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Zu den Folgen der US-imperialistischen
Kriegsverbrechen im Irak
BAGDAD:
STADT
DER WITWEN
von Tomás Alcoverro, La Vanguardia
(Spanien)
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Havanna,
11. September 2010, Cubadebate. (auf Kommunisten-online am 15. September
2010) - In
einem schmutzigen Müllgelände des Stadtviertels Goduk Shula von Bagdad
ist von sehr verelendeten Flüchtlingen aus den Bürgerkriegszuständen
und Evakuierten ein Slum aus grauen Wellblechhütten errichtet worden,
in welchem ca. 1000 Witwen mit ihren Kindern leben. Die Ehemänner
dieser Witwen wurden in Abu Ghraib, Falludscha und Al-Anbar ermordet.
Die Provinzbehörden stellen diesen Menschen seit fünf Jahren diese erbärmlichen
Wellblechquartiere entlang von Straßen und umgeben mit einer Mauer zur
Verfügung. Im Sommer lebt man darin wie in einem Ofen, und im Winter
wird so eine Wellblechhütte zu einem Kühlschrank.
Der
Ehemann von Haila Ali Salih wurde wegen Al-Quaida in Abu Ghraib
ermordet. Der Gatte von Samira Kafjadi wurde gewaltsam entführt vor
drei Jahren und ist seitdem unbekannt verschollen. Die beiden
schiitischen Frauen im Alter von nicht einmal 30 Jahren tragen den
Schador und kümmern sich um ihre zahlreichen kleinen Kinder. Sie sagen,
dass sie verlassen von allen Göttern leben würden. Sie bekommen kaum
Hilfe, mal gerade etwas Geld alle zwei Monate. Jetzt im Ramadan
versorgen sie sich aus Armengaben, die von muslimischen
Hilfsorganisationen verteilt werden.
Ein
aus seinem Dorf geflohener alter Lehrer erzählt davon, dass sie kamen
und vier seiner Söhne gewaltsam entführten, sie ermordeten und ihre
Leichname den Hunden zum Fraße vorgeworfen hatten. Dieser alte Herr ist
jetzt der Muktar oder Vorsteher der Slumsiedlung. Hamid Abu Muhamad ist
ein kräftiger und aufsässiger Mann, der auf die Korruption der
Regierungsbehörden und die Spaltung des Landes schimpft. Er
unterscheidet zwischen den Kräften, die sich für den Iran stark machen
und jenen, die Saudi-Arabien vorziehen: „Irak ist wie ein schwarzer
Kater, eingeschlossen in einem dunklen Hort, wo das Land blind um sich
herum sucht“, erklärt er. Hamid Abu Muhamad überwacht das Verhalten
der Bewohner des Slums. Das ist kein Spaß. In der vergangenen Woche
vertrieb er einige Witwen aus ihren Welleblechhütten und beschuldigte
sie unsittlicher Handlungen. Oder warum sonst hätten sie sich in ihren
elenden Hütten mit Fremden eingeschlossen.
Sehr
häufig wird in der schiitischen Bevölkerung Iraks die Muta
praktiziert, die zeitweilige Ehe. Das islamische Recht kennt die ständige
und die zeitweilige Ehe. Der zeitweilige Ehevertrag kann vor einem
Scheich ohne Trauzeugen geschlossen werden, so dass ein Mann sich mit
einer Frau für eine bestimmte Dauer von Tagen oder Jahren verheiraten
kann. Dieselbe Muta allerdings, die auch im Iran sehr verbreitet ist,
wird von ihren Gegnern als verdeckte Form des Konkubinats oder als
Prostitution betrachtet. Für den Muktar vor Ort im Slum der Witwen ist
es einfach „eine gegen Gott gerichtete Handlung“. Aber in einem
Land, in dem die Wirtschaftskrise den jungen Leuten die Chance zur Gründung
ihres Haushaltes nimmt und unzählige Witwen vorhanden sind, bietet das
religiöse Recht den Rückgriff auf diese Form der Ehe.
In
Bagdad gibt es Beauftragte für diese Eheregister. Sie gehen davon aus,
dass trotz aller unterschiedlichen Auffassungen darüber die Entwicklung
der Gesellschaft die vom Islam geduldeten sexuellen Beziehungen in Form
der Muta erlaubt. Die Witwen sind in einer äußerst schwachen Position
und sehr angreifbar. Es gibt eine Nichtregierungsorganisation der
schiitischen Gemeinschaft, die in Bagdad, Kerbala und Nadschaf sehr
aktiv ist. Sie stellt diesen Frauen benötigte Dienstleistungen als
Heiratsagentur und Hilfe bei den Hausarbeiten zur Verfügung. Die
zeitweiligen Ehen bieten mehr wirtschaftliche und persönliche
Sicherheit für diese verzweifelten Frauen in Not. Wenn die
Regierungsbehörden untätig bleiben, die Probleme der vielen Witwen und
geschiedenen Frauen zu lösen, dann muss die Anwendung dieses religiösen
Rechts Probleme lösen helfen, schon damit die Kinder aus solchen
Beziehungen von ihren Vätern anerkannt werden. Die Zahlen sexueller Übergriffe
und Scheidungen haben in den Jahren der Zerstörung der Gesellschaft des
Irak dramatisch zugenommen.
Quelle:
http://www.cubadebate.cu/ |