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„Meine Lebenswahrheit heißt Wirkung; Wirkung auf die Entwicklung unserer Gesellschaft.“

Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze.  (Schiller)

Zum 10. Todestag von Martin Hellberg

Von Gerrit Junghans

Kommunisten-online vom 2. November 2009 – Vor 10 Jahren, am 31. Oktober 1999, starb im thüringischen Bad Berka der kommunistische Schauspieler, Regisseur, Publizist und Buchautor Martin Hellberg. Den meisten seiner Zuschauer wird er wohl durch seine eindrucksvolle und leicht ironische Darstellung des Geheimrats von Goethe in dem Film „Lotte in Weimar“ in unvergeßlicher Erinnerung geblieben sein. Augenzwinkernd sagte man ihm nach, Hellberg habe sich damals auch außerhalb der Drehzeit als der personifizierte Herr Geheimrat gegeben.

Wie in allen seinen zahlreichen Filmen, in denen er als Regisseur und Darsteller wirkte – sowohl als Schauspieler auf der Bühne, als auch als Intendant in Freiburg i.B., München, Berlin und Dresden (um nur einige Stationen seines umfangreichen Schaffens zu nennen), war der 1905 in Dresden geborene Martin Hellberg ein Künstler, der mit allen Fasern seines Lebens um Wahrhaftigkeit und um eine klare politische Aussage bemüht war.

Nach seiner Lehrausbildung als Maschinenschlosser und technischer Zeichner in Dresden, die er 1922 mit der Gesellenprüfung abschloß, hatte Hellberg in Abendkursen ein Schauspielstudium absolviert, war aber dann wegen seiner Beteiligung an einem Streik entlassen worden. Doch bald erhielt er am Staatstheater Dresden einen Anfängervertrag; zugleich arbeitete er in verschiedenen Agitprop-Gruppen mit und setzte sich bewußt für ein sozialistisches Zeittheater ein. Unter seiner Regie führte das Arbeitertheater „Kontakt“, welches später von den Nazis verboten wurde, das Stück „Die Matrosen von Cattaro“ von Friedrich Wolf auf.

Diese Erfahrungen und seine Begegnungen mit politisch konsequenten Künstlern und Kommunisten wie Hans und Lea Grundig, Will Lachnit und Curt Trepte brachten Hellberg schließlich dazu, im Jahre 1931 entschlossen in die KPD einzutreten. Als dann die Nazis ihn 1933 kurzerhand aus dem Sächsischen Staatstheater warfen, schlug er sich – gewarnt vom Schicksal einiger Kollegen, die wie der Dresdner Schauspieler Hans Otto, plötzlich verschwanden und später von den Nazis umgebracht wurden – mit Verpflichtungen und Engagements an verschiedenen Theatern durch die Wirren dieser Zeit. „Wer nicht bedingungslos kuschte“, schreibt Hellberg in seinen Erinnerungen, „wurde von dem neuen Regime mit unmenschlicher Härte und Grausamkeit ‚umerzogen’… SA-Kasernen verwandelten sich in organisierte Folterstätten. Mit Hundepeitschen, Gummiknüppeln, ja mit Stahlruten ging es über die Arbeiter her. Die Arbeiter taumelten, bluteten, schwiegen. Jede Stunde konnten sie auch mich holen kommen! Wir hatten Angst!“ (Die bunte Lüge, S.276f.)

Nach der Befreiung vom Faschismus arbeitete Hellberg zunächst als Intendant und Schauspieldirektor in Freiburg i.B. und in München, wo er auch eine Schauspielschule gründete, kam schließlich 1949 aber wieder nach Dresden, wo er zum Generalintendanten des neu eröffneten Staatstheaters berufen wurde. Als es dann im Zusammenhang mit der Aufführung des Theaterstücks eines sowjetischen Autors zu Auseinandersetzungen über die Spielplangestaltung kam, setzte sich Hellberg entschieden für seine Kollegen ein, und ergriff Partei für ein progressives, politisches Volkstheater – ganz im Sinne Lenins, der gefordert hatte, daß sich die Kunst immer mehr der Idee des Sozialismus zuwenden und die Sympathie der Werktätigen gewinnen müsse. Diese Haltung prägte auch seine großen DEFA-Verfilmungen klassischer Dramen wie „Kabale und Liebe“ von Schiller oder „Emilia Galotti“ von Lessing, denen er eine ganz eigene zeitgemäße und kritische Erzählweise verlieh. 

Nach 1964 zog Hellberg sich mehr und mehr vom aktuellen Bühnengeschehen zurück, um sich seiner schriftstellerischen und publizistischen Tätigkeit zu widmen. Gelegentlich übernahm er noch Regieaufträge, oder er spielte, wie 1975 in Egon Günthers Film „Lotte in Weimar“ die Rolle des Geheimrats von Goethe, 1981 an der Seite Klaus Maria Brandauers die Rolle des Max Reinhardt in Klaus Manns Verfilmung „Mephisto“ und 1982 in der TV-Serie „Märkische Chronik“, wo er einen gütigen und couragierten Pfarrer darstellte, der im faschistischen Deutschland verfolgten Menschen Hilfe und Beistand leistet.

Martin Hellberg war zweifellos ein bedeutender Künstler. Er war ein sensibler und einfühlsamer Schauspieler und ein mitreißender Regisseur, der stets für seine kommunistische Gesinnung eintrat, selbst unter schwierigsten Bedingungen. Davon legt auch seine dreibändige Autobiographie ein beredtes Zeugnis ab. Ein Kritiker schrieb einmal über ihn, Hellberg habe Zeitfilme mit großer Verbindlichkeit und aktueller Brisanz gemacht. Und es lag nicht in seiner Macht, daß die Geschichte manche einholte und sie verjähren ließ. Und so hat Schiller leider recht, daß die Nachwelt dem Mimen keine Kränze flicht …

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Mein Credo 

von Martin Hellberg,

Meine Lebenswahrheit heißt Wirkung; Wirkung auf die Entwicklung unserer Gesellschaft. Hegel sagt: „Glücklich ist derjenige, der sein Dasein seinem besonderen Charakter, Wollen und Willkür angemessen hat und so in seinem Dasein sich selber genießt.“ Das bezeichnet der Philister als Egoismus. Aber Feuerbach sagt: „Ich verstehe unter Egoismus die Liebe des Menschen zu sich selbst, d.h. die Liebe zum menschlichen Wesen, die Liebe, welche der Anstoß zur Befriedigung und Ausbildung aller Triebe und Anlagen ist, ohne deren Befriedigung und Ausbildung er kein wahrer, vollendeter Mensch ist und sein kann.“

Denn Kunst ist meinem Offenbarungsdrang Natur, durch meine subjektive Betrachtungsweise gefiltert. Man muß, das bestätigen die Kollegen, auf den Proben dabeigewesen sein, um dieses Credo zu verstehen. ...

Der Regisseur

hat seine Vision als Kontur, aber die Farben bringt ihm der Schauspieler. Das ist ein gemeinsames Abenteuer in jeder Probe, in der der „Realisateur“ alle inneren Kräfte der Darsteller mobilisiert und herausholt, was in ihnen ist, um mit dem Ergebnis „einem größeren Geist in Ehrfurcht und Bescheidenheit zu dienen“.

Diese „Malerwerkstatt“ wird Seufzer hören, harte, vielleicht auch laute Worte, aber unproduktive Auseinandersetzungen wird es nicht geben. Das Fundament aller künstlerischen Arbeit ist Disziplin. Oft muß der Regisseur viele Persönlichkeiten auf einen Nenner bringen. Stanislawski sagt ganz klar dazu: „Ohne militärische Strenge ist hier kaum Ordnung zu halten.“ Und „Stellen Sie sich vor, was geschehen würde, wenn es dem Regisseur nicht gelingen sollte, die Zügel in die Hand zu bekommen ... Ordnung und Aufmerksamkeit des ganzen Kollektivs zu verlangen.“ Stilprägendes Schaffen ist nur so erfolgversprechend. Dixi!“
Martin Hellberg, Im Wirbel der Wahrheit, Berlin 1978, S. 355f.

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