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Vor 50 Jahren:

Grenzsicherungsmaßnahmen der DDR am 13. August 1961

Nachhilfe für Ewiggestrige

„Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben“

Buchtipp von Oberstleutnant a.D Harry Popow

Kommunisten-online vom 21. Juli 2011 – Wie nicht anders zu erwarten: Das Buch mit dem Titel „Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben“ von Armeegeneral a.D.Heinz Keßler und Generaloberst a.D. Fritz Streletz (edition ost, 220 Seiten), wirft gehörig Staub auf. Zerrt es doch ans Licht, was allzu gerne totgeschwiegen wird: Die Schuld des Westens am Kalten Krieg, der ein heißer zu damaliger Zeit zu werden drohte. Und nach der sogenannten Wende fürchten die Kapitaloberen und ihre Marionetten in der Politik nichts so sehr wie ein Dacapo einer echten Alternative zum jetzigen Herrschaftssystem. Das sind sie - die echten Ewiggestrigen, die von einer dringend notwendigen Veränderung des Gesellschaftssystems nicht nur nichts halten, sondern jede Idee zum Besseren für das Wohl der Menschheit mit Füßen treten und jede Idee dahin im Keime ersticken wollen.

Das ist in der krisengeschüttelten Gegenwart nicht verwunderlich, ruft doch selbst so ein gestandener Mann wie der Franzose Stéphane Hessel dazu auf, sich gegen das weltweit agierende Finanzkapital zu erheben, sich zu empören. Ist es doch eine Frage des Überlebens geworden, den nationalen und internationalen Profitjägern, Verdummern, Lügnern, Geschichtsfälschern mit knallharten Tatsachen ins Handwerk zu pfuschen. Deshalb auch dieser Stich ins Wespennest: Die beiden NVA-Militärs schreiben Klartext. Faktenreicher gehts wirklich nicht - endlich ist es da, das sehr gründlich recherchierte, für die Geschichte so wichtige Buch.

Wie viele andere hatte auch ich kürzlich die Freude, es anläßlich der ersten Mitgliederversanmmlung des Traditionsverbandes der NVA e.V. nicht nur schlechthin zu kaufen, sondern es von den Autoren signieren zu lassen: Die 220 Seiten habe ich in nur wenigen Stunden regelrecht „verschlungen“. Natürlich liest man Bekanntes, Ablauf und Gründe für den Bau der „Mauer“. Richtig interessant und bisher weitgehend unbekannt sind die in die Tiefe gehenden Passagen, die - weiter ausholend - die Fakten im Zusammenhang betrachten, so zum Beispiel, als bereits im Frühjahr 1945 in der Schweiz mit der Geheimoperation „Sunrise“ der eigentliche Anstoß für den Kalten Krieg gegeben wurde. Ganz zu schweigen vom Verlauf der internen und offenen Kriegsvorbereitungen nach 1945 gegen die Sowjetunion und die anderen sozialistischen Länder. Ich erspare mir hier die zahlreichen und unwiderlegbaren Details der Kausalkette des knallharten Kampfes gegen den Osten anzuführen. Nicht unerwähnt soll sein: Auch dadurch wird der „Nur-Rührseligkeits-Welle“ mit Tränen der Opfer die Einseitigkeit genommen. Die Reduzierung großer politischer Zusammenhänge aufs Detail, aufs Pars pro toto (Teil fürs Ganze), wie es im Stilistischen heißt - das ist Methode!! (Geht es den Hassern des Fortschritts etwa um die Menschen, um deren Schicksale? Sie werden nur benutzt, denn da spielen ganz andere Dinge eine Rolle und die Heuchelei feiert ihre Triumphe!!)

Es ist nicht nur unverschämt und zeugt von einer Nicht-Gewollten-Wahrheitsfindung, wenn die jetzigen Machthaber samt ihrer Medien zum Beispiel vom Verhöhnen der „Opfer“ des Mauerbaus faseln. (Jedes Opfer ist immer eins zuviel, aber ohne zusammenhängendes Denken und Analysieren gelangt man nicht zur Wahrheit.) Vergessen sind also die insgesamt etwa 80 Millionen Toten des II. Weltkrieges? Und die 17 Millionen des I. Weltkrieges? Und wenn man die 70 Millionen Opfer dazurechnet, die es bei einer bewaffneten Auseinandersetzung allein in den USA gegeben hätte? (Siehe im Klappentext Kennedys Aussage!!) Ich wage gar nicht die tödliche Leere und Stille im europäischen Raum nach einem großen Knall zu beziffern! Und wer verhöhnt vor allem diese Opfer? Nicht diejenigen, die dem Kriege und deren kapitalherrschaftliche Ursachen endgültig den Garaus machen wollten, sondern jene, die um die Ursachen von weltweiten Konflikten große Bogen machen und alle Schuld auf „Terroristen“, auf „Linksradikale“, auf jene lenken wollen, die nicht müde werden - dankenswerterweise - der Welt eine andere, friedvollere Perspektive zu geben. Nicht, weil sie es möchten, sondern weil es längst nach zwölf Uhr ist, den Ewiggestrigen mit Worten und Argumenten, mit Demonstrationen und mit der gesamten breiten Palette der Kunst und Kultur in den Arm zu fallen. Dafür stand auch die DDR ein. Dafür und darum stand die „Mauer“, von der Kennedy einst sagte, sie sei nicht schön, aber tausendmal besser als Krieg. Möge die neuerliche Mauer zwischen Ost und West, zwischen oben und unten, zwischen Arm und Reich, zwischen Dummköpfen und Sehenden Stück für Stück durchlöchert werden - so wie das die hochbetagten und verdienstvollen beiden NVA-Generäle ihr Leben lang und mit diesem wunderbaren Buch getan haben. Wer heutige gesellschaftliche Widersprüche mißachtet, sie nicht sehen will, macht sich wieder einmal mitschuldig - wie 1933 und danach... Deshalb die nachdrückliche Nachhilfe für Ewiggestrige.
Oberstleutnant a. D. Harry Popow

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Heinz Keßler/Fritz Streletz:

Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben. Zwei Zeitzeugen erinnern sich. edition ost, Berlin 2011. 224 Seiten, 12,95 Euro.

Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben. Edition OstBuchtitel: Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben
Buchautor: Heinz Keßler und Fritz Streletz

Es kriecht immer noch aus dem gleichen Schoß

Leserbrief von Harry Popow

Auf Kommunisten-online am 16. August 2011 – Noch haben wir im Ohr, was Herr Wowereit zum Fluglärm über dem Müggelsee vor wenigen Tagen von sich gab: Wenn das Umweltbundesamt (UBA) die Routen prüft und das mit Gosen nicht ginge, na dann müssen die Menschen eben die Belastungen hinnehmen (die „Wirtschaftlichkeit“ müsse beachtet werden). Stunden später stellt er sich – ebenso wie andere Politiker – am 13. August ans Rednerpult und heult den Leuten in heuchlerischerweise vor: Für Tote durch Mauer und Stacheldraht gäbe es keine Gründe. Das sagt also ausgerechnet einer, der von den Bürgern fordert, „Gedankenlosigkeit und auch Unkenntnis“ zu Teilung und Mauerbau zu überwinden. Welche Ursachen führten denn letztendlich zur Abriegelung zwischen den zwei größten und weltmächtigsten Militärblöcken? Und war das etwa eine „innerdeutsche Grenze“?

Mauertote? Und wenn sie nicht gebaut worden wäre? Es ist nicht auszudenken, mit welchem Zynismus über damalige neue Gefahren für den Weltfrieden hinweggegangen wird. Ist das nicht kriminell? Dazu noch volksverdummende? Gar nicht zu reden von dem, was die DDR-Bürger nach dem Mauerbau für Vorteile genießen konnten. So die „junge weilt“ vom 13. August 2011 u.a.: 28 Jahre Friedenssicherung, keine Beteiligung an Kriegseinsätzen, ohne Guidoknoppgeschichten, keine Erwerbslosigkeit, keine Suppenküchen, keine Neonazis, keine Zwei-Klassen-Medizin, 28 Jahre Bildung für alle.

Hier nur mal ein Zitat aus Rotfuchs, Heft 138, Juli 2009: Der Kalte Krieg wurde mit allen Mitteln forciert, und man sah auch anderes vor: Am 9. Juli 1961 verlangte die „Bonner Rundschau“, der Westen müsse dazu in der Lage sein, „alle Mittel des Krieges, des Nervenkrieges, des Schießkrieges anzuwenden. Dazu gehören nicht nur herkömmliche Streitkräfte und Rüstungen , sondern auch die Unterwühlung, das Anheizen des inneren Widerstandes, die Arbeit im Untergrund, die Zersetzung der Ordnung, die Sabotage, die Störung von Verkehr und Wirtschaft, der Ungehorsam, der Aufruhr.“

Hat er das und anderes mehr vergessen? Oder gar nicht gewusst? Was ist denn das für eine Gedankenakrobatik? Wie ewig gestrig ist denn dieser Mann? Nähert sich diese Geisteshaltung – in Umgehung der geschichtlichen Ursachen - nicht BILD an? Herr Wowereit, Sie spielen mit den Emotionen der Menschen. Und was lese ich weiter? Über die deutsche Teilung und den Mauerbau solle mehr in den Familien gesprochen werden? Das tun wir ehemaligen DDR-Bürger ohnehin, je nach eigenen Erfahrungen. Und wahrlich nicht unbedingt in dem Sinne, wie ein Herr Wowereit das vorzugeben wünscht. Ihre Ratschläge, Herr Wowereit, brauchen wir wirklich nicht dazu.

Wie viel Tränen und Gedenkminuten gab es wegen der Millionen Opfer des von Deutschland angezettelten zweiten Weltkrieges? Eine Schande, wenn man daran denkt, wie im damaligen Westdeutschland Blutrichter wieder in Amt und Würden kamen. Wie die KPD verboten wurden, wie Antifaschisten verfolgt wurden. Wie die Spaltung forciert wurde durch die separate Währungsreform 1948 in den Westzonen und die Gründung der BRD. Alles vergessen? Das ist ja nicht zum Aushalten.

So einfach ist das. Alles wischt er vom Tisch: Den Kalten Krieg von Anbeginn seit 1945, die Hallstein-Doktrin, mit der der Osten wirtschaftlich ausgeblutet werden sollte, die kriegerischen Absichten, Ostdeutschland „befreien“ zu wollen.

Aber das ist ja die Masche des Kapitals. Alles zurückdrängen, was nach Rot aussieht. Nicht mit einer umfassenden Betrachtungsweise, sondern mit einem Focus, der auf einzelne Tatsachen gerichtet ist, mit einem verengenden Blick, mit einer absoluten Einäugigkeit. Dazu müssen die Opfer herhalten. Man benutzt sie, um im Wahlkampf punkten zu können und um die Linke fertig zu machen, um nie wieder den Sturz des Kapitals zuzulassen. Der Kalte Krieg lässt grüssen.

Nicht zuletzt nochmals die Demos gegen Fluglärm und Nachtflügen betreffend: Wer immerfort Ämter, Kontrollmechanismen, Bürokratie und sonstige „Entscheidungsträger“ den menschlichen und berechtigten Interessen der betroffenen Einwohner vorzieht, also Regeln, die für einige Leute „wirtschaftlich“ wichtiger sind als die Gesundheit der Bürger, der kann kein echter Volksvertreter sein, der ist ein Menschenverächter. Der steht unter dem Diktat des Geldes, das weiß doch jeder... Und: Es sind Ausflüchte, um sein Gesicht nicht zu verlieren.

Die Trauer der Maueropfer wegen – natürlich ist sie berechtigt und notwendig. Aber mit Augenmaß! Sie muß gleichzeitig Mahnung sein! Für echte Alternativen zum gegenwärtig Krisen verursachenden Großkapital. Die Opfer des Kalten Krieges und die für die Anwohner unzumutbaren Flugrouten – die Ursachen, die giftigen Triebkräfte, sie kriechen aus dem gleichen Schoß.

Harry Popow, Schöneiche bei Berlin

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