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Bildungsstreik
Augenzeugen
berichten über Vorgehen der Polizei (Teil 1)
Veröffentlicht:
Meriem Benslim, Olga Kapustina
Quelle:
Ruhrbarone
vom Donnerstag, 19. November 2009
Der
Bildungsstreik in Essen sorgt weiterhin für Diskussionen. Wie wir berichtet
haben, wurden am 17.11.09 auf einer friedlichen
Studentendemonstration um die 150 Demonstranten von der Polizei
eingekesslt und festgenommen. Wir haben Augenzeugen befragt, wie sie die
Situation und die Vorgehensweise der Polizei wahrgenommen haben. Und
welche Reaktionen sie nun fordern.
Daniel
Lucas, Referent für Hochschulpolitik an der Universität Duisburg-Essen
Für
mich hat die Eskalation
angefangen, nachdem die Polizei die Versammlung aufgelöst
hat und wir nicht in die Innenstadt gelassen wurden. Das war am
Hirschlandplatz. Ich wurde schlichtweg grundlos davon abgehalten einen
öffentlichen Platz zu betreten. Wir mussten uns dann in Richtung
Hauptbahnhof entfernen. Als wir dort waren, habe ich erfahren, dass noch
Schülerschaften aus Duisburg auf dem Weg nach Essen sind. Um sich
anzuschließen. Ich habe diese Info durch ein Megaphon durchgegeben. Ich
wollte, dass wir auf die Schüler warten, sie abholen, wenn sie sich
schon die Mühe machen.
Daraufhin
wurde mir von der Polizei mitgeteilt ich sei
Versammlungsleiter. Man hat mich nicht einmal gefragt, man
hat es mir mitgeteilt. Dann wollten sie meine Personalien haben. Ich
habe nicht eingesehen für die Gruppe die Verantwortung zu übernehmen.
Viele der Teilnehmer kannte ich gar nicht. Außerdem war die Gruppe
vollkommen eigendynamisch. Als sich ein Kommilitone neben mich gestellt
hat, wurde er in sehr sehr rüdem Ton aufgefordert, den Platz zu
verlassen. Was ich sehr bedenklich finde. Wenn ich mit der Polizei in
Kontakt stehe, habe ich gerne einen Zeugen an meiner Seite. Ich finde es
schon seltsam, wenn die Polizei das nicht zulässt.
Sie
konnten mir aber die Versammlungsleitung nicht aufzwingen. Darum haben
sie dann eine Anzeige fingiert. Die lautet: Anstiftung zu einer
Straftat. Bisher weiß ich immer noch nicht, wen ich eigentlich zu was
angestiftet haben soll. Stehen zu bleiben und zu warten, ist nach meinem
Rechtsverständnis keine Straftat. Ich habe zufällig den Polizeifunk
mithören können. Da kam dann die Durchsage: „Und jetzt wird
knallhart durchgegriffen.“ Das ist dann ja ganz offensichtlich auch
geschehen.
Es
wäre das Beste, wenn die Hundertschaften offiziell benannt werden. Die
dort anwesend waren. Weil es Hundertschaften gibt, die immer wieder
negativ auffallen. Und es wäre schön, wenn die Art und Weise der
Polizeieinsätze endgültig diskutiert wird. Ein Kommilitone hat mir
berichtet, dass er Quarzsandhandschuhe an Polizisten gesehen hat. Die
sind nicht dazu da, um die Beamten zu schützen, sondern die sind
explizit dafür da, körperlichen Schaden anzurichten. Und das sollte
eigentlich nicht im Interesse unserer Exekutive sein. Diese Polizisten
werden meist von ihren Kollegen gedeckt. Das ist ein Unding.
Ein
Student der Geisteswissenschaften der Universität Duisburg-Essen
Ich
bin fünf Minuten nach der Kesselbildung am Porscheplatz dorthin
gekommen. Da habe ich die ersten gewalttätigen Übergriffe
festgestellt. Ein jüngerer Schuler – so etwa zwölf Jahre alt –
wurde in den Polizeikessel hineingezerrt nachdem er heraus wollte. Er
wurde von einem Polizisten heraus gebeten, weil er weinend und ziemlich
aufgelöst drin stand. Ein anderer Polizist hat das wohl nicht
mitgekriegt und hat diese Person an der Kapuze zurück in den
Polizeikessel geworfen. Es kam zu Tumulten.
Die
Studenten und Schüler haben sich über diese Handgreiflichkeit gegenüber
einem so jungen Menschen aufgeregt. Daraufhin wurden zwei Personen aus
dem Kessel mit massiver Gewalteinwirkung entfernt – das habe ich persönlich
gesehen. Einem Studierenden wurde auf die Nase geschlagen, so dass sie
blutete. Blut spritzte an eine sich dahinter befindende Bauplane und
wurde von einem anderen Polizisten mit dem Ärmel abgewischt. Die
Polizisten haben diese Person gegen die Plane gedrückt und weiterhin
darauf Blut verschmiert, das wieder weggewischt wurde. Ein anderer
Demonstrant wurde auf den Boden geworfen. Während ein Polizist diesem
auf dem Rücken kniete, wurden ihm von einem anderen die Beine verdreht.
Davon gibt es auch Fotoaufnahmen, soweit ich informiert bin.
Ich
glaube, dass die Polizei so aggressiv auf die Demonstration reagiert
hat, weil sie der Situation nicht gewachsen war. Nach meiner Einschätzung
waren da eine bis zwei Hundertschaften, was für eine Gruppe aus zwei
bis drei tausend Demonstranten relativ wenig ist. Man hat den Polizisten
aufgrund ihrer Körpersprache angesehen, dass sie nervös waren. Sie
haben sich viel umgeschaut, haben immer wieder Schlagstöcke rausgezogen
und eingesteckt.
Etwa
eine halbe Stunde nach der Kesselbildung habe ich gesehen, wie ein
Demonstrant sich nicht sehr laut über die Maßnahmen der Polizei erregt
zeigte. Daraufhin trat ein Polizist, der einige Schritte von diesem
Menschen entfernt stand, aus der Polizeikette heraus, drehte sich um,
zog seinen Schlagstock heraus, schlug diese Person gegen das Becken, die
daraufhin sich krümmend verschmerzend zusammensackte. Dann stellte sich
dieser Polizist ohne weiteren Kommentar in die Kette. Das sind
Situationen, die ich bei den Studentenprotesten noch nie gesehen habe.
So eine unverhältnismäßige Gewaltanwendung, auch gegenüber Minderjährigen,
hat mich schockiert.
Bildungsstreik
Augenzeugen
berichten über Vorgehen der Polizei
Veröffentlicht:
Meriem Benslim, Olga Kapustina (Teil 2)
Quelle:
Ruhrbarone
vom 20. November 2009
Der
Bildungsstreik in Essen sorgt weiterhin für Diskussionen. Wie wir
berichtet haben, wurden am 17.11.09 auf einer friedlichen
Studentendemonstration um die 150 Demonstranten von der Polizei
eingekesslt und festgenommen. Wir haben Augenzeugen befragt, wie sie die
Situation und die Vorgehensweise der Polizei wahrgenommen haben. Und
welche Reaktionen sie nun fordern.
Nur
Satmaz, Lerhamtsstudentin (Geschichte, Mathematik, Türkisch) an der
Universität Duisburg-Essen
Im
Porscheplatz hat sich die Demo zugespitzt. Die Polizisten haben uns dort
eingekesselt. Geschubst wurden wir auch. Ich wollte eigentlich weg. In
die U-Bahn. Aber die Polizei hat mich nicht durchgelassen. Ich war mir
aber gar keiner Schuld bewusst. Wir hatten keine Waffen oder so was. Wir
waren ganz friedlich. Weder habe ich etwas kaputt gemacht, noch habe ich
das bei anderen beobachtet. Es wurde auch niemand beschimpft.
Sinn
einer Demo ist ja eigentlich, dass man gesehen wird. Und wir haben das
Gefühl gehabt, dass wir in die kleinen Gassen befördert wurden. Weil
wir unangenehm sind. Obwohl wir einfach nur für unsere Rechte kämpfen
wollen. Es gab auch nicht die Idee, das Rathaus zu stürmen, wie es in
einigen Medien heißt. Davon war keine Rede. Ich finde es aber eine gute
Idee zum Rathaus zu gehen, weil der Bürgermeister auch mal sehen soll,
was wir auf dem Herzen haben. Wir wollten sichtbar sein, weil wir im
Bildungssystem ernsthafte Probleme haben. Ich habe eine Situation
beobachtet, da habe ich echt Angst bekommen.
Ich
habe gesehen, wie ein Polizist einen Studenten in den Kessel gedrängt
hat. In der Hand hatte er ein Gerät. Dass er drohend auf ihn gerichtet
hat. Das war so ein kleines, ahndgroßes Gerät. Im ersten Moment dachte
ich, es wäre ein Pfefferspray. Aber dann habe ich gemerkt, dass da oben
ein Metalldraht war. Das muss ein Elektroschocker gewesen sein. Ich
hatte Angst um den Studenten. Er selbst war auch geschockt. Der hatte
gar nichts gemacht. War nicht gewalttätig oder so.
Am
Ende wurden wir alle festgenommen. Mussten unsere Personalien abgeben
und wurden durchsucht. Das Ganze ging 2 bis 3 Stunden. Keiner hat uns
gesagt, was passieren wird. Welche Konsequenzen auf uns zukommen. Ich
hab mir echt Gedanken gemacht. Vor allem um meine berufliche Zukunft.
Schließlich werde ich Lehrerin. Mein Rechtsanwalt meinte, ich müsste
womöglich 50 bis 100 EUR dafür zahlen. Aber woher soll ich das Geld
nehmen? Ich erwarte, dass der Vorfall diskutiert wird. Von den
Politikern. Und ich möchte wissen, warum wir eigentlich eingekesselt
wurden. Das verstehe ich nämlich immer noch nicht.
Jens
Friebe, Student der Wirtschaftwissenschaften an der Universität
Duisburg-Essen
Als
die Demonstration offiziell zu Ende war und wir dann in die Innenstadt
ziehen wollten, um auf die öffentliche Bühne zu kommen, wurde eine
Postenkette von der Polizei aufgestellt. Uns wurde gesagt, wir sollen
uns zum Hauptbahnhof begeben und nach Hause fahren. Wir haben aber
trotzdem weiter Lärm gemacht. Nach dem dritten Aufruf der Polizei haben
die Polizisten sofort die Helme aufgesetzt und ihre Schlagstöcke bereit
gemacht, um uns einzuschüchtern.
Für
einen Studenten, der in der Szene nicht aktiv ist und von einem
Polizisten nie verprügelt wurde, war es im ersten Moment echt hart. Da
waren auch Minderjährige dabei, die zum ersten Mal demonstrieren waren
und teilweise ganz schon die Hosen voll hatten. Daraufhin sind wir alle
auseinander gegangen, haben die Seitenstraßen genommen und uns auf der
anderen Seite der Postenkette wieder getroffen. Auch wenn sich keiner
der Passanten uns angeschlossen hat, bekamen wir hier schon eine menge
Zuspruch.
Im
Einkaufszentrum am Porscheplatz wurde die Polizei zwischendurch
handgreiflicher. Wir haben zwar eine menge Lärm gemacht, waren aber
alle komplett friedlich. Plötzlich wurde uns bewusst, dass die Polizei
hinter und vor uns die Ausgänge zugemacht hat. Ich hatte Glück und
wurde nicht eingekesselt. Aber die, die hinter uns waren, waren dann
mitten im Kessel gefangen und wurden später festgenommen. Ein kleiner
Junge, der wegrennen wollte, wurde von den Polizisten eingeholt, zu
Boden geschubst und mitgenommen.
Ich
erhoffe von der Politik, dass, so wie es in anderen Bundesländern üblich
ist, die Polizisten in NRW eindeutige Nummern auf dem Helm oder dem Rücken
bekommen, damit sie eindeutig gekennzeichnet sind. Damit man schwarze
Schafe, die zum Beispiel Totenköpfe auf ihren Schlagstöcken haben (wie
auf dem Foto, das ich auf der Demonstration gemacht habe) rauspicken
kann.
Veröffentlicht
am Freitag, 20. November 2009 um 15:10 Uhr, Meriem Benslim, Olga Kapustina
Bildungsstreik
Augenzeugen
berichten über Vorgehen der Polizei
Veröffentlicht:
Meriem Benslim, Olga
Kapustina (Teil 3)
Quelle:
Ruhrbarone
vom 21.
November 2009
Der
Bildungsstreik in Essen sorgt weiterhin für Diskussionen. Wie wir
berichtet haben, wurden am 17.11.09 auf einer friedlichen
Studentendemonstration um die 150 Demonstranten von der Polizei
eingekesslt und festgenommen. Wir haben Augenzeugen befragt, wie sie die
Situation und die Vorgehensweise der Polizei wahrgenommen haben. Und
welche Reaktionen die Studenten nun fordern.
Klaudia
Sczendzina, Studentin der Soziologie an der Universität Duisburg-Essen
Als
wir im City-Center am Porscheplatz waren, wurden auf einmal alle Ausgänge
zugemacht. Es kam nichts rüber, warum die Polizei das gemacht hat. Ich
habe dann nachgefragt, aber die haben nicht geantwortet. Nur eine
Polizistin meinte: „Wir möchten auch irgendwann mal Feierabend haben.
Langsam reicht’ ja. Wir wollen jetzt auch nach Hause“. Auf einmal
waren wir dann komplett eingekesselt mit ziemlich vielen Polizisten. Ich
hab dann wieder gefragt, was los ist. Wieder keine Antwort. Die Polizei
hätte mehr mit uns kommunizieren sollen. Das fand ich nicht richtig.
Erst später wurde mir gesagt, dass ich eine Anzeige wegen
Landesfriedensbruch bekomme. Und ich habe erfahren, dass vielleicht ein
Bußgeld auf mich zukommt. Ich werde mich auf jeden Fall an die Rote
Hilfe wenden. Es gibt einen Anwalt, der sich um so was kümmert. Ich
sehe es halt nicht ein, Geld für meine Meinungsfreiheit zu zahlen.
Der
Polizei mache ich weniger einen Vorwurf, sondern dem, der das angeordnet
hat. Und ich habe gelesen, dass war der Innenminister. Der hat einfach
falsch gehandelt. Die Polizei ist eh nur ausführend. Die machen das,
was ihnen angeordnet wird. Wir wollten nur demonstrieren. Die Gerüchte,
dass wir das Rathaus stürmen wollten, sind schlichtweg falsch. Niemand
wollte das Rathaus stürmen! Vor allem die Leute direkt im City-Center
einzukesseln, das hat alles dort lahm gelegt. Es wurden sogar Leute
mitgenommen, die überhaupt nichts mit der Sache zu tun hatten. Auf der
Wache hat ein Mädchen erzählt, dass sie gerade von der Schule kam und
nur was einkaufen wollte. Und zack, war sie mit im Kessel. Und kam nicht
mehr raus.
Ich
fordere eine Verhältnismäßigkeit gegenüber solchen Vorfällen. Dass
man nicht direkt wegen einer friedlichen Demonstration so einen Radau
macht. Das Verhalten der Polizei hat das Ganze nur schlimmer gemacht.
Das Ordnungsgeld bin ich nicht bereit zu zahlen. Wir haben ja nichts
Schlimmes getan. Wir wollten nur unsere Meinung äußern.
Ich
hoffe nicht, dass Leute sich davon einschüchtern lassen. Egal ob ich
eingekesselt werde oder was anderes, ich werde weiterhin mitmachen. Ich
lasse mich von so was nicht einschüchtern, sonst hätten sie ja
erreicht, was sie wollten.
Birsen
Sevim, Lehramtsstudentin (Deutsch, Türkisch) an der Universität
Duisburg-Essen
Ich
habe gesehen, dass sich ein Student mit einem Polizisten
auseinandergesetzt hat. Das war im Kessel am Porscheplatz. Wie ich das
gesehen habe, wurde der von einem Polizisten angegriffen. Daraufhin hat
er sich gewehrt. Und auf einmal habe ich so sieben, acht Polizisten um
ihn herum gesehen, sodass er dann mitgenommen wurde. Ich finde, wenn wir
schon demonstrieren, dann sollten wir das auch frei tun. Die Polizei
sollte uns nicht so beschränken dürfen. Ich finde es nicht
gerechtfertigt, uns so zu behandeln. Wir haben nur demonstriert. Wir
haben keine Polizisten beleidigt und nichts Unanständiges getan.
Vor
meinem Studium habe ich eine Ausbildung zur
Rechtsanwaltsfachangestellten gemacht und ich kenne mich halbwegs mit
den Gesetzen aus. Aber plötzlich in so einer Lage zu stecken, war für
mich ein echt komisches Gefühl. Ich habe ja an der Demo teilgenommen,
weil ich was für mich und andere tun wollte. Unabhängig von den
Gesetzen, hatte ich das Gefühl: ich tue was Richtiges. Ich habe nicht
damit gerechnet, dass so was passiert. Ich meine, wir kämpfen für
unsere Bildung.
Ich
fand es schon heftig, dass die uns eingekesselt haben. Vor allem hat
mich gewundert, dass normale Passanten nicht raus gelassen wurden. Nur
ältere Leute durften raus. Mich hat gewundert, dass die Polizei so
total unorganisiert war. Als die uns mitgenommen haben, in den Bussen,
hab ich gesehen, dass draußen immer noch Leute standen. Ich habe dann
nachgefragt: „Wieso haben sie eigentlich ausgerechnet uns
mitgenommen?“ Weil da eben noch viele draußen frei rum standen. Und
der Polizist meinte: „Das kann ich Ihnen auch nicht sagen. Sie sind
jetzt die Glückliche.“ Das hat er mir geantwortet! Das heißt, einige
Demonstranten durften gehen. Andere nicht. Das konnte ich mir in dem
Moment überhaupt nicht erklären. Ich hatte das Gefühl, die haben ganz
willkürlich gehandelt. Damit sie einfach jemanden in der Hand haben.
Den sie beschuldigen können. Und aus dem sie Profit machen können.
Mein Anwalt meinte nämlich, dass ich damit rechnen kann, einen Bußgeldbescheid
zu bekommen. Wir kämpfen für die Abschaffung der Studiengebühren. Es
ist echt eine Frechheit uns dann so was noch aufzuerlegen. Das finde ich
total ungerecht.
Im
Gesetz heißt es: die Würde des Menschen ist unantastbar. Als wir
eingekesselt waren, habe ich darüber nachgedacht. Da wurde eigentlich
auch unsere Würde in Grenzen verletzt. Irgendwo. Als Mensch habe ich
mich so gefühlt. Ich hatte das Gefühl, sobald man den Mund aufmacht,
sobald man seine Meinung sagt, ist man gar nicht mehr so frei. Ich hab
die Meinungsfreiheit wirklich hinterfragt. Ich hatte das Gefühl, dass
es doch nicht der Fall ist. Ich habe das in dem Moment gesehen, als wir
eingekesselt und mitgenommen worden sind. Ich würde gerne wissen, warum
wir eingekesselt wurden. Mit welchen Gedanken. Ob die Angst hatten, dass
wir zu weit gehen. Eine Rechtfertigung für das Verhalten. Wir waren ja
nicht gefährlich. Ich glaube, die wollten einfach nur ihre Stärke
zeigen. Ich glaube, viele lassen sich jetzt von Demos abhalten. Das ist
ganz schlecht. Bei einer Freundin habe ich gemerkt, dass sie jetzt Angst
hat. Und überlegt, überhaupt noch auf Demos zu gehen. Ich war
fassungslos, wie sie das geschildert hat.
Veröffentlicht
am Samstag, 21. November 2009 um 22:47 Uhr, Meriem Benslim, Olga Kapustina. |