Bildung, Kultur & Wissen

Wichtige Rubriken und Beiträge

+++Neu+++

Newsletter bestellen

zur Homepage

Der Krieg der herrschenden Klasse gegen das Volk

Kampf den ideologischen Diversanten

Für den Aufbau der Kommunistischen Partei Deutschlands

Gegen den imperialistischen Krieg

Black Channel

Betrieb&Gewerkschaft

Bildung, Kultur & Wissen

Wider den Block der
Rechten und Trotzkisten

zur Geschichte
der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung

Wissenschaftlicher Sozialismus

Aus den Ländern

Links

Impressum

Archiv

Intern

Proletarischer Internationalismus

zurück

Pisa und das kapitalistische deutsche Bildungssystem

von Günter Ackermann

Das in der Zeit nach den napoleonischen Kriegen zu Beginn des  19. Jahrhunderts entstandene dreigliedrige Schulsystem, besteht bis heute, nach 200 Jahren, nur leicht verändert, fort.

Unten gab es die Volksschulen. Sie vermittelten den Arbeiter- und Bauernkindern mal eben das, was sie brauchten, um ihr Arbeitskraft zu verkaufen. Mehr brauchten sie nicht zu wissen, zu was auch? Die aufkommende Industrie brauchte billige Arbeitskräfte, die zwar lesen und schreiben, auch etwas rechnen konnten, also über die Grundlagen des Wissens verfügten, um Kohle abbauen, Eisen gießen und Maschinen bauen zu können, aber damit hatte es sich auch.

Die in der Mitte, also die unteren und mittleren Beamten. Angestellten, aber auch die Techniker, besuchten die „Mittelschulen“ (heute Realschulen).

Die Eliten, rekrutierten ihren Nachwuchs aus den Gymnasien. Dorthin und anschließend auf die Universitäten, gingen ihre Kinder – anfangs nur ihre Söhne.

Die blaublütigen Eliten aus der Zeit des Feudalismus wurden ersetzt durch jene, die über die Produktionsmittel verfügen. Die Klasse der Feudalherren fügte ich mit der Zeit ein ins Bürgertum. Der wohlklingende Namen war nur zierendes Beiwerk, was zählte, was der materielle Reichtum. Man denke nur daran, dass große Industriebosse adlig wurde (Krupp von Bohlen und Halbach oder Freiherr von Stumm-Halberg, von Siemens usw.).

Waren die feudalen Gutsbesitzer aus der Zeit vor den napoleonischen Kriegen zum großen Teil fast Analphabeten – der preußische Kriegsminister Hermann von Boyen (1771 bis 1848), einer der Reformer um Stein und Hardenberg –  macht sich in seinen Memoiren darüber lustig, dass es preußische Generäle gab, die des Lesens und Schreibens unkundig waren. Das war eine der Ursachen des Sieges Napoleons bei Jena und Auerstedt über die Preußen 1806.

Die danach einsetzenden Reformen des Freiherrn von Stein, dann Hardenbergs, dienten nicht zur sozialen Gerechtigkeit. Wilhelm Freiherr von Humboldt (22.06.1767 bis  08.04.1835) reformierte dann im Rahmen die das Schulsystem und gestaltete es in seiner heutigen Form.

Ziel war, dass in den Staatsdienst und  Militär, entsprechend gebildete Beamte und Offiziere traten und dass die aufkommende Industrie über ein ausreichendes Reservoir  von gut ausgebildeten Fachkräften zugreifen konnten und die Forschungsarbeiten der Universitäten den Erfordernissen der Industrie nutzbar waren.

Arbeiter oder Bauern in die Gymnasien oder gar Universitäten war nicht vorgesehen, es sei denn, besonders hochbegabte junge Knaben, die dann als Lehrer oder Pfarrer/Priester ausgebildet wurden. Das aber war eine absolute Rarität. Der Schriftsteller Karl May war so ein Hochbegabter, der dann als Volksschullehrer ausgebildet wurde.

Durchlässig sollten die Schultypen nicht sein. Es war klar, dass sich der soziale Status der Eltern vererbte: Arbeiter und Bauern nur auf die Volksschule, kleine und mittlere Beamte an die Mittelschule und die Oberschicht schickte ihre Kindern ans Gymnasium.

Die erste Selektion erfolgt bereit im Kindesalter. Nach der Grundschule wird bestimmt, welches Kind Akademiker, Techniker oder Arbeiter wird. Ein Wechsel der Schultypen von unten nach oben ist so gut wie unmöglich, von oben nach unten selten.

Heute ist es im Prinzip ganz genau so. Wenn auch die 60er Jahre mit der Bildungsreform einiges modernisiert wurde, das dreigliedrige Schulsystem von vor 200 Jahren besteht noch heute.

Was die Pisastudien aufzeigen, ist genau diese Schwäche dieses Systems. Es wird richtig kritisiert, dass in Deutschland die Bildungschancen mehr wie in anderen Ländern, z.B. Skandinaviens, von der sozialen Herkunft abhängen. Bildungsmonopol der Bourgeoisie wird das oft richtig genannt.

Die bürgerlichen Politiker übten sich nach der ersten Pisa-Studie in Zerknirschung – änderten aber am System nichts. Es sollen einige Ganztagsschulen eingerichtet werden – das war's! Warum sollten sie auch etwas ändern, es gibt eh zuviel Akademiker und Arbeiter erst recht? Einige besonders qualifizierte Fachkräfte fehlen zwar, aber sie können aus dem Reservoir die vorhanden mit Abitur ausgebildet werden. Oder, noch besser und  noch billiger, man greift auf die in die anderen Ländern auf deren Kosten Ausgebildeten zurück. Die akzeptieren auch noch niedrigere Einkommen und sind sie aufmümpfig, bekommen sie den Vertrag nicht verlängert, damit erlischt deren Aufenthaltserlaubnis und die können abgeschoben werden.

Also brauchen die deutschen Schulen nicht den Standards der skandinavischen Länder angepasst zu werden, eine besondere Förderung der Arbeiter und Migrantenkinder ist zu teuer und kontraproduktiv. Die Kosten amortisieren sich nicht. Also betreibt man Kosmetik, das ist billiger.

Hinzu kommt die alte Erkenntnis der bürgerlichen Bildungsideologen: Ungebildete Menschen lassen sich leichter regieren als gebildete. Insofern sind die in der Pisastudie „Risikokinder" genannten, also jene, die selbst einfachste Texte nicht verstehen und nur auf Grundschulniveau rechnen können, soziales Strandgut, welches uninteressant ist. Sie zu fördern ist zu teuer – immerhin 25% aller 15-jährigen.

zurück

Schock ohne Ende

Quelle: jungeWelt vom 23. November 2004

von Ralf Wurzbacher

Auch bei der zweiten PISA-Studie schneiden deutsche Schüler unterdurchschnittlich ab. Kultusminister spielen Ergebnisse herunter

Der PISA-Schock wird zum Dauerzustand. Drei Jahre nach Veröffentlichung der ersten für Deutschland blamabel ausgefallenen internationalen Schulleistungsstudie stellt das deutsche Bildungssystem international unverändert nur unteres Mittelmaß dar. Nach Informationen der Deutschen Presseagentur vom Sonntagabend landen deutsche Schüler auch in der zweiten PISA-Studie in allen drei Teildisziplinen nur in der unteren Hälfte der Leistungstabelle. Nur im Schwerpunktbereich Mathematik verzeichnet die BRD unter den 31 getesteten Mitgliedsstaaten der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) einen leichten Aufwärtstrend und klettert vom 20. auf den 17. Rang. In den Kategorien Lesen und Textverständnis, den Schlüsselkompetenzen für das Lernen in Schule und Beruf, schaffen es deutsche Pennäler jeweils nur auf Platz 20. Lediglich in einem Punkt hat die BRD ihre »Spitzenposition« behauptet. In keinem anderen der getesteten Länder hängen der Schul- und anschließende Berufserfolg so sehr von der sozialen Herkunft ab wie hierzulande. Insbesondere bei der Förderung von Arbeiter- und Migrantenkindern versagt das hiesige dreigliedrige Schulsystem nach Einschätzung der PISA-Forscher auf ganzer Linie. Bei gleicher Begabung hat ein Akademikerkind in Deutschland eine fast viermal so große Chance, das Abitur zu erlangen, wie ein Facharbeiterkind. Erneut erschreckend hoch ist auch der Anteil sogenannter Risikoschüler. Fast jeder vierte 15jährige kann selbst einfachste Texte nicht verstehen und nur auf Grundschulniveau rechnen.

Die Neuigkeiten aus Paris, dem Sitz der OECD, erwischten die politisch Verantwortlichen auf dem falschen Fuß. Mit den Ergebnissen der Untersuchung wurde erst am 7. Dezember, dem Tag der offiziellen Vorstellung, gerechnet. Aus lauter Erklärungsnot schaltete die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Doris Ahnen (SPD), kurzerhand auf Funkstille: Die KMK »wird und muß sich an die von der OECD festgelegte internationale Sperr- und Sendefrist« der Daten aus der Studie halten, ließ die rheinland-pfälzische Bildungsministerin am Montag per Pressemitteilung verbreiten. Es könne heute nicht darum gehen, »auf dem Markt gehandelte Daten« zu bestätigen oder zu dementieren. Ansonsten herrschte bei den Kultusministern der Länder am Montag die einheitliche Sprachregelung vor, wonach in der Kürze der Zeit keine Wunderdinge zu erwarten seien. »Bildungsergebnisse sind Langzeitentwicklungen, die sich nicht von heute auf morgen sprunghaft verbessern lassen«, äußerte sich Niedersachsens Bildungsminister Bernd Busemann (CDU). »Richtige Maßnahmen« wie die eingeleitete Einführung nationaler Bildungsstandards würden sich erst »schrittweise auswirken«. Ebenso argumentierte auch Berlins Bildungssenator Klaus Böger (SPD) im ZDF-Morgenmagazin.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bekräftigte am Montag erneut ihre Forderung nach einem schrittweisen Umbau des gegliederten Schulsystems. Der Zusammenhang zwischen dem schlechten Abschneiden der deutschen Schüler und dem stark auf Auslese ausgerichteten System von Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien liege auf der Hand, erklärte die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange. »Die integrativen Systeme in den skandinavischen Ländern sind erfolgreicher.« Als Sofortmaßnahmen empfahl Stange ein »Förderprogramm von Schülern aus sozial schwächeren Elternhäusern und Kindern aus Einwandererfamilien« sowie den Ausbau der Lehrerfortbildung. »Wir können es uns nicht leisten, in der Hoffnung auf langsfristig greifende Maßnahmen eine ganze Schülergeneration durch die Schule zu schleusen, in der fast ein Viertel nicht ausreichend lesen und rechnen kann.« Die GEW spricht sich dafür aus, die durch sinkende Schülerzahlen freiwerdenden personellen und materiellen Ressourcen für »qualitative Verbesserungen wie Ganztagsschulen und Individualförderung zu nutzen«.

zurück

Spenden für die Homepage: Günter Ackermann, Konto-Nr.: 433 407 436,
IBAN DE62 3601 0043 0433 4074 36., BIC PBNKDEFF, BLZ: 360 100 43
Postbank Essen. Verwendungszweck: Homepage 
(Bitte eMail-Adresse und Verwendungszweck immer angeben!)

  Bitte immer angeben!