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Dass Bildung noch nie die Stärke des kapitalistischen Deutschlands war,  ist nicht neu. In den 60er Jahren redete man schon mal vor Bildungsnotstand. Es gab Konfessionsschulen, in denen Religion das Hauptfach war, Sprachen und Naturwissenschaften unter ferner liefen. Diese Volksschulen vermittelten nur das Notwendigste zur Verwertung als Arbeitskraft.

Trotzdem wurde die Propaganda nicht müde und verbreitete, das deutsche Bildungssystem sei in der Welt  beispielhaft. Es ist klar, in den anderen kapitalistischen Staaten verschwendet man auch keinen Pfennig für eine umfassende Volksbildung. Man will ja kein hochgebildetes Proletariat, die kämen womöglich noch auf krumme Gedanken.

Jetzt aber ist es heraus. Es gibt in Deutschland eine erschreckend hohe Zahl von Analphabeten.

28.12.2001

jW-Bericht

PISA zum Quadrat

In Deutschland gibt es bis zu vier Millionen funktionelle Analphabeten

Während die Ergebnisse der PISA-Studie (Programm for International Student Assessment) zur Ermittlung des Wissens und der assoziativen Fähigkeiten von 15jährigen Schülern in dreißig Ländern bundesweit für allerlei populistische Bekenntnisse zur schleunigen Verbesserung des deutschen Schulsystems Anlaß gaben, bleibt eine andere Opfergruppe des bundesdeutschen Bildungssystems weiterhin nahezu unbeachtet: die erwachsenen Analphabeten. Sie werden laut Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in zwei Gruppen unterschieden: absolute Analphabeten, die über keinerlei Kenntnisse der Schriftsprache verfügen und funktionelle Analphabeten, die nicht in der Lage sind, sich der Schriftsprache als Kommunikationsmittel im Alltag zu bedienen. Weltweit wird von knapp einer Milliarde Betroffener ausgegangen, zwei Drittel davon Frauen

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