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50. Todestag von Irène
Joliot-Curie
Quelle: kominform.at
Irène
Joliot-Curie (*12. September 1897 in Paris; gestorben 17. März 1956 in
Paris) erhielt zusammen mit ihrem Ehemann Frédéric
Joliot-Curie 1935 den Chemienobelpreis für die Entdeckung der künstlichen
Radioaktivität. Sie war Staatssekretärin für Wissenschaft und
Forschung in der Volksfrontregierung von Léon Blum und damit eine der
ersten Frauen überhaupt, die in ein französisches Kabinett berufen
wurde. Sie war die Tochter von Marie Sklodowska Curie (1867-
1934) und Pierre Curie, Schwester der Schriftstellerin Ève Curie
und Mutter der Physikerin Hélène Langevin-Joliot und des Physikers
Pierre Joliot.
Irène
Curie war die ältere Tochter der Nobelpreisträger von Marie Sklodowska
Curie und Pierre Curie. Als sie acht Jahre alt war starb ihr Vater. Sie
wuchs deswegen unter der Obhut ihres Großvaters Eugène Curie auf, der
vor allem ihre politischen Ansichten beeinflusste. Ihre Mutter Marie
Curie organisierte zunächst zusammen mit befreundeten Wissenschaftlern
eine Lernkooperative, in der sie ihre Kinder selbst unterrichteten.
Unter anderem führte Marie Curie physikalische Experimente vor, und
Paul Langevin lehrte Mathematik. Später besuchte Irène das Collège Sévigné.
Im
Ersten Weltkrieg organisierte Marie Curie einen mobilen Röntgendienst für
die Front. Zunächst half die damals 17-jährige Irène als Assistentin
ihrer Mutter, bald leitete sie jedoch selbstständig eine Röntgenstation
im Militärkrankenhaus von Amiens. Daneben studierte sie Mathematik und
Physik an der Universität von Paris und schloss 1920 beide Fächer mit
dem Lizenziat ab. Nach dem Krieg wurde sie zunächst eine unbezahlte,
wissenschaftliche Mitarbeiterin im Radium-Institut ihrer Mutter, später
erhielt sie dort einen Unterassistenten-Posten. Am Institut lernte sie
auch einen Chemie-Laboranten namens Frédéric Joliot kennen, den sie
anleiten sollte. Die beiden heirateten am 9. Oktober 1926. Frédéric
holte sein Abitur nach, das er wegen des Krieges nicht hatte abschließen
können, machte sein Lizenziat und wurde 1930 promoviert. Im selben Jahr
wurde als erstes Kind Hélène geboren, 1932 der Sohn Pierre. Irène
Joliot-Curie engagierte sich stark in der Politik. 1934 beteiligte sie
sich erstmals zusammen mit ihrem Mann an einem Aktionskomitee
antifaschistischer Intellektueller. Im Frühjahr 1936 gewann die
Volksfront unter Léon Blum die Wahlen. Die Nobelpreisträgerin trat als
Staatssekretärin für Wissenschaft und Forschung in die Regierung ein
und gehörte damit zur ersten Gruppe von drei Frauen, die überhaupt
jemals in Frankreich ins Kabinett berufen wurden – damals hatten
Frauen in Frankreich noch nicht einmal das Wahlrecht. Irène
Joliot-Curie blieb nur drei Monate auf dem Posten; es war ihr darum
gegangen, ein Zeichen für die Frauenbewegung zu setzen.
1937
wurde sie auf eine Dozentenstelle an der Sorbonne berufen. Nach der
Besetzung von Paris durch deutsche Truppen flüchtete das Ehepaar im
Juni 1940 nach Clermont-Ferrand, kehrte aber wieder in die Hauptstadt
zurück. In Paris spielte ihr Mann eine riskante Doppelrolle als
Forscher am Collège de France und als Résistance-Kämpfer. Die
Nobelpreisträgerin war bereits 1935 an Tuberkulose erkrankt; am 6. Juni
1944 reiste sie mit ihren Kindern in die Schweiz, um einen neuen Anfall
von Tuberkulose behandeln zu lassen.
Am
18. Oktober 1945 wurde in Frankreich ein Kommissariat für Atomenergie (Commisariat
à l'énergie atomique) gegründet, als dessen Hochkommissar Frédéric
Joliot-Curie berufen wurde. Seine Frau wurde eine von drei Kommissaren.
Weil sie sich weiterhin auch politisch in den Kommunisten nahestehenden
Organisationen engagierte, wurde ihre Amtszeit jedoch nicht verlängert.
Zwischen 1951 und 1954 bewarb sie sich viermal um einen Sitz in der
Akademie der Wissenschaften, um die frauenfeindliche Tradition dieser
Institution anzuprangern. Sie wurde jedes Mal abgelehnt.
Irène
Joliot-Curie starb 1956 an einer Leukämie, wahrscheinlich eine Folge
ihres Umgangs mit großen Mengen Polonium und ihrer Arbeit im Röntgendienst
während des Ersten Weltkriegs. Die Regierung ordnete ein Staatsbegräbnis
an.
Werk
In
ihrer Doktorarbeit am Radium-Institut in Paris untersuchte Irène Curie
die von Polonium emittierten alpha-Strahlen; dieses radioaktive Element
hatte ihre Mutter Marie Curie 1898 entdeckt (1903 mit dem Nobelpreis für
Physik ausgezeichnet). Dazu musste Irène Curie das Polonium aus
zerstampften Radon-Ampullen, die zur Krebstherapie verwendet worden
waren, herauslösen. Es gelang ihr, präzise die Ausgangsgeschwindigkeit
der alpha-Teilchen zu vermessen, wozu sie unter anderem ein selbst
entworfenes Gerät benutzte. 1925 wurde sie promoviert. Seit 1928
experimentierten Irène und Frédéric Joliot-Curie gemeinsam. Dabei
wiederholten sie 1931 ein Experiment, das zuerst Walter Bothe und Hans
Becker ausgeführt hatten: Mit alpha-Teilchen aus einer starken
Polonium-Quelle bestrahlten sie dünne Schichten verschiedener
Materialien. Sofern diese Materialien Wasserstoff enthielten, entstand
dabei eine neue Strahlung, die die beiden als herausgeschossene
Wasserstoffkerne, also als Protonen, interpretierten - sie hatten knapp
die Entdeckung des Neutrons verpasst. Das gelang erst dem englischen
Physiker James Chadwick, als er die Experimente wiederholte. Er erhielt
dafür 1935 den Physiknobelpreis.
1932
beobachtete das Forscherehepaar in einer Nebelkammer positiv geladene
Elektronen, konnten dieses Ergebnis jedoch nicht einordnen und deutete
es als Artefakt. Ihnen war nicht bekannt, dass der englische Physiker
Paul Dirac bereits 1931 das Positron als Antiteilchen des negativ
geladenen Elektrons vorhergesagt hatte - was viel über das damalige
Verhältnis von Theoretikern und Experimentalphysikern sagt. 1933
revidierten sie die Interpretation ihres Experiments, aber da war ihnen
bereits der US-Amerikaner Carl David Anderson zuvorgekommen.
Ab
1933 gelang Irène und Frédéric Joliot-Curie die Entdeckung der künstlichen
Radioaktivität, für die sie 1935 mit dem Chemienobelpreis
ausgezeichnet wurden. Von allen chemischen Elementen gibt es
verschiedene Versionen - so genannte Isotope ?, die sich nur in der
Masse des Atomkerns unterscheiden. Im Alltag sind die meisten chemischen
Elemente stabil, weil die Halbwertszeiten ihrer radioaktiven Isotope so
kurz sind, dass sie schon längst zerfallen sind. Marie Curie hatte die
ersten beiden radioaktiven Elemente Polonium und Radium entdeckt. Irène
und Frédéric Joliot-Curie fanden nun in mehreren Etappen heraus, dass
sich radioaktive Isotope von chemischen Elementen auch künstlich
herstellen lassen. Sie bestrahlten dazu Aluminiumfolie mit
alpha-Teilchen, wobei sich ein stabiles Silizium-Isotop bildete.
Sonderbarerweise wurde bei diesem Vorgang aber scheinbar gleichzeitig
ein Neutron sowie ein Positron emittiert. Frédéric Joliot-Curie gelang
am 11. Januar 1934 das entscheidende Experiment, mit dem er zeigen
konnte, dass in Wirklichkeit zwei Reaktionen schnell hintereinander
abliefen: Zunächst wandelte sich Aluminium-27 unter dem Beschuss mit
alpha-Teilchen in das radioaktive Phosphor-30 um; dabei wurde ein
Neutron emittiert. Unmittelbar danach zerfiel Phosphor-30 in Silizium-30
und stieß ein Positron aus (außerdem entsteht bei dieser Reaktion ein
Neutrino, das bereits von Wolfgang Pauli vorhergesagt worden war, aber
erst 1956 beobachtet wurde).
Diesmal
erfassten Frédéric und Irène Joliot-Curie sofort die Tragweite ihrer
Entdeckung. Über das Wochenende erzeugten sie noch künstlich ein
radioaktives Stickstoff-Isotop aus Bor sowie ein radioaktives
Aluminium-Isotop aus Magnesium. Am 15. Januar 1934 präsentierten sie
ihre Ergebnisse in der Akademie der Wissenschaften. Die Bedeutung ihrer
Entdeckung lässt sich kaum übertreiben: In der Biologie werden
radioaktive Isotope verwendet, um Stoffwechselwege aufzuklären; bereits
1935 untersuchten Otto Chiewitz und George von Hevesy den
Phosphorstoffwechsel von Ratten mit Phosphor-32. In der Medizin dienen
radioaktive Isotope zur Diagnose und Therapie, zum Beispiel verschiedene
Jod-Isotope bei Schilddrüsenüberfunktion. In seiner Nobelpreisrede
sagte Frédéric Joliot-Curie sogar schon "Transmutationen
explosiver Art" voraus, vielleicht eine erste Ahnung der
Kernspaltung. Der Chemienobelpreis von 1935 war bereits der dritte in
der Familie (1903 Physiknobelpreis an Pierre und Marie Curie, 1911
Chemienobelpreis an Marie Curie). 1937 hätte Irène Joliot-Curie in
einem weiteren Experiment beinahe die Kernspaltung entdeckt. Zusammen
mit dem jugoslawischen Physiker Pavle Savic bestrahlte sie Uran mit
Neutronen und registrierte ein neuartiges, radioaktives Element mit
einer Halbwertszeit von dreieinhalb Stunden. Sie interpretierte es
schließlich als Lanthan-Isotop und veröffentlichte ihre Beobachtungen
im Juli 1938. Eine Berliner Arbeitsgruppe um Otto Hahn, Lise Meitner und
Fritz Straßmann wollte das Ergebnis nicht glauben, weil sie das Isotop
selbst nicht finden konnte. Hahn nahm den Artikel jedoch ernst und
wiederholte das Experiment. Er erwartete Radium-Isotope, erhielt jedoch
Barium. Lise Meitner, die inzwischen als österreichische Jüdin nach
Schweden hatte flüchten müssen, lieferte schließlich die richtige
Interpretation: Uran zerfällt unter dem Beschuss mit Neutronen in zwei
Fragmente, wobei eine ungeheure Energie frei wird, die so genannte
Kernenergie. Irène Joliot-Curies Arbeit wurde durch den Zweiten
Weltkrieg und eine Tuberkulose-Erkrankung unterbrochen. Nach dem Krieg
sorgte sie noch dafür, dass der erste französische Beschleuniger, ein
Synchrozyklotron für Protonen, in Orsay, 25 Kilometer südlich von
Paris, gebaut wurde.
wikipedia
Nicht
unnützlicher Link:
"The
Elements" by Tom
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