| „Das religiöse Elend ist in einem
der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem
die Protestation gegen das wirkliche Elend.
Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt
einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände
ist. Sie ist das Opium
des Volkes.“ (Karl Marx: Zur Kritik der Hegelschen
Rechtsphilosophie. Einleitung) |
Berlin:
Berliner
beim Volksentscheid gegen Religionsunterricht als Pflichtfach
Aber:
Die
Berliner Koalition will Religion jetzt durch die Hintertür zum
Pflichtfach machen
Von
Gerd Höhne
Kommunisten-online
vom 30. April 2009 – Die Kirchen führten den Wahlkampf mit allen
Mitteln: Sie schickten Drücker herum, die Unterschriften einsammelten,
damit der Volksentscheid ermöglicht wird – Geld hierfür haben sie ja
genug, treibt doch der Staat für sie die Kirchensteuer ein. Denn aus
normalen Mitgliedsbeiträgen bekommen sie kein Geld. Mit aufwendigen
Wegen muss ein Bürger aus der Kirche austreten, obwohl er nie
eingetreten ist. Die Eltern lassen für das Kind – weil es die Familie
so will oder um einen Anlass für eine Feier zu haben – in einer
Kirche von einem Kleriker das Kind mit Wasser bespritzen. Damit ist es
lebenslang, wenn es mal Geld verdient, Kirchensteuerpflichtig. Will
dieser Mensch dem entkommen, so muss er persönlich zum Amtsgericht
gehen, 30 Euro berappen, seinen Personalausweis und sein Familienbuch
mitbringen – so in NRW. In
manchen Bundesländern ist es kostenlos in anderen Bundesländern kann
es beim Standesamt und/oder bei einem Notar erklärt werden, kostet dann
aber bis zu 60 Euro.
Die
Hürden für den Kirchenaustritt sind hoch gelegt, trotzdem treten immer
mehr aus. Die Kirchen sind sonntags gähnend leer – umso lauter aber
dann die Glocken, die – wenn auch vergeblich – zum Gottesdienst
rufen. Wenn schon mal, wie Weihnachten, die Kirchen gut besucht werden,
ist es dann sogar eine Meldung in der Tagesschau wert.
Ebenso
gering ist der Einfluss der Kirchen auf das Denken und Handeln der
Menschen. Kaum jemand hält sich an die Ratschläge des Papstes, keinen
Sex mit Partnern zu haben, mit denen man nicht (kirchlich) verheiratet
ist. Das gilt auch für Ehescheidungen und das gilt für
Schwangerschaftsabbrüche. Kaum ein (getaufter) Katholik richtet sich
nach den Klerikern.
Für
die Prosttanten gilt das ebenfalls. Zwar haben die nicht so viele
Verbote, aber auch da ist der Rat eines im schwarzen Anzug Schall und
Rauch. Kurz: Kirchen haben keinen wirklichen Einfluss auf die Menschen
in unserem Land – sieht man mal von einigen wenigen Gegenden ab.
Also
versuchen die Kirchen ihr Opium in die Köpfe jener rein zu bekommen,
die dann später, umnebelt vom Weihrauch des religiösen Opiums, die Gläubigen
von morgen sind. Über den Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach
wollen sie hier die Sucht nach dem Gift auslösen zu können – was
aber auch nur bedingt klappt.
In
Berlin gibt es keinen Religionsunterricht als Pflichtbach, nur als
freiwilliges Wahlfach fristet es in den Schulen ein Schattendasein. Dem
wollte man abhelfen, indem neben dem Ethikunterricht, der Pflichtfach
ist, nun alternativ Religion angeboten werden sollte. Das scheiterte am
Willen der Berliner, die mehrheitlich die Schwarzkittel aus staatlichen
Schulen rausgehalten haben wollen.
Wer
aber die Reaktion der Offiziellen beider Großkonfessionen verfolgt,
wundert sich, wie gelassen es die Kirchen hinnehmen. „Der
Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch,
und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD),
Bischof Wolfgang Huber, riefen den Senat auf, beim Religionsunterricht
kompromissbereit zu sein.“ „Kompromissbereit“?
Was meinen die wohl damit? Das zeigt nicht eben die Bereitschaft, den
Willen der Berliner, sie, die Kleriker, sollen ihre Aktivitäten auf
ihre Sakralbauten beschränken zu beachten. Eher die versteckte Forderung an die
Politik, nun doch ihnen die Möglichkeit zu geben, die Hirne der Kinder
mit religiösem Rauschgift zu vernebeln.
Weiter
heißt es in der Pressemeldung;
„Vertreter
von SPD und Linkspartei zeigten Bereitschaft, über weitere
Kooperationen beider Fächer zu sprechen.“
In Berlin sagt man: „Nachtijall, ick hör dir trapsen.“ Die wollen
nichts anderes, als
„kompromissbereit“ den Willen der Bürger umgehen
und die Schulen den Schwarzkitteln öffnen. Religion wird eben als
„Ethikunterricht“ ausgegeben.
Der
evangelische Landesbischof Huber kündigte bereits an, „Gespräche
mit dem Senat über die Inhalte des Ethikunterrichts aufnehmen zu
wollen.“ Er will sich also in staatliche Belange einmischen und
eindeutige Voten der Bürger zu Makulatur machen. Und die Politiker von
SPD und „Links“partei sind willig:
„Der
Partei- und Fraktionschef der Berliner SPD, Michael Müller, äußerte
seine Bereitschaft zu Gesprächen über weitere Kooperationen beider Fächer. Er
habe auch kein Problem mit mehr Unterrichtseinheiten
über Religion im Ethikfach. Der Vorsitzende der Linksfraktion im
Bundestag, Gregor Gysi, appellierte an Senat und die anderen Befürworter
des Ethikunterrichts, mit den «Pro
Reli»-Anhängern «wieder ein kooperatives Verhältnis herzustellen»“
Ähnlich
die Grünen Ihr Sprecher Volker Ratzmann meint: „Es
komme darauf an, Kirchen und Religionsgemeinschaften in den
Ethikunterricht einzubeziehen.“
So
umgeht man eindeutige Voten der Bürger und zeigt somit, was sie wirklich
vom Volkswillen halten.
G.H.
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