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Ziele,
Mittel und Methoden der antikommunistischen Manipulierung der Jugend
Aus:
Die marxistische-leninistische Pädagogik – eine streitbare Waffe im
Kampf gegen den Antikommunisnmus (Autorenkollektiv), Volk und Wissen
Volkseigener Verlag Berlin, 1972
von
A. Kossakowski (1972)
auf
Kommunisten-online am 25. Mai 2010
Prof.
Dr. habil. Adolf Kossakowski war Direktor des Instituts für Pädagogische
Wissenschaften der DDR und Mitglied des Präsidiums der Akademie der Pädagogischen
Wissenschaften der DDR.
Für
eine systematische
ideologische Diversion nach außen (aber auch für die nach innen
gerichtete Manipulierung der gesamten Bevölkerung, insbesondere der
eigenen Jugend) entwickelte der Ideologe der US-Army, Linebarger,
die sogenannte „STASM-Formel", eine Abkürzung für die
in der Propagandatätigkeit zu berücksichtigenden Hauptfaktoren. Es
sind dies: die Quelle (source), die Zeit (time), die
Adressaten (audience), das Thema (subjekt) und die
Aufgabe (mission). Ergänzt wird diese STASM-Formel
durch ein System von Darstellungstechniken, wie Suggestion von
Vorurteilen, Frappierung, einstellungskonträre Argumentation,
Schockierung, Faszination u.a.
Im
folgenden sollen einige der genannten Komponenten näher charakterisiert
werden, um damit dieses raffinierte und gefährliche System deutlich zu
machen.
Die
Quelle: Hinsichtlich der Quelle unterscheidet man zwischen
„weißer", „grauer" und „schwarzer" Propaganda. In
der ideologischen Diversion sowie im Manipulierungsprozeß bedient man
sich besonders der „schwarzen" Propaganda, bei der die wirkliche
Quelle eine andere als die angegebene ist, die meist
anonym durch Gerüchte usw. in Erscheinung tritt und die durch
eine Mischung von tendenziösen Wahrheiten, Halbwahrheiten und bewußten
Lügen besonders für Fehlinformationen und Desorientierungen geeignet
erscheint.
Die
Zeit: Was den Faktor Zeit anbelangt, so geht es vor allem
darum, den Adressaten pausenlos zu beeinflussen, dabei aber gleichzeitig
das bekannte Phänomen
der psychischen Sättigung zu vermeiden. Nach Linebarger müssen
die beeinflussenden Informationen dem Menschen wie ein Schatten folgen,
ihn vom frühen Morgen bis zum späten Abend begleiten, dabei aber stets
ihr Gewand wechseln. Er sagt: „Die Propaganda muß abwechselnd die
Sprache der Mutter, des Schullehrers, des Liebhabers, des Zuhälters,
des Polizisten, des Schauspielers, des Geistlichen, des Kumpels und des
Publizisten gebrauchen."
Es werden auch über längere Zeiträume sich erstreckende
Propagandawellen gefordert, die geeignet sind, die Einstellung
nachhaltig unter bestimmten Zielstellungen zu manipulieren. Mit dem
Zeitfaktor ist auch ein etappenweises Vorgehen gemeint, wobei in
einzelnen Abschnitten unterschiedliche methodische Grundverfahren
eingesetzt werden sollen.
Die
Adressaten: Besondere Aufmerksamkeit wendet man dem
Hauptfaktor, dem Adressaten, zu. Deshalb spielen exakte Analysen der
Meinungen und Verhaltensweisen bestimmter Adressatengruppen eine bedeutsame Rolle im Mechanismus
der systematischen Diversion und Manipulierung. Es werden ganze
Typologien von Adressatengruppen entwickelt, und die ideologische
Beeinflussung wird gezielt auf die Besonderheiten der gezielten
Adressatengruppe abgestimmt. Um die ideologische Diversion gegen die Bürger
der DDR zielgerichteter führen zu können, charakterisierte Schroers
1961 folgende Verhaltenstypen:
ideologisches
Verhalten,
loyales
Verhalten,
naives
Verhalten,
einseitig
technisch-sachliches Verhalten,
rentnerhaftes
Verhalten,
agentenhaftes
Verhalten und
partisanenhaftes
Verhalten.
Die
Abstufung wird deutlich, und entsprechend soll auch die
Einwirkungsrichtung aussehen. Während es nach Meinung Schroers nicht
lohne, auf Menschen mit "ideologischem Verhalten" einzuwirken,
da sie so gefestigt seien, daß auch die raffiniertesten Methoden
unwirksam blieben, sei es besonders leicht, Personen mit einseitig
technisch-sachlichem und rentnerhaftem Verhalten zu beeinflussen, da
sich diese einseitig von materiellen Vorteilen bzw. von technischer
Brillanz leiten ließen. Der politische Auftraggeber werde beliebig
gewechselt. In gewissem Grade treffe dies auch für den loyalen
Verhaltenstyp zu. Der vorher von Linebarger angeführte Wandel der
Sprache des Propagandisten in Fernsehen, Rundfunk, Presse usw. wird auch
für das Ansprechen unterschiedlicher Adressatengruppen sowohl im
eigenen Machtbereich als auch in den sozialistischen Ländern gefordert.
Für
die Diversion unter Jugendlichen wird vor allem die Berücksichtigung
solcher Eigenschaften von Jugendlichen wie starke Gefühlsansprechbarkeit, Geltungsstreben,
Opposition
gegenüber Erwachsenen und deren Ideologie, Abenteuer- und Sensationslust, Hang zum Neuen, Modernen, Extremen usw. empfohlen. Es wird auch in
skrupelloser Offenheit zum Ausdruck gebracht, daß man die
Unerfahrenheit, die
innere Unsicherheit und die weltanschaulichen Schwankungen der
Jugendlichen für die Diversion und Manipulierung nutzen
müsse.
Die
Themen: Bezüglich der Themenwahl sei jedes
Thema recht, wenn es nur destruktiv
auf den Hörerkreis wirke. Von der Ablenkung durch Musik-, Mode-
und Sexthemen über die Abstumpfung durch billige Krimis, Horrorfilme
und sadistische Themen bis zu direkter antikommunistischer Beeinflussung
werden alle Themen genutzt. Wie skrupellos dabei vorgegangen wird, sagt
Linebarger: „Ein Propagandist, der das Böse vermeidet,
leistet nur halbe Arbeit."
Eine weit verbreitete Methode ist die der Verunsicherung des Adressaten
durch ein Überangebot von nebensächlichen Informationen, die von wesentlichen Vorgängen ablenken,
zumindest aber eine progressive Orientierung erschweren sollen.
Im
Sinne der thematischen Verwirrung werden ferner folgende Methoden häufig
angewandt:
Gelenkte
Nichtbenutzung und
Ersetzen unbequemer und den Volksmassen nicht immer geläufiger
Begriffe (Kapitalismus wird zu „moderner Industriegesellschaft",
Ausbeuter und Ausgebeuteter werden zu „Sozialpartnern" usw.).
Bewußtes
„Verfälschen"
(Umfunktionieren) von Begriffen. Beispiel: „Freiheit ist das, was wir
hier im Westen haben und was die dort drüben hinter dem 'Eisernen
Vorhang' nicht haben" (Ristow).
Systematische
Vergiftung bestimmter Begriffe, die bei Gegnern des Imperialismus
einen positiven Bedeutungsgehalt besitzen (z. B. wird der Begriff
„rot" in der imperialistischen Propaganda stets mit Begriffen wie
Terror, Schrecken usw. assoziiert).
Diffamierung
progressiver und gegen den Imperialismus gerichteter gesellschaftlicher
Erscheinungen durch Belegen mit emotional negativen Bezeichnungen.
So werden z. B. Bürgerrechtskämpfe in den USA mit dem Begriff
„Negerkrawalle", unsere Staatsgrenze zu Westberlin mit dem
Begriff „Schandmauer" diffamiert usw.
Einige
Methoden der Manipulation
1) Unter den Darstellungstechniken sind systematische
Suggestionen von Vorurteilen durch raffinierte, großaufgemachte
Fehlmeldungen und ihre halbe Zurücknahme, durch Verbreitung von Meinungen von „Autoritätspersonen", die
von dem betreffenden Sachverhalt in Wirklichkeit nichts verstehen oder
ihn bewußt entstellen, durch Vertuschung der politischen Hintergründe
eines Ereignisses und die Hervorhebung persönlicher, subjektiv gefärbter „Erlebnisse" u.a. sehr verbreitet.
Als z.B. die imperialistische Verschwörung gegen die Republik Guinea
zerschlagen und die Beteiligung der BRD aufgedeckt wurde, bombardierte
man die Hörer des Westfunks mit Aussagen von angeblichen Freunden und
Bekannten der Mittäter über deren „persönliche Lauterkeit",
„geschäftliche Korrektheit", "soziale
Hilfsbereitschaft" usw.
2)
Zur bewußten Desorientierung gehört auch die sogenannte „Frappierung“,
bei der der Adressat auf raffinierte Weise mit einer „völlig neuen Sichtweise“ für einen an
sich klaren und feststehenden Sachverhalt mit dem Ziel überrascht wird,
seine eigene Meinung zu verunsichern. Besonders gegenüber Jugendlichen,
die weder die Absicht eines solchen Vorgehens noch den Sachverhalt ohne
weiteres selbst zu durchschauen vermögen, ist das eine besonders
niederträchtige Methode. Gleiches gilt auch für die Praktiken der
einstellungskonträren Argumentation, in denen Jugendliche aufgefordert
werden, einmal „ganz sachlich“ alle Argumente zusammenzutragen, die gegen
ihre Meinung sprechen könnten. Wie psychologische Untersuchungen
ergeben haben, führt ein solches Verfahren in den meisten Fällen zu
einer Einstellungsänderung in Richtung der konträren Argumente!
3)
Bei der „Scbockierungsmethode“, die auch
unter dem Begriff der „Eskalation“ bekannt ist, wird durch eine
drastische Maßnahme ein Einstellungsschock herbeigeführt, der durch
Wiederholung zu einer nachhaltigen Verhaltensänderung führen kann. Die
Adressaten sollen sozusagen zwangsläufig in die angestrebte Richtung
mitgerissen werden. Ein besonders drastisches Beispiel der Anwendung
dieser Methode ist die zweimalige Auslösung von Atomalarm innerhalb von
48 Stunden in einigen US-amerikanischen Großstädten Mitte Februar
1971. Der immer weiter um sich greifende Widerstand breiter Teile der
amerikanischen Bevölkerung gegen den Krieg in Südostasien sollte durch
die schockierende Wirkung des Atomalarms als Hinweis
auf die angeblich ständige Bedrohung durch den Kommunismus gebrochen
werden. Die Ablenkung von den Greueltaten amerikanischer Soldaten in
vielen Staaten Südostasiens und die Absicht, gleichzeitig den
Kommunisten den „Schwarzen Peter“ zuzuschieben, war ein
entscheidendes Ziel dieser Methode.
4)
Die „Faszination“, die vor allem durch eine verlockende
Darstellungsweise von Idolen erreicht wird, die als Schlagersänger,
Musik- und Tanzfans sowie Playboys das „wahre", „freie",
„süße" Leben verkörpern, soll die Jugend von politischen
Fragen und von ihrer Unzufriedenheit mit den gesellschaftlichen Verhältnissen
in imperialistischen Staaten ablenken. Sie soll den Jugendlichen der
sozialistischen Staaten Traumbilder vorgaukeln, die völlig der harten
kapitalistischen Realität widersprechen.
Die
Aufgabe: Mit dem hier angedeuteten System von Methoden und
Techniken der geistigen Manipulierung und der ideologischen Diversion
soll – besonders bei Jugendlichen sozialistischer Staaten – zunächst
ein etappenweiser Abbau bereits entwickelter sozialistischer
Einstellungen und Verhaltensweisen erzielt werden. Nach Erreichen einer allgemeinen
Verunsicherung und Labilisierung soll dann schließlich eine
konterrevolutionäre Aktivierung erfolgen.
Der
Hauptweg ist dabei – psychologisch gesehen – zunächst die
systematische Behinderung einer wissenschaftlich fundierten
Standpunktbildung beziehungsweise die Verunsicherung eines bereits
erarbeiteten Standpunktes durch bewußte
Desorientierung der Jugendlichen. Der nächste Schritt soll im
Aufbau antisozialistischer Einstellungen und Verhaltensweisen durch
scheinrationales Argumentieren, besonders aber durch „emotionale
Verseuchung", bestehen. Dazu wurde in der BRD ein ganzer
„Wissenschaftszweig", die Psychagogie, entwickelt, worunter ihre
Begründer die Macht verstehen, „Gefühle und Gedanken ... durch Methoden,
die sich nicht an die Vernunft wenden, zu beeinflussen und zu
lenken".
Auf
diese Weise wird eine unterschwellige Beeinflussung erreicht, die von
manipulierten Adressaten kaum noch wahrgenommen wird.
Schlußfolgerungen:
Der
westdeutsche Psychologe Hofstätter sagte bereits 1949 dazu, man könnte
die bürgerliche
Propaganda „als auf das subkortikale Wesen gerichtet auffassen,
das vom kritischen, die Resonanz dämpfenden Einfluß des Großhirns
befreit werden soll“(6).
Es wird hier deutlich, wie die
Psychologie unter den Bedingungen der spätbürgerlichen
Gesellschaft von der herrschenden Klasse für ihre Zwecke skrupellos mißbraucht
wird! Man muß diese
menschenfeindlichen Ziele, Mittel und Methoden der ideologischen
Diversion allen Lehrern und Erziehern und den Jugendlichen selbst
vor Augen führen, damit sie deren ganze Skrupellosigkeit und Gefährlichkeit
erkennen und ihr bewußt entgegentreten.
Die
effektivste Form des Kampfes gegen die ideologische Diversion ist die
Entwicklung fester politisch-weltanschaulicher Überzeugungen, eines festen Klassenstandpunktes
in allen Fragen des Lebens und die Herausbildung
entsprechender sozialistischer Verhaltensweisen. Dies wird übrigens
auch von den Agenten der ideologischen Diversion so eingeschätzt.
Darüber
hinaus müssen gezielte,
systematische Auseinandersetzungen mit gegnerischen
Argumenten geführt und den Jugendlichen die Ziele und Praktiken der
ideologischen Diversion sowie die Funktion des Westfunks und
Westfernsehens (als gegenwärtig wirksamste Mittel dieser Diversionstätigkeit)
bewußtgemacht werden.
Besonders
wichtig ist die Befähigung
der Jugendlichen zu selbständiger bewußter Auseinandersetzung mit
gegnerischen Argumenten und mit Altersgenossen,
die sich der Feindpropaganda offenbar nicht immer entziehen können.
Die
gegenseitige Erziehung der Jugendlichen wird gerade in diesem wichtigen
Bereich zu einer wichtigen Frage, weil im Jugendalter die „öffentliche
Meinung" des jeweiligen Kollektivs für die
Einstellungsentwicklung sowie für das Verhalten Jugendlicher von großer Bedeutung ist. Ein
gut entwickeltes Kollektiv besitzt auch intensivere und direktere Möglichkeiten
der erzieherischen Einwirkungen als Erwachsene bzw. berufliche Erzieher.
Quelle:
Die marxistische-leninistische Pädagogik – eine streitbare Waffe im
Kampf gegen den Antikommunisnmus (Autorenkollektiv), Volk und Wissen
Volkseigener Verlag Berlin, 1972, S.327ff. (leicht bearbeitet)
P.A.M.Linebarger: Der
psychologische Krieg. Washington 1954. Übersetzt ins Russische.
Moskau 1962, S.211.
R.Schroers:
Der Partisan. Köln, (West-)Berlin 1961.
A.Böhm:
Macht und Kontrolle. In: "Rheinischer Merkur", Köln, Nr.
8/1969, S. 38.
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