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Ein
Leserbrief von Harry Popow:
Bevor
das Licht ausgeht…
Auf
Kommunisten-online am 18. Oktober 2011 –
Donnerwetter, selten ist ein Buchtitel so hereingeplatzt in
die gesellschaftliche Realität wie dieser von Eugen Ruge: „In Zeiten
des abnehmenden Lichts.“ Einer, der aus dem Morgenrot Kommenden landet
in der Abenddämmerung der Gegenwart. Mehr noch: In zunehmender Herbstkälte!
Ohne diese Lektüre eines Schriftstellers aus den östlichen Gefilden
zunächst gelesen zu haben, ahnt jeder Schlaukopf, wohin gegenwärtig
der entlarvende Schuß mit dem sich abschwächenden Licht in
Wirklichkeit geht. Da sind wir nämlich längst drin, in dieser Zeit.
Denn seit das östliche Licht nicht mehr leuchtet, ist auch die
Abendsonne am Horizont auf ewig am Verschwinden.
Manchen
einstigen DDR-Bürgern gingen gleich nach der „Wende“ die Augen auf,
so z. B. der ehemaligen Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley: Sie setzte
alles daran, so sagte sie damals, eine andere Gesellschaft zu erreichen,
und sie merke (…), das sei ja alles noch viel schlimmer,
perspektivloser, ressourcenvergeudender und unsozialer als damals.
Wer
wüßte und spürte das nicht: Europa ist krisengeschüttelt, das
Kapital sucht krampfhaft mit einem gewaltigen „Rettungsschirm“ nach
Auswegen, um zu überleben. Soziale Kämpfe erschüttern in riesigem
Umfang die Ränder Europas. Siehe die spanischen Massenproteste, die
Forderung nach tatsächlicher Demokratie, danach, beteiligt zu sein bei
der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums. So sieht es bei allen
Protesten aus. Auch in Deutschland: Stuttgart 21 und der berechtigte
enorme Widerstand im Südosten Berlins gegen das zukünftige Drehkreuz
in Schönefeld, das so nicht geplant war, gegen Fluglärm und
Nachtflugverbote von 22 Uhr bis 06 Uhr früh.
Horrorszenen?
Ja, solange diesem verbrecherischen und kriminellen Tun nicht eine Mauer
des Widerstandes entgegengesetzt wird. Insofern sind die Verleugnungen
der positiven Errungenschaften der östlichen Länder, das Abschmettern
jeglicher humanistischer Anliegen wie die Enteignungen der Betriebe und
der großen Gutsherren auf dem Gebiet der DDR, dies sogar als Verbrechen
zu bezeichnen, ein gewaltiger krimineller Akt. Auch
menschenrechtsverletzend, so die Kriege. So schreibt Sahra Wagenknecht:
„Krieg ist die größte Menschenrechtsverletzung, und mit Krieg wird
nie ein Problem gelöst. Das steht auch im Programm, daß wir sehr
deutlich sagen: Dieses ganze Humanitätsgerede, was steht da eigentlich
dahinter, was sind eigentlich die ökonomischen Interessen hinter diesen
Kriegen?“
Abnehmendes
Licht! Und wie das in die aktuelle Situation paßt: Da hat soeben die an
den Ketten der Finanzmacht liegende Justiz dem Widerstand des Volkes ein
klares und kaltschnäuziges Nein zum Nachtflugverbot
entgegengeschmettert. Eine Absage an den Volkswillen, eine bodenlose
Ignorierung der Fakten, die dem engegenstehenden. Da tritt er glasklar
hervor, der schier unüberwindliche Widerspruch zwischen
Wirtschaftsinteressen und der Gesundheit der Menschen. Ein
Grundkonflikt, siehe ebenso der in Eurem Beitrag benannte Widerstand
Hunderttausender gegen die Machenschaften der Banken und Konzerne.
Soviel
steht fest: Die im Süden und Südosten Berlins wohnenden und arg
Betrogenen und schikanös Behandelten wissen es schon jetzt besser: Laut
Meinungen von Experten kann es wohl nunmehr keine juristische
Konfliktbereinigung mehr geben. Deshalb werden sie ganz sicher den
Horrorszenen von ganz oben zunehmend und verschärft Paroli bieten. Zunächst
– so kann man vermuten – wird es wieder eine Menschen- und
Lichterkette um ein bestimmtes Amt geben. Ob den Insassen dabei nun
endlich einmal ein Licht aufgeht? Man kann ja noch wörtlich hinzufügen
„Wegtreten!“ Oder durch ein härteres Wort ersetzen… Ehe alles
Licht verlischt!!
Harry
Popow, Schöneiche bei Berlin

Eugen
Ruge:
In Zeiten des abnehmenden Lichts.
Roman einer Familie. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2011, ISBN
978-3-498-05786-2
(Gebundene
Ausgabe - 1. September 2011)
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