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Hupe im Auge

Zum Tod von Hanns Dieter Hüsch

Von Christof Meueler

Quelle: jungeWelt vom  07.12.2005

Der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch ist tot. Der in Moers geborene Künstler verstarb in der Nacht zum Dienstag im Alter von 80 Jahren nach langer schwerer Krankheit, wie eine Sprecherin der Stadtverwaltung mitteilte. 1998 hatten Ärzte beim Kettenraucher Hüsch Lungenkrebs diagnostiziert. Ende 2000 verabschiedete er sich nach einer mehr als 40jährigen Künstlertätigkeit von der Bühne. Im November 2001 erlitt Hüsch einen Schlaganfall und zog sich danach komplett aus der Öffentlichkeit zurück.

Mit Hüsch stirbt ein Vertreter einer fast untergegangenen Scherz- und Schmerzwelt: Er kommt aus dem Milieu der Anti-Adenauer-Komödianten, die im Jazz-, Studenten- und Kabarettkeller weiche Witzigkeit gegen harte Verhältnisse trällerten und tratschten. Damals war Sensibilität besonders hip. Poesie gegen Politik, Chansons für schönere Erotik und besseren Erdbeerkuchen. Bis Ende der sechziger Jahre herrschte in der Bundesrepublik ein Ordnungs- und Anstandsregime, bei dem sich für die linksliberale Intelligenz die Frage stellte, was daran postfaschistisch sein sollte (wenn man davon absieht, daß die Gewerkschaften nicht verboten waren). Sogenannte spitze Bemerkungen galten schon als zersetzend, deren Produzenten als wilde Kerle. Dann kamen die langen Haare, die Rockmusik, und die interessantesten Leute unter denen, die sich als Poeten begriffen, wurden politisch, teilweise sogar kommunistisch. Hüsch konnte mit dieser neuen Handgreiflichkeit wenig anfangen und operierte fortan von einer ähnlichen Position aus wie die Marxisten in der SPD: Man hat gehört, daß es sie geben soll, aber man merkt sie nicht. Mit militantem Marxismus hatte auch Hüsch nichts zu schaffen: Er bekannte sich hauptsächlich zu seiner Miniorgel, seinem Christentum und seinem Rheinländersein. Dabei definierte er sich im Stakkatoredestil als »philosophischer Clown«, und Heerscharen von Zeit- und Stern-Lesern waren sehr amüsiert.

Was vorrangig von Hüsch bleiben wird, ist seine Synchronisation von »Dick und Doof«-Filmen und »Väter der Klamotte«-Episoden. Wie er Stummfilme neu einsprach, das war von einer sehr fein gearbeiteten Albernheit. Und wenn darin jemand einen Finger ins Auge bekam, ertönte eine Hupe. Die bürgerliche Gesellschaft ist eine brutale Komödie.

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