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80.
Geburtstag von Mikis Theodorakis
Quelle:
Kominform
vom 29.07.2005
 Musiker,
Widerstandskämpfer, Komponist, Kommunist, Dirigent, Abgeordneter,
Friedenskämpfer: All das vereint Mikis, wie ihn die Mehrheit der
Griechen vertraut nennt, in einer Person. Das Dirigieren mit
ausgestreckten Armen "wie ein Adler" leider aufgegeben. Der
8O.jährige wirkt jedoch - vor allem wenn er sich mit leuchtenden Augen
und lauter Stimme zu politischen Themen wie dem Irak-Krieg oder zu
Streikkämpfen in seiner Heimat äußert, immer noch dynamisch.
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Kindheit und Jugend
Mikis
Theodorakis, von kretischer Abstammung, wurde am 29 Juli 1925 in Chios,
Griechenland, geboren. Er verbrachte seine Kindheit in verschiedenen
Provinzstädten Griechenlands, Lesbos, Kephalonia, Pyrgos, Patras und
hauptsächlich Tripolis.
Schon
als Kind war Mikis Theodorakis von der Musik fasziniert, und lehrte sich
selbst, seine ersten Lieder zu schreiben, ohne ein Musikinstrument zur
Verfügung zu haben. In Pyrgos und Patras bekam er ersten
Musikunterricht, und in Tripolis gründete er einen Chor und gab sein
erstes Konzert mit 17.
Während
der Besatzung Griechenlands durch die deutschen, italienischen und
bulgarischen Truppen im Zweiten Weltkrieg von 1941 bis 1944, schloss
sich der junge Mikis dem Widerstand an. Mit 18 Jahren wurde er erstmals
gefoltert. Zu diesem Zeitpunkt kam er auch in Kontakt mit dem Marxismus
und wurde Kommunist.
Dass
er sich nach dem Rückzug der Deutschen Wehrmacht gegen die Neubesetzung
seines Landes durch die Engländer wehrte und sich dem kommunistischen
Widerstand anschloss, war nur selbstverständlich. Mikis Theodorakis
nahm im Dezember 1944 als Mitglied der Nationalen Befreiungsfront EAM in
den Reihen der Griechischen Volksbefreiungsarmmee an der Schlacht um
Athen teil. Nach dem Friedensabkommen von Varkiza wurde die
Volksbefreiungsarmee im Februar 1945 aufgelöst.
Als
kommunistischer Regimegegner wurde er im Juli 1947 während des
Griechischen Bürgerkriegs verhaftet und auf die Insel Ikaria verbannt.
Ende 1948 wurde er nach zeitweiliger Freilassung und erneuter Verhaftung
auf die Insel Makronisos in ein Vernichtungslager deportiert, in dem
Tausende Kommunisten umkamen. Theodorakis war hier, nicht zum ersten und
schon gar nicht zum letzten Mal in seinem Leben, schweren Folterungen
ausgesetzt und dem Tode nahe. Sein Vater Yorgos Theodorakis verkaufte
seinen Besitz auf Kreta, um seinem Sohn zu Hilfe zu kommen.
Als
Mikis aus der Haft entlassen wurde, war er physisch am Ende. Erst nach längerem
Aufenthalt auf Kreta erholte er sich von den Folgen der unmenschlichen
Mißhandlungen. Später konnte er in Athen unter Philoktitis Economidis
und in Paris unter Eugène Bigot und Olivier Messiaen sein Musikstudium
weiterführen und mit Auszeichnung abschließen. Der Erfolg stellte sich
frühzeitig für den jungen Komponisten ein. Seine Sonatine für Klavier
wurde 1955 aufgeführt, seine Suite Nr.1 für Klavier und Orchester
bekam 1957 bei den Weltjugendfestspielen in Moskau eine Goldmedaille.
Seine erste Symphonie wurde zum Ausdruck seines wichtigsten Anliegens:
der Versöhnung der Griechen und der Ausheilung der Wunden des Bürgerkrieges.
Das Werk ist zwei Freunden, die in gegnerischen Lagern kämpften und
beide umkamen, gewidmet.
Entdeckung
der Volksmusik
Gerade
zu diesem Zeitpunkt aber, als er auf der internationalen Musikszene Fuß
zu fassen begann, machte Theodorakis eine Kehrtwendung und ging zu den
Wurzeln der griechischen Musik zurück. In Griechenland war nämlich ein
Streit um die Bedeutung und Zukunft der Volksmusik ausgebrochen. Diese
beruht hauptsächlich auf zwei Grundlagen, der demotischen und der
rembetischen Musik. Die demotische Musik ist die Volkskunst der
einzelnen Regionen und Volksstämme, der Rembetiko ist Ausdruck der
Stadtbevölkerung, der Flüchtlinge, der Außenseiter. Manos Hadjidakis
hatte ihr erstmals Geltung mit der Filmmusik zu "Sonntags nie"
(Never on Sunday) verschafft. Theodorakis griff in den Kulturkampf in
Griechenland ein, der zum Ausdruck des politischen Gegensatzes zwischen
Linken und Rechten wurde. Er wurde rasch zur Leitfigur einer linken
Erneuerung Griechenlands, nach der Ermordung des Parlamentsabgeordneten
Grigoris Lambrakis (siehe Costas Gavras Film "Z"), wird die
"Lambrakis-Jugend" gegründet, und Theodorakis wird zu ihrem
Präsidenten gewählt. Zur gleichen Zeit wird er Abgeordneter der
Vereinigten Demokratischen Linken (EDA) im Athener Parlament.
Als
wichtigster Interpret von Theodorakis-Liedern muss der Sänger Grigoris
Bithikotsis hervor gehoben werden. Seine in Zusammenarbeit mit
Theodorakis aufgenommene LP "Epiphania" gilt als eine der
wichtigsten Veröffentlichungen im Oeuvre von Theodorakis, weil hier die
Bouzouki als traditionelles Instrument der unteren Bevölkerungsschichten
eine zentrale Rolle spielt und die gesellschaftskritischen Texte mit der
Musik des Volkes untermalt.
Unter
der Diktatur der Obristen
Am
21. April 1967 kam es zum Putsch der faschistischen Obristen in
Griechenland, Theordorakis geht in den Untergrund und schreibt seinen
ersten Aufruf zum Widerstand des Volkes gegen die Diktatur. In Mai 1967
gründet er mit Gleichgesinnten die Patriotischen Front [PAM], die erste
Widerstandorganisation gegen die Diktatur, und wird zu deren
Vorsitzenden gewählt.
Er
wird in August 1967 verhaftet und kommt in Isolationshaft ins berüchtigte
Gefängnis der Sicherheitspolizei in der Bouboulina-Straße und danach
ins Averoff-Gefängnis. Er tritt in den Hungerstreik, nach einem
Krankenhausaufenthalt erfolgt seine Entlassung aus dem Gefängnis, Nach
Hausarrest, Verbannung mit der Familie ins Bergdorf Zatouna in Arkadien,
kommt er schließlich ins Konzentrationslager Oropos. Während all
dieser Zeit komponiert er unablässig. Es gelingt ihm, über
verschiedene Kanäle zahlreiche neue Werke ins Ausland zu schicken, wo
sie von Maria Farantouri und Melina Mercouri aufgeführt werden.
Im
KZ von Oropos kommt es zu einer gravierenden Verschlechterung seiner
Gesundheit. Im Ausland erhebt sich eine Protestwelle. Persönlichkeiten
wie Arthur Miller, Laurence Olivier, Yves Montand, Dmitri
Schostakowitsch, Leonard Bernstein, Harry Belafonte und andere setzen
sich fur seine Befreiung ein. Unter dem Druck der Öffentlichkeit, wird
er schließlich im April 1970 entlassen und nach Paris ausgeflogen.
Im
Exil
Im
Exil nahm Theodorakis durch Konzertreisen mit seiner Volksmusik den
Kampf gegen die Obristen wieder auf. Ihm ging es darum, die
Widerstandskräfte zu einen. Er machte deshalb weltweite Tourneen, während
denen er sich unermüdlich für die Wiederherstellung der Demokratie in
Griechenland einsetzte. Dadurch wurde er überall zum hochgeachteten
Symbol des Widerstandes gegen alle faschistischen Diktaturen. Seine
Konzerte werden auch zur Tribüne für die Proteste und Forderungen
anderer Menschen, die mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind:
Spanier, Portugiesen, Iraner, Kurden, Türken, Chilenen, Palästinenser.
1974,
nach dem Sturz der Diktatur, wurde Mikis Theodorakis bei seiner Rückkehr
nach Griechenland wie ein Volksheld gefeiert, doch bald gewann das gewöhnliche
politische Leben mit seinen Intrigen wieder die Oberhand. Der Komponist
schwankte während Jahren zwischen Resignation und immer neuem
Engagement, zwischen Einsatz im Parlament und freiwilligem Rückzug ins
innere Exil nach Paris, Ende der siebziger Jahre. Dort nahm er die
Arbeit an seinem symphonischen Schaffen nach zwanzig Jahren wieder auf,
schrieb frühere Werke um und gestaltete neue. Er verwirklichte
Symphonien, Kantaten, Kirchenmusikwerke im Geiste der
griechisch-orthodoxen Musik, komponierte neue Oratorien und wagte sich
schließlich erfolgreich an die Gattung der Oper heran.
Nach
dem von mutmaßlicher Korruption belasteten Ende der Ära des
sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Andreas Papandreou trat er,
nachdem er aus der kommunistischen Partei KKE ausgetreten war, sogar für
eine angebliche Erneuerung Griechenlands durch den umstrittenen
Politiker Konstantin Mitsotakis . Diesen Schritt hat Theodorakis später
ausdrücklich bereut und als Irrtum bezeichnet. Von Mitsotakis wurde er
als Unabhängiger Linker zum Staatsminister ohne Geschäftsbereich
ernannt. In dieser Eigenschaft setzte sich Theodorakis von 1990 bis 1992
insbesondere für eine Erneuerung des Erziehungswesens und der Kultur,
sowie gemeinsam mit dem berühmten türkischen Musiker und Sänger Zülfü
Livaneli, für eine Aussöhnung zwischen Griechen und Türken ein, was
ihm neue Feindschaften einbrachte. Danach hatte er für zwei weitere
Jahre das Amt eines Generalmusikdirektors des Symphonie-Orchesters und
Chores des Hellenischen Rundfunks und Fernsehens übernommen.
In
den neunziger Jahren arbeitete er hauptsächlich als Komponist, trat
aber wieder in die kommunistische Partei ein. 1998 wurde er für den
Friedensnobelpreisvorgeschlagen. Er greift auch heute immer wieder ein,
wenn die politischen Umstände dies von ihm verlangen, wie sein
energischer Protest gegen die Unterdrückung der Palästinenser und
gegen den Irak-Krieg zeigen.
HAUPTWERKE
VON MIKIS THEODORAKIS
1.
Liedzyklen:
Kinderlieder, Epitaphios, Epiphania, Archipelagos, Politia A, B, C und
D, Die Deserteure, Kleine Zykladen, Mauthausen, Romancero Gitano,
Meer-Monde, Sonne und Zeit, Zwölf populäre Lieder, Nacht des Todes,
Arkadien, Die Lieder des Kampfes, Die Lieder für Andreas, Achtzehn
kleine Lieder der bitteren Heimat, Balladen, In Anatolien, Die lyrischen
Lieder, Grüße, Der Reisende, Radar, Dionysos, Phädra, Kariotakis, Die
Gesichter der Sonne, Gedächtnis des Steines, Wie ein alter Wind, Leben
wir in einem anderen Land, Ein Meer voll mit Musik, Beatrice auf der
Straße Null, Asikiko Poulaki, Die noch lyrischeren Lieder (Lyrikotera),
Die allerlyrischsten Lieder (Lyrikotata), Serenaden.
2.
Musik für das Theater:
Das Lied vom toten Bruder, Eine Geisel, Feindliches Volk, Verratenes
Volk, Kapodistrias, Christopher Kolumbus, Perikles, Dieser Baum heisst
nicht Geduld, Die Wildheit des Stieres, Macbeth.
3.
Musik für die alten griechischen Tragödien:
Oresteia (Agamemnon, Choeophoren, Eumeniden), Antigone, Die Ritter,
Lysistrata, Prometheus gefesselt, König Ödipus, Hekuba, Hiketiden (Die
flehenden Frauen), Die Troerinnen, Die Phönizierinnen, Ajax...
4.
Musik für das Kino:
Zorba der Grieche, Z, Serpico, Iphigenia, Electra, The Day the Fish came
out (Als die Fische heraus kamen), Die Fünfte Offensive (Sutieska -
Tito), Biribi, Phädra, Belagerungszustand, Actas de Marusia.
5.
Oratorien:
Axion Esti, Margarita, Epiphania Averoff, Im Belagerungszustand, Marsch
des Geistes, Requiem, Canto General (Der große Gesang), Göttliche
Liturgie, Liturgie für Kinder in Kriegen getötet.
6.
Symphonische Werke und Kammermusik:
Symphonien Nr. 1, 2, 3, 4 und 7., Sadduzäerpassion, Canto Olympico,
Trio, Sextett, Das Fest Assi-Gonia, Der Kreis, Sonatine für Klavier,
Suiten Nr. 1, 2 und 3, Sonatinen Nr. 1 und 2 für Violine und Klavier, König
Oedipus, Klavierkonzert, Rhapsodie für Violoncello, Symphonietta,
Adagio, Rhapsodie für Gitarre.
7.
Ballette:
Carnaval, Los Amantes de Teruel., Antigone, Elektra, Zorba.
8.
Opern:
Karyotakis (Die Metamorphosen des Dionysos), Medea, Elektra, Antigone,
Lysistrata.
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