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10.
November 1944: Unweit des Bahnhofs des
Arbeiterstadtteils Köln-Ehrenfeld:
Gestapo
ermordet 13 junge Menschen am Galgen. Noch drei Tage ließ man
die Leichen der jungen Antifaschisten zur Abschreckung hängen. |
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Gedenkintafel
für die 13 ermordeten Edelweißpiraten und die mit hier einen
Monat vorher ermordeten
Zwangsarbeiter.
Den
Edelweißpiraten wurde lange
ddie Anerkennung als Widerstandskämpfer verwehrt. Sie wurden
von den bundesdeutschen Behörden als Kriminelle eingestuft. Die
Tafel wurde daher erst 2003 angebracht. (Text siehe) |
Edelweißpiraten
Kinotipp
für JW, 10.11.2005 von Dr. Seltsam
Gestern
am 10. November hatte bundesweit der Film „Edelweißpiraten“
Premiere, das Datum wurde gewählt zur Erinnerung an die schreckliche
Hinrichtung von dreizehn jungen Menschen am 10.11.1944 in Köln
Ehrenfeld. Ohne Prozeß und Gerichtsurteil hängte die SS ihre zuvor
gefolterten Gefangenen öffentlich in einer Reihe an einem roh
gezimmerten Galgengerüst auf, zur Abschreckung, wie es hieß. Dies ist
die erschütternde historische Schlußszene des besten deutschen
Antifa-Filmes, den wir je gesehen haben. Kein Trost bleibt dem
Zuschauer, außer der hinreißenden Erzählstimme eines alten Überlebenden
und der Tatsache, das einer der Folterer später in der BRD tatsächlich
neun Jahre Knast bekommen hat. Es bleibt die Einsicht: Der Faschismus
ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen, und im Kampf dagegen geht es
auf Leben und Tod, damals wie heute.
Dieser
Film hat zuwenig Preise bekommen und zuwenig Aufmerksamkeit. Schon zur
ersten Aufführung bei der Berlinale im Frühjahr hieß es: „..ein
spritziger Jugendfilm von Niko von Glasow, der viel eher die Lorbeeren
der „Sophie Scholl“ verdient hätte.“ (Antifa 4/05). Mit
Widerstands-Filmen ist es ja nicht einfach, weil die Geldgeber meist
ihre besondere Wirklichkeitssicht damit propagieren. In der frühen BRD
gab es den „20.Juli“-Film und die sehr uninteressante Frage, ob
Nazi-Offiziere ihr Ehrenwort gegenüber Hitler brechen dürfen, in
„Des Teufeld General“ nach Zuckmayer erlebten wir mit Curd Jürgens
einen typisch Deutschen Helden, der nicht gegen die Verbrecher -
Regierung aufmuckt, sondern sich lieber selbst umbringt. Auch bei
„Sophie Scholl“ regiert immer noch die doitsche Innerlichkeit, sie
geht am Ende mutig zum Galgen, obwohl sie eigentlich gar nichts gemacht
hat außer ein paar Flugis zu verteilen, grauenhafter Kitsch. Der
DDR-Film „KFK an PTX“ ist eine ideologische Denunziation der u.a.
hunderte Arbeiter umfassenden Widerstandsbewegung Rote Kapelle als „bürgerlich“;
schließlich die Hollywood-Produtionen „Furtwängler“ und
„Schindlers Liste“ bleiben wieder im „Gewissensentscheid“ des
Individuums stecken, - und das Individuum kann sich halt so oder so
entscheiden; auf diese Weise wird der Künstler eben Nazifreund und der
Lebemann Nazigegener. Wie erfrischend dagegen dieser Film, in dem die
Frage, ob man Widerstand leisten will, gar kein Gegenstand langer
Gewissenserforschung ist sondern als einfache logische Konsequenz der
proletarischen Lebensumstände erscheint.
Die
Edelweißpiraten waren wie die Swingjugend in Hamburg, wie die
Baum-Gruppe in Berlin, wie der Sportverein Makkabi, der noch Mitte der
Dreißiger Jahre Hitlerjungen in die Spree jagte, (Coco Schumann erzählt
das) und wie die vielen Proleten aus Kreuzberg und Neukölln, die unter
dem Schutz oppositioneller Offiziere Plakate verklebten, allesamt ganz
selbstverständlich der Meinung: Gegen die Nazis muß man bewaffnet
vorgehen, eine Ansicht, die heute zunehmend verloren gegangen ist. Und
dass in diesem Film auch Kindern dieser Weg gezeigt wird, ist besonders
mutig., ein halbes Jahr später würde dieser Film unter Otto Schilys
geplantes „Gesetz gegen die Lobpreisung von Terrortaten“ fallen.
Hier werden die filmischen Mittel so neu und so mitreißend eingesetzt,
daß sich jeder Junge in die aktive Antifaschistin Cilly Thalbach und
jedes Mädchen in die Ripke-Brüder und sogar in Bela B. von den Ärzten
verlieben wird, der als alter KZler „Bomber-Hans“ die listigen
Traditionen des Arbeiterwiderstands verkörpert. Ein Aufatmen geht durch
das ganze Kino, als endlich der Nazichef abgeknallt wird. „Sinnlose
Gewalt“ werden die Pädagogen schreien, aber wie schön, wie befreiend
wirkt das für den Moment. Keine Frage: Dieser Film ist ein blendendes
Plädoyer für „Gewalt gegen Nazis“ und das ist gut so!
Man
hätte sich gewünscht, daß die Premiere dieses Films mit einem glamourösen
Gala-Aufmarsch der linken und antifaschistischen Prominenz gefeiert
worden wäre, wir haben so selten Gelegenheit, der bourgeoisen
Dreckskultur Widerstand zu zeigen und auch im Zustand der Bewegungs-Ebbe
soll man laut Gramsci den Kampf um die kulturelle Hegemonie nicht
vernachlässigen. Bestimmt wäre auch Edi Stoiber gekommen, weil er ihn
für einen Bayrischen Heimatfilm hält und wir hätten wir prima
rausschmeißen können. Aber der Film läuft in Berlin sang-und klanglos
in nur zwei Kopien, weder VVN noch Linkspartei haben seine Bedeutung
erkannt, der Verleih glaubt offenbar auch nicht an den Erfolg, oder hat
kein Geld, oder Angst vor der eigenen Courage, wer weiß. Das renovierte
wunderschöne Kino Babylon bemüht sich nach Kräften, zu dem Film Schülergruppen
einzuladen, Antifa-Projekttage und Diskussionen zu initiieren, etwa am
15.11. haben sie den Regisseur und den 75jährigen Jean Jülich aus Köln
zu Gast, der für den Bomber-Hans Pate stand. Bei Nina Hof vom Babylon
kann man Filmplakate bekommen, die jede Antfagruppe neben ihre eigenen
Plakate kleben sollte, es gibt sogar kleine silberne Edelweiß-Anstecker,
die hoffentlich demnächst neben schwarzroten Sternen unsere Kutten schmücken
werden. Bestürmt eure Lehrer,es gibt gutes Lehrmaterial zu dem Film, stürmt
in Riesengruppen das Kino, es gibt erhebliche Antifa-Ermäßigung! Tun
wir alles, damit dieser Film ein Longseller und ein überraschender
kultureller Erfolg wird, denn Antifa heißt Angriff und dieser Film
greift an!
Dr.Seltsam
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