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Verbrennung der Bücher am 10. Mai 1933 durch die Nazis ...

Doch einen hatten sie übersehen, der aber protestierte

Von Günter Ackermann/10. Mai 2008

Die deutschen Faschisten wollten den humanistischen Geist der deutschen Literatur vernichten und ließen, nachdem sie die Arbeiterbewegung zerschlagen und die bürgerlichen Parteien gleichgeschaltet hatten, am 10. Mai 1933 alle Bücher, die sie für jüdisch, dekadent, undeutsch, sozialistisch/kommunistisch – kurz: humanistisch – hielten, öffentlich verbrennen.

Einer aber entging ihnen. Der bayrische Schriftsteller Oskar Maria Graf.

Den hielten die Banausen in der scheiße-braunen Uniform für einen lebenden Ganghofer, mit Enzian im Blut und Alpenglühen im Hirn.

Graf selbst hielt sich zu dieser Zeit zu einer Lesungsreise in Österreich auf. Dort erfuhr er, dass die Nazis ihn als einer der Ihren eingeschätzt hatten. Er protestiert auf seine frech-satirische Art gegen diese Schmach. In der sozialdemokratischen Wiener Arbeiterzeitung veröffentlichte er seinen Protest: „Verbrennt mich!“

Die Dummheit der Faschisten war grenzenlos. Ein Jahr später erfüllten sie seinen Wunsch und machten in der Universität München eine Privatverbrennung seiner Bücher. Auch wurde Graf ausgebürgert.

Zunächst war er im Exil in Prag, ging dann aber in die USA. Dort, in New York, hat er bis zu seinem Tode gewohnt.

Graf wird von der gegenwärtigen Germanistenszene fälschlich nur als Urbayer und eine Art Ganghofer verkauft. Dabei sind seine Bücher höchst gesellschaftskritisch und links. Graf war nie Kommunist, aber auch nie Antikommunist.

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Verbrennt mich!

Ein Protest von Oskar Maria Graf vom 12. Mai 1933

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Verbrennt mich!

Ein Protest von Oskar Maria Graf vom 12. Mai 1933

Wie fast alle links gerichteten, entschieden sozialistischen Geistigen in Deutschland, habe auch ich etliche Segnungen des neuen Regimes zu spüren bekommen: Während meiner zufälligen Abwesenheit aus München erschien die Polizei in meiner dortigen Wohnung, um mich zu verhaften. Sie beschlagnahmte einen großen Teil unwiederbringlicher Manuskripte, mühsam zusammengetragenes Quellenstudien-material, meine sämtlichen Geschäftspapiere und einen großen Teil meiner Bücher. Das alles hart nun der wahrscheinlichen Verbrennung. Ich habe also mein Heim, meine Arbeit und – was vielleicht am schlimmsten ist – die heimatliche Erde verlassen müssen, um dem Konzentrationslager zu entgehen.

Die schönste Überraschung aber ist mir erst jetzt zuteil geworden: Laut „Berliner Börsenkurier“ stehe ich auf der weißen Autorenliste des neuen Deutschland und alle meine Bücher, mit Ausnahme meines Hauptwerkes „Wir sind Gefangene“, werden empfohlen! Ich bin also dazu berufen, einer der Exponenten des „neuen“ deutschen Geistes zu sein!

Vergebens frage ich mich, womit ich diese Schmach verdient habe.

Das dritte Reich hat fast das ganze deutsche Schrifttum von Bedeutung ausgestoßen, hat sich losgesagt von der wirklichen deutschen Dichtung, hat die größte Zahl ihrer wesentlichsten Schriftsteller ins Exil gejagt und das Erscheinen ihrer Werke in Deutschland unmöglich gemacht. Die Ahnungslosigkeit einiger wichtigtuerischer Konjunkturschreiber und der hemmungslose Vandalismus der augenblicklich herrschenden Gewalthaber versuchen all das, was von unserer Dichtung und Kunst Weltgeltung hat, auszurotten, und den Begriff „deutsch“ durch engstirnigsten Nationalismus zu ersetzen. Ein Nationalismus, auf dessen Eingebung selbst die geringste freiheitliche Regung unterdrückt wird, ein Nationalismus, auf dessen Befehl alle meine aufrechten sozialistischen Genossen verfolgt, eingekerkert, gefoltert, ermordet oder aus Verzweiflung in den Freitod getrieben werden!

Und die Vertreter dieses barbarischen Nationalismus, der mit Deutschsein nichts, aber auch schon gar nichts zu tun hat, unterstehen sich, mich als einen ihrer „Geistigen“ zu beanspruchen, mich auf ihre sogenannte weiße Liste zu setzen, die vor dem Weltgewissen nur eine schwarze Liste sein kann!

Diese Unehre habe ich nicht verdient!

Nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, daß meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!

Verbrennt die Werke des deutschen Geistes! Er selber wird unauslöschlich sein, wie eure Schmach!

(Alle anständigen Zeitungen werden um Abdruck dieses Briefes ersucht. Oskar Maria Graf.)

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