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Demokratieerziehung
im Erziehungssystem der BRD in der Adenauerzeit Teil 1
Prügel gehörten zum
Alltag, Wissensvermittlung war zweitranig – Religion das Wichtigste
Von Günter Ackermann
Kommunisten-online vom 03. November 2009 – Es geistern seit
einiger Zeit Entschuldigungsrufe der Frommsten der Frommen, der
Oberhäupter der beiden großen christlichen Konfessionen, durch die
Presse. Das geht soweit, dass der Vorsitzenden der katholischen
Bischofskonferenz ankündigte, man werde alles schonungslos aufdecken.
Nun ja, die kennen ja auch das Neue Testament und da steht: "Wer da
glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet,
der wird verdammt werden."
Nun denn, also wird es wohl
ausgehen wie das Hornberger Schießen. Immerhin diente es ja zur
höheren Ehre Gottes und seine heiligen Kirche (katholisch und
evangelisch). Bei den Recherchen streubten sich mir die Haare. Ich bin
nicht zart besaidet aber das raubte mir erstmal den Schlaf. Und was das
Schlimmste ist, die, die das alles zu verantworten hatten, gingen
straffrei aus, manch einer wurde auch noch mit hohen Orden behangen. Die
Institutionen, lso die Heim, bestehen noch heute und haben in der Regel
auch die gleichen Besitzer. Die Kirchenpberen schütten sich Asche aufs
Haupt – mehr auch nicht.
Jetzt
wurde das, was damals geschah, öffentlich. Aber nicht, weil die
Kirchenoberen Reue zeigen, die ist nur Theater, die Sache kam raus,
wurde publik. Nicht etwa, weil die freieste der freien Presse, die es
jemals gab, die deutsche, sich der Sache annahm, sondern weil das, was
da in deutschen christlichen Kinderheimen passierte, auch in anderen
Länder in christlichen Heimen passierte. Die ehemaligen Zöglinge dort
gingen an die Öffentlichkeit und klagten. Die Diskussion über die
damaligen Zustände schwappt ganz einfach nach Deutschland – genau
genommen nur Westdeutschland über – es ist das Ansehen der Kirchen,
diesen Tempeln der wahren Menschlichkeit und christlicher Nächstenliebe
in Gefahr. Also zeigen die Kirchenoberen Reue und schütten sich Asche
aufs Haupt.
Das
Erziehungssystem der BRD war durchsetzt
von gewendeten Nazis – der SS-Mann, der Ernst Thälmann ermordete, war
Lehrer am Niederrhein
Ich
war nie in einem Kinderheim – glücklicherweise – sondern ich ging
in eine ganz normale Volksschule. Mit 13 Jahren, im September, nach den
Sommerferien, kam ich aus der DDR nach Kleve am Niederrhein zu meiner
Tante und ging dann da in die Schule – in die Volksschule, wie das
damals hieß. Es war für mich ein Kulturschock.
Wir
hatten in der DDR für jedes Fach Schulbücher, hier überhaupt keine.
Für Erdkunde und Geschichte verwendete unsere Klasse sog
Sanellabilder-Alben. Beim Kauf der Margarine Sanella bekam man diese
Bilder, die man dann in Alben einklebte. In den Alben waren dann die
Geschichten – meist phantastische, die mit der Realität nichts zu tun
hatten.
Ich
erinnere mich noch an das über den Fernen Osten, v.a. China. Es waren
gemalte Bilder von Chinesen, angezogen wie im alten Chinesischen
Kaiserreich. Der jugendliche Held erlebt dieses Land, begegnet Zauber
und anderen Eigentümlichkeiten. Spannend waren die Geschichten schon,
aber so authentisch, wie Karl May mit seinen Kara Ben Nemsi über den
Orient. Ich wusste mehr über China, ich kam ja aus der DDR. Das zu erklären
war nicht möglich, die Margarine-Bilder waren unsere Information über
China, dessen Revolution erst vier Jahre zurück lag.
Naturwissenschaften
hatten wir an zwei Stunden die Woche, es nannte sich Naturlehre und
bestand aus etwas Physik, Chemie, Biologie. In der DDR dagegen hatten
wir alle drei Naturwissenschaften in mehreren Stunden die Woche.
Im
Fach Geschichte eckte ich mit dem Klassenlehrer schon früh an.
Geschichte war mein Lieblingsfach, da hatte ich in der DDR immer sehr
gut. Hier – Mitte der 7. Klasse, denn das Schuljahr begann im Westen
zu Ostern – hatten wir den Stoff, den ich „drüben“ in der 6.
Klasse hatte. Thema war Preußen, konkret: Friedrich II.
Der
Lehrer fragte mich, wieweit wir in der „Ostzone“ in Geschichte
gekommen sind. Ich sagte es ihm, also bis zur Französischen Revolution.
„Na, dann musst du ja nichts nachholen“, bemerkte er. Der Lehrer
redete immer von einem Friedrich der Großen, der war mir unbekannt. Ich
ahnte, damit war Friedrich II, gemeint, war mir aber unsicher. Also
fragte ich.
„Na
Preußenkönig Friedrich der Große, “ war die Antwort. Ich fragte
zurück, ob das denn Friedrich II. sei.
„Nein“,
war die Antwort, „Friedrich der Große ist Friedrich der Große.“
Ich
war nun total verwirrt. Das bemerkte der Lehrer und kommentierte: „Naja,
der Günter kommt direkt aus der Zone, die wissen das eben nicht.“
Aber
der größte Schock war der Musikunterricht. Nein, nicht das Fach, der
Lehrer schockte mich. Als wir rüber ins Musikzimmer gingen, sagte mir
ein Mitschüler: „Heute gibt es wieder 5. Minuten Tänzchen. Der da.“
und zeigte auf einen anderen Schüler.
A
ja, dachte ich, Tanz hat ja etwas mit Musik zu tun. War aber auch etwas
erschrocken, denn Tanzen hatten wir in der DDR in diesem Alter nicht
gehabt. Ich hatte mich geirrt, was der Inhalt der Bezeichnung „Fünf
Minuten Tänzchen“ betrifft.
Als
wir alle im Musikzimmer waren, forderte der Musiklehrer den Schüler,
auf dem mein Kollege kurz vorher gezeigt hatte, auf nach vorn zu kommen.
Der ging, man konnte die Unsicherheit und Angst dem Jungen ansehen, sehr
zögerlich nach vorn zum Lehrerpult.
„Du
weißt. Was jetzt kommt?“ herrschte ihn der Lehrer an. Der Schüler
nickte. „Weißt du es?“, schrie der Lehrer jetzt. Verängstigt nickt
der Schüler ein zweites
Mal. Platsch, die erst Ohrfeige. Der Junge weinte jetzt.
„Flenne
nicht, bücken und fünf Minuten Tänzchen, “ fauchte der Lehrer.
Gehorsam bückte sich der Junge, der Lehrer holte einen Rohrstock und
ffft. Der erste Schlag traf ihn auf den Po.
Ich
war geschockt und verwirrt, ich wollte aus der Klasse rennen, denn das
mochte ich mir nicht ansehen. Ich blieb aber. Die schlagen hier? Ich
erinnerte mich an das, was meine Mutter von der Schule vor 1945 erzählt
hatte. Wie die Lehrer prügelten und auch sonst wie die Kinder
misshandelten. Und das auch hier?
In
der DDR war die Prügelstrafe schon seit dem Neuanfang der Schulen in
der Sowjetischen Zone, mit der Demokratischen Schulreform 1945/1946,
abgeschafft. Es war Lehrern streng verboten, die Schüler zu
misshandeln. Sogar Ohrfeigen waren verboten, ganz zu schweigen von
Prügelorgien mit dem Stock. Lehrer, die dieses Verbot missachteten,
hatten zumindest mit sofortiger Entlassung aus dem Schuldienst zu
rechnen, sie hatten Glück, wenn sie nicht vor Gericht landeten. Und
hier in der BRD war das alles anders, Prügel gehörten zur traurigen
Realität, sie waren Schulalltag – jedenfalls in den so genannten
Volksschulen.
Die
Volksschulen. So las ich viele Jahre später, als ich selbst die
Hochschule absolviert hatte, war z.B. im Land Nordrhein-Westfalen dazu
gedacht, Minimalkenntnisse in Lesen, Schreiben, Rechnen zu vermitteln,
aber die Schüler insbesondere zu guten Christen zu erziehen. Der dafür
zuständige Beamte im Kultusministerium – seinen Namen habe ich
vergessen – stammte aus dem Katholizismus und war mit höchsten
päpstlichen Orden ausgezeichnet.
Natürlich
war die Bekenntnisschule üblich. Wir in Kleve hatten ein eigenes
Schulgebäude – Lutherschule hieß sie. Zwar waren die Mitglieder der
evangelischen Kirchen hier in der Diaspora, aber genug, dass sich eine
eigene Schule lohnte. Es gab aber Schulen, wo sich katholische und
evangelische Schüler das Schulgebäude teilten. Auf dem Pausenhof war
dann ein dicker weißer Strich; Die eine Seite war katholisch, die
andere evangelisch und kein evangelischer Schüler durfte die
katholische Seite betreten und umgekehrt.
Das
war also die Erziehung zur Demokratie im Westen. Es sollten Untertanen
gezüchtet werden, deren Wissen nur soweit reichte, dass sie
Handwerksberufe erlernen konnten oder als ungelernte Arbeiter ihr Geld
verdienten.
Natürlich
war das auf den Gymnasien anders, aber die waren ja nicht für Kinder
der Arbeiterklasse.
Es
gab auch sog. Aufbaugymnasien, also Schulen, die auch Schüler aus
Volksschulen nach der 6. Klasse aufnahmen. Aber es gab am gesamten
Niederrhein nur ein einziges, das war in Moers, also eine Ecke weg von
Kleve. Ich wäre gern auf eine bessere Schule gegangen, das ging aber
nicht. Meine Tante, bei der ich lebte, war einfache Arbeiterin in einer
Schuhfabrik.
Es
war also nicht weit her mit der Demokratie. So, wie in NRW, war es mehr
oder weniger in allen Bundesländern – das Bildungsprivileg der
Bourgeoisie wurde einerseits zementiert, anderseits erzog man die
Arbeiterkinder zu Untertanen, die ihre Arbeitskraft verkaufen konnten
– mehr aber auch nicht.
Wenn
heute die Regierenden von demokratischen Traditionen der BRD schwärmen,
so sind sie entweder dumm und wissen es nicht anders, aber
wahrscheinlicher ist, dass sie lügen.
Noch
eine Episode zum Abschluss dieses Teils:
Nach
der Schulentlassung mit 14 Jahren, also 8. Klasse, bekam ich in Aachen
eine Lehrstelle als Elektroinstallateur in einen größeren
Handwerksbetrieb. Mein Chef war sogar Obermeister der Innung, Mitglied
der CDU und des Gemeinderates der katholischen Gemeinde.
Das
Lehrlingsheim, in dem ich wohnte, lag in dem gleichen Stadtteil, Träger
war die Caritas. Wir wohnten auch hier streng nach Konfessionen
getrennt: Die evangelischen Jugendlichen in der 1. Etage, die
katholischen Parterre. Klar, dass hier im Heim heftigste für di CDU
geworben wurde, sogar auf dem Fernseher war ein Schild angebracht, dass
das Gerät vom Ministerpräsidenten Karl Arnold gespendet worden sei –
obwohl der zu dieser Zeit in der Opposition war, in Düsseldorf stellte
die SPD den Regierungschef.
Ich
wollte mich politisch betätigen und war Mitglied der damals einzigen
linken Jugendorganisation SJD Die Falken, geworden. Die FDJ im Westen
war zu dieser Zeit bereits verboten.
Für
die Heimleitung war ich in keiner sozialdemokratischen, sondern in einer
kommunistischen Organisation, wobei nach deren Bewusstsein, schon die
SPD kommunistisch war. Ich hatte im Heim ja nicht verschwiegen, dass ich
bei den Falken war und sogar für die Mitgliedschaft da geworben.
Kurz
nachdem es im Heim bekannt geworden war, wo ich politisch organisiert
war, kam ich am Morgen zur Arbeit. Ich wurde sofort zum Chef bestellt,
der mir mitteilte, ich sei fristlos entlassen.
Die
Begründung: Er dulde in seinem Betrieb keine Kommunisten und schon gar
nicht, wenn er von ihnen auch noch bestohlen würde. Bestohlen? Ja,
teilte er mir mit, ich würde ihm Kupferdraht stehlen. Ich war verwirt.
Er forderte mich auf, ins Lehrlingsheim zur Heimleitung zu gehen. Als
ich da ankam, führte man mir einen Karton mit Drahtresten vor. Das
waren Drahtstücke von maximal 10 cm Länge, die abgeschnitten wurden,
weil der Draht da zu lang war. Diese Reste sammelten wir alle, denn sie
wären sonst im Schutt gelandet und in der Mülltonne gelandet. Wenn man
etwa ein Jahr gesammelt hatte, wurde die Isolierung abgebrannt und man
konnte dafür beim Schrotthändler ein paar Mark bekommen.
Es
war klar, die Zusammenarbeit zwischen der Heimleitung und meinen Chef
hatte zu meiner Entlassung geführt. Der Hauptgrund: mein angebliches
kommunistisches Engagement, die Drahtreste waren nur Vorwand.
Weder
über meine Mitgliedschaft bei den Falken, noch von den Drahtresten,
konnte mein Chef durch seine Gesellen erfahren haben. Zum einen,
sammelten die selbst die Drahtreste und zum anderen waren sie überzeugte
Sozialdemokraten, einige waren sogar Kommunisten. Erst die
Zusammenarbeit der Heimleitung über die katholische Kirche mit meinem
Chef, hatte mir die Lehrstelle gekostet.
Ende Teil 1
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Demokratieerziehung
im Erziehungssystem der BRD in der Adenauerzeit
Prügel
gehörten zum Alltag, Wissensvermittlung war zweitranig – Religion das
Wichtigste
Von
Günter Ackermann
Teil
2: Versteckte „Pädagogik“
Heimerziehung
in frommen Händen von Nonnen, Mönchen, Diakonissen und Diakonen:
Gewalt,
sexueller Missbrauch und Perversion – im Namen Gottes raubte man ihnen
die Kindheit
Kommunisten-online
vom 04. November 2009 – Prügel in der Schule waren damals im
Westen auf der Tagesordnung, auch, wenn es eine Menge Lehrer gab, die
sie ablehnten und auch nicht praktizierten. Prügel in der Schule war
offen und wurden nicht versteckt. Ganz anders jene Art der
„Demokratieerziehung“, die jenen angetan wurde, die auf irgendeine
Art auffällig und anders waren.
Und
davon gab es nicht wenige: Viele Ehen waren durch die Kriegsereignisse
zerrüttet, andere waren bestrebt, nach den Hungerjahren etwas
Lebensstandard zu erwirtschaften und dachten nicht daran, dass auch die
Kinder das Bedürfnis nach Wärme und Zuneigung brauchen usw.
Gab
es in der DDR für jedes Kind, vor der Schule, einen Krippen- oder
Kindergartenplatz; in der Schulzeit gab es Tagesstätten für
Schulkinder, mit Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung. Meine Mutter
erzog uns allein, also ging ich in solch eine Tagesstätte, die der
Schule angeschlossen war. Die Erzieher, als Horterzieher und als
Lehrer ausgebildet, waren also hoch qualifiziert. Die Tagessstätten
waren selbst dann offen, wenn Schulferien waren – in der Zeit aber
verbrachten wir den Tag außerhalb der Stadt. Natürlich mit voller
Verpflegung.
Nicht
so im Westen. Kindergärten gab es zwar auch, aber viel zu wenige,
Krippen gar keine oder zumindest so wenige, dass es der Erwähnung nicht
wert ist und Tagesstätten für Schulkinder gab es auch nicht – gibt
es ja immer noch nicht.
Wenn
da ein Kind sozial auffällig wurde, war schnell das Jugendamt auf der
Matte und ein Vormundschaftsrichter veranlasste „Fürsorgeerziehung in
einer geschlossenen Anstalt“. Wer nicht konform war, wurde weg
geschlossen. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Was
den Kindern, die dahin kamen, blühte, unten einige Auszüge der
Berichte Betroffener vor dem Petitionsausschuss des Bundestages vom 6.
Dezember 2006:
Bericht E.F.
(damals 15 Jahre alt)
Bodelschwingsche Anstalten Bethel,
evangelisches Mädchen und Frauenheim Ummeln
„Nach
der Aufnahme wurden mir, ohne das ein Arzt mich untersucht hat,
Beruhigungsmittel verabreicht. Dies ist aktenkundig und somit belegbar.
Untergebracht war ich, wie alle anderen auch, in einer Einzelzelle mit
gekalkten Wänden. Dort befand sich ein Bett, ein Stuhl, eine Blechschüssel
zum Waschen und als Toilette diente ein Kindernachttopf. Die Fenster
waren verschlossen und es gab nur eine kleine Lüftungsmöglichkeit
von 20 x 10 cm. Die Zellentür hatte von innen keine Klinke und es gab
auch keine Klingel für den Notfall.
Täglich musste ich 12 Stunden in der Großküche
arbeiten, sieben Tage die Woche. Später arbeitete ich in der Großwäscherei,
in der die Wäsche von Kunden geliefert wurde. Einmal in der Woche
musste ich in einem Privathaushalt im Dorf Ummeln arbeiten. Vor jeder
Mahlzeit mussten wir beten und sonntags zur Kirche gehen.
Post wurde zensiert. Einmal im Monat durfte
ich einen Brief nach Hause schreiben, dieser Verließ das Haus,
wenn überhaupt nur nach Zensur. Es gab keinen Ausgang, kein Taschengeld
oder etwa neue Kleidung.
Für versuchtes Ausbrechen, Regelverstöße
oder Taten die den Diakonissen missfielen, wurde man in eine so
genannte „Klausur“ gesperrt, zur Besinnung, für mindestens drei
Tage: Kein Fenster durch das man schauen konnte, am Tag nur auf dem
Stuhl sitzen. Schalldichte Wände und Türen. Es war grausam.
In der gesamten Zeit des Heimaufenthalts
hatten wir nur einmal Besuch von unserer Mutter.
Während der Heimzeit Ich habe keine Schule
oder Berufsschule besuchen können, jegliche Bildung wurde mir verwehrt.
Ohne irgendeine Vorbereitung auf ein selbständiges Leben wurde ich nach
einem Arbeitsurlaub und mehr als vier Jahren im Alter von 19 nach Hause
zu meinen Eltern entlassen.“
M.
E. (16 Jahre alt)
Katholisches
Vincenz-Heim in Dortmund
Träger: der Nonnen-Orden der Barkherzigen
Schwestern
(auch Mädchen-Knast genannt)
|
Die
unbarmherzigen Methoden der Barmherzigen Schwestern im
Vincenz-Heim in Dortmund
Mütter
sahen ihre neugeborenen Babys nicht, die Neugeborenen wurden von
der Mutter entfernt.
Die
Brüste der stillenden Mütter wurden hoch gebunden. Bei dieser
Prozedur entstehen der stillenden Mutter höllische Schmerzen.
Eine
Bindung zu ihrem Kind war nicht möglich, wurde unterbunden,
damit sie die Arbeit im Haus wieder aufnehmen konnten.
Sonntags
eine Stunde zum Kind, bei „schlechten Benehmen“ der Mutter
wurde
diese
eine Stunde Glück gestrichen.
Das
Briefgeheimnis wurde verletzt, Kontrolle bei eingehenden
Briefen,
(oft
wurden Briefe nicht ausgehändigt) Kontrolle bei ausgehender
Post.
Heimliche
Briefe wurden geschrieben und heraus geschmuggelt,
bei
Entdeckung hohe Strafen.
Persönlichkeitsrechte
wurden auch hier schwer verletzt. |
„Kurz nach meinem 16. Geburtstag verliebte
ich mich in einen 24-jährigen kanadischen Soldaten. Ich war sexuell
unerfahren. Ende November 1959 bemerkte ich, dass ich schwanger war. Als
mein Vater davon erfuhr, schlug er wie von Sinnen auf mich ein und
benachrichtigte das Jugendamt. Noch am gleichen Tag wurde ich in ein
Haus für obdachlose Frauen und Mädchen nach dieser Lohn gebracht.
Heiraten durfte ich nicht.
Am 1. März 1960 wurde ich von einem
Polizeibeamten und einer Fürsorgerin in ein evangelisches Entbindungsheim
nach Soest gebracht. Von da aus dann Anfang April 1969 ins Vincenz-Heim
in Dortmund. Ich bekam die obligatorische Heim- Kleidung.
Blaukariertes Kleid mit Puffärmeln. Darüber
ein Schürze aus gleichem Stoff. Ich kann in die Aufnahme Stationen. Zu
Schwester Alexa und Nivella. Da saß ich nun stundenlang in einer Gruppe
von etwa 20 Mädchen und häkelte weiße Batisttaschentücher. Die Nonne
saß dabei, passte auf und betete ihren Rosenkranz. Die einzige
Abwechslung war, fromme Lieder zu singen, ab und zu im Keller des
Morgens stundenlang Kartoffeln schälen. Und Sonntag nachmittags Hofgang
in Reih und Glied.
Alle paar Wochen kam ein alter Frauenarzt.
Er untersuchte uns im Beisein der Schwester.
Als ich im achten Monat war, wurde ich ins
Krankenhaus zur Untersuchung gebracht. Es war eine Steißlage. Von da an
drängte mich die Schwester immer mehr, zur Beichte zu gehen. Ich hatte
mich vorher schon geweigert.
Deshalb kam ich für einen Tag in die
Klabause. Es war eine kleine Zelle mit einer Holzpritsche. Für die
Notdurft einen Blecheimer.
Eines Samstag morgens bekam ich einen Zettel
und Bleistift, und ich wurde im Schlafsaal eingesperrt. Dort sollte ich
meine Sünden aufschreiben. Des Nachmittags dann in Reih und Glied in
die Appelle zum Beichten.
Als ich an der Reihe war, kniete ich nieder
und las vor: „Ich habe Unschamhaftes getan“. Der Priester fragte in
welcher Stellung. Da ich nicht wusste was das war fragte ich: „Was ist
das?“
Mit den schmutzigsten Ausdrücken erklärte
er mir dann, was eine Stellung ist. Einzelheiten möchte ich mir und
Ihnen ersparen..
Als ist mir zu viel wurde, lief ich weinend
aus dem Beichtstuhl auf dem Flur. Schwester Alexa kam hinter mir her.
Sie legten den Arm um meine Schulter und sagte: „Wenn Dir bei der
Geburt was passiert, kannst du ohne Sünden vor den Herrn treten“. Ich
konnte ihr doch nicht sagen was passiert ist, sie hätte mir nicht
geglaubt .
In einem 1976/77 umgeschrieben Lied heißt
es: „ Pater Fürbaß kommt viermal im Jahr und ist dann für die
Beichte da. Der Pfaffe ist ein geiler Bock und schaut den Mädchen
unteren Rock.
Am 2. August waren wir des Morgens in der
Kapelle. Während der Wandlung war knieen Pflicht. Ich hatte plötzlich
einen starken Schmerz im Unterleib und setzte mich hin. Sofort hatte ich
Schwester Vincentines spitzen Finger im Rücken und sie sagte: „Hinknieen!“.
Etwa 10 Minuten später war der Schmerz wieder war. Ich stand auf und
ging aus der Kapelle. Schwester Vincentine kam hinterher und beschimpfte
mich. Sie sagte, ich solle auf dem Flur hin und her gehen und ging
wieder.
Nach einiger Zeit kam der Schmerz wieder.
Mir lief Flüssigkeit die Beine runter und der Fußboden war nass. Ich
hielt vor Schmerz meinen Bauch und suchte eine Toilette. Aber alle Türen
waren verschlossen. Etwas später kamen alle aus der Kapelle raus. Ein Mädchen
musste mir einen Eimer mit Wasser, Aufnehmer und Schubber holen, und ich
musste alles sauber machen.
Etwa um 11 Uhr wurde ich ins Krankenhaus
gebracht. Die letzten Minuten vor der Geburt war ich bewusstlos. Sie
haben das mir das Kind an den Beinen aus den Körpern gerissen. Um 13:05
Uhr wurde meine Tochter geboren.
Ich nannte sie M., nach meiner verstorbenen Mutter. Im Krankenhaus
konnte ich stillen. Nach 10 Tagen wurde ich vom Heim wieder abgeholt.
Noch am gleichen Tag wurden wir mit zusammengerollten Windeln die Brüste
hoch gebunden und ich musste im Bügel-Saal arbeiten.“
M.P.Sch.
(10 Jahre)
Knabenheim
Westuffeln
in Werl (evangelisch)
„Schläge waren an der Tagesordnung, wenn
man erwischt wurde, ist man schon verdroschen worden, und wenn der
Erzieher gemeint hat, das war jetzt etwas Schlimmeres, dann wurde das
dem Hausvater gemeldet, und dann durfte man im Speisesaal vor dem
Personaltisch den Arsch blank ziehen. Das Schlimme waren nicht die Schläge,
die man dann aufgezählt bekam, sondern die Tatsache, dass man vor den
einzigen weiblichen Personen, die es im gesamten Heimgelände gab, nämlich
dem Küchenpersonal, die Hosen runter lassen musste.
Das Heim war Selbstversorger. Die Kinder (6
-14 jährig) mussten täglich mehrere Stunden arbeiten: in der Küche,
beim Kartoffelschälen, in den großen Gartenanlagen, im Gewächshaus,
im Park oder in den Ställen bei den Schweinen, den Hühnern, Schafen
und Eseln. Der Tag begann mit der Arbeit vor dem Frühstück, jeden
Morgen alle Räume, die von den Kindern benutz wurden Staub wischen,
fegen, wischen, bohnern. Erst danach ging es in den Speisesaal zur täglichen
Haferschleimsuppe mit Brot zum reinbrocken. Gegessen wurde von
Blechtellern.
In der Saisonzeit, wenn zum Beispiel
das in der damaligen Zeit noch übliche Rüben vereinzeln,
Heuwenden oder Kartoffelnlesen notwendig war, wurden wir mit einem
Traktor geholt und zu den Feldern der Stiftungsratsmitglieder
gefahren, Mitgliedern des Kuratoriums gefahren. Die Schule fiel dann
aus.
Das Geld, was es dafür gegeben hat, haben
wir nie zu sehen bekommen. Angeblich war es so, dass es eine Mark
gegeben hat, eine Mark pro Tag, aber die Mark ist dann vom Hausvater einbehalten
worden, mit der Begründung, das ist dann für die, die gar nichts
haben, für die Weihnachtsgeschenke. Doch von dem Geld fürs Rüben
vereinzeln, Heuwenden, Spargelstechen oder Kartoffellesen haben wir
Kinder nie etwas erhalten. Der Stadtarchivar von Werl hat mir erzählt,
dass man damals 5 DM pro Tag bei den Bauern erhalten habe.“
R.Sch.
Erziehungsheim
Breitenau „Mädchenheim Fuldatal”, Guxhagen bei Kassel
„Die Post wurde kontrolliert und gelesen,
Besuch war nur auf Antrag alle acht Wochen (von dafür ausgewählten
Personen) erlaubt.
Meine Geschwister wußten nicht wo
ich war. Für jeden sei es auch noch so ein geringer Verstoß gab es die
Klabause (Isohaft). Ich habe Mädchen gesehen die für ein Stück
Leberwurstbrot sexuellen Wünschen nach gaben, und eine Heimleitung, die
in schwarzer Lederkleidung mit Peitsche herumlief, um Angst und
Schrecken zu verbreiten.
In der Aufnahmegruppe befanden sich im
Durchschnitt 15 Mädchen. Insgesamt hatte das Erziehungsheim ca. 80 Plätze
für junge Mädchen, durchschnittlich im Alter von 14 bis 20 Jahren. Ich
selbst kann mich aber an ein 11jähriges hochschwangeres Mädchen
erinnern, welche in unserer Gruppe arbeiten mußte, bis zu ihrer
Niederkunft. Sehr oft war die Aufnahmekapazität erschöpft, wegen Überbelegung.
Jeden zweiten Sonntag hatten wir Schreibtag. Jeder bekam ein Blatt und
einen Kugelschreiber, wobei die Ausgabe gegen Unterschrift statt fand,
und genauso wieder abgegeben werden mußten. Jeder Brief wurde gelesen,
von Menschen, die uns betreuten, aber meistens über keine pädagogische
Fachausbildung verfügten. Es war uns noch nicht einmal erlaubt, auch
nur einen Kugelschreiber zu besitzen. Täglich wurde das Licht um Punkt
21.00 Uhr gelöscht, wobei die Lichtschalter sich ausserhalb der Zimmer
befanden. Wenn wir überhaupt lesen durften, dann nur ausgesuchte Bücher,
keine Zeitungen, Keine Illustrierten, Magazine. Radio hören,
Nachrichten sehen war verboten.
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Erziehungsheim
Breitenau „Mädchenheim Fuldatal”, Guxhagen bei Kassel |

Erziehungsheim
Breitenau
Arrestzelle (Originalzustand)
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Es
war alles verboten, nichts war erlaubt. Wer in Breitenau die Pforten
hinter sich geschlossen hatte, hatte keine Menschenrechte mehr, keine
Selbstwürde, vor allem keinerlei Freiheit. Wenn man mal von draussen
ein Päckchen erhalten hatte, musste das in Gegenwart des Personals geöffnet
werden, der Inhalt wurde strengstens kontrolliert, Schokolinsen,
Kaugummi usw. wurden weggenommen, von dem Rest was dann noch in dem Päckchen
war, durfte man sich jeden Abend ein Teil geben lassen, aber nur wenn es
dem Personal gepasst hat, denn man durfte sein eigenes Päckchen nicht
behalten, es wurde eingeschlossen.
Zigaretten gab es gar keine, ausser ein Mädchen
hat sich dafür mit einem aus der Landwirtschaft sexuell missbrauchen
lassen, und dafür, wenn man dann beim Rauchen erwischt wurde noch mit
mehreren Tagen Besinnungsstube bestraft.
Dieses Heim war mit einer sehr hohen Mauer
umgeben, darauf viele Glasscherben und Stacheldraht, trotzdem haben
immer wieder Mädchen versucht von dort zu fliehen, zogen sich dabei die
schwersten Verletzungen zu, aber immer noch besser als dort eingesperrt
zu bleiben. Eine Flucht gelang einem nur wenn man im Aussendienst
arbeiten konnte, was aber auch sehr schwer war, da man immer stark
bewacht wurde. Für einen Fluchtversuch gab es wie immer Besinnungsstube
und drei Monate längeren Heimaufenthalt, für gelungene Flucht sechs
Monate Verlängerung. Wo zu man noch sagen muss, das keiner der Mädchen
nie wusste, wie lange der jeweilige Heimaufenthalt dauert.
In den Gruppen fanden unregelmässige
Zimmerkontrollen statt wenn wir zur Arbeit waren, das wenige was wir
sowieso nur besassen, war aus den Nachtschränken rausgerissen, die vier
Monatsbinden die man für einen Monat bekam zerrissen, weil darin ja
etwas verbotenes versteckt sein könnte.
Die Aufteilung der Schlafsäle war in
Einzelzimmer, Dreibettzimmer bis Fünfbettzimmer eingeteilt. Für jeden
Schlafsaal gab es einen Nachttopf, den man in einen Nachtschrank aus
Holz stellen musste, dementsprechend hat er auch gestunken. Manchmal
haben sich die Mädchen wegen Überfüllung des Nachttopfes nicht mehr
getraut Ihre Notdurft zu verrichten, denn der letzte der dies gemacht
hat, musste den Nachttopf entleeren. Wer Abends vergessen hatte den
Nachttopf mit ins Zimmer zu nehmen, hatte Pech, denn die Tür die einmal
abgeschlossen war, wurde vor dem anderen Morgen nicht mehr
aufgeschlossen, da konnte man klopfen so viel man wollte.“
H.
R. geb. 1945 (damals 12 Jahre alt)
evangelische Waisenhaus in Lahr/Schwarzwald
„Eine Frau vom Jugendamt hat mich nach
Lahr/Schwarzwald gebracht und mir erzählt, dass mein Vater dieses Heim
für mich ausgesucht hätte und es mir bestimmt gefallen würde. Es war
das evangelische Waisenhaus in Lahr, überwiegend waren dort
Diakonissen. Die Oberin sagte, wenn ich mich anständig verhalten würde, könnte
ich auch von meinem Vater besucht werden, aber erst wenn ich mich
eingelebt hätte. Auf meine Frage, wann das denn sei, antwortete sie
mir, sie würden mir meine Ungezogenheiten schon austreiben, ich hätte
nur zu sprechen, wenn ich gefragt würde. Wieder wurde ich eingesperrt
und bekam die Mahlzeiten auf das Zimmer. Das Zimmer hatte nur ein
Eisenbett, keinen Stuhl und keinen Tisch oder Schrank. Das Licht konnte
nur von draußen an- und ausgemacht werden und das vergitterte Fenster,
fast ganz oben an der Decke, hatte keinen Griff zum aufmachen, an der Tür
war ein Spion. In diesem Zimmer sollte ich noch viele Tage und Nächte
verbringen.
Nach einer Woche kam ich dann in einen
Schlafsaal mit 12 Betten, alle Mädchen waren älter als ich, die Älteste
war damals schon 18 und hatte ein Kind, das auch im Waisenhaus in der Säuglingsabteilung
war. Dieses Mädchen war Bärbel und immer, wenn sie bestraft wurde,
durfte sie ihr Kind für mehrere Wochen nicht sehen, nachts hat sie
immer geweint. Eigene Kleider durften nicht getragen werden, wir hatten
alle eine Anstaltstracht (dunkelblaugraue steife Kleider mit
gestreiften Schürzen an. Jedes Mädchen hatte eine Nummer, ich die
Nummer 61. Nacht´s wurde die Tür im Schlafsaal abgeschlossen, wenn man
auf Toilette musste, gab es dafür einen Eimer. Jeden Tag gingen alle 12
Mädchen gemeinsam in den Waschraum und einmal in der Woche konnte man
duschen. Für mich war das anfangs ungewohnt und ich genierte mich, als
die Schwester, die uns beim waschen beaufsichtigte das merkte, musste
ich mich vor allen Mädchen ganz nackt ausziehen und mich waschen und
zwar so wie die Schwester es sagte, manche Mädchen haben betreten
weggesehen und manche haben gekichert, mir war das sehr peinlich, ich
habe geweint.
Im Heim war eine Schule, alle 8 Klassen in
einem Raum. Ich ging zunächst in die 5. Klasse, insgesamt waren wir ca.
30 Mädchen von der 1. bis zur 8. Klasse.
Ich hatte keine Probleme mit dem Lehrstoff
sondern mit der Lehrerin, sie war keine Diakonisse. Als ein neues Mädchen
aus Mannheim kam, ihr Name war Roswitha (auch 12 Jahre alt), sie weinte
viel und hatte Heimweh. Sie hat erzählt, ihre Mutter sei in Amerika und
würde sie bald holen. Ihre Oma wurde krank und darum hätte das
Jugendamt sie abgeholt und nach Lahr gebracht. Das Schlimmste war, sie
war Linkshänderin. In Mannheim war das in der Schule wohl kein Problem,
aber im Heim sehr wohl. Immer wenn sie den Füllhalter in der linken
Hand hatte und erwischt wurde, bekam sie nicht nur Tatzen auf die Hände,
nein überall hin, auch auf den Körper und den Kopf. Mit der rechten
Hand konnte sie nur langsam schreiben, darum wurde sie auch nie mit uns
anderen fertig und musste immer nachsitzen. Oft bekam sie dann nichts
mehr zu essen. Mir tat sie leid, ich habe darum etwas für sie
abgeschrieben, nicht zu schön, dass man es nicht sofort merken sollte
und das wurde mir dann zum Verhängnis. Alle beide haben wir kräftig
den Rohrstock zu spüren bekommen und alle beide wurden wir eingesperrt,
natürlich getrennt. Die Striemen vom Rohrstock hat man bei mir lange
gesehen. Zu mir hat die Lehrerin gesagt ich wäre verlogen und ein
durchtriebenes Subjekt (ich wusste gar nicht was das war), weil ich
vorgetäuscht hätte, dass Roswitha das selbst geschrieben habe. Ich wäre
ein hinterhältiges Früchtchen, sagte die Oberin zu mir und sie hoffe,
dass ich im Arrest zur Besinnung käme und bis dahin seien Briefe und
Besuche gestrichen. Briefe schreiben waren nur alle vier Wochen und
Besuch nur alle viertel Jahr erlaubt. Alle Briefe wurden gelesen und
manchmal auch nicht abgeschickt. Eines Abends, als mich eine Schwester
zum Waschraum brachte, wurde sie von jemand gerufen und ließ mich
alleine im Umkleideraum der nicht abgeschlossen war. Die Schwestern
konnte man immer beim gehen hören, weil alle einen großen Schlüsselbund
an ihrer Schürze befestigt hatten, der immer klimperte. Ich bin
weggelaufen, am Zaun lehnte das Fahrrad von einer Schwester, ich habe es
genommen ( gestohlen) und bin durch den Stall hinten um das Haus herum
abgehauen. Ich wollte zu meinem Vater nach Karlsruhe, die Richtung
kannte ich und habe auch nach Hause gefunden. Mein Vater war nicht
glücklich mich zu sehen, aber doch froh, dass mir nichts passiert war.
Er hat mich wieder zurück gebracht. Ich
habe ihm erzählt was passiert war, er hat mir nicht geglaubt, er sagte,
ich hätte eine blühende Phantasie und so schlimm könne es doch nicht
sein.
Ich bin wieder zurück ins Heim gekommen,
mein Vater hat mich hingebracht und so lange er dabei war, ist auch
nichts passiert. Ich kam aber dann doch wieder für eine Woche in das
Zimmer mit den vergitterten Fenstern und in die Schule durfte ich auch
nicht, weil ich das Fahrrad gestohlen hatte. Wir haben es natürlich
sauber geputzt wieder zurückgebracht und ich hatte mich auch
entschuldigt.
Jeder musste ein Amt übernehmen, d.h. nach
der Schule in der Küche, Waschküche, in den Ställen oder bei den
Kleinkindern und Säuglingen helfen.
Im Sommer mussten wir auf dem Feld helfen,
das war anstrengend, aber trotzdem schön. Eines mittags wurde mir so
schlecht und ich musste mich übergeben (wir hatten schon seit morgens
Heu gewendet und aufgeladen), ich hatte Fieber und ich sollte im
Schatten liegen bleiben, man könnte niemand entbehren bei der Heuernte,
wenn ich schon nicht mehr arbeiten könnte, solle ich mich wenigstens
ruhig verhalten. Offensichtlich habe ich mich ruhig verhalten, ich kann
mich erst wieder an den übernächsten Tag erinnern, ich lag im Bett mit
Wadenwickeln und ein Arzt war da. Meine Frage, was ich denn hätte und
warum ich in dem Zimmer mit den vergitterten Fenstern wäre, wurde mir
nicht beantwortet. Erst als ich wieder gesund war, haben mir die anderen
Mädchen im Speisesaal erzählt, ich hätte einen Hitzschlag gehabt und
wäre ohnmächtig gewesen.
Besuchstag, aber mein Vater kam nicht.
Anrufen konnte man damals nicht, wir hatten zu Hause kein Telefon. Ich
habe die Schwester gebeten doch bei meinem Vater auf der Arbeit
anzurufen, weil er nicht mehr geschrieben hatte, die Antwort war: der
wird schon wissen warum er nicht kommt, kein Wunder bei so einem frechen
Kind, ich solle kein Theater machen. Die Angst um meinen Vater hat mich
wieder veranlasst die Flucht zu ergreifen. Dieses Mal hat mich ein
Lastwagenfahrer bis nach Karlsruhe mitgenommen. Als ich nach Hause kam,
war eine Frau bei meinem Vater. Er hat mit mir geschimpft und mich
wieder zurückgebracht. Für mich brach damals eine Welt zusammen, mein
Vater war alles was ich hatte und ich dachte er hat mich nicht mehr
lieb. Ich habe erst später verstanden, dass mein Vater nicht alleine
leben wollte.
Ich sollte ein Treppenhaus putzen und habe
das wohl nicht gut genug gemacht, so dass eine Schwester mich
ausgeschimpft und geschlagen hat, dabei bin ich die Treppen
runtergefallen, weil sie mich gestoßen hatte, dafür wurde ich wieder
eingesperrt. Die anderen Mädchen, vor allem die Älteren, haben einen
Plan zur Flucht ausgeheckt. Im Schlafsaal sollten wir nicht sprechen,
aber wir taten es trotzdem. Erst wollten die Mädchen mich nicht
mitnehmen, aber weil ich so verzweifelt war und weil ich schon mehrmals
weggelaufen war, haben sie mich doch mitgenommen. Wir haben uns in einem
leer stehenden Winzerhäuschen im Weinberg versteckt, weil die älteren
sagten, wir würden auf den Straßen gesucht werden. Beim Äpfel stehlen
hat uns wohl ein Landwirt gesehen und es der Polizei gemeldet. Ich habe
fast nichts mitbekommen, ich kam mit einer Blutvergiftung ins
Krankenhaus und mir wurde eine Metallspäne rausoperiert, die wohl beim
Sturz im Treppenhaus in mein Bein gekommen war.“
W.F.
(männlich) (damals 12 oder 13 Jahre alt)
Kinderheim Ennepetal
Loher Nocken (evangelisch)
„Aber was half mir das damals, ich musste
spüren, was es heißt, mit aller Härte erzogen zu werden. Zu dieser
harten Methode gehörte z.b.: Wenn irgend etwas nicht nach dem Willen
von Schwester Gertrud lief, gab es einen Lehrer mit Namen Wiesekopsieker,
der hatte seine Wohnung gegenüber unserer Abteilung, der kam, man
kriegte 2-3 Ohrfeigen und dann sagte er. „Damit ich nicht so schnell
wiederkommen muss und du alles bedingungslos tust, was Schwester Gertrud
will, machen wir wieder unsere bekannten Übungen!“ Das hieß, er
packte mein Ohr, drehte es, ein höllischer Schmerz durchfuhr einen und
er zog uns vom Stuhl hoch und drückte uns nieder, das Ohr blutete,
immer dann hörte er auf aber nicht, ohne uns vorher noch eine Ohrfeige
zu versetzen. Er kam sehr oft wieder. Er war der beste Freund der
Schwester Gertrud und er zeigte gerne seine Macht.
Dann kam der sexuelle Missbrauch.
Zuerst von älteren Zöglingen, man konnte
sich nicht wehren, denn es galt das Gesetz des Stärkeren. Wenn ich
gesagt habe: „Ich will das nicht mehr“ oder „Ich sage es der
Schwester“, dann kam ein zweiter Zögling dazu, einer legte einem
seine Arme vor die Brust, der andere zwang einen, 10x tief Luft zu
holen, dann drückte der andere zu und man verlor das Bewusstsein, dann
wurde man in einen Spind gesperrt, wenn man wieder zu sich kam und man
panische Angst hatte, weil man nicht wusste, wo man war, dann machten
die beiden den Schrank auf und sagten: „Du kannst dir überlegen, ob
du etwas verpetzen willst. Den Schrank kennst du ja jetzt, das nächste
Mal lassen wir dich darin verrecken.“
Erinnern kann ich mich noch gut dran, dass
der damalige Heimleiter zur Bestrafung immer gern am Duschtag kam, wenn
wir nackend waren. Er packte uns ans Geschlechtsteil, fummelte daran
herum, bis das Ding etwas steif wurde, was mit 13 Jahren normal war und
er sagte dabei: „Ich muss doch mal kontrollieren, ob du auch nicht
wieder am Puscher gespielt hast.“ Dann nahm er einen übers Knie,
man kriegte mit der Hand auf den nackten Po.
Denn ich war wieder einmal entwichen, vor 3
Tagen zurückgebracht, aber die Bestrafung gab es erst, wenn wir nackend
unter der Dusche standen. Der gleiche Mann rief eine halbe Stunde später
in sein Büro, nahm einen auf den Schoß und sagte: „Ich wollte das ja
nicht, aber Strafe muss sein“ und es gab ein Stück Schokolade.
Und das alles im Namen der Kirche und der Nächstenliebe,
wenn das nicht pervers war, weiß ich es nicht.
Der Sohn des Heimleiters war damals
vielleicht 18 Jahre und arbeitete als Schuster in der Schuhmacherei.
Wenn wir Schuhe hinbrachten und wir sein Typ waren – ich hatte Pech,
ich war sein Typ – wurden wir von ihm sexuell missbraucht. Zum Schluss
sagte er immer: „Vergiss nicht, ich bin der Sohn des Heimleiters. Wenn
du etwas sagst, glaubt dir sowieso keiner.“
Es gab einen Bruder Hahn, der hatte die
Angewohnheit, wenn etwas nach seiner Meinung nicht in Ordnung war, haute
er einen immer mit dem Schlüssel auf den Kopf, dass es ordentlich
schmerzte und sofort blutete, das war seine Art die Sache zuklären.
Schwester Gertrud hatte die Pflicht, nach
dem Mittagessen in den Klassenraum zu gehen, ich war damals schon in der
Sonderschule, weil ich so oft durch die Heime die Schule gewechselt
hatte. Da überall die Unterrichtsstoffe unterschiedlich waren, hatte
ich große Probleme, überhaupt etwas zu begreifen. Genau nach 1 Stunde
machte die Schwester Schluss, ob man fertig war oder nicht, für sie war
jetzt Kaffeepause und für uns begann die Arbeit in der Gärtnerei. Am
anderen Morgen bei Schulbeginn legte der Lehrer seine Aktentasche aufs
Pult, aus der Seite zog er den gelben Onkel aus Amerika, das war der
Rohrstock. Wir mussten einzeln vortreten und unsere Schulaufgaben
vorzeigen, natürlich waren ich und andere in der einen Stunde, die wir
hatten, nicht fertig geworden, dann gab es Prügel, weil es ganz klar
war, wir hätten es schaffen können, wir waren nur zu faule Zöglinge.
Später wurde ich nach Dorlach verlegt, da
wurde ich aus der Schule entlassen, konnte weder Schreiben noch Lesen,
so gut haben mich die Pädagogen aus dem Heim unterrichtet.
(…)
Ich wurde verlegt auf einen Bauernhof, der
zu dem Heim gehörte. Musste jeden Tag 10 Stunden hart arbeiten, war
einem super Gutsverwalter unterstellt, der vor der Sprache das Schlagen
gesetzt hat. Er scheute auch nicht mit dem Forkenstiel nach mir zu
schlagen. Ein Anlass war z.b., wenn ich auf eine entfernte Wiese guckte,
wo die anderen etwas jüngeren Zöglinge spielten. Nach seiner Ansicht
sollte ich arbeiten und nicht gucken. Mein Glück war, dass er ein
Holzbein hatte und ich mir in den Misthaufen so eine Art Stufen gebaut
hatte und ich ruckzuck oben war, er stand dann und konnte mir nicht
folgen. Er hatte einen komischen Dialekt und schrie dann immer.
„Kommst n’unter, du Latsche, du dumme, dann kriegst’e die Backe
n’uff, du kriegst so die Backe nuff, das es ordentlich schmerzt, du
Latsche, du dumme.“ Auf diesem Bauernhof war ich ca. 3 Monate.
Da dieser Hof zu dem Heim Dorlach gehörte,
wurde ich da auch konfirmiert. Dann wurde ich verlegt, den Grund teilte
man uns sowieso nicht mit, weil wir waren ja Freiwild.“
Aus
einen Offenen Brief des ehemaligen Hei,insassen Uwe
Werner
„Der Holocaust
war das schrecklichste, was wir Deutsche 6 Mio. Menschen angetan
haben!!! Noch heute steht der gesamte deutsche Staat als Erbnachfolger
einer schrecklichen Diktatur in voller Verantwortung, wir hören es
jeden tag und es ist auch gut so! Doch eben so gut sollte und müsste es
sein, das der deutsche Staat und seine untergeordneten Institutionen, für
an uns begangenes Unrecht, gerade stehen muss. Wir konnten uns damals
nicht wehren, wir waren Freiwild und der Lust und den Launen angeblicher
gottesfürchtiger Erzieher/innen ausgesetzt, auf Verdeih und Verderb! Es
prägte uns, wie allen unschuldigen Menschen dieser Welt, fürs ganze
leben! Für begangenes Unrecht, sollte man nicht die Augen verschließen
und wachsam sein und den Anfängen wehren, so hören wir es stets an
irgendwelchen Jahresgedenkveranstaltungen von unseren Politikern und von
den Kanzeln. Wir verneigen uns vor den Toten und ich hoffe auch vor
denen, die durch das erlittene keine andere Möglichkeit sahen, als
für sich den Freitod zu wählen.
Ich werde kämpfen,
ich werde es mit Euch tun, aber auch alleine, ich werde es tun, für
die, welche es nicht mehr können und denen meine Stimme verleihen, die
stumm vor lauter Scham und Verletzlichkeit sind!!!
Den Kirchen sage
ich folgendes: Im Namen der katholischen wie evangelischen Kirche
Deutschlands haben sich zölibaterische Priester, Diakone, Erzieher,
Lehrer… an uns vergangen, sich verlustiert, ihren Frust an uns
ausgelassen, haben uns mit der Bibel in der Hand gezüchtigt und alles
im Namen Gottes und des Staates versucht aus uns willige kleine
Marionetten zu machen, welche nur den kirchlichen „Würdenträgern”
vorzuspielen hatten.
Jesus sagt:
„Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn ihnen ist das
Himmelreich”… für uns war es aber die Hölle! Jesus sagt: „Was kümmern
euch die Toten, sorgt euch lieber um die Lebenden”… dies sollte sich
Kirche und Staat zu herzen nehmen und befolgen! Also sind unsere Ansprüche
selbst vor Gott und dem Staat berechtigt und somit muss eine finanzielle
wie moralische Wiedergutmachung erfolgen, damit auch wir wieder in Würde
weiterleben können.
(…)
Mit freundlichen
Grüßen
Uwe Werner
Fazit
Die
BRD-Regierenden sehen sich heute als der bessere deutsche Staat, in dem
Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit, Wohlstand für alle,
Rechtsstaatlichkeit usw. herrschten. Die Propagada in den Medien feiert
wahre Orgien über die Unmenschlichkeit des Kommunismus. Allein das
Grenzregime an der „innerdeutschen Grenze“ sei unmenschlich gewesen.
Bewusst ausgeblendet wird dabei aber, dass nicht die DDR, sondern die
BRD den „Eisernen Vorhang“ errichtete.
Die
SED forderte bis in die 70er Jahre die Spaltung Deutschlands zu überwinden,
indem beide deutsche Staaten auf die Zugehörigkeit zum jeweiligen Milizärpakt
verzichten. Im Warschauer Vertrag war sogar eine Sonderklausel für die
DDR eingefügt, nach dem die DDR den Warschauer Vertrag im Falle der
Wiedervereinigung verlassen konnte. Übrigens hat die letzte Regierung
der DDR von dieser Klausel Gebrauch gemacht, als sie den Warschauer
Vertrag verließ. Im NATO-Vertrag dagegen nichts dergleichen.
Auch
die anderen Anschuldigungen gegen ddie DDR entpuppen sich bei genauem
Hinsehen als Lügen oder als maßlose Übertreibungen.
Mit
der Rechtsstaatlichkeit der BRD war es nicht weit her. Jupp Angenfort.
Mitglied der KPD und Vorsitzender der FDJ im Westen, war Abgeordneter
des Landtags von NRW, unterlag also der Immunität. Die
„Sicherungsgruppe Bonn des Bundeskriminalamtes“ aber scherte sich
nicht darum und verhaftete ihn im März 1953 auf offener Straße in
Duisburg. Angenfort wurde dann zu fünf Jahren Zuchthaus wegen
„Hochverrats“ verurteilt. Erst 1957 wurde er, aufgrund einer
Begnadigung des Bundespräsidenten, frei gelassen.
Andere
Beispiele: Am 11. Mai 1952 ermordete die Polizei in Essen den
Jungkommunisten Philipp Müller (21 Jahre alt). Die Polizei schoss auf
Demonstranten gegen die Remilitarisierung der BRD. Es habe Notwehr
vorgelegen, weil die Demonstranten zuerst geschossen hätten, log die
Polizei. Ein Gericht – das Landgericht Dortmund
– bescheingte die Notwehr, ein Schusswaffengebrauch durch die Demonstranten wurde
nicht nachgewiesen.
Das
Verbot der KPD ist ein weiteres Beispiel des Rechtsbruchs selbst der bürgerlich-demokratischen
Normen. Bis in die zweite Hälfte der 60er Jahre wurden Kommunisten
verfolgt. Das ging soweit, dass die Organisierung von Ferienreisen für
Arbeiterkinder in die DDR strafbar war.
Aber
bleiben wir beim Thema Pädagogik in der BRD. Ein Großteil der Fürsorgeheime
in der BRD hatten – und haben – kirchliche Träger.
Im
Gegensatz zu den Kinderheimen in städtischer Regie, die immerhin öffentlich
geführt wurden, unterlagen und unterliegen die kirchlichen Heime
keinerlei wirklicher Kontrolle.
Ein
Beispiel aus jüngster Zeit: Mir ist ein Fall bekannt, dass eine damals
16 jährige Jugendliche im Aufnahmeheim Ahrfeldstraße in Essen
war. Die Heimleitung musste per Gerichtsbeschluss gezwungen
werden, dass die Jugendliche in die Schule gehen konnte. Als sie ihre
Eltern anrief und diesen mit Suizid drohte, wenn sie da bleiben müsse,
fuhren die Eltern hin und wollten ihre Tochter mit nach Hause nehmen.
Dummerweise sagten sie das dem Heimerzieher. Der schloss die Jugendliche
ein und verweigerte die Herausgabe. Auch der Hinweis auf drohenden
Suizid beeindruckte den Erzieher nicht. Die herbeigerufene Polizei
marschierte, ohne etwas zu tun, wieder ab. Dem Vater aber wurde von der
Heimleitung Hausverbot verhängt.
Auch
an Anordnungen des Jugendamtes fühlte sich die kirchliche Heimleitung
nicht gebunden. So versuchte sie, eine zwischen Eltern und Chef des
Jugendamtes vereinbarte Besuchsregelung zu verhindern und widersetzte
sich ihr,
Natürlich
gab es im Keller die Beruhigungszelle, von der man aber selten Gebrauch
machte. Allerdings jagte man die „Schützlinge“, wenn sie nicht
folgsam waren, einfach für einige Stunden aus dem Haus auf die Straße
– Tageszeit und Wetter waren nicht wichtig. Die oben erwähnte
Jugendliche wurde z.B. mitten in der Nacht rausgeworfen. Sie erbettelte
von einem Passanten am Hauptbahnhof in Essen ein paar Groschen. So
konnte sie ihre Eltern anrufen, die sie abholten und mit nach Hause
nahmen. Das war vor ca zehn Jahren. Träger des Heim ist die Diakonie,
also die evangelische Kirche.
Das
hier Geschilderte entspricht zwar in keiner Weise den Folterpraktiken
der 50er und 60er Jahre, zeigt aber, dass sie solche Sachen immer noch
drauf haben. Als die Eltern ihre Tochter, nachdem sie rausgeschmissen
worden war, vom Essener Hautbahnhof mitten in der Nacht abholten, war
Winter und strenger Frost. Mal abgesehen, dass ein Hauptbahnhof, wie der
in Essen, ein Treff von Drogendealern, Kriminellen und Prostituierten
ist. Also genau das, wovor diese Heime die Jugendlichen eigentlich
bewahren sollten.
Immer
noch fehlt jede wirkliche Kontrolle dieser kirchlichen Heime, Dass solch
Folterpraktiken, wie damals, heute wohl nicht längerfristig vor der Öffentlichkeit
verborgen bleiben, liegt weder an den Kirchen, auch nicht an den Jugendämtern,
sondern daran, dass die Jugendlichen so was heute nicht mehr gefallen
lassen. Trotzdem sollte es mich nicht wundern, wenn mal ein Fall dieser
Art aus der Gegenwart an die Öffentlichkeit kommt.
Die
frommen Kuttenträger und Schwarzkittel der damaligen Zeit passten genau
in das Bild, das die BRD darstellte: Nur notdürftig war die braune
Nazischeiße verdeckt von der schwarzen Brühe des Klerikalismus. Überall
in den Institutionen waren die Nazis, auch in den Kirchen. So verkauft
die katholische Kirchen den Bischof von Münster, Graf Galen als Widerständler
gegen Hitler und sprach ihn selig. Thomas Mann schreibt über den (un)seligen
Grafen Galen:
„Meine
Leser in Deutschland!
Ihr konntet Euch von dieser Herrschaft aus eigener Kraft nicht befreien,
das war wohl nicht möglich. Die Befreier mußten von außen kommen ...
Betrachtet sie nun zum wenigsten nicht,
wie der Bischof Galen, dieser unbelehrbare Geistliche, es Euch vormacht,
als Eure ›Feinde‹ ...“
In
der Evangelischen Kirche war es nicht anders. Die „Bekennende
Kirche“ war keineswegs eine Widerstandsbewegung – allerdings gehörten
ihr Widerstandskämpfer an.
Nnach
dem Krieg, im Westen, machten die reaktionären Teile der Kirchen
einfach weiter, wenn auch kritisch beäugt von fortschrittlichen
Kirchenleuten, wie Martin Niemöller. Ich habe mal eine Rede Niemöllers,
es war kurz vor dessen Tod, gehört in der er über die Hinhaltetaktik
der Kirchenhierarchie berichtete.
Im
Bereich der Heimerziehung hatten sich offenbar die übelsten und
perversesten Kirchenleute gesammelt. Sie zerstörten die Kindheit unzähliger
Kinder und verwandelten die Kinderheime in Folterhöllen. Sie
verweigerten den Kindern das, für das ein jedes Kind ein Recht hat:
Liebe und Geborgenheit und gaben ihnen Gewalt, Brutalität, sexuellen
Missbrauch, materielle Ausbeutung durch Kinderarbeit.
Diese
Heime bestehen in der Regel noch heute, auch die Träger haben sich
nicht geändert: katholische und evangelische Institutionen. Heute
werben sie im Internet, wie
gut sie doch sind und wie hilfreich und menschlich. Ihre Vergangenheit
als Kinder-KZ der Nachkriegszeit verschweigen sie. Kein Heim, in dem
diese Brutalitäten begangen wurden, ist von Amts wegen geschlossen
worden, kein Heimerzieher wurde je wegen seiner Verbrechen von einem
bundesdeutschen Gericht bestraft. Zwar wurden einige wenige, die sich an
den kindern und Jugendlichen vergangen hatten, zu lächerlichen Strafen
verurteilt, aber die gerichtsnotorischen Fälle sind nicht einmal die
Spitze des Eisbergs.
Ein
Staat, in dem so etwas ungesühnt geschehen konnte, kann sich nicht
aufspielen als der bessere, der menschlichere beider deutscher Staaten.
Das Regime der Kinder-KZs war kein Einzelfall von schlecht geführten
Heimen, es war die Regel – sogar in staatlichen Heimen.
Die
erlaubte Prügelstrafe in den Schulen fand ihre Fortsetzung in der
Gewaltanwendung gegen Kinder und Jugendliche in den Fürsorgeheimen. Die
BRD war der wirkliche Unrechtsstaat – nicht die DDR. Man mag lügen
und den Untergang der DDR lauthals feiern. Realität ist; Den
schwächsten der Gesellschaft, den Kindern, vor allem Kinder aus der
Arbeiterklasse, verweigerte man Bildung, misshandelte sie und, wenn sie
nicht der gängigen Norm entsprachen, sperrte man sie in KZ-ähnliche
Heime und lieferte sich perversen und sadistischen klerikalen Subjekten
aus.
In
der DDR mag vieles falsch gemacht worden sein, aber von Anfang an,
bereits direkt nach dem Krieg in der damaligen sowjetischen Zone, legte
man viel Gewicht auf eine gute und humanitäre Jungenderziehung und
Bildung. Brutalitäten der Art, wie sie oben von den Heimzöglingen
berichtet wurden, waren in der DDR unmöglich. Wenn da in der Richtung
etwas vorfiel, wurden die Täter ihrer gerechten Strafe zugeführt.
G.A.
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