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Symposium Imperialismus und Antiimperialistische Solidarität am 8. November 2003 in Wien

Ein Vortrag, der nicht gehalten werden durfte (siehe):

Bedeutung und Entwicklung des europäischen Imperialismus – der Vormachtanspruch des deutschen Imperialismus in Europa

Patrik Köbele

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freunde

Folgende Vorbemerkung möchte ich machen, da doch immer wieder Über- und Fehlinterpretationen meiner Position den Disput eher erschweren denn befördern.

Es ist unstrittig, dass wir es derzeit mit einer militärischen Übermacht des US-Imperialismus im Verhältnis zu den beiden anderen imperialistischen Zentren zu tun haben. Ebenso unstrittig ist, dass der US-Imperialismus damit versucht einen umfassenden Vormachtanspruch zu festigen, auch und gerade indem er sich den Zugriff auf Ressourcen sichert, die im Wettlauf um die ökonomische Vormachtstellung von entscheidender Bedeutung sind. Unstrittig ist auch, dass es derzeit wenig oder gar keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass es innerhalb einer überschaubaren Zeitperiode, also von sagen wir 5-10 Jahren zu direkten militärischen Auseinandersetzungen zwischen den d imperialistischen Zentren, den USA, dem sich umorganisierende europäischen Imperialismus und dem japanischen Imperialismus  kommen wird. Einschränkend muss allerdings hinzugefügt werden, dass dies ein Minimum an Rationalität bei der Entwicklung der unterschiedlichen Strategien dieser Zentren voraussetzt, was zumindest geschichtlich nicht immer so war, denken wir nur an die Kriegsabenteuer des deutschen Imperialismus. Zitate aus dem »Handelsblatt« ersetzen nicht die Analyse, trotzdem sei mir eines gestattet: „Transatlantische Großfusionen machen aus meiner Sicht ökonomisch keinen Sinn. (...) Damit verliert man bei den weiterhin nationalen Kunden auf beiden Seiten.“, so Rainer Hertrich, CEO von EADS, dem zweitgrößten Rüstungskonzern der Welt. Nun, das kann er auch sagen, denn am 27.5.03 gab EADS bekannt von der EU einen Auftrag in Höhe von 20 Milliarden € für das militärische Flugzeugprogramm A400M erhalten zu haben. Der Rüstungsumsatz von EADS betrug 2002 6 Milliarden € und steigt bis 2005 auf jährlich 10 Milliarden €. Größte Auftraggeber sind Deutschland und Frankreich.

These 1: Nach 1990 hat eine Verschiebung im westlichen Kräfteverhältnis stattgefunden, die mittlerweile zu Erscheinungen führt, die durchaus als transatlantische Krise bezeichnet werden können. Ein halbes Jahrhundert, seit der Oktoberrevolution und dem Ende des 1. Weltkriegs war die Welt gespalten in zwei große, machtpolitisch sich die Waage haltende Lager: Die kapitalistische Welt unter der unangefochtenen Führung der USA und die sozialistische Staatengemeinschaft unter der Führung der Sowjetunion. In beiden Gruppierungen gab es Differenzierungen und auch gegensätzliche Interessen, die hinter dem alles überlagernden Antagonismus der beiden Gesellschaftssysteme zurücktreten mussten. Einzige Ausnahme bildete dabei die Zeit des Faschismus, vor allem des deutschen Faschismus, der eine mörderische, singuläre Ausnahmesituation darstellte und somit zur Grundlage der Bildung der "Antihitlerkoalition" wurde, die phasenweise über die Grenzen des genannten Antagonismus hinaus führte. Ansonsten aber galt, wie aggressiv auch immer die Strategien des "containment" (der Eindämmung), des "rollback" (des Zurückrollens) oder der Unterwanderung des Sozialismus von den imperialistischen Mächten betrieben wurde – das militärische Gleichgewicht erzwang eine zwar labile, stets gefährdete, aber doch anhaltende Koexistenz.

Mit dem Zusammenbruch des sozialistischen Staatensystems in Osteuropa änderte sich das schlagartig. Die eine Seite des Gleichgewichts USA-Sowjetunion fiel weg, der Kapitalismus konnte sich ohne Rücksichtnahme durchsetzen und uneingeschränkt seinen eigenen Bewegungsformen folgen. Neue, alte Märkte waren und sind z.T. noch heute wieder zu erobern, teilweise auch im Wettstreit mit einer sich rasch bildenden internen mafiösen lokalen Bourgeoisie. Eine beispiellose Welle von Kapitalkonzentrationen und Verdrängungskonkurrenz setzte ein. Dabei steht beispiellos mehr für die zeitliche Gedrängtheit, denn für das Ergebnis dieser Prozesse. Dort wäre viel mehr zu untersuchen, ob das Ergebnis dieser Konzentrationen und Verdrängungen tatsächlich qualitativ völlig neu ist, wie es viele Thesen z.b. des ISW voraussetzen. Solche Thesen führen dann ja weiter, bis hin zu Wortschöpfungen, wie dem „Kollektiven Imperialismus“, oder Aussagen, wie „Auch das transnationale Kapital Westeuropas, engstens verflochten mit der US-Wirtschaft, braucht für seine Profit- und Verwertungsinteressen die Fortführung und Absicherung der neoliberalen Globalisierung, notfalls auch mit militärischen Mitteln. Allen voran das ökonomische Schwergewicht Deutschland (ist)(...) im besonderen Maße auf den „militärischen `Gesamtdienstleister USA´ angewiesen.", wie es uns die isw-Autoren Leo Mayer, Fred Schmid und Conrad Schuhler erklären. Ich teile diese Aussagen nicht, ich denke sie halten weder einer empirischen Untersuchung stand und verwechseln in der politischen Ableitung die Erscheinung mit dem Wesen. Ich denke, dass Wirtschaftshistoriker wie Tilly und Bordo Recht haben die warnen "(Es sei ein) Irrtum zu glauben dass der gegenwärtige Globalisierungsprozess ... als neuartig und einmalig anzusehen ist."  Auch, der Historiker Abelshauser vertritt die These, dass der Stand der Integration der Warenmärkte und der Globalisierung der Finanzmärkte Anfang der 90er Jahre gerade wieder den Stand erreichte, den er in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erreicht hatte.  Wichtig wäre auch zu untersuchen, ob wir uns nicht derzeit in einer ruhiger werdenden Phase des Konzentrationstempos befinden. Zumindest Zahlen der WTO deuten daraufhin, wonach das Volumen der Direktinvestitionen im Ausland weltweit von 1200 Milliarden Dollar im Jahr 2000 auf 500 Milliarden Dollar in 2002 zurückgegangen ist. Deutlich ist aber, dass die klassischen Einheiten der Volkswirtschaften zu eng wurden, immer stärker wirkt die Tendenz zur Bildung von ökonomischen Großräumen, der Metropolen USA, Europa und Ostasien. Nicht unterschätzt werden sollte aber auch hier die Differenziertheit dieser Prozesse.  Während es in den Europa tatsächlich Tendenzen zur Bildung eines EU-Staates gibt, handelt es sich beim Freihandelszonen – Konzept der USA mehr um eine "Hinterhofkonzeption".

Natürlich agieren dabei die mächtigsten Kapitalgruppen auch Metropolen übergreifend, transnational, aber auch keineswegs mit einheitlichen Interessen, sondern in Konkurrenz zueinander. Dabei stützen sie sich auf einen regionalen und nationalen Unterbau, dessen staatlichen und suprastaatlichen Organisationsformen sie in den Dienst ihrer jeweiligen Interessen stellen und gegeneinander ausspielen. Sie erpressen, lassen sich subventionieren, lassen Schranken errichten und diese einreißen. Sie können es besser als der Konkurrent, weil sie mit dem Abbau von 10000 Arbeitsplätzen drohen, könne der Konkurrent nur mit 5000, sie haben ihre Standorte überall und sind doch ungleich von Einfluss und Macht und genau dies nutzen sie aus. Auf anderer Ebene wiederholt sich das, was Lenin als die gesetzmäßige Ungleichheit der Entwicklung erkannte, die aber auch hier zum Entstehen von Widersprüchen führt, immer aufs neue, solange es diese Konkurrenz der Monopole, auch der transnational agierenden gibt. Die zweipolare Welt des "Kalten Krieges" hat sich in eine multipolares Mit- und Gegeneinander widerstrebender Kräfte verwandelt, die sich von Fall zu Fall umgruppieren, um gemeinsame Ziele zu verfolgen oder gegeneinander Machtkämpfe auszufechten. Diese Widersprüche finden sich wieder bis in die Kapitalfraktionen der einzelnen Länder oder, der sie repräsentierenden politischen Kräfte. Das war zu studieren während des Irakkriegs, das war ein Hintergrund, vor dem die Regierenden in England und Spanien die amerikanische Karte spielten, das war die Ursache für Unterschiede in der Irakpolitik von SPD/Grünen und CDU.

Dieser Prozess ist mit Auseinandersetzungen in der herrschenden Klasse verbunden er bedingt und wird beeinflusst von der Krise des Nationalstaats, vor allem in Europa. Hier wird der Staat immer mehr zum Verwalter einer Politik, die materiell weitestgehend außerhalb oder "über" seiner Souveränität beschlossen wird. Der bürgerliche Staat verliert so tendenziell seine Funktion der sozialen und politischen Vermittlung, die bürgerliche Demokratie verliert ihren Inhalt. Unter formaler Beibehaltung "demokratischer" Verfahren wird der Übergang vom "Sozialstaat" zum autoritären "Sicherheitsstaat" vollzogen. Mittel zum "sozialen Ausgleich" werden anderweitig gebraucht – der Reformismus und damit Sozialdemokratie und sozialdemokratisch hegemonierte Gewerkschaften stecken in der Krise. Wir haben es mit einer dreifachen Ausrichtung der Aggressivität des Imperialismus zu tun:

·       In gemeinsamer Aktion gegen alle, die sich weltweit der Unterwerfung unter die Vorherrschaft der Kapitalmächte widersetzen. Mittel sind hier Krieg, wie gegen Jugoslawien, die Weltbank, GATS, die WTO.

·       Die Konkurrenz untereinander. Mittel sind hier Stellvertreterauseinandersetzungen in "gemeinsamen Kriegen", das Spiel des Friedensengels (Deutschland versus USA im Irakkrieg), der Aufbau von Militärpotenzialen, Handelskriege etc.

·       Der Krieg nach innen, Mittel sind hier Privatisierungen, Subventionen, Sozialabbau, in Deutschland verbunden unter anderem mit den Namen Hartz, Rürup, Agenda 2010 Dabei heißt Krise des Nationalstaats keineswegs Verlust der Bedeutung. Er hat seine Rolle als Instrument der Unterdrückung, der Privatisierung und in Europa möglicherweise als Instrument der Überleitung in die Regionalisierung.

These 2: Der europäische Imperialismus erhebt eigene machtpolitische Ansprüche.

Das Gesetz der Kapitalakkumulation erzwingt die Expansion. Das heißt Rohstoffreserven müssen für die Zukunft gesichert, Märkte erobert werden, es gilt einen Vorsprung an wissenschaftlich-technischen Innovationen zu gewinnen. Das heißt aber auch: Konkurrenten müssen ausgeschaltet, Regionen, Staaten in Abhängigkeit gebracht werden. Dazu sind nur die Großen fähig bzw. Länder wie Russland, die militärisch eine gewisse Größe darstellen, können politische Größe gewinnen, wenn sie auf der Klaviatur der Widersprüche der Großen spielen. Bei Fortbestehen der militärischen Übermacht der USA hat die EU ökonomisch einen Rang gewonnen, der ihr erlaubt überall in der Welt als Konkurrent der USA aufzutreten. Mit Erfolg, wie man dem WTO-Bericht für 2002 entnehmen kann. Das Exportvolumen der USA betrug 946 Milliarden Dollar, das der EU 2648 Milliarden Dollar, also das 2,8 fache. Das Importvolumen der USA betrug 1431 Milliarden Dollar, das der EU 2644 Milliarden Dollar, also das 1,85 fache. Beides führt bei der EU zu einer fasst ausgeglichenen Handelsbilanz, einem kleinen Überschuss von 4 Milliarden, während die USA nicht nur den Kürzeren ziehen, sondern auch noch ein Handelsbilanzdefizit von 485 Milliarden Dollar einfahren.

Um vor dem Hintergrund dieser beängstigenden wirtschaftlichen Zahlen ihren Rang zu sichern und die europäischen Gleichberechtigungsansprüche in die Schranken zu verweisen, setzt die USA vor allem auf zwei Dinge, die Erhaltung des militärischen Übergewichts und die Sicherung der Energiereserven, als dem lebenswichtigsten Nährstoff der Weltwirtschaft, bei heute auch steigender Bedeutung des Rohstoffs Wasser. Für ersteres steht z.B. das Störfeuer gegen die Entwicklung eines eigenen satellitengestützten Navigationssystems "Galileo", für zweiteres der Irakkrieg, aber auch die Versuche der Einflussnahme auf die Nachfolgestaaten der Sowjetunion, in denen Bürgerkriege angezettelt und/oder US-Truppen stationiert werden. Das System "Galileo" ist dabei durchaus von entscheidender Bedeutung, wenn man weiß, dass das US-amerikanische Pendant GPS eben nicht nur dazu dient die Navigationssysteme von Pkws zu füttern, sondern auch um Cruise Missiles ins Ziel zu lenken. Hier wissen die Europäer sehr genau, dass ökonomische Macht allein nicht reicht – und das wissen auch die Deutschen. Vor diesem Hintergrund wurde seit 1990 erfolgreich alles geschliffen, was es an Restriktionen gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr gab, vor diesem Hintergrund wird die Bundeswehr umstrukturiert, eine EU-Armee aufgebaut. Am 6. November 2002 legte deshalb General a.D. Klaus Naumann eine wehrpolitische Studie vor, die drei wesentliche Eckpunkte enthält:

a)      Formierung von Streitkräften für Interventionen

b)      Europäische Architektur von Führungsstrukturen für eine Eingreiftruppe

c)       Doktrin des Präventionskrieges, die erlaubt einen anderen Staat auch

dann anzugreifen, wenn dessen militärische Vorbereitungen als möglicherweise offensiv eingestuft werden.

Hier ordnet sich dann die gemeinsame Erklärung von Schröder-Chirac und Putin gegen den Unilateralismus, vom 13. April dieses Jahres, aber auch der gemeinsame Militärgipfel von Frankreich, Deutschland, Belgien und Luxemburg vom 29. April ein.

Und hier ordnet sich die Realität der EU-Armee ein, über die sich folgende Fakten sagen lassen:

 „In diesem Jahr noch wird die Schnelle Eingreiftruppe der EU einsatzbereit. Der 80.000 Mann-Truppe aus Heeres-, Luftwaffen- und Marineverbänden zunächst aus 14 EU-Staaten steht neben der Heeresausrüstung, die öffentlich nicht bekannt ist, und 383 Kampfflugzeugen der Luftwaffen, vier Flugzeugträger, 17 Fregatten und fünf U-Boote zur Verfügung. Die Bundeswehr stellt mit 18.000 Mann das mit Abstand größte nationale Kontingent zur Verfügung. Insbesondere im Bereich der Luftwaffe engagiert sich Deutschland: 108 der 383 Kampfflugzeuge stellt die Bundeswehr. Die deutsche Prägung wird noch deutlicher, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Rot-Grün für den Soldaten-Pool von 100.000 Mann, aus der die Truppe jeweils zusammengestellt wird, 33.000 Mann anbietet. Ab 2005 genießt die Bundeswehr eine komfortable Stellung in der EU. Ab dann ist sie mit dem radargestützten Satellitensystem SAR-Lupe in der Lage, wetter- und tageszeitunabhängig auf 50 cm genau die Erdoberfläche zu beobachten“

These 3: Die Herausbildung eines europäischen Imperialismus ist in sich widerspruchsvoll. Der deutsche Imperialismus stellt allein und im Bündnis mit dem französischen Imperialismus den Führungsanspruch. Dagegen gibt es Widerspruch in der EU (Italien, Spanien, Polen, Großbritannien). Die von Minister Struck am 21. Mai erlassenen Verteidigungspolitischen Richtlinien legen fest, dass künftig die Einsätze der Bundeswehr sich „weder hinsichtlich ihrer Intensität noch geografisch eingrenzen lassen.“ Am 2. Dezember 2001 berichtete die Neue Zürcher Zeitung über eine Stabsübung des NATO-Regionalkommandos Nordeuropa, dem früheren, jetzt erweiterten Bereich Europa-Mitte, der im wesentlichen Kern aus deutschen Einheiten besteht: "Der deutsche Viersternegeneral Joachim Spiering, der diese Übung selbst konzipiert hat, führt erstaunlicherweise auch die Operationen. Diesmal stehen nicht Einsätze in Friedensmissionen auf dem Programm. Vielmehr handelt es sich darum neuartige Einsatzverfahren unter ebenso veränderten politischen und militärischen Rahmenbedingungen zu üben. General Spiering will darum auch lieber von Konflikten hoher Intensität als von klassischen Operationen sprechen. Man will weiträumig angelegte Umfassungsoperationen führen, die durch Luftschläge auf Führungs- und Kommunikationszentren vorbereitet worden sind. Landesgrenzen, Transversalen und "operative Vorfelder" spielen eine weitaus geringere Rolle, als dies im "Kalten Krieg" der Fall war. Operatives Vorgelände kann sich sogar im Kerngebiet des eigenen Landes befinden."  Dass es hier nicht um Kriegsführung gegen "Terroristen" oder unbotmäßige Kleinstaaten geht, ist klar. Politisch wurde dies bereits in der Regierungserklärung Schröders angelegt, dort war vom "gewachsenen Gewicht der BRD" die Rede, vom "führenden Platz", den "Deutschland beansprucht", das "Eigeninteresse und das Prestige" würden das erfordern. Nicht vorschnell von der Hand weisen sollte man auch, dass diese höhere Konzentration auf die Eigeninteressen Deutschlands Kapitalfraktionen dazu bewegte SPD/Grün den Vorzug vor dem "Amerikaner Stoiber" zu geben und zusammen mit der "scheinbaren" Friedfertigkeit, die ebenfalls nur Ausdruck einer anderen Interessenlage war, letztendlich die Mehrheit sicherte.

Oft wird gegen die in These 2 vertretene Position der machtpolitischen Ansprüche des europäischen Imperialismus, die Rolle von England und Spanien, aber auch Polen im Irakkrieg angeführt. Ich halte dies für wenig stichhaltig. England und Spanien verstehen sich in Europa traditionell als zurückgesetzt, dass wurde durch die immer offensivere Rolle des deutschen Imperialismus nach der Annexion der DDR noch verstärkt. Man denke nur an die Auseinandersetzung um den deutschen Weg bei der Anerkennung der Abspaltung der Satellitenstaaten Slowenien und Kroatien zurück. Langfristig sicherte dies aber dem deutschen Imperialismus seine starke Präsenz im Balkan und half die militärischen Restriktionen abzulegen. Man darf durchaus sicher sein, dass dies anderen imperialistischen Ländern in Europa schnell klar war. Großbritannien hatte dazu das Problem, dass es diesem steigenden Einfluss und Anspruch wirtschaftlich kaum etwas entgegensetzen konnte. Es sei zumindest erlaubt zu fragen, ob nicht bereits die Nichtbeteiligung am Euro ein erster Schritt des Spielens der amerikanischen Karte war. Dies wurde verfeinert, weiterentwickelt zur Sonderrolle im Irakkrieg, die zumindest, wenn auch nur als verlängerter Arm des US-Imperialismus zu einer größeren Rolle Großbritanniens geführt hat, natürlich ebenfalls mit allen Widersprüchen nach innen und außen. Spaniens Beweggründe sind ähnlich, bei Polen dürfte noch das Misstrauen über die deutschrussische Annäherung dazukommen.

Natürlich wird dies durch den Konkurrenten auf der anderen Seite des Atlantik gerne geschürt und natürlich wird dieses Schüren durch Opponenten in Deutschland genutzt und ebenfalls ideologisch untermauert. Aus diesem Grund veröffentlicht die  »FAZ« mit viel Raum am 15. Mai auch die Brandrede des amerikanischen Schriftstellers und Ex-Offiziers Ralph Peters, in der es u.a. heißt: "Die Scheidung (zwischen den USA und Europa) ist längst überfällig. (...) Nun habt ihr uns aufgeweckt, und wir sehen, dass Europas Erbe nur ein Erbe von Alpträumen war. Wir werden eure blutbeschmierten, verrotteten Regeln für das internationale System nicht länger hinnehmen, sondern unsere eigenen Regeln schaffen. Ihr werdet nicht viele unserer Regeln mögen. (...) Ihr hattet euren Moment in der antiamerikanischen Sonne. Aber um zwölf Uhr mittags erwiest ihr euch als machtlos und unfähig. Deutschland wird aus dieser Scheidung einige Vorteile ziehen. Die amerikanischen Kampftruppen werden den deutschen Boden bald für immer verlassen. Daraus wird Deutschland praktischen und psychologischen Nutzen ziehen (...). Die NATO wird natürlich überleben. Zusammen mit der Europäischen Union ist sie eine unverzichtbare Beschäftigungsagentur für Europas überschüssige Bürokraten. Doch in den strategischen Überlegungen Washingtons werden andere bi- und multilaterale Militärbündnisse in den Vordergrund treten."

Hier hat die antieuropäische oder antideutsche Position genauso eine Rolle, wie die antiamerikanische. Ohne klassenmäßige Herangehensweise läuft sie Gefahr zur Stützung der Interessen der jeweils anderen Seite in innerimperialistischen Konflikten zu führen. Die berechtigte Kritik am Kriegskurs des US-Imperialismus darf eben nicht dazu führen die Gefahr, die von der Stärkung des europäischen Imperialismus, die von den gestellten Vormachtansprüchen des deutschen Imperialismus ausgeht zu unterschätzen. Nun machen uns die Sachwalter von Partikularinteressen einzelner Kapitalfraktionen, also die bürgerlichen Parteien und ihre Medien, machen uns Regierungen deutlich, wie auf dem Klavier der Widersprüche auf allen Ebenen zu spielen ist.

Wir sollten unseren Lenin gelernt haben und verstehen ihn auf die heutige Zeit anzuwenden, gerade, weil wir uns dabei von bürgerlichen Politikern nichts vormachen lassen sollten.

Diese innerimperialistischen Widersprüche zu erkennen, zu analysieren und sie auszunutzen im Rahmen einer Strategie deren Eckpunkt die Beseitigung des Imperialismus sein muss, das ist die Hohe Kunst der Dialektik – stellen wir uns ihr.

Das heißt zu erkennen, wie sich Hartz und Rürup, wie sich Agenda 2010 gerade in diese Strategie des deutschen Imperialismus einordnen. Das heißt gegen die Aggressionen des US-Imperialismus zu kämpfen und auszunutzen, wenn der deutsche Imperialismus sich aufgrund einer anderen Interessenslage friedfertig gibt und damit einer Friedensbewegung mehr Spielraum lassen muss. Das heißt aber auch die laufenden Aggressionen des deutschen Imperialismus zu entlarven und zu verdeutlichen, dass er nicht friedlich und auch nicht friedensfähig ist. Das heißt die soziale Frage, die Klassenfrage mit dem antiimperialistischen Kampf gegen den amerikanischen, den europäischen, den deutschen Imperialismus zu verbinden und sich dabei immer als Internationalisten zu bewähren.

Dieser Vortragstext wurde uns von Gen. Köbele zugesandt, er wurde auch schon auf der Tagung der Marx-Engels-Stiftung in Wuppertal von ihm referiert.

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Epochenwiderspruch und historische Rolle des modernen Revisionismus

Rudi Reiter

Der erste von mir angesprochene Themenkomplex betrifft die Frage, ob und inwiefern die  Konterrevolution und in deren Gefolge die Zerstörung  des realen Sozialismus in  dem um das Land der Oktoberrevolution zentrierten internationalen System und damit auch dessen Zusammenbuch durch den konterrevolutionären Sturz der Diktatur des Proletariats durch die revisionistische Strömung in der KPdSU und den anderen führenden kommunistischen Parteien  eingeleitet - wohlgemeint: nicht vollendet - wurde.

Patrik Köbele und Hans Heinz Holz haben in ihren letzten programmatischen Dokumenten zu den "Ersten Grundlagen zur Diskussion einer Programmentwurfs" der DKP opportunistische Einstellungen als Ergebnis, nicht  als  Ursache,  der nach dem Abschluss der Etappe des Aufbaus des Sozialismus eingetretenen "Erstarrung" der sozialistischen Gesellschaftsordnung  - wie sie es nennen - und damit verbunden den Verzicht auf "neu revolutionäre Schübe"  angesprochen, mehr allerdings auch nicht. Sie weisen aber auch -  allerdings unvermittelt zur dieser  Position -  auf die (im Chruchstschowschen Parteiprogramm aus dem Jahr 1961  ausgesprochene und als Leitlinie für die Mehrheit der kommunistischen Weltbewegung gedacht gewesene)  These von der Unumkehrbarkeit des Sozialismus hin, welche damit die Arbeiterklasse der sozialistischen Länder  der Notwendigkeit des Klassenkampfs auch im Inneren ihrer Gesellschaftsordnung scheinbar enthoben  hat  (vgl. »UZ« - Zeitung der DKP  vom 25.10.2002 und vom 24.102003) Völlig unklar bleibt dabei der Stellenwert dieser These und ihrer praktisch-politischen Umsetzung für die  erwähnten Erscheinungen - "opportunistische Einstellungen" einerseits, "Erstarrungen" andererseits!

Im staatsmonopolistischen Kapitalismus (SMK) in den - nicht nur, aber vor allem - hoch entwickelten imperialistischen Ländern sind die materiellen Voraussetzungen des Sozialismus - im Bereich der Schlüsselindustrien, der ökonomischen Rolle des Staates, der staatsmonopolistischen Komplexe und der gesamtgesellschaftlichen, “infrastrukturellen” Reproduktionsbedingungen - seit den 30er Jahren vollständig herangereift.  Er war und ist - auch in der Gegenwart -  aber  nicht nur eine gesetzmäßige Vergesellschaftungsform des Kapitalismus, sondern war und ist auch Produkt der epochebestimmenden Klassenkräfteverhältnisse - in den 30-er Jahren genauso, wie während des Kalten Krieges spätestens seit 1947,  als er sich unter der Form des durch die militärischen   u n d  ökonomischen Hegemonie des US-Imperialismus fundamental getragenen   “allgemeinen politischen Bündnisses der Imperialisten” (Lenin) gegen das sozialistische Lager formierte.

Auf der anderen Seite war zwar einerseits der sozialistische Aufbau in der Sowjetunion Ende der 30-er Jahren laut der auf dem 18. Parteitag der KPdSU (B) (1939) begründeten Position vollendet worden, auch wenn der endgültige Sieg aufgrund der Existenz des Imperialismus  als bei weitem nicht gesichert angesehen wurde. Dies wurde ja erst mit dem 20. KPdSU-Parteitag zugunsten der oben erwähnten These revidiert. Aber eben auch schon damals seit den späten 30-er Jahren blieb diese Einschätzung der Kräfteverhältnisse und der Möglichkeit der Konterrevolution auf den Hinweis auf den internationalen Klassenkampf zwischen Imperialismus und Sozialismus beschränkt.

 Andererseits fand seither in Programmatik und marxistisch-leninistischer Sozialismustheorie eine ausdrückliche Klarstellung, ob  und warum  die der Schaffung der Voraussetzungen und Grundlagen des Sozialismus dienende, 1921 begonnene NÖP (Neue Ökonomische Politik) abgeschlossen sei, niemals statt!

Ich betone: Die NÖP erschöpfte sich  nicht im Rückzug auf eine staatskapitalistische Übergangsformation unter den Bedingungen der auf dem Bündnis der Arbeiterklasse und der Bauernschaft beruhenden Diktatur des Proletariats. Vielmehr bestand ihr Zweck sowohl in der Schaffung der materiell-technischen Basis des Sozialismus (als dessen "Voraussetzung" in einem Land mit relativ niedrigem Entwicklungsniveau), als auch dessen sozialökonomischen "Grundlagen" auf der Basis, wie sie Lenin in seinem "Genossenschaftsplan" skizziert hat. Dies muss an dieser Stelle deshalb klargestellt werden, weil sich der Bezug auf den konkret-historische Stellenwert der NÖP im Rahmen der marxistisch-leninistischen Sozialismustheorie prinzipiell von den  NÖP- Interpretationen vom Kapitalismus im (Rahmen des) Sozialismus als Ideal und Wunschtraum "selbstständiger" Kleineigentümer, wie ihn die Revisionisten träumen, abzugrenzen hat.

Dieses gesamte, von mir umrissene  Feld theoretischer Unklarheit ist bis heute einer der ideologischen Nährböden des Revisionismus!  Meine Überlegungen in dieser Frage gehen in zwei, miteinander in Verbindung stehende Richtungen.

 Seit dem zum Ende der 40-er, Anfang der 50-er Jahre mit Wucht einsetzenden Kalten Krieg, seit der relativen Stabilisierung  des Nachkriegs-Staatsmonopolistischen Kapitalismus (auch auf der Basis der faschistischen  Vernichtung der Klassenpositionen der deutschen Arbeiterklasse, wie ich hervorheben möchte) und dem darauf aufbauenden wissenschaftlich-technischen Fortschritt  stand auch für den realen  Sozialismus  auf der Tagesordnung, mit der Schaffung der Voraussetzungen des Übergangs zum Kommunismus als höherer Entwicklungsstufe durch einen weiteren Entwicklungsschub des Sozialismus selbst zu beginnen. Allerdings eben erst der Voraussetzungen und nicht schon des Kommunismus selbst als unmittelbare praktische Aufgabe! Dafür wären aber  die beim sozialistischen Aufbau in den 20-er und 30-er Jahren ungenützt gebliebenen Akkumulationspotenziale des Staatskapitalismus -  nun aber schon auf sozialistischer Grundlage selbst -  auszuschöpfen gewesen.  Die sozialistische Akkumulation der Jahre von  1927 an bis  zur kriegswirtschaftlich bedingten, alles dominierenden  Prioritätensetzung  hat zwar auf planwirtschaftlicher Grundlage bei Beachtung der objektiven Gesetzmäßigkeiten des sozialistischen Aufbaus (mit tausenderlei Abweichungen, Suchprozessen,  "Fehlern", Deformationen und dem relativ niedrigen Entwicklungsniveau des Landes geschuldeten Besonderheiten) ökonomische, politische, kulturelle Grundlagen der kommunistischen  Gesellschaftsformation in ihrer ersten Phase geschaffen. Das "sozialistische Gesamtinteresse" hatte mit der neuen industriellen Arbeiterklasse, ihrer eigenen Intelligenz und der Mehrheit der Kollektivbauernschaft zwar soziale Träger erhalten. Das materielle Interesse dieser sozialen Träger des Sozialismus an einem weiteren Aufschwung   musste  auch nach 1945  - abweichend vom Wohlstandsmodell im Westen mit seiner bevorzugten Schaffung einer breiten lohnabhängigen und kleinkapitalistischen Zwischenschicht - grundsätzlich in dem Sinn egalitär ausgerichtet bleiben, dass die zur Befriedigung grundlegender Konsum - und sozialer Absicherungsbedürfnisse notwendigen Arbeitsergebnisse gleichmäßig verteilt werden. Zugleich  hätte aber für die volle Entfaltung der dem Sozialismus immanenten Entwicklungspotenziale  das  sozialistische Leistungsprinzip  - viel konsequenter noch als die im Westen am Profitprinzip orientierten  Effizienzkriterien  -    durchgehend an den und durch die  in Schlüsselindustrien tätigen  Gruppen der Arbeiterklasse und der Leitungs- und Wissenschaftsintelligenz zur Anwendung gebracht werden  müssen. Und zwar im Kampf gegen jede Abweichung zum gleichmacherischen "Verteilungssozialismus" sozialdemokratischer Prägung.  Das heißt bei Gott nicht das Propagieren  einer - schlimmstenfalls lebensphilosophisch begründeten - "Elite"-Doktrin.  Konsequente Ausnutzung des Leistungsprinzips heißt nichts anderes, als konsequente Ausnutzung des Wertgesetzes als Instrument    der planmäßigen Regulierung von Produktion und Verteilung des Mehrprodukts als einziger  Akkumulationsquelle oder - ökonomisch gesprochen - des Wert-Preis-Mechanismus der sozialistischen Warenproduktion.

Dies wäre allerdings etwas anderes gewesen, als die - zum Beispiel auch von dem revisionistischen Ökonomen Hans Kalt  propagierte, ohnedies nie realisierte, “sozialistische Marktwirtschaft”, in der dem “Markt” als institutioneller Verkörperung des autonomen Wirkens des Wertgesetzes die Schlüsselrolle zufallen hätte sollen. Konsequenterweise hat dies - bei dem erwähnten Revisionisten ganz offen - zur vollen Rehabilitierung des kapitalistischen Profits als Triebkraft des so erträumten “Sozialismus” geführt.

 Was allerdings wirklich geschah, war folgendes: Die unter Verzicht auf Produktivitätsfortschritte erzwungene Befriedigung von Sonderinteressen kleinbürgerlicher und von Deklassierung bedrohter Schichten der Arbeiterklasse und der Staats- und Parteibürokratie - insoweit vergleichbar den aus Teilen des Monopolprofits gespeisten Interessen der so genannten Arbeiteraristokratie und - bürokratie im Monopolkapitalismus - wurde sukzessive zur hauptsächlichen materiellen Grundlage des Revisionismus in den sozialistischen Ländern  -  übrigens bis in die Finanzierungsmechanismen kommunistischer Parteibürokratien  im Westen hinein. Und dies  hatte wahrhaft dramatische Folgen durch Schwächung der Akkumulationskraft der sozialistischen Volkswirtschaften, durch das Zurückbleiben der Erneuerung des Produktionsapparats und die immer schlechter werdende Versorgung der Bevölkerung mit Konsumgütern.

Ich verstehe diese Überlegungen übrigens als Ergänzung zu Kurt Gossweilers These, wonach der Revisionismus von "außen" von der politisch-ideologischen Diversion des US-Imperialismus auf dem Weg über die westlichen kommunistische Parteien und den Titoismus seinen Ausgangspunkt nahm.

Diese materiellen Quellen sind dem modernen Revisionismus nun durch die auch von ihm in dieser Form nicht erwarteten konterrevolutionären  "Implosion" des realen Sozialismus - weitgehend - entzogen.

Damit ist aus meiner Sicht eigentlich auch der allgemeine Rahmen vorgegeben, um für das Hauptprojekt der modernen Revisionisten seit dem  Beginn der 90-er Jahre  -  der Schaffung einer  "transformatorischen Euro-Linken" mit entsprechenden Ablegern in jenen Regionen, die Objekt und Schauplatz des Zusammenprallens innerimperialistischer Widersprüche zwischen EU- und US-Imperialismus sind (Balkan, "Ostmitteleuropa", Türkei/Kurdistan, Naher und Mittlerer Osten, Lateinamerika) - eine Zukunftsprognose abzugeben: Ihre zukünftigen Existenzbedingungen sind auf Gedeih und Verderb an die Teilhabe am "Mitte-Links"-Bündnis unter Führung der Sozialdemokratie im Rahmen eines sozialreformistisch modifizierten, aber niemals grundlegend in Frage gestellten, EU-Imperialismus gebunden.

Stellenwert der nationalen Frage

Womit ich zum zweiten Punkt komme: dem Stellenwert der nationalen Frage im Rahmen einer strategischen Hauptorientierung der Kommunisten gegen den EU-Imperialismus. Die Besonderheiten der nationalen Frage in Österreich gelten weiterhin: Die strukturelle Unabgeschlossenheit der österreichischen Nationsbildung wirkt fort.  Bis 1945 war sie Ausdruck des Widerspruchs zwischen großdeutscher und österreichischer Orientierung in allen Klassen und Schichten der Gesellschaft. Seit dem Sieg der Konterrevolution ist sie jedoch primär  Ausdruck der widersprüchlichen Orientierungen der herrschenden Klasse in den zwischenimperialistischen und innerimperialistischen Widersprüchen innerhalb des EU-Imperialismus geworden.  Die USA verzichten nicht leicht auf die Weltführung, aber wenn sie die Führung verlieren, wird in jedem Fall eine neue imperialistische Macht versuchen, an ihre Stelle zu treten. Und genau in dem Kontext versuchen sich die verschiedenen Strömungen der herrschenden Klasse zu orientieren, die “neue” Sozialdemokratie und ihr “eurolinkes” Anhängsel am eindeutigsten - aber durchaus nicht ausschließlich (!) auf den EU-Imperalismus. Die Frage nach den Knotenpunkten einer antiimperialistischen Anti-EU-Strategie kann daher in den EU-Mitgliedsländern nicht darin bestehen, eine  nationaldemokratische Orientierung zum Hauptkettenglied  zu erklären, will sich  die kommunistische Bewegung damit nicht tendenziell  in objektive Bündniskonstellationen mit den reaktionärsten, am US-Imperialismus orientierten Teilen der österreichischen Bourgeoisie  begeben. Ebenso wenig kann die Integration in das sich neu herausbildende Herrschaftssystem der EU (Verfassung; Bildung europäischer Parlamentsparteien als Träger einer Staatsmonopolkapitalistischen Führungselite, das falsche Bild eines demokratischen Pluralismus vorgaukelnd, finanziell und strukturell von der EU-Bürokratie abhängig; Austrocknung der nationalen Ebenen des Klassenkampfes) auch nur ansatzweise eine strategische Option abgeben, wie das den “Euro-Linken” vorschwebt.

 Gewerkschaftliche und kommunale Aktionseinheiten und Bündnisse,  schließlich antimonopolistische Volksbewegungen mit der Orientierung auf das Etappenziel eines progressiven Staatstyps durch Bruch mit der Vorherrschaft des Finanz- und Monopolkapitals sind nur zu entwickeln auf der Basis des ständigen und ununterbrochenen Bruchs mit der EU - unter Ausnutzung aller dieser Orientierung günstigen nationalen Traditionen und Besonderheiten, jedoch mit dem eindeutigen Ziel einer Loslösung von der EU und jedwedem imperialistischen Herrschaftszentrum.

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Zunächst musste jedoch leider festgestellt werden, dass Patrick Köbele[1] von der Programmkommission der DKP seine Zusage, ein Referat zu halten, nicht einhielt. Der eigentliche Skandal war der Grund: Irene Filip[2], die offensichtlich von Walter Baier[3] persönlich mit dem Titel einer internationalen Referentin gekürt worden war, und vor allem ihr Mentor Walter Baier hatten nämlich beim Vorsitzenden der DKP interveniert, Köbele nicht zu einer Veranstaltung der nVs und der KJÖ reisen zu lassen. (...) Tatsache ist, dass sich Patrick Köbele nicht nach Wien traute.

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A. Fellner

Symposium zum Antiimperialismus – ein voller Erfolg

Klang Antiimperialismus vor einigen Jahren in der Linken und nicht zuletzt unter KommunistInnen manchmal etwas nach Pflichtübung, so muss heute innerhalb der kommunistischen Partei um diese selbstverständliche Position gekämpft werden. Und das ist bei der allgemeinen pseudolinken Sprachverwirrung, die vor lauter Neo-, global, Turbo- usw. linkes Selbstverständnis aus den Augen verliert, wahrlich kein Wunder. Auch das wurde in der Diskussion am Samstag, den 8. 11. 2003, im Lokal des KSV in der Gusshausstraße festgestellt.

Zunächst musste jedoch leider festgestellt werden, dass Patrick Köbele von der Programmkommission der DKP seine Zusage, ein Referat zu halten, nicht einhielt. Der eigentliche Skandal war der Grund: Irene Filip, die offensichtlich von Walter Baier persönlich mit dem Titel einer internationalen Referentin gekürt worden war, und vor allem ihr Mentor Walter Baier hatten nämlich beim Vorsitzenden der DKP interveniert, Köbele nicht zu einer Veranstaltung der nVs und der KJÖ reisen zu lassen. Wer hier strukturstalinistische, bürokratisches Administrieren gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung innerhalb der KPÖ vermutet, unterstellt natürlich Böses. Tatsache ist, dass sich Patrick Köbele nicht nach Wien traute. So bedauerlich diese  Vorgangsweise ist, tat dies der Veranstaltung dennoch keinen Abbruch, im Gegenteil. Über 50 Personen nahmen an der lebhaften Diskussion teil, darunter vor allem viele junge GenossInnen, auch aus unterschiedlichsten linken Organisationen. Zu erwähnen ist auch eine qualifizierte marxistisch-leninistische Delegation der KPÖ Oberösterreich, die auch den Büchertisch bestritt, das neu erschienene Buch „Meine Rechnung geht bis Anfang Mai“, das dessen Tochter Ingeborg Ertelt über das Leben des von den Nazis 1945 ermordeten KPÖ Landsobmann und Widerstandskämpfer Sepp Teufel geschrieben hat, vorstellten und in großer Anzahl verkauften.

Rudi Reiter, von der Salzburger KPÖ in die Programmkommission geschickt, referierte über den Zusammenhang „Mangelhafte Imperialismustheorie und Revisionismus“ innerhalb des Marxismus-Leninismus und belegte diesen Zusammenhang mit einer historischen Analyse der Entwicklung der sozialistischen Länder. Bereits seine Einleitung führte zu zahlreichen Wortmeldungen und hitzigen Diskussionen. An ihn schloss Tom Hubmayer, KJÖ-Vorsitzender, an und analysierte in kompakter und schlüssiger Form die so genannte Antiglobalisierungsbewegung aus marxistischer Sicht, was den Wunsch nach einer schriftlichen Ausgabe seiner Ausführungen nach sich zog. Schließlich referierten in recht gegensätzlicher Form Andrea Schön aus der DKP (Autorin der Zeitschrift „offensiv“) und Willi Langthaler von der Antiimperialistischen Koordination (AIK). Gen. Schön zeigte nicht nur Widersprüche zwischen den imperialistischen Zentren USA und EU auf, sondern belegte ihre These über die politische, technische und geistige Aufrüstung des deutschen Imperialismus mit zahlreichen Beispielen. Dem widersprach Gen. Langthaler, der als einzigen derzeit notwendig und tatsächlich bekämpfbaren Imperialismus jenen der USA darstellte, und anhand einer detaillierten Analyse des irakischen Widerstands die These vertrat, dass der Schlüssel erfolgreichen antiimperialistischen Kampfes im Nahen Osten liege. In der auf beachtlichem Niveau geführten Diskussion kam es zu hitzigen, aber nie gehässigen Wortgefechten. Wodurch bewiesen wurde, dass auch bei sehr unterschiedlichen linken Positionen Gemeinsamkeit über Trennendes siegen kann, wenn die grundsätzliche antiimperialistische Orientierung nicht in Frage steht. Dazu gehörte auch der Beitrag Boris Lechthalers von der Linzer Friedenswerkstatt, in dem der Zusammenhang zwischen antiimperialistischer Solidarität und Friedensarbeit hergestellt wurde.

Hier soll gleich noch mit einem von Walter Baier verbreiteten Unfug aufgeräumt werden: Diese Veranstaltung, die ihm als Protagonist des Anti-Antiimperialismus ein politischer Dorn im Auge ist, war lange schon geplant, ehe sich Walter Baier dazu bequemte, neben dem fünften Jahrestag des Siebenstern auch den 85. Geburtstag der KPÖ zu feiern (möglicherweise um von verflossenen Millionen, tatsächlichen Kündigungen und wahrscheinlichen Statutenbrüchen abzulenken). Die Planung des Symposiums begann im September, und die Zusagen aller ReferentInnen waren Anfang Oktober, als die ersten Ankündigungen per e-mail verschickt wurden, erfreulicherweise bereits vorhanden.

Mit diesem Symposium zu brennenden Fragen der kommunistischen Bewegung schien dem Jahrestag jedenfalls besser gedient zu sein.

Nach einer Präsentation des Buches „Ami go home. Zwölf gute Gründe für einen Antiamerikanismus“ von Werner Pirker und Willi Langthaler durch Hannes Hofbauer klang der Abend mit unserem bewährten Genossen Chris Peterka und dem gemeinsamen Singen von Arbeiter- und Revolutionsliedern aus. 


[1] Patick Köbele ist Vorsitzender des DKP-Bezirks Ruhr-Westfalen und Mitglied der Programmkommission der DKP. Er wird dem linken Flügel zugeordnet

[2] Irene Filip ist Internationale Referentin des KPÖ-Bundesvorstandes

[3]  Walter Baier ist Vorsitzender der KPÖ und gehört dem revisionistischen Flügel an.

[4] Patick Köbele ist Vorsitzender des DKP-Bezirks Ruhr-Westfalen und Mitglied der Programmkommission der DKP. Er wird dem linken Flügel zugeordnet

[5] Irene Filip ist Internationale Referentin des KPÖ-Bundesvorstandes

[6]  Walter Baier ist Vorsitzender der KPÖ und gehört dem revisionistischen Flügel an.

nVs: Neue Volksstimme. die nVs ist das Organ des Marxistisch-leninistischen Flügels der Kommunistischen Partei Österreichs

KJÖ: Kommunistische Jugend Österreichs, die Jugendorganisation der KPÖ

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