|
Wichtige
Rubriken und Beiträge
+++Neu+++
Newsletter
bestellen
zur
Homepage
Der
Krieg der herrschenden Klasse gegen das Volk
Kampf
den ideologischen Diversanten
Für
den Aufbau der Kommunistischen Partei Deutschlands
Gegen
den
imperialistischen Krieg
Black
Channel
Betrieb&Gewerkschaft
Bildung, Kultur & Wissen
Wider
den Block der
Rechten und Trotzkisten
zur
Geschichte
der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung
Wissenschaftlicher
Sozialismus
Aus
den Ländern
Links
Impressum
Archiv
Intern
Proletarischer
Internationalismus
| |
zurück
|
Literaturnobelpreis
für Herta Müller:
Des
Deutschtums alte Phase
Von
Günter Ackermann
Kommunisten-online
vom 14. Oktober 2009 – Peter-Dietmar
Leber, Bundesgeschäftsführer der Landsmannschaft der Banater-Schwaben,
sagte zum Nobelpreis für Herta Müller: „Die aus Nitzkydorf im Banat stammende
Schriftstellerin Herta Müller hat heute den Nobelpreis für Literatur
erhalten. „Mittels der Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der
Prosa“, zeichne die Schriftstellerin „Landschaften der
Heimatlosigkeit“, erklärte die Jury. In ihrem letzten Roman
„Atemschaukel“ hat Herta Müller die Deportation ihrer Landsleute
zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion thematisiert.“
Naja,
„Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa“ – was immer
das auch sei – hat ihr den Nobelpreis gebracht und sie zeichne
„Landschaften der Heimatlosigkeit“. Ich schüttele verwundert den
Kopf. „Das sind doch Leer- und Nonsenssätze“, geht es mir durch den
Kopf. Irre ich mich da? Wohl kaum.
Herr
Leber, von der Landsmannschaft
der Banater-Schwaben, sagt es dann auch deutlicher: Ihr Roman
„Atemschaukel“, der ihr den Nobelpreis brachte, beschreibt die
Deportation der Banater in die Sowjetunion. Die Schriftstellerin
verdichtet die Poesie und Sachlichkeit zu einem Thema, dass gar nicht
stattgefunden hat. Die Banater Schwaben leben noch heute im Banat (Rumänien),
ebenso die Siebenbürger Sachsen in Siebenbürgen, niemand hat sie
deportiert und vertrieben. Wer nach Deutschland kam, kam freiwillig und
ohne jeden Zwang.
Aber natürlich wurden
nach dem 2. Weltkrieg in Rumänen die Kollaborateure mit den deutschen
Faschisten etwas unsanft angefasst, inhaftiert und wohl auch
einige hundert Kilometer nach Osten mit der Bahn verbracht. Die Rückfahrkarte
bekamen sie dann einige Jahre danach. Aber das waren die Parteigänger
der Nazis, die verfolgt wurden – und das nicht nur die
deutschsprachigen Rumänen,
Dass man Kollaborateure hart anfasste, war damals üblich
– nicht nur im Osten. So landeten in Frankreich die führenden Herren
des Vichy-Regimes unter
dem Fallbeil oder vor dem Exekutionskommando. Allerdings schreibt
niemand etwas von Deportation und Vertreibung.
Fakt
ist: Der Vater von Frau Müller diente in der SS. Jeder weiß, wer da
drin war, war aus Überzeugung drin, war also Nazi. Die ehemaligen
SS-Leute wurden nur in der BRD mit Samthandschuhen angefasst und konnten
sogar Karriere machen. Vor Gericht landeten die allerwenigsten SS-Täter.
Das war in anderen Ländern nicht so, auch in Rumänien wurden SS-Leute
inhaftiert. Nicht mehr und auch nicht weniger. Möglicherweise gab es
unter der deutschsprachigen Minderheit Rumäniens mehr aktive
Kollaborateure als unter der übrigen Bevölkerung dort, daher wohl auch
mehr, die in Haft waren. So einfach ist das.
Die
heutige BRD-Regierung sieht das mit Deutschtümlerei. Die Deutschen, das
Volk der Dichter und Denker, ist auch in Rumänien präsent, da, wo
Deutsche das Land aufbauten und was alles da so gesponnen wird.
Warum
aber gab (gibt) es in so vielen Ländern Ost- und Südosteuropas
deutschsprachige Minderheiten? Der Grund ist nicht, dass weise Fürsten
in der Vergangenheit aus ihren dummen und faulen Untertanen mit Hilfe
der deutschen Einwanderer arbeitsfreudige Untertanen machen und so den
Wohlstand aller mehren wollten. Die Erklärung ist ganz simpel:
Kriege, Naturkatastrophen. Pest und Missernten hatten das Land
entvölkert. Die Fürsten holten sich die Menschen von da, wo die
Elendsgegenden in Europa waren: aus Deutschland. Das war z.B. eine der
Ursachen der Ostkolonisation, v.a. in Schlesien. Die Kriege mit den
Mongolen, die bis nach Niederschlesien vordrangen, war die Ursache. 1240
besiegten die Mongolen bei der Schlacht bei Legnica
das Heer des schlesischen Herzogs, wenn auch unter schweren Verlusten.
Sie zogen sich dennoch zurück, hinterließen aber ein entvölkertes
Land. Die schlesischen Herzöge förderten also die Einwanderung aus den
deutschen Elendsgebieten in den Mittelgebirgen und anderswo.
So
auch die Banater Schwaben, der Bevölkerungsgruppe, der Frau Müller
entstammt. Nach den Türkenkriegen vor 200-300 Jahren, war das Land entvölkert,
also förderte der Wiener Hof die Zuwanderung von Deutschen aus Süddeutschland
und Lothringen. Da gab es die Menschen, die in Elend und Hunger lebten
und in der Auswanderung ihre einzige Chance sahen.
Ich
stelle also fest: Die deutschen Minderheiten und die deutsche
Ostkolonisierung im Mittelalter war die Volke von Katastrophen in den
Einwanderungsländern und zwang die Herrschenden Menschen einwandern zu
lassen, wo es ihnen noch schlechter ging. Wie auch die heutigen
Einwanderer kamen sie aus Ländern, in denen die Lebensbedingungen
extrem schlecht waren, Das waren sie in weiten Teilen Deutschlands. Hier
hatte sich die Feudalherrschaft durchgesetzt, unterdrückte die Bauern
und beutete sie aus. Sofern es überhaupt freie Bauern gab, wurde ihr
Besitz an Boden durch Erbteilung und durch Bauernlegen der weltlichen
und kirchlichen Feudalherren immer kleiner und konnte sie nicht mehr ernähren.
Also wanderten sie aus. Das ist das ganze Geheimnis der
Ostkolonisierung.
Wenn
also heute eine „Heimatvertriebene“ Nobelpreisträgerin für
Literatur wird, so ist das eine Ermunterung der Behauptung, dass am
Deutschtum die Welt genesen werde: Die Deutschen haben also den doofen
und arbeitsscheuen Slawen die Kultur gebracht und wurden dann – nach
1945 – schnöde aus ihrer Heimat vertrieben, die ihre Vorfahren mit
Entbehrungen urbar machten. Die Umsiedlung der Deutschen in Osteuropa
ist aber ein Ergebnis des 2. Weltkriegs, eine wirkliche Vertreibung
durch die UdSSR, Polen usw. gab es nicht. In Rumänien blieben sie sogar
zur Gänze im Land.
Mal
abgesehen davon, dass in Rumänien schon eine hohe Kultur in Blüte
stand, als unsere Vorfahren sich noch in Bärenfell kleideten und mit
Keulen bewaffnet Wisente erschlugen, stimmt das das ganze von
Vertreibung nicht. Ich will hier nicht ins Detail gehen, an anderer
Stelle habe ich hierüber schon geschrieben.
Herta
Müller ist nie vertrieben worden, niemand hat ihr nahe gelegt, Rumänien
zu verlassen. Das war ihre ureigenste Entscheidung. Wieso schreibt dann
die CDU-Bundestagsabgeordnete und Präsidentin des Bundes der
Vertriebenen, Erika Steinbach, dazu so,
als sei Frau Müller eine Heimatvertriebene? Erika Steinbach
schrieb: „Mit diesem Nobelpreis wird deutlich, wie
wertvoll das kulturelle Erbe der Deutschen aus dem Osten ist. Es gilt,
dieses Erbe zu bewahren und weiterhin zu fördern.
Mit ihrer überragenden
poetischen Kraft und ihrer unbestechlich antitotalitären Einstellung
hat sie ein Werk geschaffen, das weit über die Ländergrenzen hinweg
wirkt.
Mit ihrem Buch „Atemschaukel“ holt sie das
grausame Schicksal der in sowjetische Lager deportierten Deutschen aus
Rumänien in das Licht der Öffentlichkeit. Darüber hinaus hat das Buch
auch besondere Bedeutung für die Millionen in den Gulag Deportierten
anderer Nationen, denen ein ähnliches Schicksal widerfahren war.“
Die
Krokodilstränen der Frau Steinbach sind ebenso Lüge, wie ihre eigene
„Vertreibung“. Sie wurde zwar im Osten geboren, aber zum einen, in
einem Ort, der nach dem Völkerrecht nach dem 1. Weltkrieg zur Republik
Polen gehörte (polnischer Korridor) und im 2. Weltkrieg besetzt war.
Daher gilt sie hier nicht als Vertrieben aus dem ehemals zu Deutschland
gehörenden Ostgebieten. Der Vater von Erika Steinbach war
Besatzungssoldat, er war in Polen stationiert. Die Eltern lebten in
Bremen, aber die Mutter zog zu ihrem Mann ins besetzte Polen. Dort wurde
Frau Steinbach geboren. Wer hat sie von da vertrieben? Dass die deutsche
Wehrmacht und ihr gesamter Tross, sich vor der Roten Armee zurück
ziehen musste, meinetwegen vertrieben wurde, ist klar. Aber was war da
Unrecht?
Nein,
was wir hier erleben, ist eine Hervorhebung des Deutschtums, ist
Chauvinismus pur und wird zur Propagierung des Deutschtums verwendet.
Hat das alles das Nobelpreiskomitee nicht gewusst? Es musste das wissen.
Mal abgesehen vom Umstand, dass selbst namhafte Literaturkritiker, wie
Marcel Reich-Ranicki, verwundert und sprachlos sind.
Krzysztof
Maslon, der Feuilletonist der renommierten Tageszeitung „Rzeczpospolita”
in Polen schreibt über die Nobelpreisverleihung den Artikel „Dwa oblicza nagrody“
und meint „Über den Nobelpreis
für Herta Müller werden sich nicht nur
Antikommunisten und die Opfer kommunistischer Verfolgung freuen, nicht
nur die Feministinnen, sondern auch – so denke ich – die Mitglieder
des deutschen Bundes der Vertriebenen. Ein Nobelpreis von Erika
Steinbach – das gefällt mir schon sehr viel weniger”.
Maslon
und die Zeitung „Rzeczpospolita” sind alles andere, aber nicht
links, sondern eher bürgerlich-konservativ. Mit diesen Worten will ich
es beim Thema belassen. Herta Müller hat den Nobelpreis bekommen, das
spricht eher gegen diesen Preis.
G.A.
|
|
Literaturnobelpreis
für Herta Müller:
Vertreibungen
Von
U.H. Schliz (Managua, Nikaraguar)
Kommunisteen-online
vom 15. Oktober 2009 – Grundsätzlich
bin ich gegen jede Vertreibung. Wie ist das nun also mit jenen
Deutschen, die vor dem zweiten Weltkrieg in Ostpreußen, Schlesien, im
Banat etc. lebten und das danach nicht mehr tun konnten?
Grundsätzlich
als Kommunist gehe ich davon aus, daß die führenden Genossen der
kommunistischen Parteien, sich was dabei gedacht haben. Ich bin sicher,
daß sie genau, wie ich auch, grundsätzlich gegen jede Vertreibung
waren als sie bestimmte Entscheidungen diesbezüglich durchführten.
Wenn
es also ums denken geht, muss man ganz genau den Finger auf jeden Posten
legen und fragen: Wie kommt der da hin? (Unser geliebter Brecht)
Posten
Nr. 1:
Nichts
dabei gedacht haben sich offenbar überwiegende und flächendeckende
Teile dieser Deutschen im Osten als sie frenetisch die Völkermordpolitik
des heimischen Reiches aktiv oder akklamierend bis sehnsüchtig unterstützten.
Und das taten sie! Das ist ein schwer zu schluckender, aber harter Fakt.
Laut Wikipedia haben ein erheblicher Teil der banater Schwaben in der SS
gedient oder sonst wie
diesem unsäglichen deutschen Völkermordregime Beifall gezollt.
(Einige Hundert haben sich aber auch den Partisanen angeschlossen und
die wurden nicht „vertrieben” oder enteignet.) Es ist manchmal ein
geistiger Kraftakt, sich in dieses die Phantasie übersteigende Leiden
der Millionen in den Gaskammern verröchelnden und die Verzweiflung der
sonst irgendwie ihres Lebensrechts und ihrer Lebensaussicht beraubten
vorzustellen. Eines ist aber völlig klar: die Opfer konnten hinterher
nur eins sagen: NIE WIEDER! Nur das konnten sie sagen – und konsequent
durchführen. Den noch immer fruchtbaren Schoß aus dem das kroch,
musste man sich, soweit wie es geht, vom Hals halten. Und dieser Schoß
hat – in diesem Fall – ein deutsches Gesicht
und auch das Gekrochene – da ist nichts zu machen. Und wer sich
bei Rassismus und Völkermord nichts denkt, kann hinterher keine
Toleranz erwarten, als ob er es nicht gewesen wäre. Das ist doch die
tumb-taube Dreistigkeit des deutschen Michels, der – geistig faul und
impotent – nur seinen eigenen Bauchnabel beschaut
und für den die „Anderen” auf eine so gleichgültige und so
unempfindliche Art einfach nicht gelten, daß einem das Frösteln kommt.
Die
„Anderen” muss er dann feststellen: Die Völker des Ostens, zum
Beispiel –, fanden das Alles nicht so lustig, wie er. Sie hatten die
Dreistigkeit auch leben zu wollen.
Wenn
mir – als „Untermensch” – dieses „Untermenschenschicksal”
passiert wäre, wäre es mir ganz sicher auch tausendmal scheißegal, ob
er der da vorher gelebt hat oder nicht – nur weg damit. NIE WIEDER!
Aber ganz, ganz sicher. Das ist die einzigmögliche logische Reaktion.
Das hat außer mit Gerechtigkeit vor Allem etwas mit Selbstschutz zu
tun. Denen das weh tat, trugen auch die Verantwortung.
Nein?
Posten
Nr.2:
Das
fing ja nicht mit dieser „Vertreibung” an. Da war ja vorher schon
was passiert und zwar gar nicht niedlich: Nämlich die völkermordende
Vertreibung der Ostvölker durch deutschtümelnde Nazis – mit der
angekündigten Aussicht, daß sie als „lebensunwertes Leben”
nur Zyklon B erwartet – im besten Fall, ein tierhaftes
Sklavendasein. In ihr enteignetes Eigentum zogen nun die „deutschen
Herrenmenschen” ein. Dieser Teil des Films wird immer ausgeblendet.
Als
die Rote Armee Hitler das Genick brach, wurde der Spieß umgedreht. Und
jetzt war plötzlich Schluss mit lustig. Jetzt ging’s anders rum.
Und vergleichsweise ging es ja dann den ehemaligen
„Herrenmenschen” dann nicht so schlecht – trotz „Vertreibung”.
Sie konnten ja frei
leben und ziemlich gut – daheim im Reich, das jetzt eine
Bundesrepublik war. Das Leben der „Anderen” – hingegen – war nämlich
zu Asche geworden – im Krematorium nach der Gaskammer.
In
den fünfziger Jahren wurden dann sowieso die meisten Bestimmungen gegen
sogenannte Volksdeutsche aufgehoben. Die Lage normalisierte sich.
Gemessen an den Fakten ist das reichlich großzügig und ausgesprochen
humanistisch Da wurde sicher enteignet. Aber für wen? Für die
geschundenen Völker! Wer wurde enteignet? Die Schinder und ihre Mitläufer!
Posten
Nr. 3:
Wer
wurde nun wirklich
vertrieben? Zunächst war es das tausendjährige Reich, das die
Ostkolonisatoren zu tausenden heimholte. Dann, als die rote Panzerfaust
der Sowietvölker unter Führung Stalins „ante portas” war, trieben
das Nazi-Deutschland hunderttausende – oder verbrachte sie – mit
einer völlig verantwortungslosen
Gräuelpropaganda nach Westen. Sicher war es auch das schlechte
Gewissen um das,
was sie getan oder gelassen hatten, und herrenmenschliche Abscheu
vor den „mordenden Horden asiatischer Untermenschen”. Allemal aber
war es ihr höchsteigenes und persönliches Gespinst, das sie trieb. Bei
diesem verantwortungslosen und fliehenden, und völlig unnötigen
Massenwahnsinn kamen abertausende ums Leben. Dafür kann nun kein
„abscheulicher Kommunist” rein gar nichts. Aber sie – die
„Vertriebenen” tun so, als ob. Sie waren keine Täter.
Und
jetzt hat dieser Alptraum von geistiger Struktur auch noch einen
Nobelpreis bekommen. Oh, Deutschland, arme Mutter!
(Verteibt
mich doch bitte auch ein bisschen – nach rechts! – Das lohnt sich
so.)
(Hier
im sandinistischen Nikaragua war es auch ein Bombengeschäft als
politischer Flüchtling zu gelten, auch wenn dich nicht mal Deine
Schwiegermutter verfolgte. Das wurde richtig gut bezahlt von den
entsprechenden Organisationen. Viele haben das mehrmals wiederholt,
einschließlich Repatriierung)
Wer
also noch übrig blieb, als diese Gebiete im Osten befreit wurden, das
waren nicht mehr so Viele.
Meine
Stiefmutter – ganz sicher des Kommunismus unverdächtig – ist auch
Donauschwäbin. Das heißt, sie lebte auf der serbischen Seite in Apatin.
Sie verbrachte nach der Befreiung Jugoslawiens ein paar Jahre in einem
sowjetischen Arbeitslager. Sie hat sich zum Teil dabei die Zehen
abgefroren. Das Ganze war kein Honigschlecken.
Laut
ihrer eigenen Schilderung, war das so zwangsweise nicht. Sie hätte sich
dem durchaus entziehen können. Man forderte sie auf, als Deutsche beim
Wiederaufbau der zerstörten Sowietunion zu helfen. Es war dann so hart,
wie sie es sich nicht vorgestellt hatte, wobei sie gleichzeitig einräumt,
daß das sowjetische Volk in dem zertrümmerten Land auch nicht besser
lebte als sie im Lager. Die Menschen dort waren sehr solidarisch mit den
Lagerinsassen und teilten häufig mit ihnen, was sie hatten. Die Lage
verbesserte sich dann langsam. Allmählich gab es dann z.B. Kino oder wo
man sonst ausgehen konnte. Das hat sie immer wieder erzählt. Sie hat
den Rest ihres Lebens eine Rente aus der
Sowjetunion bezogen als Entschädigung für die körperlichen
Folgeschäden.
Ich
bin grundsätzlich gegen Vertreibungen. Dabei ist es nun schlechterdings
unmöglich „Vertriebene” des großdeutschen Typs vor ihrer eigenen völkerfeindlichen
Parteilichkeit zu schützen.
Ich
als Deutscher – und das bin ich allemal – schlage denen das eine
Wort um die hoffärtige Fresse, dieses eine Wort, das sie ihr ganzes
Leben lang nicht hören und wahr haben wollten: Verantwortung.
Sie
sind nämlich noch sehr glimpflich davongekommen.
H.U.Sch.
zurück
|
|
Der
Deutschtumspreis
BERLIN/STOCKHOLM
german-foreign-policy.com
vom 12.10.2009 – Organisationen der Berliner „Deutschtums“-Politik
bejubeln die Verleihung des Literatur-Nobelpreises an die „rumäniendeutsche“
Autorin Herta Müller. Die Preisvergabe sei ein Hinweis darauf, „wie
wertvoll das kulturelle Erbe der Deutschen aus dem Osten ist“, erklärt
die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach
(CDU): „Es gilt, dieses Erbe zu bewahren und zu fördern.“ Der BdV
hat erst vor kurzem ein Projekt gestartet, das der „deutschen
Ostsiedlung“ der vergangenen Jahrhunderte mit einer Ausstellung nach
dem Vorbild des „Zentrums gegen Vertreibungen“ neue Publizität
verschaffen soll. Das Vorhaben gilt deutschsprachigen Minderheiten in
Ost- und Südosteuropa, die von Politik und Wirtschaft der
Bundesrepublik genutzt werden, um als Brückenköpfe der Berliner
Expansion zu fungieren. Das Nobelpreis-Komitee verschafft einer dieser
Minderheiten, den „Banater Schwaben“, denen Herta Müller angehört,
exemplarische Popularität. Die politischen Intentionen des Stockholmer
Komitees, das bei seinen Entscheidungen die Unterstützung ausländischer
Interessenten genießt, helfen damit dem BdV und geben der „Deutschtums“-Politik
neuen Auftrieb. Kritik an der Nobelpreis-Vergabe wird in Staaten laut,
die von „Deutschtums“-Interventionen betroffenen sind, so etwa in
Polen.
Deutsches
Erbe
Mit
großer Zufriedenheit registrieren Organisationen der Berliner „Deutschtums“-Politik
die Vergabe des Literatur-Nobelpreises an die Autorin Herta Müller. Müller
stammt aus dem Banat, einer Region im Westen Rumäniens um Timişoara,
in die seit dem 18. Jahrhundert zahlreiche deutschsprachige Siedler
eingewandert waren; sie werden „Banater Schwaben“ genannt. Die
Minderheit, der Müller angehört, lebt bis heute in Rumänien. Die
Autorin habe „dem kleinen Banat, seinen Menschen und seiner Geschichte
einen großen Namen gegeben“, resümiert die „Landsmannschaft der
Banater Schwaben“.[1] Ihr Werk leiste einen „Beitrag zum besseren
Verständnis des Schicksals und Daseins unserer Gemeinschaft“,
schreibt die ebenfalls „rumäniendeutsche“ „Siebenbürgische
Zeitung“.[2] Die Nobelpreis-Vergabe mache „deutlich, wie wertvoll
das kulturelle Erbe der Deutschen aus dem Osten ist“, erklärt die Präsidentin
des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach: „Es gilt, dieses
Erbe zu bewahren und weiterhin zu fördern.“[3]
„Vertriebenen“-Projekt
In
der Tat befördert das Nobelpreis-Komitee mit der Vergabe der
Auszeichnung an Herta Müller die politischen Anliegen der Berliner „Deutschtums“-Organisationen.
So hat der BdV, dessen letztes großes Vorhaben, das „Zentrum gegen
Vertreibungen“, derzeit unter staatlicher Mitwirkung in Berlin
verwirklicht wird [4], erst kürzlich ein neues Projekt gestartet: eine
Ausstellung („Die Gerufenen“ [5]), welche die Geschichte des
„Deutschtums“ in Ost- und Südosteuropa thematisiert. Sie behandelt
sämtliche europäischen Gebiete außerhalb des ehemaligen Deutschen
Reichs, in denen sich deutschsprachige Siedler in erheblichem Umfang
niederließen. Dazu gehören Teile Rumäniens, etwa auch die Region, in
der Herta Müller ihre ersten 34 Lebensjahre verbrachte; sie hat ihr
bedeutende Teile ihrer literarischen Arbeit gewidmet. Mit dem jüngsten
Ausstellungsprojekt versucht der BdV den deutschsprachigen Minderheiten
Ost- und Südosteuropas eine größere öffentliche Aufmerksamkeit zu
verschaffen.
Scheinbar
Eine
Publizität, wie sie der BdV für das östliche „Deutschtum“ wohl
kaum hätte herstellen können, hat das Nobelpreis-Komitee den Absichten
der deutschen Minderheitenpolitik scheinbar unerwartet verschafft. An
der unvermittelten Nobelpreis-Entscheidung sind jedoch Zweifel
angebracht. Zumindest in der Vergangenheit stand das Komitee mit ausländischen
Interessenten in Verbindung, die bestimmte Kandidaten andienten und
andere aus Gründen der politischen Außenwirkung verhindern wollten. So
rühmt sich eine Kulturabteilung der CIA, über den Sekretär des
Nobelpreiskomitees die Auszeichnung des chilenischen Poeten Pablo Neruda
im Jahr 1964 verhindert zu haben. Für diese Lobby-Tätigkeit floss
Geld, heißt es in den CIA-Dokumenten, die von der englischen Autorin
Frances Stonor Saunders 1999 veröffentlicht wurden.[6]
Deutsch
oder rumänisch?
Seit
die Preisvergabe in Stockholm bekannt wurde, entdecken die Massenmedien
innerhalb und außerhalb Deutschlands das westrumänische Banat und die
dortige deutschsprachige Minderheit. Berichte über die deutschsprachige
Nikolaus-Lenau-Schule in Timişoara („Temeschburg“), deren Schülerin
Herta Müller war, werden um Reportagen über die Minderheit im Banat
und ihre gesellschaftlichen Besonderheiten ergänzt. Spekulationen, ob
Herta Müller eine „deutsche“ oder eine „rumänische
Schriftstellerin“ sei, werden ebenso laut wie die Frage, ob „die
Diskussion über den Status der Siebenbürger Sachsen oder Banater
Schwaben nochmals aufleben“ werde.[7] Die deutschsprachigen Bürger
Rumäniens besitzen bereits jetzt einen anerkannten Minderheitenstatus;
allerdings werden von völkischen „Deutschtums“-Organisationen
gelegentlich weiterreichende Forderungen thematisiert.[8]
„Deutschtums“-Inseln
Die
„Deutschtums“-Inseln in Ost- und Südosteuropa genießen seit je die
besondere Aufmerksamkeit der Berliner Außenpolitik. Deutsche Politiker
und Unternehmer knüpfen bevorzugt an die Sprachkenntnisse sowie die
verbreitete „Deutschtums“-Loyalität der dortigen Minderheiten an
und nutzen deren Angehörige als Einflussagenten. Zu einer prominenten
Anlaufstelle deutscher Interessenten hat sich dabei etwa das rumänische
Sibiu („Hermannstadt“) entwickelt, wo eine Organisation der
deutschsprachigen Minderheit („Demokratisches Forum der Deutschen in
Rumänien“, DFDR) sogar den Bürgermeister stellt. Die Stadt
profitiert nicht nur von Fördergeldern für die deutschsprachige
Minderheit Rumäniens, sondern auch von „Entwicklungshilfe“: Ende
der 1990er Jahre hat die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit
(GTZ) im Auftrag des deutschen Entwicklungsministeriums mit der
Renovierung der Altstadt von Sibiu begonnen. Es gebe dort
„mittelalterliche Architektur, die eher deutsch anmutet“, heißt es
in Medienberichten unter Anspielung auf die Gründung der Stadt durch
deutschsprachige Siedler vor rund 800 Jahren.[9] Neben den
GTZ-Investitionen haben vor allem Unternehmen aus Deutschland der Stadt
in den vergangenen zehn Jahren einen beträchtlichen Aufschwung ermöglicht.
„Es ist nun mal ein Unterschied, ob man für das Gespräch mit dem
Vorarbeiter einen Dolmetscher braucht oder sich mit ihm direkt
unterhalten kann“, erklärt der deutschsprachige Bürgermeister über
die Vorteile, die die deutsche Industrie (Siemens, ThyssenKrupp,
Continental und andere produzieren in der Nähe von Sibiu) bei ihrer
Expansion in die Billiglohnländer Südosteuropas aus der
deutschsprachigen Minderheit zieht.[10]
Nationaler
Stolz
Kritische
Stimmen zu den politischen Folgen der Preisvergabe sind in der
Bundesrepublik kaum zu finden. Kritisieren US-Medien - auch diejenigen,
die der gegenwärtigen Administration nahe stehen - die Vergabe des
Friedens-Nobelpreises an US-Präsident Barack Obama als ein allzu
billiges Andienen, herrscht in der deutschen Öffentlichkeit Stolz auf
die Auszeichnung. Die „Deutschtums“-PR, die das Nobelpreis-Komitee
Berlin mit der Preisvergabe gratis verschafft, stößt durchweg auf
Zustimmung. Kritik wird hingegen in osteuropäischen Ländern laut, die
von „Deutschtums“-Interventionen besonders betroffen sind, so etwa
in Polen. Wie die angesehene polnische Tageszeitung Rzeczpospolita
schreibt, werden sich über den jüngsten Literatur-Nobelpreis „nicht
nur Antikommunisten und Opfer kommunistischer Verfolgung“ freuen,
„sondern auch Funktionäre des Vertriebenenbundes“.[11]
[1]
Nobelpreis für Literatur an Herta Müller; www.banater-schwaben.de
[2] Literaturnobelpreis für Herta Müller; www.siebenbuerger.de
08.10.2009
[3] Gratulation zum Nobelpreis für Literatur; Pressemitteilung des
Bundes der Vertriebenen 09.10.2009
[4] s. dazu Bundestag:
Mehrheit für „Zentrum gegen Vertreibung“, Die
Perspektive der Täter, Revisionsoffensive
und 60
Jahre Aggressionen
[5] s. dazu Die
deutsche Ostsiedlung
[6] Frances Stonor Saunders: Who Paid the Piper? The CIA and the
Cultural Cold War, London 1999
[7] Herta Müller ist eine deutsche Schriftstellerin; Frankfurter
Allgemeine Zeitung 10.10.2009
[8] s. auch Beziehungen
pflegen, Schwelende
Konflikte und Hintergrundbericht:
Die Föderalistische Union Europäischer Volksgruppen
[9] Tritt auf die Verkehrsbremse; Akzente 01/2005
[10] s. dazu Übernahme
und Die
deutsche Ostsiedlung
[11] „Die Feministinnen freuen sich“; Spiegel Online 09.10.2009 |
zurück |