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Zimbabwe
Der
Kreis schließt sich - Morgan Tsvangirai bittet USA in Zimbabwe um Hilfe
Quelle:
Freace
vom 13.04.2008
Am
Montag erschien im britischen Guardian ein Kommentar des Anführers der
Opposition in Zimbabwe, Morgan Tsvangirai, in dem er die USA, Großbritannien
und Südafrika aufrief, „den dramatischen Griff von Mugabes selbstmörderischer
Herrschaft zu beenden und ihn und seine Lakaien zu zwingen, zurückzutreten.“
Damit schließt sich auf bemerkenswerte Art ein Kreis, der bereits vor über
vier Jahren begonnen hat.
Damals
waren auf dem Flughafen von Harare in Zimbabwe in einem Flugzeug eine
Gruppe von überwiegend aus Südafrika stammenden Söldnern entdeckt
worden, die in Äquatorial-Guinea einen Putsch gegen die dortige Regierung
unterstützen oder gar leiten sollten. Die Maschine kam aus Südafrika und
war in Harare zwischengelandet, um dort Waffen und Munition für den
Putsch an Bord zu nehmen. Kembo Mohadi, der Innenminister Zimbabwes, sagte
bei einer Pressekonferenz, Simon Mann, einer von drei Männern, die sich
auf dem Flughafen mit den Söldnern treffen wollten und die Operation
anscheinend leiten sollten, habe Angaben zu den Hintermännern des
Putschversuchs gemacht. Demnach wurden sie vom „britischen Secret
Service (MI6), der US-amerikanischen Central Intelligence Agency (CIA) und
dem spanischen Geheimdienst unterstützt“.
Später
wurde bekannt, daß sich unter den festgenommenen Söldnern auch zwei der
drei Eigentümer des südafrikanischen Unternehmens Meteoric Tactical
Solutions (MTS) befanden. MTS wiederum hatte einen Vertrag mit der
britischen Regierung im Wert von 375.000 Euro, um britische Beamte im Irak
zu „schützen“. Darüber hinaus war auch Mark Thatcher, Sohn der früheren
britischen Premierministerin Margaret Thatcher, in den Putschversuch
verstrickt. „Mark Thatcher stellte die Finanzierung für einen Putsch in
Äquatorial-Guinea und dann organisierte er den gesamten Transport für
den Putsch“, sagte José Oló Obono, der Generalstaatsanwalt von Äquatorial-Guinea,
das sich weiterhin um eine Auslieferung Thatchers bemüht. In einem
Verfahren in Südafrika war Thatcher im Jahr 2005 infolge eines Handels
mit der Staatsanwaltschaft zu einer Geldstrafe von 3 Millionen Rand
(damals umgerechnet 500.000 US-Dollar) und einer zur Bewährung
ausgesetzten Gefängnisstrafe von vier Jahren wegen der „unbewußten“
Finanzierung des Putschversuchs verurteilt worden. „Wir verstehen nicht,
wie [Südafrika] ihn nur mit dieser Geldstrafe gehen lassen konnte. In
einer Angelegenheit wie dieser können wir nicht einfach untätig
bleiben“, so Obono weiter. Man habe bereits Interpol um Unterstützung
nach Thatcher untersucht, da „wir wirklich nicht wissen, wo er ist“,
sagte Obono gegenüber AFP. Außerdem wurde ein internationaler Haftbefehl
erlassen.
Schon
wenige Tage nach der Wahl in Zimbabwe berichteten „westliche“ Medien,
Robert Mugabe, der Präsident des Landes, habe seine Niederlage zugegeben
– und damit den Wahlsieg Tsvangirai anerkannt und befinde sich in
„Gesprächen“ hierüber mit seinem Gegner. Dies wurde allerdings
bereits kurz darauf von beiden Seiten vehement bestritten. Es fällt
sicherlich auf, daß es in der Vergangenheit in vergleichbaren Situationen
eines im „Westen“ ungeliebten Herrschers immer wieder zu
entsprechenden Falschmeldungen gekommen ist.
In
der Vergangenheit war der durch eine Wahl im Jahr 1980 – die erste im
Land, nachdem Großbritannien die ehemalige Kolonie in die Freiheit
entlassen hatte - an die Macht gekommene Mugabe seitens des „Westens“
durchweg positiv betrachtet worden. Dies änderte sich insbesondere,
nachdem er das Militär des Landes im Jahr 1999 auf Seiten der Regierung
der Demokratischen Republik Kongo in den 2. Kongo-Krieg – der angesichts
seiner Ausmaße und der auf 5,4 Millionen geschätzten Todesopfer als
„afrikanischer Weltkrieg“ bezeichnet wird – eingreifen ließ.
Laurent-Désiré Kabila, Präsident des Landes seit 1997, war –
zumindest in der Vergangenheit – ein Marxist mit engen Verbindungen zur
Sowjet-Union, China und Kuba. Der zweite Punkt, der den „Westen“ gegen
Mugabe aufbrachte, war dessen „Landreform“, bei der von weißen Bauern
besessenes Land an Schwarze umverteilte – einerseits um das Ackerland in
die Hände der schwarzen Bürger zu geben, andererseits aber auch, um von
den Großbauernhöfen hin zu kleineren zu kommen. Dies geschah ab 1985
durch freiwillige, von Großbritannien zum Teil mitfinanzierte Verkäufe
von Bauern, die nicht länger in Zimbabwe bleiben wollten. Dementsprechend
gering war die Zahl der so verkauften Bauernhöfe. 1992 wurde dann ein
Gesetz erlassen, das es dem Staat ermöglichte, Landbesitzer zum Kauf zu
zwingen. In den Folgejahren wurde dieses Gesetz mit zunehmender Härte
angewendet, woraufhin Großbritannien die finanzielle Unterstützung der
Landreform einstellte. Dabei wurde Mugabe vorgeworfen, das Land zum großen
Teil seinen „Kumpanen“ statt der Bevölkerung des Landes zu geben. Der
Widerstand der Landbesitzer wuchs seit 1992 ebenfalls stark an. Im Jahr
2000 sollte dann schließlich eine neue Verfassung verabschiedet werden,
die es der Regierung erlaubt hätte, sich Land zwecks der Umverteilung
auch ohne finanziellen Ausgleich anzueignen. Bei der Abstimmung über die
neue Verfassung wurde diese allerdings abgelehnt, was sowohl von
Tsvangirais Oppositionspartei MDC („Movement for Democratic Change“,
„Bewegung für einen Demokratischen Wechsel“) als auch ausländischen
Stimmen frenetisch gefeiert wurde. Trotzdem wurden kurze Zeit später
Bauernhöfe weißer Besitzer „besetzt“, was im „Westen“ scharf
kritisiert wurde.
Eine
weitere Kritik an Mugabe bezieht sich neben den zweifelsohne verübten
Menschenrechtsverletzungen auf die dramatisch verschlechterten Lebensumstände
der Bevölkerung des Landes und die rasende Inflation. Der
Weltgesundheitsorganisation zufolge lag die durchschnittliche
Lebenserwartung im Zimbabwe im Jahr 2004 für Männer bei 37 und für
Frauen bei 34 Jahren. Im Jahr 1990 lag dieser Wert noch bei 64 Jahren.
Tatsächlich ist dies allerdings die Folge eines vom Internationalen Währungsfonds
(IMF) geforderten radikalen Sparplans. Später setzte der IMF seine
Hilfszahlungen an Zimbabwe mit der Begründung, die geforderten
„Reformen“ würden nicht wie erwartet umgesetzt, aus. Dies und seit
2000 zunehmend von „westlichen“ Ländern verhängte Sanktionen und
eingestellte Hilfszahlungen trug ohne Zweifel entscheidend zum Niedergang
der Wirtschaft und der Lebensbedingungen der Menschen in Zimbabwe bei. So
war es der Regierung unter Mugabe vor diesen „Maßnahmen“ in der Zeit
zwischen 1980 und 1990 beispielsweise gelungen, die Säuglingssterblichkeit
von 86 auf 49 pro 1.000 Geburten fast zu halbieren. Auch die Quote der
unterernährten Kinder sank in dieser Zeit von 22 auf 12 Prozent, wie auch
die Lebenserwartung von 56 auf 64 Jahre stieg. Auch die Bildung der Bevölkerung
– ein von dem ehemaligen Schullehrer Mugabe bevorzugtes Thema – geht
wieder zurück, nachdem sie ebenfalls aufgrund zahlreicher
Bildungsprogramme in jener Zeit stark angestiegen war.
Und
nun bittet Morgan Tsvangirai mit den USA, Großbritannien und Südafrika
nicht nur genau jene Länder, die an dem Putschversuch in Äquatorial-Guinea
beteiligt waren – mit Ausnahme Spaniens, wo es in der Zwischenzeit zu
einem Regierungs- und damit drastischem Kurswechsel gekommen ist – um
Unterstützung gegen Robert Mugabe, sondern mit den USA und Großbritannien
eben auch genau jene Länder, die federführend bei den zahlreichen
internationalen Maßnahmen gegen Zimbabwe waren. Man mag diesen einen
seltsamen Zufall nennen, wahrscheinlich erscheint dies allerdings kaum. |