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12.
Juli 1904:
100.
Geburtstag Pablo Nerudas -
-
Kommunist,
-
Dichter,
-
chilenischer Patriot und
-
Kämpfer gegen den Faschismus |
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Sieg
der Waffen des Volkes
aus:
España en el corazón (Spanien
im Herzen)
Aber
gleich dem Erinnern der Erd, gleich dem steinhaften
Glanz des Metalls und des Schweigens,
Volk, Heimat und Hafer, ist dein Sieg
Trag
voran deine Fahne, die durchlöchert
wie deine Brust, über die Narben
von Zeit und Erde.
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Gesang
für die Mütter toter Republikaner
aus:
España en el corazón (Spanien
im Herzen)
Sie
sind nicht tot! Sie stehen mitten
im Pulverdampf
aufrecht, wie brennende Lunten!
Ihre reinen Schatten haben sich vereint
auf den kupferfarbenen Wiesen
wie ein Vorhang gepanzerter Luft,
wie eine Sperre von der Farbe der Wut,
wie die ganz unsichtbare Brust des Himmels.
Mütter!
Sie stehn in den Weizenfeldern,
hoch wie der mächtige Mittag,
sie beherrschen die riesige Ebene!
Sie sind Getön von dunkelstimmigen Glocken,
die über die Leiber aus gemordetem Stahl
Sieg rufen.
________Schwester gleich zerfallenem
Staub, gebrochene
Herzen
vertraut euren Toten!
Sie sind nicht nur Wurzel
unter den blutigen Steinen,
nicht nur bestellt ihr armes zerfallenes Gebein
das Land für immer,
sondern selbst ihre Münder beißen trockenes Pulver
und greifen an wie Ozeane aus Eisen, und selbst
ihre geballte Fäuste erhoben widersprechen dem Tod.
Denn
aus so vielen Leibern unsichtbares Leben
erhebt sich. Mütter, Fahnen, Söhne!
Ein einziger Leib so lebendig wie das Leben:
ein Antglitz mit gebrochnen Augen blickt ins Dunkel
mit einem Schwert erfüllt von irdischer Hoffnung!
Werft
eure Mäntel der Trauer fort, sammelt all
eure Tränen, bis sie Metall werden:
auf dass wir schlagen Tag und Nacht,
auf dass wir stoßen Tag und Nacht,
auf dass wir speien Tag und Nacht,
bis die Tore des Hasses eingerammt sind!
Ich
habe euer Unglück nicht vergessen, ich kenne
eure Söhne,
und wenn ich stolz bin auf ihren Tod,
bin ich auch stolz auf ihr Leben.
________________________Ihr Lachen
blitzte in den betäubenden Fabriken,
in Untergrundbahnstationen
tönte täglich ihr Fuß neben dem meinen, und unter
den Orangen des Ostens, bei den Fischernetzen des Südens, in
der Farbe der Druckereien, auf dem Zement der Gebäude
sah ich die Flamme ihrer Herzen aus Feuer und Kraft.
Und
wie in euren Herzen, ihr Mütter,
ist in meinem Herzen so viel Trauer und Tod,
dass es wie ein Wald ist,
nass vom Blut, das ihr Lächeln auslöschte,
und in es fällt der tolle Nebel der Schlaflosigkeit
mit den Alleinsein zerreißend der Tage.
Doch
über den Fluch der dürstenen Hyänen hin und tierisches Röcheln,
das von Afrika her seine schmutzigen Schreie bellt,
über Zorn hin, Verachtung, über Tränen hin weit,
o ihr Mütter, durchbohrt von Entsetzen und Tod,
schaut ihm, dem wiedergeborenen, dem edlen Tag ins Herz
und wisst, dass eure Toten unter der Erde lächeln,
über die Weizenfelder ihre geballten Fäuste erheben |
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AUFSTÄNDISCHES
AMERIKA
Unsere
Erde, endlose Erde, Einsamkeiten
bevölkerte
sich mit Geraun, Armen und
Mündern.
Eine
verschwiegene Silbe begann zu lohen,
die
geheime Rose zusammenrufend,
bis
die Grassteppen bebten,
von
Metallen überzogen und Pferdegalopp.
Wie
ein Pflugschar hart war die Wahrheit.
Aufbrach
sie die Erde, gründete das Verlangen,
versenkte
ihre keimträchtigen Lehren
und
trat im heimlichen Frühling ans Licht.
Zum
Schweigen gebracht ward ihr Blühen,
zurückgewiesen
ihr
Bund der Helle, gekämpft
der
verborgenen Banner,
doch,
die Wände zerbrechend, brach sie hervor,
die
Boden von Kerkern befreiend.
Das
dunkelhäutige Volk war ihr Gefäß,
es
empfing die zurückgewiesene
Lebenssubstanz,
verbreitete
sie an den Meeresgrenzen,
stieß
sie in unbändigen Mörsern klein.
Und
es trat mit den gehämmerten Seiten
und
mit dem Frühling hinaus auf den Weg.
Stunde
des Gestern, Mittagsstunde,
heutige
Stunde wieder, Stunde zwischen der
toten
Minute
und der, die ersteht, erwartet
in
der stachligen Ära der Lüge.
Vaterland,
du wurdest von Holzfällern erschaffen,
von
unbenannten Söhnen, von Tischlern,
von
ihnen, die, gleich einem seltsamen Vogel,
einen
Tropfen beflügelten Bluts dir gaben,
und
heute erstehst du von neuem in Härte,
und
dorther, wo Verräter und Kerkermeister
versunken
dich wähnen für immer.
Heute
wie damals gehst du aus dem Volk hervor
Heut
kommst du aus der Kohle und dem Tau
der
Nacht.
Heute
wirst du aufrütteln die Tore
mit
misshandelten Händen, mit Splittern
überlebender
Seele, mit Bündeln
von
Blicken, die nicht ausrottete der Tod,
mit
zornigem Werkzeug
bewehrt
unter den Lumpen.
Pablo
Neruda [Nachdichtung - Erich Arendt]
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Pablo Neruda
Die Satrapen
Nixon, Frei und Pinochet,
Bis heute, bis zu diesem
Bittermonat September
des Jahres 1973
Wie Bordaberry, Garrastazu und
Banzer
Gefräßige Hyänen
Unserer Geschichte,
Nagetiere
Die anfressen Fahnen der Einheit
Voll Blut und Feuer
Nun besudelt in ihren Krallen,
Höllisches Raubzeug, Satrapen,
Tausendfache Ausverkäufer
und Ausverkaufte,
Angestachelt
Von den New Yorker Bestien,
Maschinen gierig nach Qualen,
Befleckt von Opferblut
ihrer gemarterten Völker,
Huren der Handelsherren,
so recht nach Amerikas Dufthauch,
Tolle Abfallköder, Halsabschneider,
Pack
Von Bordellpolitikern — Bossen:
Ihr einziges Recht ist die Folter
Und der Hunger, der ihre Völker
Peitscht.
Irgendwo in Chile, 15. September 1973
(übersetzt von Erich Fried)
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DIE
ARMUT
Ach,
du magst nicht, dich erschreckt
die Armut,
du
magst nicht
mit zerrissenen Schuhen zum Markt gehn
und heimkommen mit dem alten Kleid.
Liebe,
wir lieben nicht,
wie es die Reichen möchten,
das Elend. Wir werden
es ausrotten, ausreißen wie einen üblen Zahn,
der bis heut das Herz des Menschen geplagt hat.
Aber
ich will nicht,
dass du die Armut fürchtest.
Kommt sie, durch meine Schuld, zu deiner Wohnung,
fegt sie
deine goldenen Schuhe fort,
soll sie nicht fortfegen dein Lachen, das mir das
Brot meines Lebens ist.
Kannst du die Miete nicht bezahlen,
geh zur Arbeit mit stolzem Schritt
und denke, Liebe, dass ich dich sehe
und wir zusammen der größte Reichtum sind,
der je auf der Erde zusammenkam. |
LA
POBREZA
Ay
no quieres,
te asusta
la probreza,
no
quires
ir con zapatos rotos al mercado
y volver con el viejo vestido.
Amor,
no amamos,
como quiren los ricos,
la miseria. Nosotros
la extiparemos como diente maligno
que hasta ahora ha mordido el corazón del hombre.
Pero
no quiero
que la temas.
Si llega por mi culpa a tu morada,
si la pobreza expulsa
tus zapatos dorados,
que no expulse tu risa que es el pan de ma vida.
Si no puedes pagar el alquiler
sal al trabajo con paso orgulloso,
y piensa, amor, que yo te estoy mirando
y somos juntos la mayor riqueza
que jamás se reunío sobre la tierra. |
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Pablo
Neruda (1904-1973)
12.
7. 1904
Geburt in Parral als Sohn eines Lokomotivführers.
1910 - 1920
Besuch des Knabengymnasiums in Temuco, erste Gedichtveröffentlichungen.
1920
entscheidet sich Neftali Ricardo Reyes Basalto für das Pseudonym Pablo
Neruda.
1921 - 1926
Pädagogikstudium (Französischlehrer) in Santiago,
Mitarbeiter verschiedener Zeitschriften,
Dichterlesungen und Einzelveröffentlichungen.
Ab 1927
Neruda im konsularischen Dienst (u.a. in Rangun, Kalkutta, Buenos Aires).
Ab 1935
Konsul in Madrid,
freundschaftlicher Verkehr mit Spaniens junger Dichtergeneration
(Garcia Lorca, Alberti, Guillèn).
18. 7. 1936
Putsch General Francos gegen die Republik.
Neruda solidarisiert sich mit dem antifaschistischen Kampf.
Ermordung Lorcas.
Neruda beginnt "Espana en el corazòn" (Spanien im Herzen).
Abberufung als Konsul.
1938 - 1944
Vortragsreisen durch Chile, Kuba, Generalkonsul in Mexiko-Stadt.
Besuch der präinkaischen Festung Macchu Picchu (Peru).
1945
Eintritt in die Kommunistische Partei Chiles.
Neruda wird kommunistischer Senator.
1948
Neruda entzieht sich der Verhaftung.
Beginnt in der Illegalität den "Canto General" (Der Große
Gesang).
Es folgen europäisches Exil und ausgedehnte Reisen.
1952
Rückkehr nach Chile
1957
Neruda wird Präsident des chilenischen Schriftstellerverbandes.
1967
Uraufführung seines einzigen 1966 verfaßten Theaterstücks:
"Fulgor y muerte de Joaquin Murieta" (Glanz und Tod des Joaquin
Murieta).
1969
nominiert die Kommunistische Partei Chiles Pablo Neruda
zu ihrem Präsidentschaftskandidaten,
der zugunsten des von der Unidad Popular designierten Kandidaten
Salvador Allende zurücktritt.
1970
Sieg der Unidad Popular
Neruda übernimmt im Auftrag der Regierung Allende den Botschafterposten
in Frankreich.
21. 10. 1971
Neruda erhält den Nobelpreis für Literatur.
Dezember 1972 Heimkehr von seiner
Botschaftermission, triumphaler Empfang
im Nationalstadion von Santiago.
11. 9. 1973
Sturz und Ermordung Salvador Allendes durch die faschistische
Pinochet-Junta.
Nerudas Haus in Santiago wird verwüstet.
24. 9. 1973
Neruda erliegt am einem Krebsleiden.
Seine Beisetzung gestaltet sich trotz starker Polizeiüberwachung zu einem
Protestmarsch gegen den faschistischen Terror.
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