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Demokratieerziehung im Erziehungssystem der BRD in der Adenauerzeit Teil 1

Prügel gehörten zum Alltag, Wissensvermittlung war zweitranig – Religion das Wichtigste

Von Günter Ackermann

Kommunisten-online vom 03. November  2009 – Es geistern seit einiger Zeit Entschuldigungsrufe der Frommsten der Frommen, der Oberhäupter der beiden großen christlichen Konfessionen, durch die Presse. Das geht soweit, dass der Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz ankündigte, man werde alles schonungslos aufdecken. Nun ja, die kennen ja auch das Neue Testament und da steht: "Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden."[1] Nun  denn, also wird es wohl ausgehen wie das Hornberger Schießen. Immerhin diente es ja zur höheren Ehre Gottes und seine heiligen Kirche (katholisch und evangelisch). Bei den Recherchen streubten sich mir die Haare. Ich bin nicht zart besaidet aber das raubte mir erstmal den Schlaf. Und was das Schlimmste ist, die, die das alles zu verantworten hatten, gingen straffrei aus, manch einer wurde auch noch mit hohen Orden behangen. Die Institutionen, lso die Heim, bestehen noch heute und haben in der Regel auch die gleichen Besitzer. Die Kirchenpberen schütten sich Asche aufs Haupt – mehr auch nicht.

Jetzt wurde das, was damals geschah, öffentlich. Aber nicht, weil die Kirchenoberen Reue zeigen, die ist nur Theater, die Sache kam raus, wurde publik. Nicht etwa, weil die freieste der freien Presse, die es jemals gab, die deutsche, sich der Sache annahm, sondern weil das, was da in deutschen christlichen Kinderheimen passierte, auch in anderen Länder in christlichen Heimen passierte. Die ehemaligen Zöglinge dort gingen an die Öffentlichkeit und klagten. Die Diskussion über die damaligen Zustände schwappt ganz einfach nach Deutschland – genau genommen nur Westdeutschland über – es ist das Ansehen der Kirchen, diesen Tempeln der wahren Menschlichkeit und christlicher Nächstenliebe in Gefahr. Also zeigen die Kirchenoberen Reue und schütten sich Asche aufs Haupt.

Das Erziehungssystem der BRD war durchsetzt von gewendeten Nazis – der SS-Mann, der Ernst Thälmann ermordete, war Lehrer am Niederrhein

Ich war nie in einem Kinderheim – glücklicherweise – sondern ich ging in eine ganz normale Volksschule. Mit 13 Jahren, im September, nach den Sommerferien, kam ich aus der DDR nach Kleve am Niederrhein zu meiner Tante und ging dann da in die Schule – in die Volksschule, wie das damals hieß. Es war für mich ein Kulturschock.

Wir hatten in der DDR für jedes Fach Schulbücher, hier überhaupt keine. Für Erdkunde und Geschichte verwendete unsere Klasse sog Sanellabilder-Alben. Beim Kauf der Margarine Sanella bekam man diese Bilder, die man dann in Alben einklebte. In den Alben waren dann die Geschichten – meist phantastische, die mit der Realität nichts zu tun hatten.

Ich erinnere mich noch an das über den Fernen Osten, v.a. China. Es waren gemalte Bilder von Chinesen, angezogen wie im alten Chinesischen Kaiserreich. Der jugendliche Held erlebt dieses Land, begegnet Zauber und anderen Eigentümlichkeiten. Spannend waren die Geschichten schon, aber so authentisch, wie Karl May mit seinen Kara Ben Nemsi über den Orient. Ich wusste mehr über China, ich kam ja aus der DDR. Das zu erklären war nicht möglich, die Margarine-Bilder waren unsere Information über China, dessen Revolution erst vier Jahre zurück lag.

Naturwissenschaften hatten wir an zwei Stunden die Woche, es nannte sich Naturlehre und bestand aus etwas Physik, Chemie, Biologie. In der DDR dagegen hatten wir alle drei Naturwissenschaften in mehreren Stunden die Woche.

Im Fach Geschichte eckte ich mit dem Klassenlehrer schon früh an. Geschichte war mein Lieblingsfach, da hatte ich in der DDR immer sehr gut. Hier – Mitte der 7. Klasse, denn das Schuljahr begann im Westen zu Ostern – hatten wir den Stoff, den ich „drüben“ in der 6. Klasse hatte. Thema war Preußen, konkret: Friedrich II.

Der Lehrer fragte mich, wieweit wir in der „Ostzone“ in Geschichte gekommen sind. Ich sagte es ihm, also bis zur Französischen Revolution. „Na, dann musst du ja nichts nachholen“, bemerkte er. Der Lehrer redete immer von einem Friedrich der Großen, der war mir unbekannt. Ich ahnte, damit war Friedrich II, gemeint, war mir aber unsicher. Also fragte ich.

„Na Preußenkönig Friedrich der Große, “ war die Antwort. Ich fragte zurück, ob das denn Friedrich II. sei.

„Nein“, war die Antwort, „Friedrich der Große ist Friedrich der Große.“

Ich war nun total verwirrt. Das bemerkte der Lehrer und kommentierte: „Naja, der Günter kommt direkt aus der Zone, die wissen das eben nicht.“

Aber der größte Schock war der Musikunterricht. Nein, nicht das Fach, der Lehrer schockte mich. Als wir rüber ins Musikzimmer gingen, sagte mir ein Mitschüler: „Heute gibt es wieder 5. Minuten Tänzchen. Der da.“ und zeigte auf einen anderen Schüler.

A ja, dachte ich, Tanz hat ja etwas mit Musik zu tun. War aber auch etwas erschrocken, denn Tanzen hatten wir in der DDR in diesem Alter nicht gehabt. Ich hatte mich geirrt, was der Inhalt der Bezeichnung „Fünf Minuten Tänzchen“ betrifft.

Als wir alle im Musikzimmer waren, forderte der Musiklehrer den Schüler, auf dem mein Kollege kurz vorher gezeigt hatte, auf nach vorn zu kommen. Der ging, man konnte die Unsicherheit und Angst dem Jungen ansehen, sehr zögerlich nach vorn zum Lehrerpult.

„Du weißt. Was jetzt kommt?“ herrschte ihn der Lehrer an. Der Schüler nickte. „Weißt du es?“, schrie der Lehrer jetzt. Verängstigt nickt der Schüler ein  zweites Mal. Platsch, die erst Ohrfeige. Der Junge weinte jetzt.

„Flenne nicht, bücken und fünf Minuten Tänzchen, “ fauchte der Lehrer. Gehorsam bückte sich der Junge, der Lehrer holte einen Rohrstock und ffft. Der erste Schlag traf ihn auf den Po.

Ich war geschockt und verwirrt, ich wollte aus der Klasse rennen, denn das mochte ich mir nicht ansehen. Ich blieb aber. Die schlagen hier? Ich erinnerte mich an das, was meine Mutter von der Schule vor 1945 erzählt hatte. Wie die Lehrer prügelten und auch sonst wie die Kinder misshandelten. Und das auch hier?

In der DDR war die Prügelstrafe schon seit dem Neuanfang der Schulen in der Sowjetischen Zone, mit der Demokratischen Schulreform 1945/1946, abgeschafft. Es war Lehrern streng verboten, die Schüler zu misshandeln. Sogar Ohrfeigen waren verboten, ganz zu schweigen von Prügelorgien mit dem Stock. Lehrer, die dieses Verbot missachteten, hatten zumindest mit sofortiger Entlassung aus dem Schuldienst zu rechnen, sie hatten Glück, wenn sie nicht vor Gericht landeten. Und hier in der BRD war das alles anders, Prügel gehörten zur traurigen Realität, sie waren Schulalltag – jedenfalls in den so genannten Volksschulen.

Die Volksschulen. So las ich viele Jahre später, als ich selbst die Hochschule absolviert hatte, war z.B. im Land Nordrhein-Westfalen dazu gedacht, Minimalkenntnisse in Lesen, Schreiben, Rechnen zu vermitteln, aber die Schüler insbesondere zu guten Christen zu erziehen. Der dafür zuständige Beamte im Kultusministerium – seinen Namen habe ich vergessen – stammte aus dem Katholizismus und war mit höchsten  päpstlichen Orden ausgezeichnet.

Natürlich war die Bekenntnisschule üblich. Wir in Kleve hatten ein eigenes Schulgebäude – Lutherschule hieß sie. Zwar waren die Mitglieder der evangelischen Kirchen hier in der Diaspora, aber genug, dass sich eine eigene Schule lohnte. Es gab aber Schulen, wo sich katholische und evangelische Schüler das Schulgebäude teilten. Auf dem Pausenhof war dann ein dicker weißer Strich; Die eine Seite war katholisch, die andere evangelisch und kein evangelischer Schüler durfte die katholische Seite betreten und umgekehrt.

Das war also die Erziehung zur Demokratie im Westen. Es sollten Untertanen gezüchtet werden, deren Wissen nur soweit reichte, dass sie Handwerksberufe erlernen konnten oder als ungelernte Arbeiter ihr Geld verdienten.

Natürlich war das auf den Gymnasien anders, aber die waren ja nicht für Kinder der Arbeiterklasse.

Es gab auch sog. Aufbaugymnasien, also Schulen, die auch Schüler aus Volksschulen nach der 6. Klasse aufnahmen. Aber es gab am gesamten Niederrhein nur ein einziges, das war in Moers, also eine Ecke weg von Kleve. Ich wäre gern auf eine bessere Schule gegangen, das ging aber nicht. Meine Tante, bei der ich lebte, war einfache Arbeiterin in einer Schuhfabrik.

Es war also nicht weit her mit der Demokratie. So, wie in NRW, war es mehr oder weniger in allen Bundesländern – das Bildungsprivileg der Bourgeoisie wurde einerseits zementiert, anderseits erzog man die Arbeiterkinder zu Untertanen, die ihre Arbeitskraft verkaufen konnten – mehr aber auch nicht.

Wenn heute die Regierenden von demokratischen Traditionen der BRD schwärmen, so sind sie entweder dumm und wissen es nicht anders, aber wahrscheinlicher ist, dass sie lügen.

Noch eine Episode zum Abschluss dieses Teils:

Nach der Schulentlassung mit 14 Jahren, also 8. Klasse, bekam ich in Aachen eine Lehrstelle als Elektroinstallateur in einen größeren Handwerksbetrieb. Mein Chef war sogar Obermeister der Innung, Mitglied der CDU und des Gemeinderates der katholischen Gemeinde.

Das Lehrlingsheim, in dem ich wohnte, lag in dem gleichen Stadtteil, Träger war die Caritas. Wir wohnten auch hier streng nach Konfessionen getrennt: Die evangelischen Jugendlichen in der 1. Etage, die katholischen Parterre. Klar, dass hier im Heim heftigste für di CDU geworben wurde, sogar auf dem Fernseher war ein Schild angebracht, dass das Gerät vom Ministerpräsidenten Karl Arnold gespendet worden sei – obwohl der zu dieser Zeit in der Opposition war, in Düsseldorf stellte die SPD den Regierungschef.

Ich wollte mich politisch betätigen und war Mitglied der damals einzigen linken Jugendorganisation SJD Die Falken, geworden. Die FDJ im Westen war zu dieser Zeit bereits verboten.

Für die Heimleitung war ich in keiner sozialdemokratischen, sondern in einer kommunistischen Organisation, wobei nach deren Bewusstsein, schon die SPD kommunistisch war. Ich hatte im Heim ja nicht verschwiegen, dass ich bei den Falken war und sogar für die Mitgliedschaft da geworben.

Kurz nachdem es im Heim bekannt geworden war, wo ich politisch organisiert war, kam ich am Morgen zur Arbeit. Ich wurde sofort zum Chef bestellt, der mir mitteilte, ich sei fristlos entlassen.

Die Begründung: Er dulde in seinem Betrieb keine Kommunisten und schon gar nicht, wenn er von ihnen auch noch bestohlen würde. Bestohlen? Ja, teilte er mir mit, ich würde ihm Kupferdraht stehlen. Ich war verwirt. Er forderte mich auf, ins Lehrlingsheim zur Heimleitung zu gehen. Als ich da ankam, führte man mir einen Karton mit Drahtresten vor. Das waren Drahtstücke von maximal 10 cm Länge, die abgeschnitten wurden, weil der Draht da zu lang war. Diese Reste sammelten wir alle, denn sie wären sonst im Schutt gelandet und in der Mülltonne gelandet. Wenn man etwa ein Jahr gesammelt hatte, wurde die Isolierung abgebrannt und man konnte dafür beim Schrotthändler ein paar Mark bekommen.

Es war klar, die Zusammenarbeit zwischen der Heimleitung und meinen Chef hatte zu meiner Entlassung geführt. Der Hauptgrund: mein angebliches kommunistisches Engagement, die Drahtreste waren nur Vorwand.

Weder über meine Mitgliedschaft bei den Falken, noch von den Drahtresten, konnte mein Chef durch seine Gesellen erfahren haben. Zum einen, sammelten die selbst die Drahtreste und zum anderen waren sie überzeugte Sozialdemokraten, einige waren sogar Kommunisten. Erst die Zusammenarbeit der Heimleitung über die katholische Kirche mit meinem Chef, hatte mir die Lehrstelle gekostet.

Ende Teil 1


[1]  Mk. 16, 15  

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Demokratieerziehung im Erziehungssystem der BRD in der Adenauerzeit

Prügel gehörten zum Alltag, Wissensvermittlung war zweitranig – Religion das Wichtigste

Von Günter Ackermann

Teil 2: Versteckte „Pädagogik“

Heimerziehung in frommen Händen von Nonnen, Mönchen, Diakonissen und Diakonen:

Gewalt, sexueller Missbrauch und Perversion – im Namen Gottes raubte man ihnen die Kindheit

Kommunisten-online vom 04. November 2009 – Prügel in der Schule waren damals im Westen auf der Tagesordnung, auch, wenn es eine Menge Lehrer gab, die sie ablehnten und auch nicht praktizierten. Prügel in der Schule war offen und wurden nicht versteckt. Ganz anders jene Art der „Demokratieerziehung“, die jenen angetan wurde, die auf irgendeine Art auffällig und anders waren.

Und davon gab es nicht wenige: Viele Ehen waren durch die Kriegsereignisse zerrüttet, andere waren bestrebt, nach den Hungerjahren etwas Lebensstandard zu erwirtschaften und dachten nicht daran, dass auch die Kinder das Bedürfnis nach Wärme und Zuneigung brauchen usw.

Gab es in der DDR für jedes Kind, vor der Schule, einen Krippen- oder Kindergartenplatz; in der Schulzeit gab es Tagesstätten für Schulkinder, mit Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung. Meine Mutter erzog uns allein, also ging ich in solch eine Tagesstätte, die der Schule angeschlossen war. Die Erzieher, als Horterzieher und als Lehrer ausgebildet, waren also hoch qualifiziert. Die Tagessstätten waren selbst dann offen, wenn Schulferien waren – in der Zeit aber verbrachten wir den Tag außerhalb der Stadt. Natürlich mit voller Verpflegung.

Nicht so im Westen. Kindergärten gab es zwar auch, aber viel zu wenige, Krippen gar keine oder zumindest so wenige, dass es der Erwähnung nicht wert ist und Tagesstätten für Schulkinder gab es auch nicht – gibt es ja immer noch nicht.

Wenn da ein Kind sozial auffällig wurde, war schnell das Jugendamt auf der Matte und ein Vormundschaftsrichter veranlasste „Fürsorgeerziehung in einer geschlossenen Anstalt“. Wer nicht konform war, wurde weg geschlossen. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Was den Kindern, die dahin kamen, blühte, unten einige Auszüge der Berichte Betroffener vor dem Petitionsausschuss des Bundestages vom 6. Dezember 2006[1]:

Bericht E.F. (damals 15 Jahre alt)

Bodelschwingsche Anstalten Bethel, evangelisches Mädchen und Frauenheim Ummeln

 „Nach der Aufnahme wurden mir, ohne das ein Arzt mich untersucht hat, Beruhigungsmittel verabreicht. Dies ist aktenkundig und somit belegbar. Untergebracht war ich, wie alle anderen auch, in einer Einzelzelle mit gekalkten Wänden. Dort befand sich ein Bett, ein Stuhl, eine Blechschüssel zum Waschen und als Toilette diente ein Kindernachttopf. Die Fenster waren verschlossen und es gab nur eine kleine Lüftungsmöglichkeit von 20 x 10 cm. Die Zellentür hatte von innen keine Klinke und es gab auch keine Klingel für den Notfall.

Täglich musste ich 12 Stunden in der Großküche arbeiten, sieben Tage die Woche. Später arbeitete ich in der Großwäscherei, in der die Wäsche von Kunden geliefert wurde. Einmal in der Woche musste ich in einem Privathaushalt im Dorf Ummeln arbeiten. Vor jeder Mahlzeit mussten wir beten und sonntags zur Kirche gehen.

Post wurde zensiert. Einmal im Monat durfte ich einen Brief nach Hause schreiben, dieser Verließ das Haus, wenn überhaupt nur nach Zensur. Es gab keinen Ausgang, kein Taschengeld oder etwa neue Kleidung.

Für versuchtes Ausbrechen, Regelverstöße oder Taten die den Diakonissen missfielen, wurde man in eine so genannte „Klausur“ gesperrt, zur Besinnung, für mindestens drei Tage: Kein Fenster durch das man schauen konnte, am Tag nur auf dem Stuhl sitzen. Schalldichte Wände und Türen. Es war grausam.

In der gesamten Zeit des Heimaufenthalts hatten wir nur einmal Besuch von unserer Mutter.

Während der Heimzeit Ich habe keine Schule oder Berufsschule besuchen können, jegliche Bildung wurde mir verwehrt. Ohne irgendeine Vorbereitung auf ein selbständiges Leben wurde ich nach einem Arbeitsurlaub und mehr als vier Jahren im Alter von 19 nach Hause zu meinen Eltern entlassen.“

M. E. (16 Jahre alt)

Katholisches Vincenz-Heim in Dortmund

Träger: der Nonnen-Orden der Barkherzigen Schwestern

(auch Mädchen-Knast genannt)

Die unbarmherzigen Methoden der Barmherzigen Schwestern im Vincenz-Heim in Dortmund

Mütter sahen ihre neugeborenen Babys nicht, die Neugeborenen wurden von der Mutter entfernt.

Die Brüste der stillenden Mütter wurden hoch gebunden. Bei dieser Prozedur entstehen der stillenden Mutter höllische Schmerzen.

Eine Bindung zu ihrem Kind war nicht möglich, wurde unterbunden, damit sie die Arbeit im Haus wieder aufnehmen konnten.

Sonntags eine Stunde zum Kind, bei „schlechten Benehmen“ der Mutter wurde

diese eine Stunde Glück gestrichen.

Das Briefgeheimnis wurde verletzt, Kontrolle bei eingehenden Briefen,

(oft wurden Briefe nicht ausgehändigt) Kontrolle bei ausgehender Post.

Heimliche Briefe wurden geschrieben und heraus geschmuggelt,

bei Entdeckung hohe Strafen.

Persönlichkeitsrechte wurden auch hier schwer verletzt.

„Kurz nach meinem 16. Geburtstag verliebte ich mich in einen 24-jährigen kanadischen Soldaten. Ich war sexuell unerfahren. Ende November 1959 bemerkte ich, dass ich schwanger war. Als mein Vater davon erfuhr, schlug er wie von Sinnen auf mich ein und benachrichtigte das Jugendamt. Noch am gleichen Tag wurde ich in ein Haus für obdachlose Frauen und Mädchen nach dieser Lohn gebracht. Heiraten durfte ich nicht.

Am 1. März 1960 wurde ich von einem Polizeibeamten und einer Fürsorgerin in ein evangelisches Entbindungsheim nach Soest gebracht. Von da aus dann Anfang April 1969 ins Vincenz-Heim in Dortmund. Ich bekam die obligatorische Heim- Kleidung.

Blaukariertes Kleid mit Puffärmeln. Darüber ein Schürze aus gleichem Stoff. Ich kann in die Aufnahme Stationen. Zu Schwester Alexa und Nivella. Da saß ich nun stundenlang in einer Gruppe von etwa 20 Mädchen und häkelte weiße Batisttaschentücher. Die Nonne saß dabei, passte auf und betete ihren Rosenkranz. Die einzige Abwechslung war, fromme Lieder zu singen, ab und zu im Keller des Morgens stundenlang Kartoffeln schälen. Und Sonntag nachmittags Hofgang in Reih und Glied.

Alle paar Wochen kam ein alter Frauenarzt. Er untersuchte uns im Beisein der Schwester.

Als ich im achten Monat war, wurde ich ins Krankenhaus zur Untersuchung gebracht. Es war eine Steißlage. Von da an drängte mich die Schwester immer mehr, zur Beichte zu gehen. Ich hatte mich vorher schon geweigert.

Deshalb kam ich für einen Tag in die Klabause. Es war eine kleine Zelle mit einer Holzpritsche. Für die Notdurft einen Blecheimer.

Eines Samstag morgens bekam ich einen Zettel und Bleistift, und ich wurde im Schlafsaal eingesperrt. Dort sollte ich meine Sünden aufschreiben. Des Nachmittags dann in Reih und Glied in die Appelle zum Beichten.

Als ich an der Reihe war, kniete ich nieder und las vor: „Ich habe Unschamhaftes getan“. Der Priester fragte in welcher Stellung. Da ich nicht wusste was das war fragte ich: „Was ist das?“

Mit den schmutzigsten Ausdrücken erklärte er mir dann, was eine Stellung ist. Einzelheiten möchte ich mir und Ihnen ersparen..

Als ist mir zu viel wurde, lief ich weinend aus dem Beichtstuhl auf dem Flur. Schwester Alexa kam hinter mir her. Sie legten den Arm um meine Schulter und sagte: „Wenn Dir bei der Geburt was passiert, kannst du ohne Sünden vor den Herrn treten“. Ich konnte ihr doch nicht sagen was passiert ist, sie hätte mir nicht geglaubt .

In einem 1976/77 umgeschrieben Lied heißt es: „ Pater Fürbaß kommt viermal im Jahr und ist dann für die Beichte da. Der Pfaffe ist ein geiler Bock und schaut den Mädchen unteren Rock.

Am 2. August waren wir des Morgens in der Kapelle. Während der Wandlung war knieen Pflicht. Ich hatte plötzlich einen starken Schmerz im Unterleib und setzte mich hin. Sofort hatte ich Schwester Vincentines spitzen Finger im Rücken und sie sagte: „Hinknieen!“. Etwa 10 Minuten später war der Schmerz wieder war. Ich stand auf und ging aus der Kapelle. Schwester Vincentine kam hinterher und beschimpfte mich. Sie sagte, ich solle auf dem Flur hin und her gehen und ging wieder.

Nach einiger Zeit kam der Schmerz wieder. Mir lief Flüssigkeit die Beine runter und der Fußboden war nass. Ich hielt vor Schmerz meinen Bauch und suchte eine Toilette. Aber alle Türen waren verschlossen. Etwas später kamen alle aus der Kapelle raus. Ein Mädchen musste mir einen Eimer mit Wasser, Aufnehmer und Schubber holen, und ich musste alles sauber machen.

Etwa um 11 Uhr wurde ich ins Krankenhaus gebracht. Die letzten Minuten vor der Geburt war ich bewusstlos. Sie haben das mir das Kind an den Beinen aus den Körpern gerissen. Um 13:05 Uhr wurde meine Tochter geboren.

Ich nannte sie M., nach meiner verstorbenen Mutter. Im Krankenhaus konnte ich stillen. Nach 10 Tagen wurde ich vom Heim wieder abgeholt. Noch am gleichen Tag wurden wir mit zusammengerollten Windeln die Brüste hoch gebunden und ich musste im Bügel-Saal arbeiten.“  

M.P.Sch. (10 Jahre)

Knabenheim Westuffeln in Werl (evangelisch)

„Schläge waren an der Tagesordnung, wenn man erwischt wurde, ist man schon verdroschen worden, und wenn der Erzieher gemeint hat, das war jetzt etwas Schlimmeres, dann wurde das dem Hausvater gemeldet, und dann durfte man im Speisesaal vor dem Personaltisch den Arsch blank ziehen. Das Schlimme waren nicht die Schläge, die man dann aufgezählt bekam, sondern die Tatsache, dass man vor den einzigen weiblichen Personen, die es im gesamten Heimgelände gab, nämlich dem Küchenpersonal, die Hosen runter lassen musste.

Das Heim war Selbstversorger. Die Kinder (6 -14 jährig) mussten täglich mehrere Stunden arbeiten: in der Küche, beim Kartoffelschälen, in den großen Gartenanlagen, im Gewächshaus, im Park oder in den Ställen bei den Schweinen, den Hühnern, Schafen und Eseln. Der Tag begann mit der Arbeit vor dem Frühstück, jeden Morgen alle Räume, die von den Kindern benutz wurden Staub wischen, fegen, wischen, bohnern. Erst danach ging es in den Speisesaal zur täglichen Haferschleimsuppe mit Brot zum reinbrocken. Gegessen wurde von Blechtellern.

 In der Saisonzeit, wenn zum Beispiel das in der damaligen Zeit noch übliche Rüben vereinzeln, Heuwenden oder Kartoffelnlesen notwendig war, wurden wir mit einem Traktor geholt und zu den Feldern der Stiftungsratsmitglieder  gefahren, Mitgliedern des Kuratoriums gefahren. Die Schule fiel dann aus.

Das Geld, was es dafür gegeben hat, haben wir nie zu sehen bekommen. Angeblich war es so, dass es eine Mark gegeben hat, eine Mark pro Tag, aber die Mark ist dann vom Hausvater einbehalten worden, mit der Begründung, das ist dann für die, die gar nichts haben, für die Weihnachtsgeschenke. Doch von dem Geld fürs Rüben vereinzeln, Heuwenden, Spargelstechen oder Kartoffellesen haben wir Kinder nie etwas erhalten. Der Stadtarchivar von Werl hat mir erzählt, dass man damals 5 DM pro Tag bei den Bauern erhalten habe.“

R.Sch.

Erziehungsheim Breitenau „Mädchenheim Fuldatal”, Guxhagen bei Kassel

„Die Post wurde kontrolliert und gelesen,  Besuch war nur auf  Antrag alle acht Wochen (von dafür ausgewählten Personen) erlaubt.

Meine Geschwister wußten nicht wo ich war. Für jeden sei es auch noch so ein geringer Verstoß gab es die Klabause (Isohaft). Ich habe Mädchen gesehen die für ein Stück Leberwurstbrot sexuellen Wünschen nach gaben, und eine Heimleitung, die in schwarzer Lederkleidung mit Peitsche herumlief, um Angst und Schrecken zu verbreiten.

In der Aufnahmegruppe befanden sich im Durchschnitt 15 Mädchen. Insgesamt hatte das Erziehungsheim ca. 80 Plätze für junge Mädchen, durchschnittlich im Alter von 14 bis 20 Jahren. Ich selbst kann mich aber an ein 11jähriges hochschwangeres Mädchen erinnern, welche in unserer Gruppe arbeiten mußte, bis zu ihrer Niederkunft. Sehr oft war die Aufnahmekapazität erschöpft, wegen Überbelegung. Jeden zweiten Sonntag hatten wir Schreibtag. Jeder bekam ein Blatt und einen Kugelschreiber, wobei die Ausgabe gegen Unterschrift statt fand, und genauso wieder abgegeben werden mußten. Jeder Brief wurde gelesen, von Menschen, die uns betreuten, aber meistens über keine pädagogische Fachausbildung verfügten. Es war uns noch nicht einmal erlaubt, auch nur einen Kugelschreiber zu besitzen. Täglich wurde das Licht um Punkt 21.00 Uhr gelöscht, wobei die Lichtschalter sich ausserhalb der Zimmer befanden. Wenn wir überhaupt lesen durften, dann nur ausgesuchte Bücher, keine Zeitungen, Keine Illustrierten, Magazine. Radio hören, Nachrichten sehen war verboten.

Erziehungsheim Breitenau „Mädchenheim Fuldatal”, Guxhagen bei Kassel

CIMG1952

Erziehungsheim Breitenau
Arrestzelle (Originalzustand)

 Es war alles verboten, nichts war erlaubt. Wer in Breitenau die Pforten hinter sich geschlossen hatte, hatte keine Menschenrechte mehr, keine Selbstwürde, vor allem keinerlei Freiheit. Wenn man mal von draussen ein Päckchen erhalten hatte, musste das in Gegenwart des Personals geöffnet werden, der Inhalt wurde strengstens kontrolliert, Schokolinsen, Kaugummi usw. wurden weggenommen, von dem Rest was dann noch in dem Päckchen war, durfte man sich jeden Abend ein Teil geben lassen, aber nur wenn es dem Personal gepasst hat, denn man durfte sein eigenes Päckchen nicht behalten, es wurde eingeschlossen.

Zigaretten gab es gar keine, ausser ein Mädchen hat sich dafür mit einem aus der Landwirtschaft sexuell missbrauchen lassen, und dafür, wenn man dann beim Rauchen erwischt wurde noch mit mehreren Tagen Besinnungsstube bestraft.

Dieses Heim war mit einer sehr hohen Mauer umgeben, darauf viele Glasscherben und Stacheldraht, trotzdem haben immer wieder Mädchen versucht von dort zu fliehen, zogen sich dabei die schwersten Verletzungen zu, aber immer noch besser als dort eingesperrt zu bleiben. Eine Flucht gelang einem nur wenn man im Aussendienst arbeiten konnte, was aber auch sehr schwer war, da man immer stark  bewacht wurde. Für einen Fluchtversuch gab es wie immer Besinnungsstube und drei Monate längeren Heimaufenthalt, für gelungene Flucht sechs Monate Verlängerung. Wo zu man noch sagen muss, das keiner der Mädchen nie wusste, wie lange der jeweilige Heimaufenthalt dauert.

In den Gruppen fanden unregelmässige Zimmerkontrollen statt wenn wir zur Arbeit waren, das wenige was wir sowieso nur besassen, war aus den Nachtschränken rausgerissen, die vier Monatsbinden die man für einen Monat bekam zerrissen, weil darin ja etwas verbotenes versteckt sein könnte.

Die Aufteilung der Schlafsäle war in Einzelzimmer, Dreibettzimmer bis Fünfbettzimmer eingeteilt. Für jeden Schlafsaal gab es einen Nachttopf, den man in einen Nachtschrank aus Holz stellen musste, dementsprechend hat er auch gestunken. Manchmal haben sich die Mädchen wegen Überfüllung des Nachttopfes nicht mehr getraut Ihre Notdurft zu verrichten, denn der letzte der dies gemacht hat, musste den Nachttopf entleeren. Wer Abends vergessen hatte den Nachttopf mit ins Zimmer zu nehmen, hatte Pech, denn die Tür die einmal abgeschlossen war, wurde vor dem anderen Morgen nicht mehr aufgeschlossen, da konnte man klopfen so viel man wollte.“

H. R. geb. 1945 (damals 12 Jahre alt)

evangelische Waisenhaus in Lahr/Schwarzwald

„Eine Frau vom Jugendamt hat mich nach Lahr/Schwarzwald gebracht und mir erzählt, dass mein Vater dieses Heim für mich ausgesucht hätte und es mir bestimmt gefallen würde. Es war das evangelische Waisenhaus in Lahr, überwiegend waren dort Diakonissen. Die Oberin sagte, wenn ich mich anständig verhalten würde, könnte ich auch von meinem Vater besucht werden, aber erst wenn ich mich eingelebt hätte. Auf meine Frage, wann das denn sei, antwortete sie mir, sie würden mir meine Ungezogenheiten schon austreiben, ich hätte nur zu sprechen, wenn ich gefragt würde. Wieder wurde ich eingesperrt und bekam die Mahlzeiten auf das Zimmer. Das Zimmer hatte nur ein Eisenbett, keinen Stuhl und keinen Tisch oder Schrank. Das Licht konnte nur von draußen an- und ausgemacht werden und das vergitterte Fenster, fast ganz oben an der Decke, hatte keinen Griff zum aufmachen, an der Tür war ein Spion. In diesem Zimmer sollte ich noch viele Tage und Nächte verbringen.

Nach einer Woche kam ich dann in einen Schlafsaal mit 12 Betten, alle Mädchen waren älter als ich, die Älteste war damals schon 18 und hatte ein Kind, das auch im Waisenhaus in der Säuglingsabteilung war. Dieses Mädchen war Bärbel und immer, wenn sie bestraft wurde, durfte sie ihr Kind für mehrere Wochen nicht sehen, nachts hat sie immer geweint. Eigene Kleider durften nicht getragen werden, wir hatten alle eine Anstaltstracht (dunkelblaugraue steife Kleider mit gestreiften Schürzen an. Jedes Mädchen hatte eine Nummer, ich die Nummer 61. Nacht´s wurde die Tür im Schlafsaal abgeschlossen, wenn man auf Toilette musste, gab es dafür einen Eimer. Jeden Tag gingen alle 12 Mädchen gemeinsam in den Waschraum und einmal in der Woche konnte man duschen. Für mich war das anfangs ungewohnt und ich genierte mich, als die Schwester, die uns beim waschen beaufsichtigte das merkte, musste ich mich vor allen Mädchen ganz nackt ausziehen und mich waschen und zwar so wie die Schwester es sagte, manche Mädchen haben betreten weggesehen und manche haben gekichert, mir war das sehr peinlich, ich habe geweint.

Im Heim war eine Schule, alle 8 Klassen in einem Raum. Ich ging zunächst in die 5. Klasse, insgesamt waren wir ca. 30 Mädchen von der 1. bis zur 8. Klasse.

Ich hatte keine Probleme mit dem Lehrstoff sondern mit der Lehrerin, sie war keine Diakonisse. Als ein neues Mädchen aus Mannheim kam, ihr Name war Roswitha (auch 12 Jahre alt), sie weinte viel und hatte Heimweh. Sie hat erzählt, ihre Mutter sei in Amerika und würde sie bald holen. Ihre Oma wurde krank und darum hätte das Jugendamt sie abgeholt und nach Lahr gebracht. Das Schlimmste war, sie war Linkshänderin. In Mannheim war das in der Schule wohl kein Problem, aber im Heim sehr wohl. Immer wenn sie den Füllhalter in der linken Hand hatte und erwischt wurde, bekam sie nicht nur Tatzen auf die Hände, nein überall hin, auch auf den Körper und den Kopf. Mit der rechten Hand konnte sie nur langsam schreiben, darum wurde sie auch nie mit uns anderen fertig und musste immer nachsitzen. Oft bekam sie dann nichts mehr zu essen. Mir tat sie leid, ich habe darum etwas für sie abgeschrieben, nicht zu schön, dass man es nicht sofort merken sollte und das wurde mir dann zum Verhängnis. Alle beide haben wir kräftig den Rohrstock zu spüren bekommen und alle beide wurden wir eingesperrt, natürlich getrennt. Die Striemen vom Rohrstock hat man bei mir lange gesehen. Zu mir hat die Lehrerin gesagt ich wäre verlogen und ein durchtriebenes Subjekt (ich wusste gar nicht was das war), weil ich vorgetäuscht hätte, dass Roswitha das selbst geschrieben habe. Ich wäre ein hinterhältiges Früchtchen, sagte die Oberin zu mir und sie hoffe, dass ich im Arrest zur Besinnung käme und bis dahin seien Briefe und Besuche gestrichen. Briefe schreiben waren nur alle vier Wochen und Besuch nur alle viertel Jahr erlaubt. Alle Briefe wurden gelesen und manchmal auch nicht abgeschickt. Eines Abends, als mich eine Schwester zum Waschraum brachte, wurde sie von jemand gerufen und ließ mich alleine im Umkleideraum der nicht abgeschlossen war. Die Schwestern konnte man immer beim gehen hören, weil alle einen großen Schlüsselbund an ihrer Schürze befestigt hatten, der immer klimperte. Ich bin weggelaufen, am Zaun lehnte das Fahrrad von einer Schwester, ich habe es genommen ( gestohlen) und bin durch den Stall hinten um das Haus herum abgehauen. Ich wollte zu meinem Vater nach Karlsruhe, die Richtung kannte ich und habe auch nach Hause gefunden. Mein Vater war nicht glücklich mich zu sehen, aber doch froh, dass mir nichts passiert war.

Er hat mich wieder zurück gebracht. Ich habe ihm erzählt was passiert war, er hat mir nicht geglaubt, er sagte, ich hätte eine blühende Phantasie und so schlimm könne es doch nicht sein. 

Ich bin wieder zurück ins Heim gekommen, mein Vater hat mich hingebracht und so lange er dabei war, ist auch nichts passiert. Ich kam aber dann doch wieder für eine Woche in das Zimmer mit den vergitterten Fenstern und in die Schule durfte ich auch nicht, weil ich das Fahrrad gestohlen hatte. Wir haben es natürlich sauber geputzt wieder zurückgebracht und ich hatte mich auch entschuldigt.

Jeder musste ein Amt übernehmen, d.h. nach der Schule in der Küche, Waschküche, in den Ställen oder bei den Kleinkindern und Säuglingen helfen.

Im Sommer mussten wir auf dem Feld helfen, das war anstrengend, aber trotzdem schön. Eines mittags wurde mir so schlecht und ich musste mich übergeben (wir hatten schon seit morgens Heu gewendet und aufgeladen), ich hatte Fieber und ich sollte im Schatten liegen bleiben, man könnte niemand entbehren bei der Heuernte, wenn ich schon nicht mehr arbeiten könnte, solle ich mich wenigstens ruhig verhalten. Offensichtlich habe ich mich ruhig verhalten, ich kann mich erst wieder an den übernächsten Tag erinnern, ich lag im Bett mit Wadenwickeln und ein Arzt war da. Meine Frage, was ich denn hätte und warum ich in dem Zimmer mit den vergitterten Fenstern wäre, wurde mir nicht beantwortet. Erst als ich wieder gesund war, haben mir die anderen Mädchen im Speisesaal erzählt, ich hätte einen Hitzschlag gehabt und wäre ohnmächtig gewesen.

Besuchstag, aber mein Vater kam nicht. Anrufen konnte man damals nicht, wir hatten zu Hause kein Telefon. Ich habe die Schwester gebeten doch bei meinem Vater auf der Arbeit anzurufen, weil er nicht mehr geschrieben hatte, die Antwort war: der wird schon wissen warum er nicht kommt, kein Wunder bei so einem frechen Kind, ich solle kein Theater machen. Die Angst um meinen Vater hat mich wieder veranlasst die Flucht zu ergreifen. Dieses Mal hat mich ein Lastwagenfahrer bis nach Karlsruhe mitgenommen. Als ich nach Hause kam, war eine Frau bei meinem Vater. Er hat mit mir geschimpft und mich wieder zurückgebracht. Für mich brach damals eine Welt zusammen, mein Vater war alles was ich hatte und ich dachte er hat mich nicht mehr lieb. Ich habe erst später verstanden, dass mein Vater nicht alleine leben wollte.

Ich sollte ein Treppenhaus putzen und habe das wohl nicht gut genug gemacht, so dass eine Schwester mich ausgeschimpft und geschlagen hat, dabei bin ich die Treppen runtergefallen, weil sie mich gestoßen hatte, dafür wurde ich wieder eingesperrt. Die anderen Mädchen, vor allem die Älteren, haben einen Plan zur Flucht ausgeheckt. Im Schlafsaal sollten wir nicht sprechen, aber wir taten es trotzdem. Erst wollten die Mädchen mich nicht mitnehmen, aber weil ich so verzweifelt war und weil ich schon mehrmals weggelaufen war, haben sie mich doch mitgenommen. Wir haben uns in einem leer stehenden Winzerhäuschen im Weinberg versteckt, weil die älteren sagten, wir würden auf den Straßen gesucht werden. Beim Äpfel stehlen hat uns wohl ein Landwirt gesehen und es der Polizei gemeldet. Ich habe fast nichts mitbekommen, ich kam mit einer Blutvergiftung ins Krankenhaus und mir wurde eine Metallspäne rausoperiert, die wohl beim Sturz im Treppenhaus in mein Bein gekommen war.“

W.F. (männlich) (damals 12 oder 13 Jahre alt)

Kinderheim Ennepetal Loher Nocken (evangelisch)

„Aber was half mir das damals, ich musste spüren, was es heißt, mit aller Härte erzogen zu werden. Zu dieser harten Methode gehörte z.b.: Wenn irgend etwas nicht nach dem Willen von Schwester Gertrud lief, gab es einen Lehrer mit Namen Wiesekopsieker, der hatte seine Wohnung gegenüber unserer Abteilung, der kam, man kriegte 2-3 Ohrfeigen und dann sagte er. „Damit ich nicht so schnell wiederkommen muss und du alles bedingungslos tust, was Schwester Gertrud will, machen wir wieder unsere bekannten Übungen!“ Das hieß, er packte mein Ohr, drehte es, ein höllischer Schmerz durchfuhr einen und er zog uns vom Stuhl hoch und drückte uns nieder, das Ohr blutete, immer dann hörte er auf aber nicht, ohne uns vorher noch eine Ohrfeige zu versetzen. Er kam sehr oft wieder. Er war der beste Freund der Schwester Gertrud und er zeigte gerne seine Macht.

Dann kam der sexuelle Missbrauch.

Zuerst von älteren Zöglingen, man konnte sich nicht wehren, denn es galt das Gesetz des Stärkeren. Wenn ich gesagt habe: „Ich will das nicht mehr“ oder „Ich sage es der Schwester“, dann kam ein zweiter Zögling dazu, einer legte einem seine Arme vor die Brust, der andere zwang einen, 10x tief Luft zu holen, dann drückte der andere zu und man verlor das Bewusstsein, dann wurde man in einen Spind gesperrt, wenn man wieder zu sich kam und man panische Angst hatte, weil man nicht wusste, wo man war, dann machten die beiden den Schrank auf und sagten: „Du kannst dir überlegen, ob du etwas verpetzen willst. Den Schrank kennst du ja jetzt, das nächste Mal lassen wir dich darin verrecken.“

Erinnern kann ich mich noch gut dran, dass der damalige Heimleiter zur Bestrafung immer gern am Duschtag kam, wenn wir nackend waren. Er packte uns ans Geschlechtsteil, fummelte daran herum, bis das Ding etwas steif wurde, was mit 13 Jahren normal war und er sagte dabei: „Ich muss doch mal kontrollieren, ob du auch nicht wieder am Puscher gespielt hast.“ Dann nahm er einen übers Knie, man kriegte mit der Hand auf den nackten Po.

Denn ich war wieder einmal entwichen, vor 3 Tagen zurückgebracht, aber die Bestrafung gab es erst, wenn wir nackend unter der Dusche standen. Der gleiche Mann rief eine halbe Stunde später in sein Büro, nahm einen auf den Schoß und sagte: „Ich wollte das ja nicht, aber Strafe muss sein“ und es gab ein Stück Schokolade.

Und das alles im Namen der Kirche und der Nächstenliebe, wenn das nicht pervers war, weiß ich es nicht.

Der Sohn des Heimleiters war damals vielleicht 18 Jahre und arbeitete als Schuster in der Schuhmacherei. Wenn wir Schuhe hinbrachten und wir sein Typ waren – ich hatte Pech, ich war sein Typ – wurden wir von ihm sexuell missbraucht. Zum Schluss sagte er immer: „Vergiss nicht, ich bin der Sohn des Heimleiters. Wenn du etwas sagst, glaubt dir sowieso keiner.“

Es gab einen Bruder Hahn, der hatte die Angewohnheit, wenn etwas nach seiner Meinung nicht in Ordnung war, haute er einen immer mit dem Schlüssel auf den Kopf, dass es ordentlich schmerzte und sofort blutete, das war seine Art die Sache zuklären.

Schwester Gertrud hatte die Pflicht, nach dem Mittagessen in den Klassenraum zu gehen, ich war damals schon in der Sonderschule, weil ich so oft durch die Heime die Schule gewechselt hatte. Da überall die Unterrichtsstoffe unterschiedlich waren, hatte ich große Probleme, überhaupt etwas zu begreifen. Genau nach 1 Stunde machte die Schwester Schluss, ob man fertig war oder nicht, für sie war jetzt Kaffeepause und für uns begann die Arbeit in der Gärtnerei. Am anderen Morgen bei Schulbeginn legte der Lehrer seine Aktentasche aufs Pult, aus der Seite zog er den gelben Onkel aus Amerika, das war der Rohrstock. Wir mussten einzeln vortreten und unsere Schulaufgaben vorzeigen, natürlich waren ich und andere in der einen Stunde, die wir hatten, nicht fertig geworden, dann gab es Prügel, weil es ganz klar war, wir hätten es schaffen können, wir waren nur zu faule Zöglinge.

Später wurde ich nach Dorlach verlegt, da wurde ich aus der Schule entlassen, konnte weder Schreiben noch Lesen, so gut haben mich die Pädagogen aus dem Heim unterrichtet.

(…)

Ich wurde verlegt auf einen Bauernhof, der zu dem Heim gehörte. Musste jeden Tag 10 Stunden hart arbeiten, war einem super Gutsverwalter unterstellt, der vor der Sprache das Schlagen gesetzt hat. Er scheute auch nicht mit dem Forkenstiel nach mir zu schlagen. Ein Anlass war z.b., wenn ich auf eine entfernte Wiese guckte, wo die anderen etwas jüngeren Zöglinge spielten. Nach seiner Ansicht sollte ich arbeiten und nicht gucken. Mein Glück war, dass er ein Holzbein hatte und ich mir in den Misthaufen so eine Art Stufen gebaut hatte und ich ruckzuck oben war, er stand dann und konnte mir nicht folgen. Er hatte einen komischen Dialekt und schrie dann immer. „Kommst n’unter, du Latsche, du dumme, dann kriegst’e die Backe n’uff, du kriegst so die Backe nuff, das es ordentlich schmerzt, du Latsche, du dumme.“ Auf diesem Bauernhof war ich ca. 3 Monate.

Da dieser Hof zu dem Heim Dorlach gehörte, wurde ich da auch konfirmiert. Dann wurde ich verlegt, den Grund teilte man uns sowieso nicht mit, weil wir waren ja Freiwild.“

Aus einen Offenen Brief des ehemaligen Hei,insassen Uwe Werner[2]

„Der Holocaust war das schrecklichste, was wir Deutsche 6 Mio. Menschen angetan haben!!! Noch heute steht der gesamte deutsche Staat als Erbnachfolger einer schrecklichen Diktatur in voller Verantwortung, wir hören es jeden tag und es ist auch gut so! Doch eben so gut sollte und müsste es sein, das der deutsche Staat und seine untergeordneten Institutionen, für an uns begangenes Unrecht, gerade stehen muss. Wir konnten uns damals nicht wehren, wir waren Freiwild und der Lust und den Launen angeblicher gottesfürchtiger Erzieher/innen ausgesetzt, auf Verdeih und Verderb! Es prägte uns, wie allen unschuldigen Menschen dieser Welt, fürs ganze leben! Für begangenes Unrecht, sollte man nicht die Augen verschließen und wachsam sein und den Anfängen wehren, so hören wir es stets an irgendwelchen Jahresgedenkveranstaltungen von unseren Politikern und von den Kanzeln. Wir verneigen uns vor den Toten und ich hoffe auch vor denen, die durch das erlittene keine andere Möglichkeit sahen, als  für sich den Freitod zu wählen.

Ich werde kämpfen, ich werde es mit Euch tun, aber auch alleine, ich werde es tun, für die, welche es nicht mehr können und denen meine Stimme verleihen, die stumm vor lauter Scham und Verletzlichkeit sind!!!

Den Kirchen sage ich folgendes: Im Namen der katholischen wie evangelischen Kirche Deutschlands haben sich zölibaterische Priester, Diakone, Erzieher, Lehrer… an uns vergangen, sich verlustiert, ihren Frust an uns ausgelassen, haben uns mit der Bibel in der Hand gezüchtigt und alles im Namen Gottes und des Staates versucht aus uns willige kleine Marionetten zu machen, welche nur den kirchlichen „Würdenträgern” vorzuspielen hatten.

Jesus sagt: „Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn ihnen ist das Himmelreich”… für uns war es aber die Hölle! Jesus sagt: „Was kümmern euch die Toten, sorgt euch lieber um die Lebenden”… dies sollte sich Kirche und Staat zu herzen nehmen und befolgen! Also sind unsere Ansprüche selbst vor Gott und dem Staat berechtigt und somit muss eine finanzielle wie moralische Wiedergutmachung erfolgen, damit auch wir wieder in Würde weiterleben können.

(…)

Mit freundlichen Grüßen

Uwe Werner

Fazit

Die BRD-Regierenden sehen sich heute als der bessere deutsche Staat, in dem Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit, Wohlstand für alle, Rechtsstaatlichkeit usw. herrschten. Die Propagada in den Medien feiert wahre Orgien über die Unmenschlichkeit des Kommunismus. Allein das Grenzregime an der „innerdeutschen Grenze“ sei unmenschlich gewesen. Bewusst ausgeblendet wird dabei aber, dass nicht die DDR, sondern die BRD den „Eisernen Vorhang“ errichtete.

Die SED forderte bis in die 70er Jahre die Spaltung Deutschlands zu überwinden, indem beide deutsche Staaten auf die Zugehörigkeit zum jeweiligen Milizärpakt verzichten. Im Warschauer Vertrag war sogar eine Sonderklausel für die DDR eingefügt, nach dem die DDR den Warschauer Vertrag im Falle der Wiedervereinigung verlassen konnte. Übrigens hat die letzte Regierung der DDR von dieser Klausel Gebrauch gemacht, als sie den Warschauer Vertrag verließ. Im NATO-Vertrag dagegen nichts dergleichen.

Auch die anderen Anschuldigungen gegen ddie DDR entpuppen sich bei genauem Hinsehen als Lügen oder als maßlose Übertreibungen.

Mit der Rechtsstaatlichkeit der BRD war es nicht weit her. Jupp Angenfort. Mitglied der KPD und Vorsitzender der FDJ im Westen, war Abgeordneter des Landtags von NRW, unterlag also der Immunität. Die „Sicherungsgruppe Bonn des Bundeskriminalamtes“ aber scherte sich nicht darum und verhaftete ihn im März 1953 auf offener Straße in Duisburg. Angenfort wurde dann zu fünf Jahren Zuchthaus wegen „Hochverrats“ verurteilt. Erst 1957 wurde er, aufgrund einer Begnadigung des Bundespräsidenten, frei gelassen.

Andere Beispiele: Am 11. Mai 1952 ermordete die Polizei in Essen den Jungkommunisten Philipp Müller (21 Jahre alt). Die Polizei schoss auf Demonstranten gegen die Remilitarisierung der BRD. Es habe Notwehr vorgelegen, weil die Demonstranten zuerst geschossen hätten, log die Polizei. Ein Gericht – das Landgericht Dortmund – bescheingte die Notwehr, ein Schusswaffengebrauch durch die Demonstranten wurde nicht nachgewiesen.

Das Verbot der KPD ist ein weiteres Beispiel des Rechtsbruchs selbst der bürgerlich-demokratischen Normen. Bis in die zweite Hälfte der 60er Jahre wurden Kommunisten verfolgt. Das ging soweit, dass die Organisierung von Ferienreisen für Arbeiterkinder in die DDR strafbar war.

Aber bleiben wir beim Thema Pädagogik in der BRD. Ein Großteil der Fürsorgeheime in der BRD hatten – und haben – kirchliche Träger.

Im Gegensatz zu den Kinderheimen in städtischer Regie, die immerhin öffentlich geführt wurden, unterlagen und unterliegen die kirchlichen Heime keinerlei wirklicher Kontrolle.

Ein Beispiel aus jüngster Zeit: Mir ist ein Fall bekannt, dass eine damals 16 jährige Jugendliche im Aufnahmeheim Ahrfeldstraße in Essen  war. Die Heimleitung musste per Gerichtsbeschluss gezwungen werden, dass die Jugendliche in die Schule gehen konnte. Als sie ihre Eltern anrief und diesen mit Suizid drohte, wenn sie da bleiben müsse, fuhren die Eltern hin und wollten ihre Tochter mit nach Hause nehmen. Dummerweise sagten sie das dem Heimerzieher. Der schloss die Jugendliche ein und verweigerte die Herausgabe. Auch der Hinweis auf drohenden Suizid beeindruckte den Erzieher nicht. Die herbeigerufene Polizei marschierte, ohne etwas zu tun, wieder ab. Dem Vater aber wurde von der Heimleitung Hausverbot verhängt.

Auch an Anordnungen des Jugendamtes fühlte sich die kirchliche Heimleitung nicht gebunden. So versuchte sie, eine zwischen Eltern und Chef des Jugendamtes vereinbarte Besuchsregelung zu verhindern und widersetzte sich ihr,

Natürlich gab es im Keller die Beruhigungszelle, von der man aber selten Gebrauch machte. Allerdings jagte man die „Schützlinge“, wenn sie nicht folgsam waren, einfach für einige Stunden aus dem Haus auf die Straße – Tageszeit und Wetter waren nicht wichtig. Die oben erwähnte Jugendliche wurde z.B. mitten in der Nacht rausgeworfen. Sie erbettelte von einem Passanten am Hauptbahnhof in Essen ein paar Groschen. So konnte sie ihre Eltern anrufen, die sie abholten und mit nach Hause nahmen. Das war vor ca zehn Jahren. Träger des Heim ist die Diakonie, also die evangelische Kirche.

Das hier Geschilderte entspricht zwar in keiner Weise den Folterpraktiken der 50er und 60er Jahre, zeigt aber, dass sie solche Sachen immer noch drauf haben. Als die Eltern ihre Tochter, nachdem sie rausgeschmissen worden war, vom Essener Hautbahnhof mitten in der Nacht abholten, war Winter und strenger Frost. Mal abgesehen, dass ein Hauptbahnhof, wie der in Essen, ein Treff von Drogendealern, Kriminellen und Prostituierten ist. Also genau das, wovor diese Heime die Jugendlichen eigentlich bewahren sollten.

Immer noch fehlt jede wirkliche Kontrolle dieser kirchlichen Heime, Dass solch Folterpraktiken, wie damals, heute wohl nicht längerfristig vor der Öffentlichkeit verborgen bleiben, liegt weder an den Kirchen, auch nicht an den Jugendämtern, sondern daran, dass die Jugendlichen so was heute nicht mehr gefallen lassen. Trotzdem sollte es mich nicht wundern, wenn mal ein Fall dieser Art aus der Gegenwart an die Öffentlichkeit kommt.

Die frommen Kuttenträger und Schwarzkittel der damaligen Zeit passten genau in das Bild, das die BRD darstellte: Nur notdürftig war die braune Nazischeiße verdeckt von der schwarzen Brühe des Klerikalismus. Überall in den Institutionen waren die Nazis, auch in den Kirchen. So verkauft die katholische Kirchen den Bischof von Münster, Graf Galen als Widerständler gegen Hitler und sprach ihn selig. Thomas Mann schreibt über den (un)seligen Grafen Galen: 

„Meine Leser in Deutschland! Ihr konntet Euch von dieser Herrschaft aus eigener Kraft nicht befreien, das war wohl nicht möglich. Die Befreier mußten von außen kommen ... Betrachtet sie nun zum wenigsten nicht, wie der Bischof Galen, dieser unbelehrbare Geistliche, es Euch vormacht, als Eure ›Feinde‹ ...“

In der Evangelischen Kirche war es nicht anders. Die „Bekennende Kirche“ war keineswegs eine Widerstandsbewegung – allerdings gehörten ihr Widerstandskämpfer an.

Nnach dem Krieg, im Westen, machten die reaktionären Teile der Kirchen einfach weiter, wenn auch kritisch beäugt von fortschrittlichen Kirchenleuten, wie Martin Niemöller. Ich habe mal eine Rede Niemöllers, es war kurz vor dessen Tod, gehört in der er über die Hinhaltetaktik der Kirchenhierarchie berichtete.

Im Bereich der Heimerziehung hatten sich offenbar die übelsten und perversesten Kirchenleute gesammelt. Sie zerstörten die Kindheit unzähliger Kinder und verwandelten die Kinderheime in Folterhöllen. Sie verweigerten den Kindern das, für das ein jedes Kind ein Recht hat: Liebe und Geborgenheit und gaben ihnen Gewalt, Brutalität, sexuellen Missbrauch, materielle Ausbeutung durch Kinderarbeit.

Diese Heime bestehen in der Regel noch heute, auch die Träger haben sich nicht geändert: katholische und evangelische Institutionen. Heute werben sie im  Internet, wie gut sie doch sind und wie hilfreich und menschlich. Ihre Vergangenheit als Kinder-KZ der Nachkriegszeit verschweigen sie. Kein Heim, in dem diese Brutalitäten begangen wurden, ist von Amts wegen geschlossen worden, kein Heimerzieher wurde je wegen seiner Verbrechen von einem bundesdeutschen Gericht bestraft. Zwar wurden einige wenige, die sich an den kindern und Jugendlichen vergangen hatten, zu lächerlichen Strafen verurteilt, aber die gerichtsnotorischen Fälle sind nicht einmal die Spitze des Eisbergs.

Ein Staat, in dem so etwas ungesühnt geschehen konnte, kann sich nicht aufspielen als der bessere, der menschlichere beider deutscher Staaten. Das Regime der Kinder-KZs war kein Einzelfall von schlecht geführten Heimen, es war die Regel – sogar in staatlichen Heimen.

Die erlaubte Prügelstrafe in den Schulen fand ihre Fortsetzung in der Gewaltanwendung gegen Kinder und Jugendliche in den Fürsorgeheimen. Die BRD war der wirkliche Unrechtsstaat – nicht die DDR. Man mag lügen und den Untergang der DDR lauthals feiern. Realität ist; Den schwächsten der Gesellschaft, den Kindern, vor allem Kinder aus der Arbeiterklasse, verweigerte man Bildung, misshandelte sie und, wenn sie nicht der gängigen Norm entsprachen, sperrte man sie in KZ-ähnliche Heime und lieferte sich perversen und sadistischen klerikalen Subjekten aus.

In der DDR mag vieles falsch gemacht worden sein, aber von Anfang an, bereits direkt nach dem Krieg in der damaligen sowjetischen Zone, legte man viel Gewicht auf eine gute und humanitäre Jungenderziehung und Bildung. Brutalitäten der Art, wie sie oben von den Heimzöglingen berichtet wurden, waren in der DDR unmöglich. Wenn da in der Richtung etwas vorfiel, wurden die Täter ihrer gerechten Strafe zugeführt.

G.A.

Schule in Bayern  nach dem Krieg

Der Lehrer hat mit dem Rohrstock regiert

Leserbrief von R. K. vom 4. November 2009

Ich wurde 1954 eingeschult in Bayern, München Trudering, Volksschule an der Forellenstraße.

Die ersten 2 Jahre waren ok. Die Lehrerin tadellos. Später in den Klassen 3-4 (alle katholisch, reine Jungenklassen, keine Mädels oder gemischt) ein Lehrer genannt Kastl hat mit dem Rohrstock regiert.

Er (ja der Lehrer!) kam immer zu spät zum Unterricht. So um 9, meistens betrunken und dann verlangte er nach doppeltkohlenaurem Natron, das ich ihm dann während des Unterrichts aus der nahegelegen Krämerei holen musste.

Die Schüler haben derweil Briefmarken getauscht. Religionsunterricht wurde von einer sogenannten Katechetin gehalten. Nach ihrer grausamen Schilderung der blutrünstigen Kreuzigung des sogenannten Herrn habe ich eine heute nicht mehr erinnerliche, vielleicht gotteslästerliche Bemerkung gemacht.

Ich wurde körperlich gezüchtigt, die Katechetin hat mir eine heftige Ohrfeige verpasst. Mein Geodreieck, auf dem ich damals aus Nutzlosigkeit im Religionsunterricht rumkaute, hat mir den Mundwinkel aufgerissen.  Blutend wurde mir keine ärztliche Versorgung angeboten. Ich war damals etwa 7 Jahre alt und habe es nicht gewagt, mich gegen dieses Verhalten zu wehren.

Jahre später auf dem Gymnasium (etwa um 1962) ist es mir allerdings gelungen, einen schlägernden Religionslehrer in die Schranken zu weisen. Aber der Deutschunterricht später entpuppte sich als das wirkliche Ideologiefach für Ungläubige.

Botschaft: Das klerikalfaschistische Dreckspack in Bayern gibt zwar nicht auf, aber ich auch nicht!

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