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Chile Freundschaftsgesellschaft “Salvador Allende” e.V.

Sociedad de amistad chileno-alemana “Salvador Allende” sociedad registrada

ALLENDE

Berlin, den 3. März 2003

“Am 13. September 2003 mit Allende gegen die Schatten des Faschismus“

Unterstützungsaufruf für eine Gedenkveranstaltung zum 30. Jahrestag des Putsches in Chile und der Ermordung des demokratisch gewählten Präsident Salvador Allende

“Unauslöschliches Datum: 11. September 1973. Über das freie Chile bricht die Nacht faschistischer Barbarei herein... Ein Volk wird in Knechtschaft zurückgeworfen, das einen geschichtlichen Augenblick lang den befreienden Hauch menschenwürdigen Lebens gespürt hat...“ (aus: Chile - Ein Schwarzbuch, 1974).

Heute gibt es Menschen in Chile, die die verbrecherische Rolle der Streitkräfte Chiles während der Diktatur Pinochets bestreiten. In ihren Kreisen wird nur noch von einer Militärregierung statt von der Militärdiktatur gesprochen. Alle diese die historische Wahrheit verfälschenden Äußerungen entkräften nicht die Tatsache, dass es sich in Chile sehr wohl um Staatsterrorismus handelte, der siebzehn Jahre lang Menschenrechtsverbrechen verantwortete. Um eine Fortführung dieser Geschichtsverfälschung zu verhindern, muss die Justiz endlich ihrer Aufgabe nachkommen und die Wahrheit und die Gerechtigkeit durchsetzen, indem der Straflosigkeit endlich ein Ende gesetzt wird. Den Worten müssen Taten folgen: das Gesetz zur Selbstamnestie muss annulliert werden und das Militär muss Informationen über das Verbleiben der in der Diktatur Pinochets Verschwundenen, Verhafteten und der aus politischen Gründen Ermordeten geben. Damit könnte der Leidensweg der Familienangehörigen enden, was eine der notwendigen Voraussetzungen zur Wiederherstellung einer wirklichen Demokratie wäre.

2003 jährt sich zum 30. Mal der Staatstreich, der dem Projekt des Volkes, das unser Genosse Salvador Allende mit der Unidad Popular anführte, ein Ende machen wollte. Hier und heute bekräftigen wir, dass die Ziele und Maßnahmen der Regierung Allendes heute, im Wesentlichen heute noch gerechtfertigt sind: z.B. Nationalisierung und Verteidigung unseres Staatsbesitzes, Teilhabe der arbeitenden Menschen und ihrer Organisationen an den Entscheidungen der produktiven Prozesse, bessere Verteilung der Einkünfte aller, eine gesicherte Erziehung und Gesundheit durch den Staat oder ein halber Liter Milch pro Tag für alle Kinder Chiles usw.

Die Geschichte ins Blickfeld zu rücken ist nicht ein Anflug von Nostalgie. Dieser Rückblick ist durchaus ein ehrhaftes, legitimes Gefühl, wenn er nicht den Blick für die Zukunft trübt sondern ihn erhellt. Diese Geschichte ist die Forderung nach Zukunft, weil Allende nicht nur großer politischer Führer war, sondern auch soziale Bewegungen geschaffen hat. Es gibt heute erhebliche positive Resonanz auf die Errungenschaften der Unidad Popular, die in der Person Allendes vereinigt waren. Deswegen und darüber hinaus verantworten wir ohne Nachsicht unsere Fehler. Anders als andere fühlen wir uns sehr wohl als stolze Erben eines Werkes und einer Regierung deren Teilhaber wir waren. Ob bei Erfolgen oder bei Fehlern: immer war es unser Ziel, den Interessen der arbeitenden Menschen und des Volkes zu dienen.

Die Diktatur Pinochets war ohne Zweifel ein korruptes Regime. Sie hinterließ ein gigantisches Wirtschaftspotential in den Händen der Machthaber und Unterstützer. Ihre Ressource war die stückweise Aneignung der Mehrheit der Staatsunternehmen. Großteile des Staatsbesitzes wurde in die Hände von Zivilisten und Militärs überschrieben, was der Diktatur bei der Installation des neoliberalen Systems in Chile diente.

Die Konzeption der Politik als öffentliche und großzügige Dienstleistung steht hingegen für das Leben und den Tod Allendes. Dieses Politikkonzept wiederzuerlangen muss unsere Aufgabe sein, sonst ließe man den Machthabern einer ungerechten Gesellschaft freien Lauf. Hier liegt auch der Sinn dieser Veranstaltung: das Bildnis Salvador Allendes und seiner Mitstreiter wieder zu entdecken. Sein Gedächtnis ist das Abbild der Geschichte jener Zeit. Die Erinnerung dieses Jahrestages darf sich nicht verwandeln in ein bloßes Erinnern an Märtyrer. Es geht um das historische Erinnern, eng verbunden mit dem aktuellen Kampf um die Wiedererlangung einer tatsächlichen fortschrittlichen Alternative. Für uns ist offensichtlich, dass Allende eine Persönlichkeit war, die nationale und parteiliche Grenzen überschreitet. Diese Veranstaltung ist eine offene Ehrung, weit entfernt von jeglichem Streit oder Absicht der Inbesitznahme. Wir empfinden es als Ehrung, dass der Name Allendes unserer Veranstaltung beiwohnt. Diese Veranstaltung wird den Höhepunkt einer Reihe von Veranstaltungen zum Gedenken an Allende und seine Mitstreiter bilden. Es wäre gut im Verlauf dieses Jahres ein breites Bündnis zu schaffen, das neben vielfältigen Aktivitäten gemeinsam zu einer zentralen politisch kulturellen

Veranstaltung am 6. September 2003 in Berlin aufruft.

Hier sollen Personen aus dem gesamten Bundesgebiet anreisen um das chilenische Volk, das mit der Unidad Popular siegte und seit dem 11. September 1973 gegen die Diktatur Pinochets kämpfte, zu ehren, für die Opfer und gegen die Verräter des Volkes und jene, die weiterhin die Geschichte verfälschen wollen.

Diese Veranstaltung soll ein Höhepunkt eines besonderen Jahres für uns und alle fortschrittlichen Frauen und Männer sein. Hier sollen jene zusammenkommen, die gemeinsam für ein demokratisches und freies Chile eintraten und weiterhin eintreten. Es werden dreißig Jahre in Erinnerung gerufen, nachdem die faschistische Verschwörung die tiefgreifenden Veränderungen zugunsten des Volkes in Chile sabotierte und Salvador Allende sein Leben gab um mit Feuer den Verrat brandzumarken.

Wir bitten dich diesen Aufruf mit zu unterzeichnen, damit wir ein breites Solidaritätsspektrum ansprechen können.

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