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Die antikommunistische Manipulierung und Mobilisierung der Jugend – ein Verbrechen des parasitären verfaulenden Imperialismus

Quelle: Das Internationale Schulbuchinstitut in Braunschweig – Leiteinrichtung antikommunistischer Erziehung und Diversion; Die marxistisch-leninistische Pädagogik - eine streitbare Waffe im Kampf gegen den Antikommunismus (Autorenkollektiv), Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1972, S.309 ff

Von R. Hub

Auf Kommunisten-online am 28. Mai 2010 – Prof. D. habil. Rudolf Hub war Direktor der Sektion Ma´rxismus-Leninismus an der Pädagogischen  Hochschule „Dr.Theodor Neubauer“ Erfurt-Mühlhausen.
Im System der antikommunistischen Manipulierung der Jugend in der BRD als Koordinator imperialistischer Geschichtserziehung sowie als Diversions­träger, spielt das Internationale Schulbuchinstitut in Braunschweig eine be­sondere Rolle.

1948 hatte der Budapester Kongreß der Internationalen Föderation der Lehrerverbände in einer Resolution von den vier Besatzungsmächten und den obersten deutschen Schulbehörden in diesen Besatzungszonen die Über­prüfung ihrer neuen Schulbücher verlangt. Diese Aufgabe lag in den drei westlichen Besatzungszonen in den Händen des von AGDL und GEW be­auftragten Vorsitzenden des Ausschusses für Geschichtsunterricht. Er, Prof. Eckert, blieb der Fachmann für solche Aufgaben bis heute; ist er doch nun­mehr genau 20 Jahre lang Leiter des 1951 gegründeten Internationalen Schulbuchinstituts in Braunschweig. Diese Einrichtung bezeichnete gegen­über der westdeutschen Öffentlichkeit und gegenüber dem Ausland „inter­nationale Schulbuchvergleichung zum Zwecke der objektiven Forschung, Lehre und des Unterrichts im Dienste der Völkerverständigung“ als ihr vornehmstes Anliegen.

Doch das Kriterium der Wahrheit, auch jeder Behauptung, ist die Praxis. Diese aber sieht anders aus. Die erste Funktion – das Braunschweiger Institut hatte sich von Anfang an darauf konzentriert - bestand darin, trotz aller Pluralismus-Beteuerun­gen ein relativ einheitliches Geschichtsbild zu verbreiten, das den politischen Absichten aller bisherigen bundesdeutschen Regierungen von Adenauer bis Brandt nicht bloß entsprach, sondern eine ausgesprochene Unterstützung ihrer Politik darstellte. Der antikommunistisch ausgerichtete, im Interesse des staatsmonopolistischen Kapitals befangene, der systemintegrierte Bun­desbürger war die Zielvorstellung, um deren Realisierung man sich heiß bemühte, nicht Arbeit und Kosten scheute. Diese Integrationsabsicht war stets gleichzeitig damit gepaart, den aktivistischen, mobilisierten Bürger zu erziehen, der gegebenenfalls „dem Kommunismus nicht bloß mit dem Rosen­kranz entgegentritt“. Die Verantwortlichkeit des Schulbuchinstituts z. B. für die revanchistische „Unterrichtung über die deutsch-polnischen Beziehun­gen“ wird in dem Publikationsorgan des Instituts besonders hervorgehoben.[1] Die „Bewältigung der Vergangenheit“ bezeichnete man als weitgehend un­möglich. Die Wahrheit über den Faschismus zu verbreiten würde Familien zerstören. „Wir müssen dem Kinde die Möglichkeit einräumen, seine Eltern zu respektieren: und sie für ehrbare Menschen zu halten“, erklärte der In­stitutsdirektor auf einem internationalen Kolloquium.[2] Das Internationale Schulbuchinstitut gibt zwar keine Anweisungen, sondern nur Hinweise. Aber diese Hinweise und „Empfehlungen“ werden in Sonderdrucken den Amts­blättern der Kultusministerien beigefügt und erhalten damit nicht nur offi­ziellen Charakter, sondern werden faktisch zu Weisungen. In einer Schrift über „die Ergebnisse von 20 Jahren Schulbuchrevision“ wird auf Hunderte von Gutachten, auf „die ... fast unerschöpfliche Fülle von Material für Schulbuchautoren und Geschichtslehrer“ verwiesen, auf die „146 Fachtagun­gen mit konkreten Ergebnissen“, und daß man „praktische Verbesserungen an Lehrbüchern auf Grund der Gutachten und Thesen vorgenommen“ habe.[3] „Es gibt erstaunlich viele Beispiele, in denen Autoren direkt oder indirekt darauf verweisen, daß sie sich mit Nutzen dieser Thesen bedient haben.“[4] Noch bevor, eigentlich relativ lange bevor die Ständige Konferenz der Kul­tusminister der bundesdeutschen Länder im Jahre 1962 ihren berüchtigten Antikommunismus-Beschluß kreierte, der die Verpflichtung enthielt, daß an allen westdeutschen Schulen die Lüge vom Totalitarismus zu verbreiten war, die verleumderische Gleichsetzung von Faschismus und Kommunis­mus Unterrichtsprinzip in der BRD wurde, verbreitete das Internationale Jahrbuch für Geschichtsunterricht – das Organ dieses internationalen Braunschweiger Schulbuchinstituts – im Jahre 1956 diese These.[5] Diese Institution war sozusagen der geistige Vorreiter der antikommunistischen Bildung und Erziehung der bundesdeutschen Schule, und wenn in letzter Zeit gemäßigtere Töne aus Braunschweig klingen, dann nur deshalb, weil man sich einesteils einordnen, die „neue Ostpolitik“ nicht unbedingt Lügen strafen möchte, und zweitens, weil man wohl auch bestimmte sehr schmutzige Flecken auf der sich selbst angelegten Weste angeblicher „Völkerverständigung“ vergessen sein lassen möchte. Das Internationale Schulbuchinstitut wirkte also direkt und indirekt auf die Gestaltung der Lehrbücher ein, stellte also nicht bloß eine „moralische Autorität“ dar, „die darauf beruht, daß den Schulbuch­autoren historisch gesicherte (!) Empfehlungen übermittelt werden“[6]. Es ist schon eine Art – wenn auch verhüllte – Exekutivgewalt, die – obwohl be­stritten – existiert. Dafür gibt es eine sehr eindrucksvolle Bestätigung: das westdeutsche Schulgeschichtsbuch selbst.

Die zweite Funktion vollzog sich im internationalen Bereich. Von Anfang an stark gestützt von den USA, entfaltete das Internationale Schulbuchin­stitut eine intensive internationale Tätigkeit. Sie zielte darauf ab, in der BRD und in den Ländern des NATO-Bereiches, aber auch bei den soge­nannten Neutralen, auch in den jungen Nationalstaaten, so man auf sie gewissen Einfluß auszuüben vermochte, ein einheitlich gestaltetes, im Antikommunismus wurzelndes Geschichtsbild zu entwerfen und zu verbreiten, das – als „abendländisch“, „europäisch-atlantisch“ oder anders ausgegeben – weitgehend den speziellen Interessen des westdeutschen Imperialismus ent­sprach. In diesem Beitrag können nicht alle dieser Konzeption dienenden „Koordinierungsprinzipien“ dargelegt werden; deshalb möchte ich mich auf das antikommunistische „Grundprinzip“ beschränken.

Welche „Lehren“ und „gemeinsamen“ Auffassungen wurden entwickelt und vertreten?

Sozialismus und Kommunismus werden als Ideologie und Praxis un­bedingter Unfreiheit und Aggressivität verleumdet.

Die „Gefahr aus dem Osten“ habe sich seit 1917, vor allem seit 1945, auf ein Höchstmaß vergrößert, und es sei „moralische und humanistische Pflicht“, sich gegen die „kommunistische Bedrohung“ zusammenzuschlie­ßen.

Das war also mit der „europäischen und damit international und übernatio­nal“ bezeichneten Aufgabenstellung gemeint.[7] Das Braunschweiger Institut fühlt sich durchschaut, auch wenn es als Verdächtigung abtut, daß es sich bei seinen „Bemühungen um eine antikommunistische Kampfideologie“ handle, die alle westeuropäischen Lehrbücher durchdringen solle.[8] In diesem Zusammenhang wäre zu erwähnen, daß in den letzten Jahren bei verschiedenen bilateralen Beratungen die Partner des Braunschweiger In­stituts selbst mit stärkerer Kritik am westdeutschen Schulbuch in Erschei­nung traten (Norwegen, Niederlande 1967 – „Die Rolle des Widerstandes wird von deutscher Seite bagatellisiert und verfälscht“[9]); ein Grund für nachfolgende größere Flexibilität des Braunschweiger Instituts. Das Ziel ist unangetastet. Nun wird sogar „ein gemeinsamer Kanon der Fakten europäischer Geschichte“ gefordert, sicher nicht Fakten ohne Wertung.[10] Die dritte Funktion besteht in der ideologischen Diversion. Erste Versuche werden bereits 1953 unternommen. Jugoslawien schien das geeignete „Ob­jekt“ zu sein. 1956 glaubte man, in Polen eindringen zu können; doch die Zurückweisung durch polnische Historiker wie Piwarski, Popiolek und Maleczynska war eindeutig. 1964 startete man einen weiteren Versuch gegenüber der CSSR, der aber nicht sehr befriedigend verlief, doch 1967 schien sich ein Erfolg anzubahnen. Mit stärkster Besetzung wurden die Ereignisse in der CSSR „unterstützt“. Konferenzen, Kolloquien, Bespre­chungen, Vorlesungen usw. in der BRD und in der CSSR jagten sich fast. Das Institut selbst vergab manche Stipendien an geeignet erscheinende Leute aus der CSSR.

Prof. Eckert gehörte selbst zu jenen, die gen Prag reisten, um dort, Völker­verständigung vortäuschend, die Konterrevolution, die antisozialistische Reaktion zu unterstützen. An der Spitze all dieser Unternehmungen standen Vertreter des Schulbuchinstituts, die dem Sozialdemokratismus verhaftet, durch ihre Parteizugehörigkeit oder „Sympathie“ weniger belastet, ja so­gar vertrauenswürdig erschienen. Den militanten Gerhard Ritter bezog man nicht ein, wenngleich man sich 1968 bereits so weit wagte, daß man den Kreis der Diversionsträger sehr verbreiterte und auch fast Prof. Lemberg mit ins Spiel gebracht hätte. Das Ende und die Ursachen des Endes sind bekannt. Die Absicht ist damit nicht aufgegeben. Die „neue Ostpolitik“ verlangt geradezu ihre Fortsetzung. Bloß, wie in der BRD selbst geäußert wird, soll alles noch effektiver werden. Die plumpe Verleumdung müsse flexibleren, nicht so leicht durchschaubaren Methoden weichen. Aber Feind bleibt Feind, sagt Eckert selbst, der, selbst ein sehr umgänglicher Mann, keine faschistische Vergangenheit hat, zwischen 1939 und 1945 über alte Geschichte schrieb, heute auch Materialien und Berichte über Ge­schichte der deutschen Arbeiterbewegung im niederdeutschen Raum heraus­gibt und so gar nicht dem Bild, der Vorstellung zu entsprechen scheint, das sich mancher von einem militanten Antikommunisten im Erziehungsbereich macht. Bisher Vorgetragenes könnte als eine Reihe von Behauptungen an­gesehen werden, da es in dieser Kürze nicht möglich ist, die Beweise um­fassend zu präsentieren. Ich möchte die verbindlichste Aussage, die des Direktors selbst, zum Schluß heranziehen. Der Antikommunismus in den Köpfen der westdeutschen Jugend, aber nicht nur bei ihr, denn inzwischen sind mehr als 20 Jahrgänge durch das „ideologische Stahlgewitter“ einer politischen Bildung in der BRD gegangen, ist das Ergebnis der „Systemorientiertheit“, wie Prof. Dr. Eckert vor nicht allzu langer Zeit in einem Interview zugab. Wer veranlaßte nun diese Systemorientiertheit, von der man sich an Hand der Materialien der westdeutschen Lehrbücher für alle Schulgattungen überzeugen kann? Sicher, das Braunschweiger Institut war nicht der Befehlende, aber auch nicht der widerwillige Befehlsempfänger. So einfach ist die Sache nicht zu sehen.

Das Internationale Schulbuchinstitut ist eine Institution im System des staats­monopolistischen Kapitalismus der BRD. Sie ist also selbst systemorien­tiert und macht zur gegebenen Zeit daraus kein Hehl. Die „Systemorientiert­heit“ wird im übrigen als Orientiertheit auf die in der BRD existierende Gesellschaftsordnung gar nicht verurteilt. Kritisiert werden faktisch nur nicht mehr aufrecht zu erhaltende Ergebnisse als Produkt einer ehedem selbst betriebenen Geschichtspropaganda in Schulbuch und Schulunterricht. Seitens des Direktors des Internationalen Schulbuchinstituts wird als Ur­sache der bundesdeutschen antikommunistischen Geschichtsverfälschung (vorzüglich des Antisowjetismus) eine sehr seltsame Mischung von „Theo­rien“ und Erscheinungen angegeben: Marx und die politischen Linken hät­ten bereits im 19. Jahrhundert die Grundlage für die antirussischen Klischees der Gegenwart geliefert. Die „Art und Weise“ der Durchführung der Ok­toberrevolution durch die Bolschewiki ist der nächste Grund. Ihm folgen deutsche „Linke“ aus der Zeit der Weimarer Republik und das etwas „ge­trübte subjektive Erfahrungsbild“ der deutschen Kriegsgefangenen, die als die Geschlagenen des zweiten Weltkrieges ein anderes Rußlandbild erhiel­ten – womit sich die Frage stellt, warum gerade jene falsch gesehen haben, die heute in der BRD leben, warum jene das antikommunistische Bild mitbestimmen durften. Der Antikommunismus der „Nationalsozialisten“, das Wort Faschisten scheut man sich immer noch anzusprechen, wird zwar auch genannt, aber es heißt gleich weiter, daß die „Sprachbarriere“ Schuld trage, der gebildete Deutsche hatte zwar Englisch und Französisch, aber nicht Russisch gekonnt, und weil Rußland kein Reiseland gewesen sei, sei das antikommunistische Rußlandbild entstanden.

Wenn es in den letzten Jahren „im Interesse der politischen und publizisti­schen Macht in der BRD“ gelegen hätte, ein anderes, ein nicht-antikommunistisches Geschichtsbild zu erzeugen, hätte man es geschafft, „etwa über die Schule, die Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen“[11], heißt es weiter. Die Aufgabenstellung soll unverändert bleiben, der Kampf gehe weiter. Man wird flexibler werden, sich noch aufgeschlossener geben, aber „auch künftig den Kommunismus kritisieren“, „nur sollte es ‚gefühlsfrei' geschehen“[12]. Die innere und die Diversionsfunktion werden an Gewicht gewinnen, das ist schon jetzt ersichtlich. Hier sieht auch der Sozialdemokratismus ein Be­tätigungsfeld. Das internationale Schulbuchinstitut hatte die Chance, für Frieden und Völkerverständigung zu wirken. Es sank trotz „Europa-Preis“ und „internationaler Autorität“ zum Apologeten des Antikommunismus herab. Es soll sich manches bessern, wird geschrieben. Wir werden das prüfen – ich wiederhole es bewußt – an dem bei uns üblichen Kriterium der Wahrheit, der Praxis. Wir tun es nicht abwartend, sondern wie immer aktiv, analysierend, wertend und in kämpferischer Auseinandersetzung. Es ist das Gebiet der Ideologie, hier gibt es keine Koexistenz.

Quelle: Das Internationale Schulbuchinstitut in Braunschweig – Leiteinrichtung antikommunistischer Erziehung und Diversion, In. Die marxistisch-leninistische Pädagogik – eine streitbare Waffe gegen den Antikommunismus, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1972, S.309 ff.

Prof. Dr. Rudolf Hub war Direktor der Sektion Marxismus-Leninismus an der Pädagogischen Hochschule „Dr. Theodor Neubauer“ Erfurt-Mühlhausen.


[1] Vgl. H. Wagner: Das Bild der jüngeren polnischen Geschichte in den Schulbüchern der Bundes­republik. In: Internationales, Jahrbuch für Geschichtsunterricht, Bd. IX, Braunschweig 1964, S. 63.

[2] Vgl. Wie soll man der jungen Generation die Geschichte des Nationalismus erklären? In: Ebenda, S. 266.

[3] O.-E. Schüddekopf: Die Ergebnisse von 20 Jahren Schulbuchrevision. In: Schriftenreihe des Inter­nationalen Schulbuchinstituts, Braunschweig, Nr. 12/1966, S.  55.

[4] Ebenda,  S.   59.

[5] K. Mielcke: Die Widerstandsbewegung. In: Internationales Jahrbuch für Geschichtsunterricht, Bd. V, Braunschweig 1956, S. 4 ff.

[6] Vgl. Die Slawen und wie. Politische Koexistenz ist keine primitive Weißwäscherei. In: „Der Ge­werkschafter“, Frankfurt am Main, H.  10/1970, S. 368.

[7] Vgl. O.-E. Schüddekopf. A. a. O.

[8] Vgl. ebenda, S. 62.

[9] Die Niederlande und Deutschland. In: Deutschland-Norwegen. Empfehlungen zur Behandlung der geschichtlichen Beziehungen Norwegens und Deutschlands. Sonderdruck aus dem Bd. XI des Inter­nationalen Jahrbuchs für Geschichtsunterricht, Braunschweig 1967.

[10] O.-E. Schüddekopf: Geschichtsbücher verlieren ihr Gesicht. In: „Neue Ruhr-Zeitung“ v. 7. 6. 1967.

[11] Die Slawen und wir. A.a.O., S. 370

[12] Ebenda, S. 371

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