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Assisi

Das jährliche Treffen der antiimperialistischen Globalisierungsgegner

aus: junge Welt vom 10.08.01

In Assisi ist es nicht nur den Franziskanermönchen ein Begriff. Sogar der umbrische Touristenverband berichtet auf seiner Homepage darüber: das antiimperialistische Sommerlager. Jährlich treffen hier Ende Juli Hunderte antiimperialistischer Globalisierungsgegner der Region und ganz Europas mit Dutzenden internationalen Delegationen revolutionärer Gruppierungen aus aller Welt zusammen.
Das antiimperialistische Sommercamp Assisi 2001 stand ganz im Zeichen der Kämpfe gegen den G8-Gipfel in Genua, der nur eine Woche vor dem Sommerlager stattfand. In seiner Eröffnungsrede wies Moreno Pasquinelli, internationaler Sprecher der Antiimperialistischen Koordination, auf den Wendepunkt hin, den Genua für die Globalisierungsgegner bedeutet: "Die zivilgesellschaftliche Familie von Seattle wurde in Genua von der staatlichen Repression niedergeknüppelt. Die Anti-Globalisierungsbewegung muss nun nicht nur in ihren Kampfformen über den zivilen Ungehorsam hinausgehen. Vor allem in ihrer politische Alternative zur kapitalistischen Globalisierung gilt es, die moralischen Appelle nach einer besseren Welt und eine Globalisierung von unten zu überwinden. Wir Antiimperialisten haben eine große Verantwortung, um diese wichtige Bewegung weiter zu entwickeln."

Mit einer Schweigeminute für den ermordeten jugendlichen Globalisierungsgegner Carlo Giuliani wurde das Sommerlager diesem ersten Todesopfer der Antiglobalisierungsbewegung gewidmet.

Während einer Woche wurden in zahlreichen Debatten bei glühender Hitze und unter ständigen medial-polizeilichen Drohungen gegen das "terroristischen Lager" - so ein umbrischer Rechtspolitiker in einer parlamentarischen Anfrage, warum die Polizei nicht eingreife - die Auswirkungen der kapitalistischen Globalisierung in der Dritten Welt diskutiert, von den Volkskämpfen aus allen Kontinenten berichtet und gemeinsame Aktionen vorbereitet.
Neben Genua stand die palästinensische Intifada im Mittelpunkt des Camps. Auf Initiative des Vertreters der PFLP wurde für den 28. September ein internationaler Solidaritätstag nach einem Jahr Intifada beschlossen.

In einem Runden-Tisch Gespräch mit Vertretern der PFLP, Palästinensern aus den libanesischen Flüchtlingslagern, einem Delegierten der Afghanischen Befreiungsorganisation ALO und der Nigerianischen Befreiungsbewegung MOLON wurde die Rolle des Islam im antiimperialistischen Kampf diskutiert. Trotz kontroverser Stellungnahmen waren alle Teilnehmer einig, dass die westliche antiislamische Propaganda nur ein Vorwand für die infame imperialistische Einmischung in der arabischen Welt sei.

Ein weiterer Höhepunkt des Sommerlagers war das gemeinsame Auftreten der Vertreter der kolumbianischen Guerillas FARC-EP und ELN. Beide versicherten ihre Übereinstimmung im Kampf gegen Paramilitarismus und US-Intervention sowie für eine tiefgreifende Umwälzung der Verhältnisse im Land und schlossen einen Separatfrieden einer Organisation mit der Regierung aus.


Erstmals waren am antiimperialistischen Camp auch zahlreiche afrikanische Organisationen vertreten, unter anderem aus dem Kongo, Nigeria und Senegal. Sie wiesen auf die zerstörerische Tätigkeit der NGOs am afrikanischen Kontinent hin, die "eine nachhaltige und humanitäre Ausplünderung unserer Länder in der Epoche des globalisierten Neokolonialismus sichern", so
Dr. Bashir Kurfi aus Nigeria.

Auch die nationalen Befreiungsbewegungen Europas aus dem Baskenland, Sardinien und Katalonien waren am antiimperialistischen Camp wieder präsent "Im imperialistischen Europa von Maastricht ist der nationale uns soziale Befreiungskampf der kolonisierten Nationen ein entscheidender Motor für die antiimperialistische Bewegung", so der Vertreter der baskischen Gefangenenorganisation Senideak.

Nach einer Woche intensiver Diskussionen waren sich alle Delegierten und Teilnehmer einig: Die jährlichen antiimperialistischen Treffen müssen weitergehen. Sie sind zu einem entscheidenden Ansatzpunkt für ein zusammenfließen der Befreiungskämpfe der Dritten Welt mit den Antiimperialisten im Westen geworden.

Gernot Bodner, Wien

Weitere Informationen: www.antiimperialista.com

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