Initiative „Willkommen in Palästina“  prangern die zahlreichen Versuche israelischer und anderer Medien an, unsere Botschaft  und unsere geplanten Veranstaltungen zu verzerren. Es gab Meldungen mit der Behauptung, wir würden versuchen, Gaza zu erreichen, indem wir uns zum Flughafen Lod (bzw. Ben Gurion - Flughafen) am 8. Juli begeben würden. Einige Meldungen behaupteten, dass diese Initiative erfolgte, nachdem die Hilfsflotte blockiert wurde. Andere Meldungen behaupteten, unsere Besucher würden Sachbeschädigungen am Flughaven vorhaben. Und einige Meldungen behaupteten sogar, sie würden versuchen, Flugzeuge zu kapern. Diese Behauptungen und vieles mehr, was derzeit kursiert, sind falsch. Wir fordern die Medien dringend auf, keine Falschmeldungen zu verbreiten.

Wie in unserer ersten Presseverlautbarung steht: Wir laden internationale Gäste ein, darunter Familien, um uns in Palästina zu besuchen. Wir hoffen und erwarten von den israelischen Behörden, dass sie ihnen die sichere Durchreise gemäß internationalem Recht und normalen diplomatischen bilateralen Protokollen gewähren.

Wir sind für die Medien zugänglich. Wir ermutigen sie, mit den derzeitigen Organisatoren und Teilnehmern dieser friedlichen Initiative zu sprechen. Mit uns werden Journalisten fliegen. Und wir ermutigen weitere Journalisten, bei uns zu sein und über das gegenwärtige Geschehen zu berichten (und zwar ohne die Anspielungen und Propagandabestrebungen israelischer Herkunft).

Unsere Besucher kommen nach Palästina mit der gewaltfreien Absicht, den Frieden zu schaffen und den Konflikt zu lösen, bei voller Beachtung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Wir fordern die israelischen Behörden dringend auf, den Journalisten den Zugang zu unseren Teilnehmern zu gestatten und die wahrheitsgemäße Story des „Willkommen in Palästina“ zu berichten.

Palästinenser und Menschen aus aller Welt dazu einzuladen, bei uns zu sein, ist unser Recht als Volk unter kolonialer Besatzung, welches sich danach sehnt, frei zu sein.

Freitag, 8. Juli, um 10 Uhr wird eine Pressekonferenz im Bethlehem Peace Center in Bethlehem stattfinden.

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Donnerstag, 7. Juli 2011

Willkommen in Palästina: Aktivisten wollen friedlich Flughafen passieren

Bethlehem und Jerusalem - Die israelischen Behörden verschärfen beispiellos die Sicherheitsmaßnahmen wegen der Ankunft hunderter Gäste aus aller Welt am Ben Gurion Flughafen am Freitag. Israels Premierminister wies den Minister für Innere Sicherheit an, dass die israelischen Behörden „entschlossen vorgehen“. Netanjahu erklärte auch, dass „jedes Land Störern und Provokateuren verbieten darf, sein Territorium zu betreten“.

Die aus den USA und Europa kommenden Gäste haben geäußert, dass sie gewaltfreie Friedensfreunde sind. Sie haben bekundet, dass die Gerüchte über geplante Proteste oder sogar  Einrichten von Protestcamps im Ben Gurion Flughafen falsch sind. Sie haben gesagt, dass sie lediglich durch Israel im Transit auf dem Weg nach Palästina reisen wollen, weil sie von Palästinensern eingeladen worden sind, um zu ihnen zu kommen und Palästina zu helfen.

Wenn die Gäste aus aller Welt nur im Transit durch Israel reisen, stellen sie keinerlei Bedrohung für Israel dar. Bevor sie in die Flugzeuge Richtung Ben Gurion Flughafen steigen, werden die Gäste die sorgfältigen Sicherheitskontrollen auf verschiedenen europäischen Flughäfen ihrer Abflüge passieren müssen. Das Argument, die Gäste könnten bewaffnete „Terroristen“ sein, ist einfach unglaubwürdig und in Wahrheit lächerlich.

Anscheinend bedroht werden die israelischen Behörden, weil diese Gäste vorhaben, die Wahrheit zu erzählen. Aber wahrheitsgemäß auszusagen ist die Vorbedingung gemäßt dem „Einreisegesetz nach Israel, Artikel 12 (2). Dies besagt, dass das Geben von „falscher Information“ zur Erlangung eines Visums „strafbar mit Freiheitsentzug“ ist. Bisher gaben viele Gäste „falsche Information“, einfach nur um ein Visum zu erhalten, wenn sie die Passkontrolle durchliefen und auf ihrem Weg nach Palästina waren. Die Gäste, welche am 8. Juli dorthin fliegen, werden einfach die Wahrheit sagen, wie es laut israelischem Gesetz erforderlich ist. Dafür müßten sie eher geehrt anstatt bestraft werden.

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Wie einem italienische Gast der Initiative „Willkommen in Palästina“ die Einreise in Israel gelang

INTERVIEW MIT ITALIENISCHEM AKTIV ENGAGIERTEN PALÄSTINA-TOURIST

(9. Juli 2011)

Auf Kommunisten-online am 19. Juli 2011 –

Media Center: Sie kamen gestern an?

Italienischer Gast: Ich kam vor ein paar Tagen an.

Mediacenter: Sind Sie Teil der Initiative „Willkommen in Palästina“?

Italienischer Gast: Ja

Mediacenter: Was sagten Sie den israelischen Sicherheitsbeamten am Flughafen?

Italienischer Gast: Ich erzählte ihnen nur, dass ich zum Tourismus hier bin.

Mediacenter: Stellten sie Ihnen weitere Fragen?

Italienischer Gast: Ja, eine Menge. 11 Stunden lang. Jede Stunde oder jede halbe Stunde kam irgend jemand und stellte mir eine Menge Fragen. Ob ich hier Leute kenne. Welche Interessen ich habe. Fragen über meine Frau. Über meine Arbeit. Sehr, sehr detailliert. Spezifische Fragen über die Menschen, die ich hier kenne. Sie wollten Antwort auf sehr detaillierte Fragen, wie beispielsweise wo ich mich aufhalten will, wo ich schlafen will. Sie wiederholten dieselben Fragen zehn mal. Ich mußte manche gleiche Fragen 20 oder 30 mal beantworten. Ich bekam mit, dass vielen Menschen die Einreise verweigert wurde.

Mediacenter: Sie wußten also, dass Sie gerade nach Paläsina kommen. Wußten sie auch, dass Sie wegen der Initiative da sind?

Italienischer Gast: Nein. Sie dachten, dass ich gerade wegen Tourismus nach Palästina komme.

Mediacenter: Sind Sie mit anderen aktiven Teilnehmern am Flughafen eingereist?

Italienischer Gast: Nein. Nicht, dass ich wüßte! Ich sah nur mit an, dass einer Menge Menschen die Einreise verweigert wurde. Ich sah auch Menschen, bei denen ich annehme, dass sie nicht aktiv engagiert sind, - viele US-Amerikaner palästinensischer Herkunft. Ihnen wurde ohne jede Erklärung die Einreise verweigert. Sie verweigern sogar Ausländern palästinensischer Herkunft die Einreise, nicht nur den aktiv für Palästina sich engagierenden Leuten.

Mediacenter: Wieviele andere Menschen haben Sie gesehen, als Sie befragt wurden?

Italienischer Gast: Viele Menschen. Ich kann sagen, dass einige von ihnen palästinensischer Herkunft waren. Andere waren aus Europa und den USA. In den 11 Stunden sah ich mindestens 50 Menschen. Ich kann sagen, dass mindestens 20 von ihnen die Einreise verweigert wurde.

Mediacenter: Wie konkret waren Sie mit Ihren Antworten?

Italienischer Gast: Zum Beispiel fragten sie mich den ganzen Tag lang, was meine Pläne sind. Wo ich zu schlafen vorhabe. Welche Leute ich zu treffen vorhabe. Konkrete Information über meine Familie. Über das Leben meiner Freunde und über meine Arbeit. Welche Kunden ich habe. Ich sagte überhaupt nichts über die palästinensische Initiative für diese Woche, zu der ich hierher gekommen bin. Ich antwortete ihnen sehr ehrlich. Aber ich sagte ihnen, dass ich wegen Tourismus hierher gekommen bin. Sie fragten mich nicht, ob ich mich mit irgendwelchen aktiv engagierten Leuten treffen werde. Sie fragten mich nicht konkret, ob ich ein aktiv engagierter Mensch bin. Ich erzählte ihnen nichts über meine konkreten Aktivitäten. Deshalb bin ich hier.

Mediacenter: Sind Sie jemals zuvor in Palästina gewesen? Und wenn ja, wurden Sie damals auch dermaßen befragt?

Italienischer Gast: Ja, voriges Jahr genau dasselbe. Ich erzählte ihnen dasselbe im vorigen Jahr.

Mediacenter: Können Sie sagen, was Ihr Plan für diese Woche ist? Was wollen Sie bei dieser Initiative herauskommen sehen?

Italienischer Gast: Ich möchte mich dieser Initiative in dieser Woche anschließen, um mehr Informationen über das Leben der Palästinenser zu bekommen. So dass ich, wenn ich nach Italien zurückkehre, so viel wie möglich über die tatsächliche Situation der Palästinenser berichten kann. Die Medien in Italien sagen immer falsche Dinge über die Situation in Palästina. Sie sagen, dass die Palästinenser Terroristen sind und Israel das Recht hat, sie zu stoppen. Sie sagen, dass es keine Besetzung gibt. Und die Italiener wissen nicht viel über die Besetzung.

Mediacenter: Wie haben Sie diese Initiative herausgefunden?

Italienischer Gast: Ich gehöre zu einer Solidaritätskampagne für Palästina in Italien. Und wir sind stets informiert über diese Initiativen. Wir sind ein Netzwerk von aktiv sich solidarisch für Palästina engagierenden Menschen in Italien.

Mediacenter: Kennen Sie andere italienische aktiv solidarische Menschen hier?

Italienischer Gast: Nein, nicht bei dieser Initiative.

Mediacenter: Kommen wir zurück auf das Befragungsverfahren. Können Sie die Atmosphäre beschreiben? Malen Sie uns ein Bild davon, damit wir fühlen können, wie es da zuging.

Italienischer Gast: Dieses Mal hatte ich keine größeren Probleme, weil ich ihnen nicht direkt erzählt habe, dass ich wegen dieser Kampagne hier bin. Aber sie waren äußerst verdächtigend! Einige von ihnen waren höflich und sprachen freundlich. Andere von ihnen sprachen mich mit harten Worten an. Sie wurden laut. Auch ein wenig bedrohlich. Aber nicht viel, wenn ich es mal mit jenen vergleiche, die da ganz direkt erklärten, dass sie gekommen sind, um an der Kampagne teilzunehmen.

Diese Menschen wurden in ganz schlechter Manier verhört. Die Atmosphäre im allgemeinen ist eine Atmosphäre der Unterdrückung. Man fühlt sich wirklich sehr in Bedrängnis. Man fühlt sich wirklich wie im Käfig. Sie kontrollieren dich laufend. Sie wollen deine Handlungen und deine Gedanken kontrollieren. Es kann sein, dass du da etwas die Situation der Palästinenser verstehst. Sie leben in einem Gefängnis. Es ist so, also ob man nicht mit Menschen spricht. Man spricht dort mit Robotern.

Mediacenter: Haben Sie etwas zu essen oder Wasser erhalten? Konnten Sie mal auf die Toilette gehen? Waren Sie in Handschellen?

Italienischer Gast: Nun ja, ich hatte keine Probleme. Ich hatte etwas Wasser und Kekse dabei. (Kein von ihnen dort verarbreichtes Essen oder Wasser.) Mir war es gestattet, auf die Toilette zu gehen. Aber dies nur, weil sie nicht den tatsächlichen Grund wußten, warum ich dort war. Ich war nicht in Handschellen.

Mediacenter: Wie lange haben Sie vor, hier zu bleiben?

Italienischer Gast: Mindestens eine Woche.

Mediacenter: Haben Sie vor, sich an Demonstrationen und anderen Aktionen zu beteiligen?

Italienischer Gast: Ja, ganz sicher. Auch die Gruppen aktiver Menschen in Italien haben derzeit vor, Demonstrationen in Italien gegen die Entscheidung europäischer Fluggesellschaften zu machen, weil Passagieren dort das Betreten der Flugzeuge verweigert wird. Das ist rechtswidrig, wirklich rechtswidrig.

Ich möchte das heute mal sagen: Wir als in Europa aktive Menschen begreifen, dass wir gegenwärtig nicht in Demokratien leben. Wir sind besetzt worden, genau wie die Palästinenser besetzt worden sind. Wir dürfen nicht mal aus freiem Willen ein Flugzeug aus unseren Ländern von unseren eigenen Fluggesellschaften nehmen. Unsere Regierungen, die wir in demokratischen Wahlen wählten, treffen derzeit nicht die Entscheidungen, die wir von ihnen getan haben wollen. Sie tun derzeit genau das, was Israel ihnen da zu tun sagt. Das gilt für Italien, Deutschland, Griechenland und Belgien. Das gilt für alle Länder, die ihren Passagieren die Reise verweigern, sei es auf Schiffen, sei es in Flugzeugen. Wir müssen gegen die Besetzung genau so auch in unseren eigenen Ländern kämpfen.

Mediacenter: Können Sie etwas über Italiens Politik gegenüber Israel sagen?

Italienischer Gast: Unsere Regierung, welche die Berlusconi-Regierung ist, gehört zu jenen Regierungen, die wirklich pro Israel sind. Als Berlusconi Israel besuchte, da sagte er, dass Israel eine großartige Demokratie ist, und dass Israel die Menschenrechte respektiert. Als er die palästinensischen Gebiete besuchte und gefragt wurde, was er über die Mauer denkt, da antwortete er, dass er keine Mauer gesehen hat. Das ist es, was unser Präsident sagte. Er sagte, dass Italien alles unterstützen wird, was Israel tut.

Wir müssen wirklich dafür kämpfen, dass das Volk nicht für eine Regierung wie diese in den nächsten Wahlen stimmt. Berlusconi sagte all das vor nur wenigen Monaten, als er Israel offiziell besuchte. Wir fragten in diesen Tagen bei unserem Außenminister an, sich bei uns zu beteiligen, und er sagte nein. Er sagte, dass wir nicht gegen Israels Willen hierher kommen sollten. Wir sind somit nicht mal mehr Bürger, wenn wir dort sind. Das ist sogar für US-Bürger zutreffend.

Mediacenter: Können Sie über die Bedingungen für Palästina-Solidaritätsfreunde in Italien sprechen?

Italienischer Gast: In Italien sind die Bedingungen für die Palästina-Solidaritätsbewegung sehr gut. Im vorigen Jahr nahmen wir an der Viva Palästina - Kampagne teil. Wir erhielten zehntausende Medikamente für palästinensische Krankenhäuser und Rollstühle für palästinensische Patienten. Auch erhielten wir Druckpapier und Drucker für Gaza, die dort verboten sind. Einer unserer Freunde beteiligte sich daran, die Medikamente in den Gaza-Streifen zu bringen. Wir veranstalten jeden Monat Demonstrationen von Nord- bis Süditalien. Wir laden gegenwärtig palästinensische aktive Menschen dazu ein, nach Italien zu kommen. Wir organisieren Pressemitteilungen, um der Bevölkerung zu erklären, was da vor sich geht. Wir stehen in Abstimmungen mit anderen Gruppen in Großbritannien, Deutschland und Frankreich. Wir sind eine Art Netzwerk.

Mediacenter: Warum ist nach Ihrer Meinung die Beziehung zwischen Italien und Israel so stark?

Italienischer Gast: Ich meine, dass Italien und Israel eine Menge an gemeinsamen Interessen haben. Sie arbeiten sehr stark in der Waffenindustrie zusammen. Gerade mal vor zwei Wochen gab es eine große Ausstellung in Mailand, wo alle israelischen Hochtechnologie-Firmen kamen und ihre Produkte vorstellten, um geschäftliche Beziehungen zwischen den Rüstungsfirmen Italiens und Israels auf- und auszubauen. Leider gibt es da wirklich eine starke Verbindung zwischen unseren Ländern. Die israelische Lobby ist wirklich stark in Italien. Sie kontrollieren derzeit sehr gut die Medien.

Aber wir haben auch einige jüdische aktive Leute dort, die gegenwärtig die Sache der Palästinenser unterstützen. Das sind nur wenige, aber sie sind sehr aktiv. Das ist ein positiver Punkt.

Mediacenter: Welche Schritte wird Ihrer Meinung nach diese Kampagne unternehmen, um mehr Bewußtsein über die Sache Palästinas und seines Volkes zu wecken? Vor allem hinsichtlich der Medienbeachtung, die es gegeben hat.

Italienischer Gast: Ich bin 100% sicher, dass es mehr Bewußtsein geben wird. Die Tatsache, dass 95% der internationalen Gäste Palästina nicht erreichen konnten, ist nicht so negativ. Weil jetzt unsere eigenen Länder mitansehen, dass wir nicht wirklich frei darin sind zu tun, was wir tun wollen.

Es gab Demonstrationen an den Flughäfen, was wirklich gut ist. Unsere Medien sind jetzt gezwungen, über diese Sache zu sprechen. Die Menschen in Europa fragen, was da passiert ist. Wer sind jene Leute? Warum wurde ihnen die Einreise verweigert? Und die Medien können sich dem nicht verschließen. Die ganze Welt redet derzeit darüber.

Ich bin sicher, dass noch mehr Menschen kommen werden. Israel kann aktive Menschen nicht daran hindern, hierher zu kommen. Ich bin sicher, dass jedes Jahr mehr Menschen herkommen werden. Vor allem jetzt, denn wir haben mehr Technologie, zum Beispiel Facebook und Twitter. Wir stehen alle miteinander in Verbindung. Nachdem die Menschen in Palästina demonstriert haben, kann das Volk dies in Italien, Spanien und in Großbritannien sehen.

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INTERVIEW MIT ANAN ODEH, RECHTSANWALT, MIT AL-DAMIR

Auf Kommunisten-online am 19. Juli 2011 –Anan kam gerade aus dem Gefängnis von Ramleh. Er traf sich mit anderen Gefangenen, darunter Dr. Hikmat Al-Sabti, dem es momentan gut geht. Als ich Anan fragte, wie es ihm geht, kam seine Antwort in weichen Worten, aber entschlossen: „Mir geht es gut!“

Anan erzählt mir: „Heute fanden wir heraus, dass sie einige Gefangene in andere Gefängnisse verbracht haben, darunter Givon in Ramleh. Wir gingen in das Gefängnis, um Antworten zu erhalten und herauszufinden, wo diese anderen Gefangenen sind. Zuerst erhielten wir keinerlei klare Antwort. Dann beantragten wir formell die Besuchserlaubnis. Dies wurde verweigert, was nicht hinnehmbar ist, weil diese Menschen das Recht haben, einen Anwalt zu empfangen.“

Anan weiter: „Heute mittag kamen wir beim Gefängnis an. Drei Stunden bevor das Gefängnis schließen würde, erhielten wir die Erlaubnis, mit den Gefangenen zu sprechen. Um 15 Uhr wurde uns erlaubt, das Gefängnis zu betreten, wo wir die Gefangenen trafen. Wir fanden heraus, dass ca. 70 Menschen dort aus verschiedenen Ländern und mit verschiedenen Altersklassen inhaftiert worden sind. Das Verhältnis von Mannern und Frauen war 50:50.“

Dann sprach Anan über seine Gespräche mit den Gefangenen in diesem Gefängnis: „Ich sprach nur mit neun von ihnen. Sie kamen aus England, den USA, Irland, Schottland, Belgien und Deutschland. Ich hörte von ihnen, was da am Flughafen auf eine zuvor erfolgte Ankündigung hin losgewesen war. Als sie dort gerade an der Paßkontrolle ankamen, wurden sie gefragt, wohin sie reisen wollen, und wie lange sie bleiben wollen. Sie antworteten, dass sie eingeladen sind, an der Initiative 'Willkommen in Palästina' in Bethlehem teilzunehmen. Nachdem sie dies gesagt hatten, wurden sie sofort an die Seite gestellt. Nach einer Weile wurden sie ohne jede Erklärung in einen kleinen Raum gebracht. Sie wurden ein paar Stunden lang inhaftiert.

Ohne den Gefangenen zu sagen, wie lange sie zu warten hätten, hielt man sie vier Stunden lang fest. Am Abend wurden sie auf Lastwagen verladen, die normalerweise Gefangenentransporte vornehmen. Diese Metall-Lastwagen mit Metallstühlen sind sehr schmal. Mindestens 12 Menschen wurden in einen dieser Lastwagen geladen und dort längere Zeit ohne Nahrung, Getränke oder Klimatisierung belassen. Nach einigen Stunden baten sie um Essen und Getränke, aber sie erhielten nichts.

Das war für mich schockierend anzuhören, denn unter ihnen waren etliche ältere Männer, die da festgenommen worden waren. Darunter ein irischer und ein britischer Mann im Alter von jeweils 73 bzw. 83 Jahren. Diese Männer in einen kleinen Transporter von einem Meter Breite mit 10 weiteren Personen zu stecken und sie ohne Nahrung und Getränke über vier Stunden lang darin festzuhalten, ist einfach erschütternd.“

Heute bekam Anan Hergänge darüber zu hören, wie die Polizei die Gruppe der Reisenden am Flughafen angriff. Das war ein rasches und gewaltsames Vorgehen. Eine irische Frau erzählte ihm, wie die Gruppe von mindestens 25 Soldaten und Sicherheitsbeamten eingekesselt wurde. Da sie provoziert wurden, brüllte ein Mann zum Sicherheitspersonal, bevor er dann von den Soldaten geschlagen wurde und anschließend grundlos Handschellen angelegt bekam. „Ich traf diesen Mann heute im Gefängnis. Und die Verletzungen an seiner Hand und in seinem Nacken sind immer noch zu sehen.“

Nachdem sie in den Gefangenentransporter verladen und dort etliche Stunden außerhalb des Flughafen abgewartet hatten, wurden die Gefangenen in das Gefängnis in Ramleh gebracht. Als sie zum Gefangenentransporer gebracht wurden, sagte man ihnen, dass sie in ein Hotel gebracht werden würden, bevor sie zurück nach Hause abgeschoben werden würden. Ohne jede zusätzliche Information oder Erklärung mußten sie um 3 Uhr morgens herausfinden, dass sie da derzeit in einem Gefängnis waren.

„Die meisten von ihnen kamen um 16 Uhr am Flughafen an. Und bis sie im Gefängnis ankamen, mußten sie die ganze Zeit ohne Essen und Trinken auskommen. All ihr Gepäck wurde ihnen am Flughafen abgenommen, ebenso ihr Geld.“

Bis jetzt hat Anan keine Nachrichten über die Menschen, ob sie aus diesem Gefängnis freigelassen wurden. Als er mit den Gefangenen sprach, bestätigten einige von ihnen, dass sie sowieso zurückkehren müßten, schon wegen ihrer Arbeit.

Die meisten Gefangenen hofften jedoch. „Sie weigern sich, heimgeschickt zu werden und sind wirklich motiviert, irgendwie nach Bethlehem zu kommen, um an der friedlichen Initiative 'Willkommen in Palästina' teilzunehmen.“

Quelle:

http://welcometopalestinenews.blogspot.com/2011/07/interview-with-italian-activist.html

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