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Genosse
Luis Alberto Mansilla, einst stellvertretender Chefredakteur von „El
Siglo“ (Tageszeitung der KP Chiles) bekennt:
ALLENDE
WAR EIFERSÜCHTIG AUF MICH
von
Carlos Ernesto Sánchez, La Nación (Chile)
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Santiago
de Chile, 2. Juni 2011, La Nación. Auf Kommunisten–online am 18.
Oktober 2011) – Luis Alberto Mansilla begann sein Berufsleben in
Chile einst als einfacher Arbeiter in der Firma Cecalcine, wo das
Medikament Cafrenal hergestellt wurde. Anschließend wurde er Lektor.
Heute ist der in Chile bekannte kommunistische Publizist 81 Jahre alt.
Er
erinnert sich an seine Freundschaft mit dem großartigen kommunistischen
Schriftsteller Pablo Neruda, an das Schwergewicht Matilde und die
Eifersucht von Salvador Allende. Bei all dem verfügt Luis Alberto
Mansilla über ein außergewöhnlich gutes Gedächtnis. Er erinnert sich
detailgetreu an alles in seinem bewegten Leben voller Freundschaften mit
Persönlichkeiten, die das gesellschaftliche, politische und kulturelle
Leben des 20. Jahrhunderts in Chile sehr prägten.
Luis
Alberto Mansilla wurde am 23. Februar 1930 geboren, als das chilenische
Volk gegen die reaktionäre Militärdiktatur von General Ibáñez kämpfte.
Ein Jahr später musste dieser Diktator unter dem Druck des
demokratischen Massenkampfes abtreten.
Luis
Alberto Mansilla ist Autor etlicher Publikationen und Bücher. Darunter
befindet sich das Buch „Gente del Siglo XX“ („Menschen des 20.
Jahrhunderts“), welches von Lom Ediciones herausgegeben worden ist.
Luis
Alberto Mansilla ist stets Autodidakt gewesen. Als solcher fand er sich
bestens in sein Arbeiterdasein in den Labors der pharmazeutischen Fabrik
Recalcine ein, wo er eine Maschine bediente und Tabletten produzierte,
welche damals unter dem Namen Cafrenal bekannt waren. Nach dieser Tätigkeit
widmete er sich der Schreibkunst.
Seine
Studien „enden, wo sie begonnen haben“, sozusagen von allein, so
sagt er uns. Luis Alberto Mansilla ist Sohn einer alleinstehenden Mutter
und wuchs ohne Vater auf. „Man sagte, dass er Elektriker gewesen wäre.
Ich habe ihn nie kennengelernt. Meine Mutter ist eine ganz wundervolle
Frau“, erklärt uns der kluge Kopf, welcher Privatsekretär von Luis
Corvalán, dem Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chiles, in
dessen Exil in der Sowjetunion Mitte der siebziger Jahre war, nachdem
das faschistische Militärregime des Generals Pinochet Genossen Corvalán
nach anhaltenden weltweiten Protesten freigelassen hatte. In Europa, so
erklärt uns Luis Alberto Mansilla, wurde Luis Corvalán mit den
Ehrungen eines Staatschefs empfangen. Womit er die damaligen
sozialistischen Länder Europas meint.
„Ich
wuchs bei meiner Tante Luzmira auf. Meine Familie stammt aus Chanco.
Meine Tante Luzmira war eine sehr fleißige Frau, die viel in der Küche
arbeitete ... ich glaube, dass es mich schon immer zur Literatur zog.
Nach meiner kurzen Zeit in der Schule Salvador Sanfuentes lernte ich im
Schülerzentrum weiter und organisierte die Einladung von Pablo Neruda
in unser Schülerzentrum, anlässlich seines 50. Geburtstags“,
erinnert sich Genosse Mansilla.
Auf
seinen Stock gestützt, uns mit großen offenen Augen anblickend, oder
aus seinem Ledersessel heraus vor seinem Fernseher berichtet uns Luis
Alberto Mansilla, wie stolz er auf seine Freundschaft mit Pablo Neruda
ist, welcher seiner Meinung nach der größte Dichter der Menschheit
ist. Dessen Gedichte rezitiert er frei aus seinem Gedächtnis heraus.
Eine
ganze Galerie aus Anekdoten über den Nobelpreisträger Neruda sprudelt
aus ihm heraus, wobei er unterstreicht, dass er „nie eine
Journalismusschule besucht“ hat, „González Vera und Manuel Rojas
waren Autodidakten“, so fügt er hinzu.
Luis
Alberto Mansilla lebt allein in Mapocho in einer Erdgeschoßwohnung.
Eine Haushälterin kümmert sich um seine häuslichen Belange. Seine
Zeit verbringt er nach wie vor mit Schreibarbeiten. Er arbeitet ständig
mit Stift und Papier. Zu seinem Alltag gehört das häufige Hören von
klassischer Musik. Auch besucht er häufig Freunde. Und er geht gerne
ins Kino. Er betätigt sich auch als Filmkritiker in der Zeitschrift
Punto Final.
„MATILDE
WAR SCHWIERIG“
Pablo
Neruda ließ Luis Alberto Mansilla anrufen, als er der Zeitung El Siglo
ein Interview geben wollte. Er lud ihn zu sich in sein Haus Isla Negra
ein. Dort kam es zu einem gemeinsamen Frühstück mit Matilde. Matilde
war wie eine Barriere, welche verhinderte, dass viele Menschen den großen
Dichter erreichen konnten.
„Matilde
war zu Lebzeiten von Neruda unfreundlich. Sie mochte Nerudas Freunde
nicht. Sie war eine ganz schwierige Frau. Ich übernahm für sie
Verantwortung im Exil“, sagt er.
In
jener Zeit voller politischer Unruhe mit Allende als Kandidat der
Volksfrontparteien und anschließend Präsident Chiles schrieb Genosse
Mansilla in verschiedenen Zeitungen der Linkskräfte unter den
Pseudonymen Simón Blanco, Martin Ruíz, Pastor Aucapán, Joaquín
Becerra. „Mit 26 Jahren wurde ich Lektor bei der Tageszeitung El Siglo.
Nach einem Rechtschreibfehler auf der Vorderseite boten sie mir dort an,
die Kultursparte zu übernehmen. Dieses Thema habe ich dann nie wieder
verlassen“, hebt er hervor.
„ALLENDE
WAR EIFERSÜCHTIG AUF MICH“
In
jener Zeit hatte der Arzt und Politiker Salvador Allende große Erfolge
bei den Frauen. Er hatte Affären mit der Schauspielerin Inés Moreno,
„mit welcher ich mein ganzes Leben lang befreundet war. Diese
Freundschaft führte nun dazu, dass der Politiker und spätere Präsident
der Republik Chile eifersüchtig auf mich war. Als er sich endlich klar
darüber wurde, dass Inés Moreno und ich lediglich befreundet waren,
besserte sich die Lage endlich. Ich begleitete Allende auf etlichen
seiner Rundreisen im Land.“
Zuvor
war da ein Zeitabschnitt, der verknüpft ist mit den Namen solcher Künstler
und Intellektuellen wie Dr. Alejandro Lipschutz, dem Abgeordneten Cesár
Godoy Urrutia, dem mystischen kommunistischen Arbeiterführer Elias
Lafferte, „mit dem ich die letzte Rundreise durch Chile machte, bevor
er 1960 starb“, so Luis Alberto Mansilla, welcher „Hoy es todavía,
Biografía de José Venturelli“ („Heute ist immer noch, Biographie
von José Venturelli“) schrieb.
Genosse
Luis Alberto Mansilla lebte 12 Jahre im Exil, davon die meiste Zeit in
der Deutschen Demokratischen Republik. „Ich lernte Erich Honecker in
Chile kennen“, murmelt er nachdenklich und tief betroffen, als ob er
sich an eine sehr traurige und schmerzliche Sache erinnert. „Ich habe
mich in der DDR nie wie in einer Diktatur gefühlt.“
Der
Abend schaut durch ein Seitenfenster von einer Seitenstraße in Mapoche
herein. Es ist frisch. Das Gespräch ist verstummt. Als wenn ein
Wetterumschwung von der kleinen Wohnung Besitz ergreift.
Genosse
Luis Alberto Mansilla kehrte 1989 nach Chile zurück. Am Flughafen
erwartete ihn sein Freund aus Jugendjahren und politischen Kämpfen, der
Rechtsanwalt José Vicencio. Er verstarb wenige Tage vor unserem Gespräch.
„Vor kurzem starb Chela Alvarez, eine großartige Freundin, Gründerin
des Theaters der Universität von Chile und eine der dortigen
Schauspielerinnen.“
In
seinem Gesicht zeichnet sich die Trauer ab, wenn er sich an seine in
letzter Zeit verstorbenen Freunde erinnert. „Ich habe nur noch wenige
Träume in dieser Zeit. Der nächste Traum ist der Tod“, murmelt der
Journalist, welcher so viele publizistische Schlachten in Tageszeitungen
und Zeitschriften wie Araucaria geschlagen hat. Erinnert sei auch an die
Literaturzeitschrift, die großen Erfolg hatte und im Exil
herausgebracht wurde. In den letzten Jahrzehnten war er
Leitartikelschreiber bei der Tageszeitung La Nación. Seit fünf Jahren
ist er Mitarbeiter der Pablo-Neruda-Stiftung. Mit der Rechtsanwältin
Aida Figueroa verbindet ihn eine Freundschaft. Aber er erklärt diesbezüglich:
„Juan Agustín Figueroa hat nichts mit Pablo Neruda zu tun.“
Quelle:
http://www.lanacion.cl/l
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