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»Breker hat seine Begabung an die Nazis verkauft«

Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft protestiert gegen Werkschau von Hitlers Lieblingsbildhauer in Schwerin. Ein Gespräch mit Hajo Jahn

Quelle: jungeWelt vom 11. August 2006

Arno Breker:

Bronzebüste von Hitler

Arno Breker:

Germanischer Recke, der rassische Idealtyp der Nazis

»Breker hat seine Begabung an die Nazis verkauft«

Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft protestiert gegen Werkschau von Hitlers Lieblingsbildhauer in Schwerin. Ein Gespräch mit Hajo Jahn

Hajo Jahn ist Vorsitzender der ­Else-­Lasker-Schüler-Gesellschaft in Wuppertal. Die Gesellschaft mit ihren etwa 1400 Mitgliedern pflegt das literarische und künstlerische Werk der 1869 geborenen Schriftstellerin, die 1933 vor den Faschisten fliehen mußte und 1945 in Jerusalem verstarb.

Knappe drei Wochen nach ihrer Eröffnung verbucht die Werkschau von Hitlers Lieblingsbildhauer Arno Breker im Schweriner Schleswig-Holstein-Haus bereits über 5000 Besucher. Die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft hat sich nun den Protesten gegen diese Exposition angeschlossen. Was kritisieren Sie an der Ausstellungskonzeption?

Der scheinbare Erfolg der Ausstellung ist darin begründet, daß sie als erste große Werkschau Sensationsgier befriedigt. Man stellt den Menschen Arno Breker nicht in seiner Komplexität dar. Hier sind öffentliche Gelder in ein Projekt geflossen, das zu sehr auf Effekthascherei gerichtet und zuwenig aufklärerisch ist. Breker hat ja seine Begabung verkauft und sich nicht weiterentwickelt in seiner Kunst, sondern faschistische Nazikunst gemacht. Er hat mit seinen Figuren die Großmannssucht Hitlers unterstützt und die Ideologie des Regimes zum Ausdruck gebracht. Und das muß herausgearbeitet und dargestellt werden. In der Literatur und journalistischen Beiträgen ist das ja längst geschehen, aber eben nicht in der Ausstellung. Der Psychologe Alexander Mitscherlich sprach von infantiler Omnipotenz. Vielleicht leiden darunter auch manche Ausstellungsmacher.

Inwiefern spiegeln Brekers Skulpturen die Naziideologie wieder?

Er hat im Sinne einer Ideologie ein falsches Bild vom Menschen gezeichnet. Seine Tetanus-Figuren entsprechen nicht dem Normalmenschen. Wer Wundstarrkrampf hat, dessen gesamte Muskeln erstarren. Bei einem normalen Menschen, selbst bei einem Sportler, ist das nicht der Fall. Breker preist die Schönheit des menschlichen Körpers. Aber Gerhard Hauptmann, bei dem Breker nur den Kopf porträtierte, hatte natürlich keinen Idealkörper.

War Breker selbst ein überzeugter Nazi?

Er war ein Sympathisant und ein Nutznießer der Nazis. Natürlich hatte er auch eine Seite, die positiv zu sehen ist, wie bei Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Er hat zum Beispiel jüdische Bekannte unterstützt. Aber er hat mit seiner Kunst dem Regime gedient und dabei kräftig verdient. Für junge Leute ist es sehr wichtig, zu sehen, wie Menschen verführt wurden oder durch ihre Begabung und ihren Zugang zu solchen Machthabern andere Menschen irregeführt wurden.

Laut einem Artikel im Spiegel hatte Breker bis ins hohe Alter Kontakte ins rechtsextreme Milieu. So erhielt er in den 70er Jahren den Goldenen Ehrenring des »Deutschen Kulturwerkes Europäischen Geistes«, das 1950 von einem ehemaligen NSDAP-Funktionär zur weiteren Förderung ehemaliger Eliten des Nazisystems gegründet wurde. 1980 bekam er die Ulrich-von-Hutten-Medaille der rechtsextremen Gesellschaft für freie Publizistik.

Breker stand rechts und hat sich bis zum Schluß in diesem Sinne geäußert. In den 60er Jahren hat er in einem Zeit-Interview gesagt, Hitler wäre ein großer Staatsmann gewesen, wenn die Sache mit den Juden nicht gewesen wäre.

Sie haben bereits in den 90er Jahren eine geplante Breker-Ausstellung in Wuppertal verhindert?

Wuppertal ist die Partnerstadt von Schwerin, und Breker kommt aus Wuppertal. Im Von-der-Heydt-Museum, das auch nach einem Sympathisanten und Nutznießer der Nazis benannt wurde, sollte eine Ausstellung über den jungen, unbefleckten Breker gemacht werden. Dieses habe ich verhindern können als Studioleiter des WDR und Vorsitzender der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft. Als Mitstreiter hatte ich damals Ralph Giordano sowie Ignatz Bubis, der Mitglied der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft war, gewonnen.

Im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft haben der Schriftsteller Ralph Giordano und die Initiatorin des Berliner Holocaust-Mahnmals, Lea Rosh, die Verhüllung oder Entfernung der Breker-Statuen am Berliner Olympiastadion gefordert. Wäre das sinnvoll gewesen?

Nein. Ich bin dafür, daß man sich ganz offen mit diesen Auswüchsen und der Diktatur auseinandersetzt. Verhüllen hilft überhaupt nichts. Man hätte dort während der Weltmeisterschaft erklärende Texte anbringen können.

Interview: Nick Brauns

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